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Das traditionelle thailändische Theater
Traditionelles thailändisches Theater setzt sich aus sechs verschiedenen
Theaterformen zusammen. Khon ist ein Tanz-Drama mit kunstvollen
Masken, das Szenen aus dem Ramakian
spielt und ursprünglich nur auf dem
königlichen Hof aufgeführt wurde. Lakhon bezeichnet
unterschiedliche Formen von Tanz-Dramen sowie westlich orientiertes
Theater, die außerhalb des Hofes aufgeführt wurden. Li-khe ist
Volkstheater, das zum Teil improvisiert wird und Tanz, Musik, Melodrama
und Komödie beinhaltet. Manohra ist das Pendant aus dem Süden
Thailands zu li-khe und beruht auf einer 200 Jahre alten
indischen Geschichte. Das nang und lakhon lek sind
traditionelle Puppenspiel-Theaterformen.
khon:
In khon-Aufführungen werden vier verschiedene Charaktertypen
dargestellt: Männer, Frauen, Affen und Dämonen. Dabei tragen die Affen
und Dämonen besonders kunstvoll angefertigte Masken und Kopfbedeckungen.
Alle Schauspieler sind männlich.
Khon-Aufführungen
sind sehr kostspielig – Ravanas Gefolge allein besteht bereits aus über
einhundert Dämonen, alle mit unterschiedlichen Masken (Ravana ist der
große Schurke aus Ramakian ).
Vielleicht aus dem Grund, dass khon ursprünglich auf den
königlichen Hof beschränkt war und deshalb nie wirklich eine Bedeutung
für das Volk bekam, stand diese Theaterform in Thailand kurz vor dem
Aussterben. Bangkoks Nationaltheater war einst der einzige Ort, an dem
khon regelmäßig vor Publikum aufgeführt wurde. Mittlerweile
werden auch im Chalerkrung Royal Theatre wöchentlich khon-Stücke
aufgeführt.
Die
Szenen des traditionellen khon (und lakhon) stammen aus
dem Ramayana
, die klassische Erzählung einer langen und
abenteuerlichen Reise, die Parallelen aufweist zum griechischen Epos
„Die Odysseee“und der griechische Mythos von Jason und die
Argonauten. Die zentrale Handlung dreht sich um den Prinzen Rama
und seine Suche nach seiner Geliebten, der Prinzessin Sita, die von dem
zehnköpfigen Dämon Ravana entführt wurde und sich nun auf der Insal
Ranka befindet. Rama bekommt bei seiner Suche und im Kampf Beistand von
dem Affengott Hanuaman und von einem Heer mythischer Wesen, die zur
Hälfte Tier und zur Hälfte Mensch sind.
lakhon:
Lakhon nai(innerer
lakhon) wurde ursprünglich für den niedrigen Adel von weiblichen
Gruppen aufgeführt. Heutzutage ist diese Theaterform noch mehr in
Vergessenheit geraten als khon.
Zusätzlich zu Szenen aus Ramakian stellen
lakhon nai-Stücke auch traditionelle thailändische Volkserzählungen
dar. Der Text wird in lakhon nai Aufführungen immer gesungen.
Lakhon nawk
(äußerer lakhon) hat nur Volkserzählungen zum Inhalt, die in einer
Mischung von Gesang und gesprochenem Text dargestellt werden, manchmal
auch durch Improvisation. Sowohl männliche als auch weibliche Darsteller
sind erlaubt. Auch diese Theaterform wird immer seltener.
Bekannter ist lakhon chatrii, ein schnelles Tanzdrama, das
hauptsächlich zum Anlass von Tempelfesten im Landesinnern oder an
heiligen Stätten aufgeführt wird. Chaitrii wurde durch das
manohra Theater aus dem Süden Thailands beeinflusst.
Lakhon phuut
(sprechendes lakhon) ähnelt dem westlichen Theater nach
greichischem Modell – alle Dialoge werden gesprochen. Diese ist die
modernste thailändischeTheaterform, wie auch die beliebteste in den
Städten und größeren Orten.
li-khe
In ländlichen Gebieten und kleinen Städten Thailands ist li-khe
die beliebteste Theaterform.
Es wird vermutet, dass li-khe von arabischen und malaiischen
Händlern nach Südthailand gebracht wurde. Das erste li-khe Stück
wurde von einer Gruppe muslimischer Thais für Rama V.(1891.1910) in
Bangkok aufgeführt, anlässlich des Begräbnisses der Königin Sunantha.
Li-khe erlangte unter Rama VI. große Popularität, die bis heute
anhält.
Meist wird li-khe von umherreisenden Theatergruppen auf großen
Festen aufgeführt. Die Aufführungen sind eine bunte Mischung aus
ausgefallenen Kostümen, Volksmusik und klassischer Musik, Melodrama,
Slapstick, sexuellen Andeutungen und aktuellen politischen und
gesellschaftlichen Themen.
Die
hoch idiomatischen und kulturspezifischen Sprache und Gesten sind für „Farangs“
(Ausländer) nur sehr schwer verständlich, selbst für diejenigen, die
fließend Thai sprechen.
Die meisten li-khe-Aufführungen beginnen mit einem awk khaek,
einem Prolog, in dem ein Darsteller in einem malaiischen Kostüm dem
Lehrer der Gruppe huldigt und eine kurze Zusammenfassung des Stückes
erzählt.
manohra
Manohra,
auch als nora bekannt, ist eine Theaterform des Südens Thailands,
die dem li-khe sehr nahekommt. Es ist das älteste thailändische
Tanz-Drama, das es noch gibt. Die Handlung hat einige Parallelen zum
Ramayana. Der Protagonist, Prinz Suthon bricht auf um die entführte
Prinzessin Manhora zu retten, die eine kinnari oder auch
„Vogelfrau“ ist. Wie im li-khe werden auch hier lustige Reime
improvisiert. Auf örtlichen Festen gibt es unter den nora-Künstlern
sogar Wettkämpfe, um den besten Sprücheklopfer zu ermitteln.
nang
Nang
ist ein Schatten-Puppenspiel, in dem zweidimensionale Figuren zwischen
einer Stoffleinwand und einer Lichtquelle bewegt werden. Diese
Aufführungen finden nach Anbruch der Dunkelheit statt und sind bereits
seit fünf Jahrhunderten eine süd-ost-asiatische Tradition. Ursprünglich
wurde diese Form des Puppentheaters von Händlern aus dem Nahen Osten auf
die malaiische Halbinsel gebracht. Die Technik hat sich anschließend
über ganz Südostasien verbreitet. In Thailand wird nang
hauptsächlich im Süden aufgeführt. Ebenso wie in Malaysia und Indonesien
werden die thailändischen Handpuppen aus getrockneter Büffel- oder
Rinderhaut hergestellt (diese heißen auf Thai nang).
Es gibt heutzutage noch zwei traditionelle Schattenspiel-Arten in
Thailand. Die bekannteste von beiden ist nang thalung, die nach
der Provinz Phattalung benannt ist, in der sich das Schattenspiel nach
malaiischem Vorbild entwickelt hat.
Die Schattenspiel-Puppen stellen verschiedene Charaktere des klassischen
Dramas und des Volksdramas in Thailand, hauptsächlich aus dem
Ramakian und Phra Aphaimani. Ein einziger Puppenspieler
bewegt die Puppen, die an Griffen aus Büffelhorn befestigt sind.
Die zweite Schattenspiel-Art, nang yai, verwendet wesentlich
größere Puppen. Diese sind an zwei hölzernen Stangen befestigt, die von
einem Puppenspieler gehalten werden. Mehrere Puppenspieler, meist
Männer, wirken an einer Aufführung mit. Heutzutage wird nang yai
kaum noch aufgeführt, da es immer weniger ausgebildete nang-Puppenspieler
gibt und weil die Puppen auch sehr teuer sind. Die meisten nang yai-Puppen,
die heute noch produziert werden, werden an Touristen oder an
Dekorateure verkauft.
lakhon lek
Wie
khon war auch
lakhon lek (auch
hun luang oder „königliche
Marionetten“) genannt, ursprünglich nur für Aufführungen des königlichen
Hofes bestimmt. Meterhohe Puppen aus
koi-Papier und Draht, mit kunstvollen
Kostümen geschmückt, werden dazu benutzt, ähnliche Themen, Musik und
Tanz darzustellen wie im khon.
Es werden zwei Puppenspieler benötigt, um Arme, Beine, Hände, sogar
Finger und Augen jeder Puppe mit Hilfe von Drähten, die an zwei langen
Stangen befestigt sind, bewegen zu können. Die Geschichten stammen aus
thailändischen Volkserzählungen, besonders aus
Phra Aphaimani und gelegentlich aus dem
Ramakian.
Hun luang
wird mittlerweile nicht mehr aufgeführt, da die
Puppenspiel-Technik und die Kunstfertigkeit des Herstellen der Puppen
verlorengegangen sind.
Die Puppen selbst
haben einen hohen Sammlerwert. Das Bangkok National Museum besitzt nur
ein Exemplar.
Ein kleinerer Typ dieser Puppen,
hun lek (kleine Marionetten), die
ungefähr 30cm groß sind, werden noch gelegentlich für Aufführungen
benutzt.
Eine andere thailändische Puppenspielart ist
hun krabok, deren Puppen aus Holz
geschnitzt sind. Diese werden noch hergestellt und für Aufführungen
verwendet.
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