Recife und Brasilien
Die Situation

Die Unterschiede in Brasilien können kaum größer sein: Mehr als die Hälfte der Bewohner des Landes verfügt über nur zehn Prozent des Gesamteinkommens. Ebenso viele leben in Häusern ohne Stromversorgung. Fast drei Viertel der Bevölkerung muss zudem ohne eine zentrale Wasserversorgung auskommen. Bei einer Gesamtbevölkerung von 174 Millionen Menschen lebt rund ein Viertel der Bevölkerung unter menschenunwürdigen Bedingungen.
Ein Sozialsystem, das der Armut entgegenwirkt und Betroffene auffängt, gibt es in Brasilien nicht. Die Fürsorgepolitik wurde privatisiert, so dass nur noch gut situierte Bürger Zugang zu ausreichender Ausbildungs-, Gesundheits- und Altersversorgung haben. Am Rande der großen Städte wird dieses Ungleichgewicht besonders deutlich, die Armutsviertel (Favelas) werden immer größer.

Recife ist eine Millionenstadt im trockenen Nordostbrasilien. Regelmäßig auftretende Dürrephasen im Einzugsgebiet der Stadt lassen viele Landarbeiterfamilien nach Recife umsiedeln. Eine Perspektive und eine ausreichende Lebensgrundlage finden sie dort allerdings nicht. Es sind die Favelas, die ihr neues Zuhause werden und wo ihre Söhne und Töchter unter ärmlichsten Bedingungen aufwachsen.
Die Kinder und Jugendlichen haben keine Chance auf eine bessere Zukunft. Hunger und Konflikte treiben die Kinder weg von ihrer Familie auf die Straße der großen Städte. Mit Kleinhandel, Drogenschmuggel, Diebstahl oder Prostitution kämpfen sie um ihr Leben. Allein in Recife, schätzen Experten, leben über 10.000 Heranwachsende fast ausschließlich auf der Straße.

Die meisten der sogenannten Straßenkinder werden kaum 20 Jahre alt. Sie werden Opfer von Gewalt, Drogen, Unterernährung und Krankheiten. Von rund 8 Millionen Kindern, die in brasilianischen Großstädten auf der Straße leben, zählen rund 1,1 Millionen zu den eigentlichen Straßenkindern, die jeglichen Kontakt zur Familie verloren haben.