Hunger, Elend und die Probleme innerhalb ihrer Familie drängen Kinder und
Jugendliche in ein Leben auf der Straße. Und die Zahl der Straßenkinder
steigt ständig an.
Verschiedene Organisationen arbeiten seit Jahren mit ihren Projekten
daran, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Doch inzwischen wird deutlich:
Um nachhaltige Veränderungen in der Straßenkinderfrage zu erreichen, muss
eine Veränderung in der Gesellschaft und der Politik stattfinden. Die
Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen vor Ort auf der Straße darf nicht
allein für sich stehen.
Fünf Organisationen,
haben sich zusammengeschlossen, um in einem Netzwerk ihre Kräfte zu
bündeln:
- Caritas
brasileira (Caritas Brasilien)
- Casa de Passagem
("Haus des Übergangs")
- Coletivo Mulher
Vida ("Kollektiv Frau Leben")
- Grupo Ruas e
Pracas ("Gruppe Straßen und Plätze")
- Movimento
Nacional dos Meninos und Meninas de Rua - Nationale
Straßenkinderbewegung MNMMR - Pernambuco
Bereits in den
ersten 15 Monaten ist dem Netzwerk gelungen, ein wichtiger Akteur und ein
regional geachteter Interessenvertreter gegenüber staatlichen Stellen und
innerhalb der Sozialpolitik allgemein zu werden. Jede Organisation bringt
ihre langjährige Erfahrung ein. Ihr gemeinsames Auftreten ermöglicht
ihnen, Aufgaben aufzuteilen und sich zu spezialisieren. Sie haben
erfolgreich begonnen, strukturell an die Ursachen der
Straßenkinderproblematik heranzugehen. Wirksame Direkthilfe für die
Straßenkinder, präventive Arbeit mit und für gefährdete junge Menschen und
eine starke Öffentlichkeitsarbeit gehen Hand in Hand.
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Eine Ausbildung
verbessert die Chance der Straßenkinder auf ein geregeltes Leben. |
Die Arbeit mit
den Straßenkindern
Zuvorderst steht die
direkte Hilfe und Arbeit vor Ort für die Straßenkinder. Streetworker gehen
auf die Straße zu den Kindern und Jugendlichen und bauen ein
Vertrauensverhältnis auf. Verschiedene Angebote und Programme bieten
Unterstützung für das Leben auf der Straße aber auch Hilfe für den ersten
Schritt in ein geregeltes Leben. Die Grupo Ruas e Pracas hat im
gemeinsamen Netzwerk ihren Schwerpunkt im Streetworking. Die
Jugendsozialarbeiter der Gruppe kontaktieren die Straßenkinder und
betreuen sie, leisten in akuten Notfällen auch materielle Hilfe. Sie
bieten pädagogische Workshops wie Tanzen und Theater, damit die Kinder ein
Selbstwertgefühl entwickeln und ihr Leben wie auch ihr Erlebtes
verarbeiten zu können. Außerdem gibt es die Möglichkeit, Kinder und
Jugendliche für einen kurzen Zeitraum von bis zu zwei Wochen aufzunehmen.
Viele der Kinder und Jugendliche haben durch die Arbeit der Grupo Ruas e
Pracas den Schritt gewagt, wieder zu ihren Familien zurückzukehren oder
wieder am regulären Schulunterricht teilzunehmen.
Aus pädagogischen Workshops finden sich auch feste Gruppen wie Maracatu
Naçao Movimento zusammen. Der nordbrasilianische Karneval mit seinen
afrobrasilianischen Rhythmen ist die Ausdrucksform dieser Straßenkinder.
Casa de Passagem
bedeutet "Haus des Übergangs". Schon der Name der Organisation sagt schon
viel über ihre Arbeit für die Straßenkinder aus. Die langjährige
Caritas-Partnerorganisation bietet Straßenmädchen einen Zufluchtsort und
versorgt sie mit dem Notwendigsten. Nach einer Eingewöhnungszeit, erhalten
die Mädchen Unterricht. Eine Ausbildung in der Küche, im Kunsthandwerk
oder am Computer verbessern ihre Chancen für ein geregeltes Leben. Casa de
Passagem hilft ihnen bei der Wohnungs- und Arbeitssuche und bleibt auch
noch später Ansprechpartner für die Mädchen.
Eine Alternative zum Leben auf der Straße
Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen umfasst auch Prävention. Die
gefährdeten Heranwachsenden sind Zielgruppe des Coletivo Mulher Vida.
In fünf Elendsvierteln Recifes versucht die Organisation, eine normale
Entwicklung trotz des gewalttätigen Umfeldes zu fördern. Sie bieten
Freizeitaktivitäten wie Sport, Kunst und Theater an. Gleichzeitig suchen
sie auch den Kontakt mit Eltern, Schulen und Verantwortlichen aus den
Stadtteilen. Die Ergebnisse sind beachtlich: Der Schulbesuch der betreuten
Kinder liegt bei hundert Prozent mit wenigen Fehlzeiten. Die Gewalt
innerhalb der Familie ist deutlich zurückgegangen.
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| Streetworker suchen die
Kinder und Jugendlichen dort auf, wo sie zuhause sind – auf der
Straße. |
Die Verantwortung
der Öffentlichkeit und der Politik
Zunehmend wichtiger wird die Lobbyarbeit in der Öffentlichkeit von
Gesellschaft und Politik. Vor allem von den Politikern wird ihre
Verpflichtung nach dem geltenden brasilianischen Kinder- und Jugendgesetz
eingefordert. Die Nationale Straßenkinderbewegung MNMMR - Pernambuco
hat sich auf diesen Teil der Arbeit spezialisiert. Partizipation und
Selbstorganisation der Kinder und Jugendlichen selbst und die Kooperation
all derer, die "an ihrem Wohl" arbeiten, stehen im Vordergrund. Sie helfen
den Straßenkindern verschiedener Organisationen mit Fortbildungen und
Qualifizierungen, sich selbst zu organisieren. Ihnen soll möglich gemacht
werden, auch über Recife hinaus auf sich aufmerksam zu machen. Mit der
Unterstützung der Nationalen Straßenkinderbewegung MNMMR - Pernambuco
wurden Unterschriftenaktionen, Kundgebungen und Aktionen veranstaltet, um
die Situation der Straßenkinder zu verbessern und Politik und Gesellschaft
zu sensibilisieren.
Die Koordination des Netzwerkes liegt in den Händen der Caritas
brasileira. Der bedeutendste und größte Wohlfahrtsverband Brasiliens
stellt sich seit vielen Jahren der Aufgabe, Straßenkindern zu helfen. Auch
hier fließt Kompetenz und Erfahrung mit betroffenen Kindern und
Jugendlichen in die Arbeit des Netzwerkes. Gleichzeitig kann die Caritas
die eigenen Organisationsstrukturen nutzen, um die Verwaltung und
Aufgabenabstimmung zu übernehmen. Sie ermöglicht eine effektive gemeinsame
Arbeit. Überschneidungen in der Aufteilung der Arbeitsbereiche werden
vermieden und die Verständigung zwischen den einzelnen Mitgliedern des
Netzwerkes funktioniert reibungslos. - Und eine verbesserte, vielfältigere
Hilfe kommt den Betroffenen zu Gute: den Kindern und Jugendlichen auf der
Straße.
Eine Grundlagenforschung, die sich mit den Lebensumständen, Herkunft und
Problemen der betroffenen Kinder und Jugendlichen auseinandersetzt,
ergänzt die Arbeit der Organisationen. Sie ermöglicht eine gezieltere und
wirksamere Hilfe in der direkten und der präventiven Arbeit, setzt die
Straßenkinderfrage aber auch in einen weiteren Kontext, der
gesellschaftliche Probleme mit einbezieht. Auch Straßenkinder arbeiten in
der Forschungsgruppe, die rund 2.000 Betroffene befragt und deren
Antworten auswertet, mit.
Maracatu Naçao
Movimento
Aus dem Netzwerk für Straßenkinder ist das Projekt Maracatu Naçao
Movimento entstanden. Workshops für Tanz, Theater oder Sport sind eine
gute Möglichkeit, das Interesse der Jugendlichen zu wecken. Sie gewinnen
Selbstvertrauen und können über Bewegung, Gesang oder Sprache ihre eigenen
Erlebnisse verarbeiten. So hat sich auch die Gruppe Maracatu
zusammengefunden. Die Jugendlichen haben ihre Ausdrucksform in dem
gleichnamigen Karnevalszug gefunden. Sie spielen bei Events und im Rahmen
von Kampagnen. Sie ziehen in der Öffentlichkeit die Aufmerksamkeit auf
sich und können auf diesem Weg über ihre Situation als Straßenkind
informieren. Maracatu erreicht aber auch Kinder und Jugendliche, die
gefährdet sind, und leistet so einen wichtigen Beitrag zur
Präventionsarbeit.
Informationen von
CARITAS INTERNATIONAL. |