Maiti Nepal
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Die Tourbegleiter
Die Gruppe
'SchülerInnen und LehrerInnen

 
Reich beschenkt
Die KinderKulturKarawane aus Sicht der beiden Tourbegleiter Corinne Burri & Gereon Wagener


„Das verstehe ich nicht“ sagte Dharma Laxmi „gerade habt ihr erklärt, dass man in Deutschland mit Messer und Gabel isst und nun nehmt ihr das Brötchen in die Hand!“ Spontan mussten wir lachen und erklärten, dass es durchaus ein paar Dinge gäbe, bei denen wir das Besteck wegließen und wie die Nepalis mit den Händen äßen. Diese Szene spielte sich Anfang Juni im Restaurant des Trekkers Holiday Inns in Kathmandu ab, in das wir die Gruppe im Rahmen der kulturellen Vorbereitung auf den nahenden Deutschlandbesuch eingeladen hatten. Wenn wir heute an diese Zeit zurückdenken, in der wir uns ein- bis zweimal pro Woche mit der Gruppe trafen, um den Mädchen Deutsch beizubringen und uns anderseits klarmachen, dass die Gruppe nunmehr bereits schon wieder seit Wochen zurück in Nepal ist, beschleicht uns ein Hauch von Wehmut.
In tiefer Dankbarkeit blicken wir auf die gemeinsame Zeit mit der Gruppe zurück und sind froh, sie auf ihrer fast siebenwöchigen Reise durch Europa begleitet zu haben. Es war ein Geschenk, die Freude der Mädchen, ihr Lachen und zum Teil sogar ihre Ausgelassenheit mitzuerleben, wissend, dass sie bereits ganz andere und für uns oftmals unvorstellbar dunkle Seiten des Lebens erleiden mussten. Besonders geschätzt haben wir, den freundschaftlichen und engen Kontakt mit der Gruppe. In über zwei bzw. fünf Jahren Zusammenarbeit mit Maiti Nepal war es für uns das erst Projekt, in dem wir direkt mit Betroffenen zusammengearbeitet haben.

Mehrfach wurden wir gefragt, wie die Mädchen wohl mit den vielen neuen Eindrücken umgingen und wie es ihnen in Deutschland gefiele. Fragte man sie direkt, antworteten sie zumeist mit „Dere ramro lagyo“ – es gefällt uns sehr gut. Es ist schwer zu sagen, was in ihren Köpfen vorging, als sie plötzlich auf der Autobahn von einem Ferrari überholt wurden und nach dem Preis dieses Wagens fragten. Anoop meinte, als er diesen nach einiger Zeit in Rupees umgerechnet hatte, dass man hiervon in Nepal zwei Häuser bauen könnte. Ein anderes Mal standen sie vor einem Juweliergeschäft und sahen im Schaufenster eine Uhr für € 9.890 ...

Wer die Gruppe über längere Zeit erlebt hat, brauchte nicht zu fragen, wie es den Mädchen ging. Ihre Gesichter und ihr ganzes Wesen verrieten es. Besonders spürbar wurde dies bei den Familienaufenthalten, wo sich die Mädchen besonders geborgen fühlten und wo innerhalb kurzer Zeit enge Freundschaften entstanden. Herrlich war es mitzuerleben, wie begeistert sie waren, als sie auf der Großglockner Hochalpenstraße das erste Mal in ihrem Leben Schnee berührten, als sie im Dorfhotel in Latschach zum ersten Mal in einen Swimmingpool sprangen oder als sie das erste Mal am Meer standen.

Eine ganz neue und wohltuende Erfahrung war, dass Menschen sie wertschätzten. Die Augen der Mädchen strahlten, als begeisterte Zuschauer ihnen nach den Aufführungen voller Anerkennung und mit tiefem Respekt applaudierten. Sie waren glücklich und stolz, wenn ihnen die Schüler in den Workshops gebannt zuschauten und sie diesen anschließend einzelne Tanzschritte beibringen durften. Menschen interessierten sich für ihr Leben, für ihre Herkunft, für ihre Kultur und ihr Land. Frauen, die lange Zeit ihres Lebens zu tun hatten, was man ihnen sagte, die zu erfüllen hatten was man von ihnen forderte wurden plötzlich nach ihrer Meinung gefragt. Zum Beispiel, was sie gerne in ihrer Freizeit machen würden. Es war so ungewohnt für einzelne, dass sie oft nicht einmal wussten, was sie antworten sollten. Wie sollten sie auch entscheiden, ob es schöner ist einen Zoo zu besuchen oder Schwimmen zu gehen, Pizza oder Nudeln zu essen?

Beendruckend war, wie sich die Gruppe immer wieder mit all dem Neuen zurechtfand, das auf sie einströmte. Immer wieder mussten sie an neuen Orten auftreten, sich auf neuen Bühnen zurechtfinden, lernten eine Vielzahl neuer Menschen kennen, übernachteten in unterschiedlichen Familien oder Jugendherbergen. Immer wieder stellten sie sich auf die neuen Gegebenheiten ein und nahmen diese mit einer bewundernswerten Gelassenheit hin.

Abschließend möchten wir uns bei all jenen bedanken, die dazu beigetragen haben, dass die Gruppe von Maiti Nepal nach Deutschland kommen und eine so fantastische und bereichernde Zeit erleben durfte. Danke für die Gastfreundschaft und Herzlichkeit, die uns als Gruppe entgegengebracht wurden!

Namaste & Dhanyebhad
Corinne Burri & Gereon Wagener

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„Mit der Aufführung wurde es mucksmäuschenstill“
Zitate von einladenden Gruppen, Teilnehmern an Workshops und Zuschauern


„Im Unterricht wurde darüber gewitzelt, ob man den fragen könne, wer eine Prostituierte gewesen ist. Solche ''Späße'' waren nicht lustig sondern zeigten sehr gut die Verunsicherung, wie man diesen jungen Frauen begegnen sollte. Aber als Maiti Nepal nach einer kurzen persönlichen Vorstellung, mit der Aufführung begann, wurde es mucksmäuschenstill. Denn obwohl die Schüler kein Wort verstanden, waren sie ergriffen und verstanden mit dem Herzen. In den Liedern ging es um die Schicksale und Träume der jungen Frauen. Die Aufführung der Betroffenen hatte eine sehr große Intensität. Man merkt, dass es einen Unterschied macht, ob Betroffene die Aufführung gestalten oder Leute die nicht direkt betroffen sind. (...) Zum Abschluss wünschen wir Maiti Nepal, dass sie weiterhin großen Erfolg haben, bei dem was sie tun. Den Mädchen wünschen wir, dass sie, egal welche Wege sie gehen werden, immer mit Hoffnung, Liebe, Zuversicht und einer positiven Einstellung gehen. Auch wenn der Weg nie endet und er steinig und steil ist.“
(Artikel aus Schülerzeitung des Angell-Gymnasiums von Florence Tafesse, Freiburg)

„Mit welcher Freunde, Engagement und Interesse die Nepalesinnen den weniger talentierten Workshopteilnehmern die Tanzschritte beibrachen, war beeindruckend. Ich denke im nachhinein, dass der Workshop gut für die Schule war, da er vielen Schülern den Missstand der verschiedenen Länder verdeutlicht hat während wir „in unserm Geld schwimmen“.
(Bericht von Samuel Glissmann, 9. Klasse, Rudolf Steiner Schule, Lüneburg)

„Der Besuch aller drei Gruppen, aber ganz besonders eurer Gruppe hat zu vielen Gesprächen und Diskussionen in meinem Religionsunterricht geführt. Es herrschte eindeutig die Meinung, das kann nicht alles gewesen sein! Diese Begegnung muss weiterreichen.“
(Brief von Barbara Kühl & Ingeborg Schuldt, Lehrerinnen an der Rudolf Steiner Schule Lüneburg)

„Nach dem Frühstück ging ich zu den Nepalesinnen. Während des Frühstücks und auch danach konnte man einen deutlichen Verhaltensunterschied zwischen den Nepalesinnen und den Kolumbianern bemerken. Während wir bei den Kolumbianern eine Gruppe von temperamentvollen Leuten trafen, begegnete man bei den Nepalesinnen ordentliche, gesittete Menschen. Auch beim Essen wurde dies deutlich. Die Kolumbianer tranken alle aus einem Glas, liefen herum und ließen zum Schluss ihr Geschirr stehen. Die Nepalesinnen hingegen saßen alle um ihren Tisch, aßen ordentlich, räumten als sie fertig waren ihren Tisch ab, wischten ihn sauber und setzten sich alle nebeneinander auf die Bank. Ich fand es schön, zwei so verschiedene Kulturen treffen zu können. Ich bin der Meinung, dass die Begegnung mit anderen, uns fremden Kulturen, der Grundbaustein für Menschen ohne Vorteile gegen Ausländer ist.“
(Artikel aus Schülerzeitung, Schülergruppe der 11. Klasse, Rudolf Steiner Schule, Lüneburg)

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„Ich habe beschlossen, in Zukunft mehr aus meinem Leben zu machen“
Zitate der TeilnehmerInnen

Was uns am besten gefallen & am meisten beeindruckt hat
„Alles war fantastisch, es war die schönste Zeit meines Lebens!“
Anoop  „Das Meer zu sehen.“ Dharma Laxmi  „Das erste Mal Schnee zu berühren.“ Mamta & Kabita  „Die Kirchen, die waren wunderschön. Vor allem die Malereien und die vielen Gottesfiguren.“ Pingaai  „Die ganze Umgebung, das System, der Tagesablauf und das Ausbildungssystem. Die Menschen lernen nicht nur wie wir durch Bücher. Sie machen Sport, lernen Kochen, es gibt Werkunterricht, Museen werden besucht, Ausflüge gemacht.“ Sushila  „Auch wenn es schrecklich deprimierend war, so bin ich doch sehr froh, dass wir das KZ von Dachau gesehen haben. Keiner konnte sich vorstellen, was da passiert ist. Die meisten von uns, die die Schule besucht haben, hatten zwar davon gehört, doch es zu sehen ist etwas ganz anderes. Wir haben die Wahrheit gesehen. Ich habe erkannt, wie wichtig Geschichte ist und würde gerne noch mehr darüber erfahren. Für mich war dies die beeindruckendste Erfahrung. Lila  „Am stärksten hat mich der Besuch des Konzentrationslagers beeindruckt. Ich interessiere mich für Geschichte. Hier habe ich begriffen, wie die Hitlerzeit wirklich war.“ Laxmi

Der schönste Ort
„Das Schloss in Schwerin. Vor allem, dass wir da Mittagessen duften.“
Dharma Laxmi & Pingaai  „Das Märchenschloss“ (Schloss Neuschwanstein) Deepa  „Mir hat München am besten gefallen, vor allem das Olympiastadion. Das hatten wir bisher immer nur im Fernsehen gesehen.“ Anoop  „Die große Kirche in Köln und die beiden mit den vielen Engeln.“ (Wieskirche und Birnau) Mamta  „Das IMAX-Kino. Ich hatte das Gefühl, mitten im Film zu sein.“ Lila  „Das Hundertwasserhaus“ (in Darmstadt) Laxmi  „Erzhausen, weil es der erste Ort war, wo wir angekommen sind und weil es wie ein Zuhause für uns war.“ Meena

Was in Deutschland anders ist
„Hier kannst du das werden und machen, was du wirklich willst. Keiner redet dir rein. Gerne würde ich in Deutschland Krankenschwester werden.“
Laxmi  „In unserer Kultur sind wir nicht so frei. Vieles wird durch die Eltern bestimmt. Hier bestimmen nicht die Eltern, wen und wann man heiratet. Du kannst deinen Freund heiraten, wenn du es willst.“ Sushila  „Das Essen war ungewohnt. Vor allem bei dem trockenen Brot hatte ich das Gefühl, dass meine Haut im Mund abfallen würde.“ Mamta  „Die Beziehung zu den Nachbarn. Die kommen nur, wenn sie eingeladen sind. Sie können nicht einfach so vorbeikommen. Das ist bei uns ganz anders. Lila  „Es gibt so viele Unterschiede, wo man nur hinschaut. Angefangen von der Kleidung, dem Essen, dem Lebensstandard bis hin zur Freizügigkeit der Menschen. Was immer sie tun möchten, tun sie. Wir könnten niemals mit einem Freund Arm in Arm durch die Straße laufen. Mir gefällt es einerseits, andererseits bin ich in einer anderen Kultur großgeworden, ich könnte es nicht!“ Lila  „Das Essen ist ganz anders. Nicht besser oder schlechter, anders. Für euch ist euer Essen gut, für uns unseres. Dies hängt von der Kultur ab. Von meinem religiösen Standpunkt aus solltet ihr kein Rindfleisch essen.“ Lila  „Alles war neu für mich, wo soll ich beginnen?“ Kabita  „Die Menschen sind viel freier als wir. Sie können nachts ausgehen so lange sie möchten. Das wäre bei uns undenkbar. Auch die Eltern sind nicht so streng wie bei uns.“ Kabita  „Die Autos machen nicht so einen Lärm und die Luftverschmutzung ist nicht so schlimm.“ Dharma Laxmi

Was uns nicht so gut gefallen hat
„Geld spielt eine große Rolle. Den Menschen scheint Geld sehr wichtig zu sein. Sie scheinen sich Sorgen zu machen um das Geld.“
Anoop  „Die direkte Art vieler Menschen ist mir aufgefallen. Wenn sie etwas nicht mögen, sagen sie es sofort. Das ist bei uns anders.“ Anoop  „Die Kinder leben von ihren Eltern getrennt. Sie haben schon früh ihre eigene Wohnung. Die alten Menschen leben allein in diesen Altersheimen. So etwas gibt es in Nepal ist. Das finde ich sehr traurig. Die Eltern tun so viel für uns während unserer Kindheit und es ist unsere Pflicht und Verantwortung. für sie da zu sein und sie zu versorgen wenn sie einmal alt sind.“ Lila  „Die Menschen sind sehr mit sich selbst beschäftigt. Sie kümmern sich nicht so um andere.“ Dharma Laxmi  „In Nepal sprechen die Menschen miteinander mit mehr Respekt. Auch in den Familien. Dies ist hier ganz anders. Dies hat mir nicht so gut gefallen.“ Meena  „Nichts, mir hat alles gut gefallen.“ Pingaai & Laxmi  „Ich habe den Respekt in der Sprache der Menschen nicht fühlen können.“ Deepa  „Die Kleidung der Frauen. Sie wollen zeigen, dass sie schlank sind und tragen enge und sehr körperbetonte Sachen.“ Deepa 

Was wir gelernt haben
„Ich möchte unabhängig werden und mein eigenes Geld verdienen. Ich habe beschlossen, in Zukunft mehr aus meinem Leben zu machen. Ich werde mich nicht mehr mit unwichtigen Dingen beschäftigen.“
Sushila  „Ich habe gelernt, dass die Älteren nicht so streng mit den Kindern umgehen und sie schlagen sollten. Wenn ich nach Nepal zurückkomme, werde ich den Kleineren zeigen, was gut und nicht so gut ist, ohne sie zu schlagen.“ Meena  „Die Zeit spielt eine große Rolle in Deutschland. Jeder hat eine Uhr, überall hängen Uhren, auch an Videorekorder, Stereoanlage und Mikrowellenherd leuchtet die Uhrzeit. Die Zeit erscheint kostbarer. Wir in Nepal sollten uns dessen bewusst sein. Ich selbst werde in Zukunft darauf achten, immer pünktlich zu sein. “ Kabita  „Unser Land sollte auch so entwickelt sein wie Deutschland.“ Pingaai  „Ich habe gelernt, was es heißt, unabhängig zu leben. Ich habe das von Sabine gelernt, die trotz ihrer starken Behinderung alleine lebt. Sie schafft es, weil sie es will. Ich habe viel von ihr gelernt!“ Lila  „Wenn ich einmal verheiratet bin, möchte ich meinen Kindern die Freiheit geben, ihre eigenen Erfahrungen zu machen.“ Lila  „Wenn ich die Menschen hier sehe, habe ich das Gefühl, dass auch wir freier leben sollten. Wenn du etwas nicht tun möchtest, dann sollte es ok sein, es nicht zu tun.“ Kabita  „Ich habe unendlich viel Neues gelernt und habe erkannt, wie unterschiedlich unsere Länder sind.“ Deepa

Danke für alles
„Vielen, vielen Dank für alles!“
Chiring  „Danke für die Zeit, die ihr uns geschenkt habt, für die Liebe, Fürsorge und für die große Möglichkeit, mehr über eure Kultur zu lernen. Danke, dass ihr uns die Chance gegeben habt, euch näherzukommen.“ Lila  „Obwohl uns die Menschen nicht kannten, waren sie für uns da und haben uns so viel gegeben. Vielen Dank!“ Mamta  „Die Menschen hier waren sehr nett zu uns. Sie haben uns in ihren Familien aufgenommen wie eigene Kinder. Dafür möchte ich mich bei allen bedanken! Pingaai  „Alles, wirklich alles, hat mir gut gefallen. Ich danke euch!“ Dharma Laxmi  „Wir sind sehr glücklich, dass wir hierher kommen durften und so viel über euer Land und die Menschen lernen konnten. Ich würde mich freuen, wenn wir noch einmal wiederkommen könnten. Vielen Dank!“ Sushila  „Danke, in so kurzer Zeit habt ihr uns so viel geschenkt. Ihr habt uns behandelt, wie eure eigenen Kinder. Danke auch für eure Herzlichkeit. Wir kamen als Fremde und gehen als Freunde.“ Deepa  „Am meisten danke ich den Familien, die uns aufgenommen haben. Hier haben wir so viel gelernt. In den Jugendherbergen haben wir nur geschlafen!“ Laxmi  „Mein Schicksal hat gewollt, dass ich hierher kommen und so viele Menschen kennenlernen konnte. Ich bin sehr glücklich, euch alle getroffen zu haben.“ Laxmi

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