|
Experimental Theatre Foundation Pressestimmen |
| Westallgäuer Zeitung, 14.05.2003 | "Wo die Illusion traurige Wirklichkeit ist" (PDF, 118 KB) |
| Aus einem Brief von Akapacha Lindernberg e.V. | "Wir waren alle in jeder Hinsicht begeistert!" |
| Deine Welt - Zeitschrift des Deutsch-Indischen Dialogs 1/03 | "Theater über Leben" (PDF, 110 KB) |
| Bergsträßer Anzeiger, 13.06.2003 | "Die deutschen Familien sind jetzt meine Freunde!" (PDF, 489 KB) |
| Bergsträßer Anzeiger, BAnane 31.07.2003 | "Träume werden wahr" (PDF, 273 KB) |
|
Flüchtlinge - Das Theater als
Heilmittel für den Schmerz Yorman Antonia Camacho, ist 13 Jahre alt und kommt aus dem Chocó. Gemeinsam mit seiner Familie ist er von seinem Flecken Land wegen der Drohungen der Paramilitärs nach Bogotá geflohen. In Bogotá arbeitet er seine Geschichte auf liebenswerte Weise in einem Theaterstueck auf. Panquemao (angebranntes Brot), der schwarze Flüchtling, sagt, dass der Tod frei herumläuft. Und wenn er nach ihm fragen sollte, bittet er die Leute, zu sagen: "Ich kenne ihn nicht. Ich kenne ihn nicht." Der Schwarze hat einfach Glück. Dreimal hat er dem Tod ein Schnippchen geschlagen. Beim ersten Mal gewinnt er Zeit, um ein Fest zu feiern. Beim zweiten Mal entrinnt er einem Angriff der Paramilitärs und es gelingt ihm zu fliehen. Beim dritten Mal, bekommt er vom Tod das Leben zurück, nachdem ihn Schlägertrupps in seiner Pappkartonhütte auf dem von Flüchtlingen besetzten Land in Bogotá ermorden. Im Theaterstück "Der Tod ist los" spielt der 13jährige Yorman Antonio Camacho, der vor einem Jahr aus Playa de Oro im Chocó vertrieben wurde, die Rolle des "Schwarzen Panquemao". Er ist genauso wenig Schauspieler wie die anderen 12 Kinder im Stück, in dem Carlos Eduardo Satizabal von der Corporaciön Colombiana de Teatro Regie führt. Sie kommen aus dem Projekt Taller de Vida. Panquemao und die anderen Kinder ( 13 von ungefähr 300.000 Kindern und Heranwachsenden, die vor dem Krieg nach Bogotá geflohen sind) haben weder Geld für den Bus oder die Verpflegung. Manche allerdings sammeln Müll und es bleibt ihnen vielleicht gerade mal die Zeit, um in eine heruntergekommene Schule der Randviertel von Bogotá zu gehen. Allerdings konnte nur gut die Hälfte von ihnen nach der Vertreibung weiter in die Schule gehen. Panquemao lebt in Soacha und braucht zwei Stunden, um zu den Proben zu kommen. Trotzdem opfern sich die Kinder und Familien seit Februar jeden Samstag dazu auf, mit dem Theater den Menschen ihre Geschichte zu erzählen. Dank dem Schicksal! Das Theaterstück hat drei Grundaussagen, so der Regisseur: Dem Schicksal Dank zu sagen dafür, dass man noch lebt; die Notwendigkeit, solidarisch zu sein, wenn die bewaffneten kommen und mit der Liste in der Hand nach irgend jemanden fragen. Dann müssen alle sagen: "Den kenne ich nicht:" Und als drittes die Schutzlosigkeit anzuklagen, in der die Vertriebenen in den Städten leben. "Es ist ein Glück, am leben zu sein", sagt der Panquemao des wirklichen Lebens, sprich Yorman. Und er ist fest davon überzeugt, dass es das Schicksal ist, dass ihn nach den Massakern, die er überlebt hat, davor bewahrt hat, in der Versenkung zu verschwinden. In "Der Tod ist los" stirbt der Schwarze
just, als er ein Fest veranstalten will. Der Tod kommt, um ihn
mitzunehmen, doch der Schwarze spielt mit ihm Tarot... und gewinnt. Das
ist die erste Szene. Dann kommen die Paramilitärs und sagen zu den
Kindern, die im Stück Erwachsene darstellen: "Wir wollen keine
Spitzel mehr auf dieser Erde. Wenn ihr innerhalb einer Stunde nicht
verschwunden seid, machen wir Hackfleisch aus Euch." Panquemao
beschwert sich: "Wir sollen hier verschwinden? Das hier war schon
immer unser Land!". Die Paramilitärs zeigen auf seine schwangere
Frau und drohen: "Halt die Klappe, wenn Du nicht willst, dass wir
der Frau das Kind vor der Zeit aus dem Bauch holen." Lebend ziehen sie im Gänsemarsch davon, vom Land in die Stadt, die sie mit Abwehr und Kälte empfängt. Der Tod verfolgt sie. Panquemao wird noch einmal von Bewaffneten ermordet, die diesrnal anonym bleiben: Todesschwadronen. Der Grund: Er habe die Leute und mit ihnen die Landbesetzung organisiert. Aber klar, wer zweimal gewinnt, der gewinnt auch ein drittes Mal. Auf der Bühne sagt Panquemao: "Ich möchte wieder an einem Fluss leben, ich möchte in mein Dorf zurück. Hilf uns Gott, dieses Höllenfeuer zu löschen." Im wirklichen Leben, im Chocó, hatte der Schwarze das "Glück", das sein Vater, ein Schreiner nicht ermordet wurde, so wie zwei Nachbarn, die von den Paramilitärs geköpft wurden und deren Köpfe auf dem Geländer einer Brücke zurückgelassen wurden. Dieses Schreckensbild ist tief in der Erinnerung von Yorman verankert. Seine Familie floh. Playa de Oro blieb weit entfernt. "Panquemao" bleiben die Ängste: "Ich fürchte mich davor, dass ich all das verliere, was ich am meisten liebe." Artikel aus EI TIEMPO, Bogotá, 5.11.2000 |