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Statistische Daten
Fläche: (Weltrang: 5) 8 547 404 qkm;
Einwohner: (Weltrang: 5) 167 967 000 = 19,7 je qkm; Hauptstadt:
Brasília, 2 043 169 Einwohner; Amtssprache: Portugiesisch;
Bruttosozialprodukt: 1999 je Einw. 4350 $; Währung: 1 Real (R$)
= 100 Centavos; Nationalfeiertag: 7.September; Landesstruktur:
26 Bundesstaaten und Hauptstadt - Bundesdistrikt; Politisches
System: Bundesrepublik seit 1988; Verfassung von 1988 mit
Änderungen, zuletzt 1997 Parlament (Congresso Nacional):
Abgeordnetenhaus (Câmara dos Deputados) mit 513 für 4 Jahre gewählten und
Senat (Senado Federal) mit 81 für 8 Jahre gewählten Mitgliedern
(Teilwahlen nach 4 Jahren von 1/3, nach weiteren 4 Jahren von 2/3 der
Senatoren); Direktwahl des Staatsoberhauptes alle 4 J. (einmalige
Wiederwahl); Wahlpflicht von 18–69 J. (wahlberechtigt ab 16 J.).
Armut
und die Kluft zwischen Arm und Reich sind in Brasilien besonders eklatant.
1989 verfügten die einkommensstärksten 10% der Haushalte über 51,3% aller
Haushaltseinkommen, also die Hälfte entfiel auf einen Zehntel der
Betroffenen. Entsprechend ungerecht sah das untere Ende der
Einkommensskala aus: dort teilten sich insgesamt 40% der Haushalte in
gerade mal 7% der Gesamteinkünfte.
Entsprechend hoch ist auch der Durchschnittswert für den in «absoluter
Armut» lebenden Bevölkerungsanteil: für die 80er Jahre mit 47% und für
1994 mit 40% (Fischer Weltalmanach 1997). Entsprechend ausgeprägt sind
auch andere Merkmale eines von Unterentwicklung charakterisierten Landes,
z.B. im Vergleich mit Angaben für Deutschland (in Klammern):
Analphabetenrate 17% (unter 5%); Kinderarbeit, betreffend die unter
14jährigen 1,4 Mio. (keine Angaben für Deutschland); Säuglings- bzw.
Kindersterblichkeit 5,1% bzw. 6,1% (0,6 bzw 0,7%).
Ausführliche Informationen zu Brasilien findet man unter:
http://www.dse.de/za/lis/brasil/homepage.htm
http://www.topicos.de/InfoBrasil.html
http://www.forum-brasilien.de/informationen/landeskunde/landeskunde.html
Chronik: Brasilien
Protest gegen Armut
An der seit 1995 von der katholischen Kirche am
brasilianischen Unabhängigkeitstag organisierten Protestveranstaltung
nehmen am 7.9.1999 landesweit mehrere hunderttausend Demonstranten teil,
80 000 davon allein im Wallfahrtsort Aparecida im Bundesstaat São Paulo.
Der Protest richtet sich vor allem gegen die neoliberale Wirtschafts- und
Sozialpolitik der Regierung unter Präsident Fernando Henrique Cardoso,
welche einen enormen Anstieg der Arbeitslosenquote zur Folge hat. Die
Aktionen stehen aber auch im Zusammenhang mit der weltweiten Kampagne
«Erlassjahr 2000», die zum Jahrtausendwechsel einen Schuldenerlass für die
ärmsten Länder der Welt erreichen will. Den Kundgebungen haben sich die
Gewerkschaften, die Bewegung der Landlosen, der Movimiento dos Sem Terra
(MST) sowie verschiedene Bürgerbewegungen und die linken
Oppositionsparteien angeschlossen.
Einem Streikaufruf des brasilianischen Gewerkschaftsdachverbandes (CUT)
folgen am 10.11. erneut hunderttausende, um gegen die Wirtschafts- und
Sozialpolitik der Regierung sowie die zunehmende Massenarbeitslosigkeit zu
demonstrieren. Etwa 43 Mio. Brasilianer, d.h. 28% der Gesamtbevölkerung,
leben in extremer Armut.
Wirtschaft
Durch rigorose Sparmassnahmen, insbesondere im Sozialbereich, und
drastische Steuer- und Abgabenerhöhungen gelingt es der Regierung Cardoso
1999, die Auflagen des Internationalen Währungsfonds (IWF) hinsichtlich
der Haushaltskonsolidierung zu erfüllen. Bis zum 12.4.2000 zahlt Brasilien
insgesamt 10,3 Mrd. US-$ an Notkrediten vorzeitig zurück. Nachdem die für
die Privatisierung von
Staatsunternehmen zuständige Behörde, der Conselho Nacional de
Desestatização, Ende Februar 2000 die Abgabe der bisher in Staatshand
befindlichen Aktienmehrheit an der Erdölgesellschaft Petrobras genehmigt,
stimmt am 24.5.2000 auch der Wirtschaftsausschuss des brasilianischen
Senats dem Verkauf von Petrobras - Anteilen im Wert von rund acht Mrd.
Real (knapp fünf Mrd. EUR schliesslich zum Abbau der Bundesschuld
verwendet werden. Der Handelsstreit mit Argentinien kann nach Monaten
zäher Verhandlungen beigelegt werden.
Drogenbekämpfung, organisierte Kriminalität und
Korruption
Die Regierungen von Brasilien und Peru unterzeichnen am 28.9.1999 in Lima
ein Kooperationsabkommen, das ein koordiniertes Vorgehen im Kampf gegen
die Drogenmafia ermöglichen soll. Der «Untersuchungsausschuss
Drogenhandel» (CPI) des brasilianischen Parlaments dokumentiert in seinem
Anfang November 1999 vorgelegten Bericht die Aktivitäten mehrerer
Rauschgifthändler- und Geldwäscherringe in 16 brasilianischen
Bundesstaaten und deckt die Verwicklung von 150 Politikern, Richtern und
Unternehmern in Korruptionsgeschäfte im Zusammenhang mit dem Drogenhandel
auf. Der Jahresumsatz des grössten Verbrecher - Syndikats mit Hauptsitz in
Campinas im Bundesstaat São Paulo wird auf umgerechnet 5,1 Mrd. EUR
geschätzt. Auch der Fall des wegen Korruption im Jahre 1992 abgesetzten
Ex-Präsidenten Fernando Collor de Mello zieht immer weitere Kreise, weil
mehr und mehr die tief greifende Verstrickung von Angehörigen der
politischen und gesellschaftlichen Führungsschicht Brasiliens in den
Skandal deutlich wird.
Nachdem es zu erheblichen Spannungen zwischen den Militärs und
Verteidigungsminister Elcio Alvares gekommen war, legt dieser am 18.1.2000
ohne Angabe von Gründen sein Amt nieder. Zu seinem Rücktritt dürften auch
die gegen ihn erhobenen Vorwürfe beigetragen haben, er sei während seiner
Zeit als Gouverneur des Bundesstaates Espírito Santo in die organisierte
Kriminalität verwickelt gewesen. Neuer Verteidigungsminister wird der
bisherige Generalstaatsanwalt Geraldo Quintão. Der ebenfalls unter
Korruptionsverdacht stehende Bürgermeister von São Paulo, Celso Pitta,
wird Ende März 2000 wegen unredlicher Amtsführung und Missbrauchs von
Staatsgeldern letztinstanzlich zur Zahlung eines Bussgeldes sowie mit dem
Entzug des passiven Wahlrechts für acht Jahre bestraft.
Am 26.8. wird ein internationaler Haftbefehl gegen Richter Nicolau dos
Santos ausgestellt; ihm wird vorgeworfen, im Zusammenhang mit einem
Bauvorhaben in São Paulo mehr als 90 Mio. US-$ unterschlagen zu haben.
Gesetzesverstösse der Polizei
Umfassende Vorwürfe wegen systematischem gesetzeswidrigen Verhalten werden
auch gegen die brasilianischen Polizeidienste immer lauter. Die
Anschuldigungen reichen von Korruption und Verwicklung in Drogengeschäfte
über Erpressung bis hin zu Folterung Inhaftierter, zu Entführung und Mord.
Allein in der Stadt Rio de Janeiro liegen mehr als 2 000 Anklagen gegen
Angehörige der Zivil- und Militärpolizei vor.
Die geschilderte Lage veranlasst die katholische Kirche Brasiliens im
Verein mit zahlreichen Menschenrechtsorganisationen zu einem Appell an die
UN-Menschenrechtskommissarin Mary Robinson, Druck auf die brasilianische
Regierung auszuüben, damit diese ihrerseits Massnahmen zur
strafrechtlichen Verfolgung und Beseitigung der extremen Missstände im
Polizeidienst ergreift.
Der Gouverneur von Rio, Anthony Garotinho, organisiert Ende März 2000
unter dem Schlagwort «mãos limpas» («saubere Hände») eine gross angelegte
Antikorruptionskampagne, welche u.a. zur Entlassung des Polizeichefs von
Rio, Cláudio Vieira, führt. Wegen «Missachtung des Dienstweges» wird
allerdings auch der Sicherheitskoordinator Luiz Eduardo Soares verhaftet.
Er hatte durch seinen Kampf gegen die Todesschwadronen, denen die
Menschenrechtskommission des Parlaments in einem Bericht vom 8.2.2000
2.500 Morde in den vergangenenen drei Jahren zur Last legt, seine
Programme zum Schutz von Belastungszeugen und die Aufklärung der
Öffentlichkeit über die Gesetzesbrüche in den brasilianischen
Sicherheitsorganen erheblich zu der gestiegenen Sensibilität gegenüber
kriminellen Machenschaften im Polizeidienst beigetragen.
Landreform, Proteste landloser Bauern
Nach der Vorlage eines Weissbuches zur Frage der Verhältnisse in Brasilien
droht der Minister für Landreform, Raul Jungmann, im Februar 2000,
widerrechtlich erworbenes Land von 3 065 Grossgrundbesitzern zu enteignen
und zur Ansiedlung von Landlosen zu verwenden, falls nicht innerhalb von
120 Tagen die Rechtmässigkeit des Besitzes nachgewiesen werden kann. Diese
Massnahme stellt einen weiteren Schritt auf dem Weg der brasilianischen
Regierung dar, das drängende Problem der extrem ungleichen
Grundbesitzverteilung zu lösen: Während sich ca. 90% des Landes in den
Händen von nur 20% der Bevölkerung befinden, liegen zugleich 180 Mio.
Hektar Grossgrundbesitz ohne Nutzung brach. Obgleich die Regierung bisher
bereits 93 Mio. Hektar an Grossgrundbesitz (ca. 11% des Staatsgebietes)
enteignet und an besitzlose Familien übergeben hat, greifen die ca. fünf
Mio. landlosen Bauern immer häufiger zum Mittel der Landbesetzung, um die
Regierung zur Zuweisung von Landparzellen zu zwingen. Polizei und
Grossgrundbesitzer ihrerseits reagieren darauf oft mit Gewalt. So kommt es
z.B. am 2.5.2000 nach tagelangen Protesten landloser Bauern im Bundesstaat
Paranã zu schweren Zusammenstössen mit der Polizei, in deren Verlauf ein
Todesopfer und Dutzende von Verletzten auf beiden Seiten zu beklagen sind.
Zahlreiche Demonstranten werden zudem festgenommen.
Anfang Mai besetzen landlose Bauern zahlreiche Regierungsgebäude in
zwanzig Bundesstaaten, darunter auch das Institut für Landreform, um neben
weiteren Landzuweisungen auch Kredite für die Familien, denen bereits eine
Parzelle zugeteilt worden ist, zu fordern. Nach der Anordnung Präsident
Cardosos, die besetzten Behörden mit Gewalt zu räumen, verlassen die
Demonstranten jedoch die Regierungsgebäude.
Gegen 23 Führer der MST wird wegen Verstosses gegen die nationale
Sicherheit ermittelt, 28 werden strafrechtlich verfolgt.Die Regierung
antwortet auf die Proteste ferner mit der Anordnung, dass gewaltsam von
den Landlosen in Beschlag genommene Grundstücke nicht mehr an diese
übereignet werden dürfen. Anfang April 2000 wird der Bauernführer Jose
Rainha in einem Mordprozess in zweiter Instanz freigesprochen. Wegen
Mordes an einem Polizisten und an einem Grossgrundbesitzer war er 1997 für
schuldig befunden und zu 26 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt
worden.
Auseinandersetzungen um Indianerreservate
Obgleich die brasilianische Regierung – nach starkem internationalen Druck
und unter Zusicherung finanzieller Hilfen – im Dezember
1998 den 12.500 Indianern der Macuxí, Wapishana, Taurepang und Ingaricó
ein Areal von 16.000 qkm im Bundesstaat Roraima zugesprochen hatte, wird
diese Entscheidung von den dortigen Grossgrundbesitzern und
Lokalpolitikern immer wieder heftig angefochten. Grund für den vehementen
Widerstand gegen die Überlassung des an der Grenze zu Guyana gelegenen
Macuxí - Gebietes Raposa - Serra do Sol an die Indianer sind die dort
vermuteten Gold- und Diamantenvorkommen. Der Gouverneur von Roraima, Neudo
Campos, fordert die Verkleinerung des Reservates um 4.000 qkm und droht
Mitte Februar 2000 damit, sämtliche Schulen in diesem Gebiet zu schliessen
und die Stromversorgung dorthin zu unterbrechen, falls sein Konzept eines
Teilreservates nicht angenommen wird. Während eine Gruppe von Indianern
beginnt, Strassensperren zu errichten, versucht die Lokalregierung, die
politische Organisation der Macuxí, den Indígena-Rat von Roraima (Conselho
Indígena de Roraima / CIR), zu spalten.
500. Jahrestag der «Entdeckung» Brasiliens
In Anwesenheit von Staatspräsident Cardoso und seines portugiesischen
Amtskollegen Jorge Fernando Branco de Sampaio findet am 22.4.2000 in Porto
Seguro die offizielle Gedenkveranstaltung zum 500. Jahrestag der Landung
der ersten portugiesischen Seefahrer an der Küste des heutigen Brasilien
statt. Im Umfeld der Veranstaltung demonstrieren mehrere tausend Menschen
für die Rechte der indianischen und farbigen Bevölkerung sowie der
Kleinbauern des Landes.
Dabei wird auch an die nahezu vollständige Auslöschung der indianischen
Urbevölkerung durch die von den Europäern eingeschleppten
Krankheiten erinnert.
Umweltkatastrophen
Nach dem Bruch einer Pipeline der staatlichen Erdölgesellschaft Petrobras
am 18.1.2000 laufen vor Rio de Janeiro mindestens 1,3 Mio. Liter Rohöl ins
Meer. Das Ökosystem der Bucht von Guanabara, das bereits durch die
Abwässer der Millionenstadt schwer belastet ist, droht durch den über 40
qkm grossen Ölteppich vollends zu kollabieren. Hunderte von Fischern
verlieren durch die Ölpest ihre Existenzgrundlage. Ein noch
schwerwiegenderer Unfall ereignete sich am 17.7.2000, als aus einer
geborstenen Pipeline desselben Unternehmens insgesamt 4 Mio. Liter Rohöl
austreten und die Flüsse Barigui und Iguaçu im Bundesstaat Paraná
verseuchen. Die neuerliche Ölpest bedroht nun auch die weltberühmten
Iguaçu - Wasserfälle. Bei den Aufräumarbeiten gelingt es jedoch nur, etwa
ein Drittel des Öls abzupumpen. Der grösste Teil (etwa 2,7 Mio. Liter)
versickert im Boden.
aus:
"kinderwelt weltkinder", zitiert nach Fischer Weltalmanach 2001
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