Makhampom:
Theaterformen in Thailand


Das traditionelle thailändische Theater
[1]

Traditionelles thailändisches Theater setzt sich aus sechs verschiedenen Theaterformen zusammen. Khon ist ein Tanz-Drama mit kunstvollen Masken, das Szenen aus dem Ramakian[2] spielt und ursprünglich nur auf dem königlichen Hof aufgeführt wurde. Lakhon bezeichnet unterschiedliche Formen von Tanz-Dramen sowie westlich orientiertes Theater, die außerhalb des Hofes aufgeführt wurden. Li-khe ist Volkstheater, das zum Teil improvisiert wird und Tanz, Musik, Melodrama und Komödie beinhaltet. Manohra ist das Pendant aus dem Süden Thailands zu li-khe und beruht auf einer 200 Jahre alten indischen Geschichte. Das nang und lakhon lek sind traditionelle Puppenspiel-Theaterformen.

khon:
In khon-Aufführungen werden vier verschiedene Charaktertypen dargestellt: Männer, Frauen, Affen und Dämonen. Dabei tragen die Affen und Dämonen besonders kunstvoll angefertigte Masken und Kopfbedeckungen.
Alle Schauspieler sind männlich.

Khon-
Aufführungen sind sehr kostspielig – Ravanas Gefolge allein besteht bereits aus über einhundert Dämonen, alle mit unterschiedlichen Masken (Ravana ist der große Schurke aus Ramakian ).

Vielleicht aus dem Grund, dass khon ursprünglich auf den königlichen Hof beschränkt war und deshalb nie wirklich eine Bedeutung für das Volk bekam, stand diese Theaterform in Thailand kurz vor dem Aussterben. Bangkoks Nationaltheater war einst der einzige Ort, an dem khon regelmäßig vor Publikum aufgeführt wurde. Mittlerweile werden auch im Chalerkrung Royal Theatre wöchentlich khon-Stücke aufgeführt.

Die Szenen des traditionellen khon (und lakhon) stammen aus dem Ramayana[3] , die klassische Erzählung einer langen und abenteuerlichen Reise, die Parallelen aufweist zum griechischen Epos „Die Odysseeeund der griechische Mythos von Jason und die Argonauten. Die zentrale Handlung dreht sich um den Prinzen Rama und seine Suche nach seiner Geliebten, der Prinzessin Sita, die von dem zehnköpfigen Dämon Ravana entführt wurde und sich nun auf der Insal Ranka befindet. Rama bekommt bei seiner Suche und im Kampf Beistand von dem Affengott Hanuaman und von einem Heer mythischer Wesen, die zur Hälfte Tier und zur Hälfte Mensch sind.

lakhon:
Lakhon nai
(innerer lakhon) wurde ursprünglich für den niedrigen Adel von weiblichen Gruppen aufgeführt. Heutzutage ist diese Theaterform noch mehr in Vergessenheit geraten als khon. Zusätzlich zu Szenen aus Ramakian stellen lakhon nai-Stücke auch traditionelle thailändische Volkserzählungen dar. Der Text wird in lakhon nai Aufführungen immer gesungen.
Lakhon nawk
(äußerer lakhon) hat nur Volkserzählungen zum Inhalt, die in einer Mischung von Gesang und gesprochenem Text dargestellt werden, manchmal auch durch Improvisation. Sowohl männliche als auch weibliche Darsteller sind erlaubt. Auch diese Theaterform wird immer seltener.

Bekannter ist lakhon chatrii, ein schnelles Tanzdrama, das hauptsächlich zum Anlass von Tempelfesten  im Landesinnern oder an  heiligen Stätten aufgeführt wird. Chaitrii wurde durch das manohra Theater aus dem Süden Thailands beeinflusst.
Lakhon phuut
(sprechendes lakhon) ähnelt dem westlichen Theater nach greichischem Modell – alle Dialoge werden gesprochen. Diese ist die modernste thailändischeTheaterform, wie auch die beliebteste in den Städten und größeren Orten.

li-khe
In ländlichen Gebieten und kleinen Städten Thailands ist li-khe die beliebteste Theaterform.
Es wird vermutet, dass li-khe von arabischen und malaiischen Händlern nach Südthailand gebracht wurde. Das erste li-khe Stück wurde von einer Gruppe muslimischer Thais für Rama V.(1891.1910) in Bangkok aufgeführt, anlässlich des Begräbnisses der Königin Sunantha. Li-khe erlangte unter Rama VI. große Popularität, die bis heute anhält.
Meist wird li-khe von umherreisenden Theatergruppen auf großen Festen aufgeführt. Die Aufführungen sind eine bunte Mischung aus ausgefallenen Kostümen, Volksmusik und klassischer Musik, Melodrama, Slapstick, sexuellen Andeutungen und aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen.

Die hoch idiomatischen und kulturspezifischen Sprache und Gesten sind für „Farangs“ (Ausländer) nur sehr schwer verständlich, selbst für diejenigen, die fließend Thai sprechen.
Die meisten li-khe-Aufführungen beginnen mit einem awk khaek, einem Prolog, in dem ein Darsteller in einem malaiischen Kostüm dem Lehrer der Gruppe huldigt und eine kurze Zusammenfassung des Stückes erzählt.

manohra
Manohra
, auch als nora bekannt, ist eine Theaterform des Südens Thailands, die dem li-khe sehr nahekommt. Es ist das älteste thailändische Tanz-Drama, das es noch gibt. Die Handlung hat einige Parallelen zum Ramayana. Der Protagonist, Prinz Suthon bricht auf um die entführte Prinzessin Manhora zu retten, die eine kinnari oder auch „Vogelfrau“ ist. Wie im li-khe werden auch hier lustige Reime improvisiert. Auf örtlichen Festen gibt es unter den nora-Künstlern sogar Wettkämpfe, um den besten Sprücheklopfer zu ermitteln. 

nang
Nang
ist ein Schatten-Puppenspiel, in dem zweidimensionale Figuren zwischen einer Stoffleinwand und einer Lichtquelle bewegt werden. Diese Aufführungen finden nach Anbruch der Dunkelheit statt und sind bereits seit fünf Jahrhunderten eine süd-ost-asiatische Tradition. Ursprünglich wurde diese Form des Puppentheaters von Händlern aus dem Nahen Osten auf die malaiische Halbinsel gebracht. Die Technik hat sich anschließend über ganz Südostasien verbreitet. In Thailand wird nang hauptsächlich im Süden aufgeführt. Ebenso wie in Malaysia und Indonesien werden die thailändischen Handpuppen aus getrockneter Büffel- oder Rinderhaut hergestellt (diese heißen auf Thai nang).
Es gibt heutzutage noch zwei traditionelle Schattenspiel-Arten in Thailand. Die bekannteste von beiden ist nang thalung, die nach der Provinz Phattalung benannt ist, in der sich das Schattenspiel nach malaiischem Vorbild entwickelt hat.
Die Schattenspiel-Puppen stellen verschiedene Charaktere des klassischen Dramas und des Volksdramas in Thailand, hauptsächlich aus dem Ramakian und Phra Aphaimani. Ein einziger Puppenspieler bewegt die Puppen, die an Griffen aus Büffelhorn befestigt sind.
Die zweite Schattenspiel-Art, nang yai, verwendet wesentlich größere Puppen. Diese sind an zwei hölzernen Stangen befestigt, die von einem Puppenspieler gehalten werden. Mehrere Puppenspieler, meist Männer, wirken an einer Aufführung mit. Heutzutage wird nang yai kaum noch aufgeführt, da es immer weniger ausgebildete nang-Puppenspieler gibt und weil die Puppen auch sehr teuer sind. Die meisten nang yai-Puppen, die heute noch produziert werden, werden an Touristen oder an Dekorateure verkauft.

lakhon lek
Wie khon war auch lakhon lek (auch hun luang oder „königliche Marionetten“) genannt, ursprünglich nur für Aufführungen des königlichen Hofes bestimmt. Meterhohe Puppen aus koi-Papier und Draht, mit kunstvollen Kostümen geschmückt, werden dazu benutzt, ähnliche Themen, Musik und Tanz darzustellen wie im khon. Es werden zwei Puppenspieler benötigt, um Arme, Beine, Hände, sogar Finger und Augen jeder Puppe mit Hilfe von Drähten, die an zwei langen Stangen befestigt sind, bewegen zu können. Die Geschichten stammen aus thailändischen Volkserzählungen, besonders aus Phra Aphaimani und gelegentlich aus dem Ramakian.

Hun luang
wird mittlerweile nicht mehr aufgeführt, da die Puppenspiel-Technik und die Kunstfertigkeit des Herstellen der Puppen verlorengegangen sind.
Die Puppen selbst haben einen hohen Sammlerwert. Das Bangkok National Museum besitzt nur ein Exemplar.
Ein kleinerer Typ dieser Puppen, hun lek (kleine Marionetten), die ungefähr 30cm groß sind, werden noch gelegentlich für Aufführungen benutzt.
Eine andere thailändische Puppenspielart ist
hun krabok, deren Puppen aus Holz geschnitzt sind. Diese werden noch hergestellt und für Aufführungen verwendet.
 

[1] Quelle: www.chiangmaihandicrafts.com/thaiculture/ThailandLocalCulture/maintlc.htm
[2] Ramakian: berühmtestes und einflussreichstes Werk der thailändischen klassischen Literatur.
[3] Ramayana: die indische Quelle des Ramakian, die vor 900 Jahren mit den Khmers nach Thailand kam. Die Thais schufen jedoch ihre eigene Version des Epos, das erstmals während der Herrschaft Rama I. (1782-1809) niedergeschrieben wurde.