Taller de Vida
Kolumbiens ökonomische Probleme


Das Entwicklungskonzept, das von den wirtschaftlichen und politischen Großmächte der Welt verfolgt wird, ist für uns ein wissenschaftliches und technologisches Universalmodell, dessen Vorgaben der gesamten Menschheit auferlegt werden. Dadurch kommt es, dass lokale und traditionelle Lebensformen sowie die Bindung an die Umwelt, basierend auf eigenen kulturellen und nachhaltigen Lebensweisen, als „vormodern", „arm", „peripherisch" und „unterentwickelt" bezeichnet werden.

Das Resultat hieraus ist die Ablehnung jeglicher Strategie, die sich vom konventionellen kapitalistischen Entwicklungskonzept unterscheidet, auch wenn diese Strategie darauf abzielt, Nachhaltigkeit zu schaffen.

In Ländern wie unserem lässt sich beobachten, dass die Öffnung der Märkte folgendes mit sich bringt:

Die Zerstörung nachhaltiger, produktiver Systeme; Abwanderung ländlicher Gemeinschaften in die großen Urbanisationen aufgrund der unaufhaltsamen Vertreibung aus den einzelnen Gebieten; Konkurs der kleinen und mittelständischen Unternehmen; Verarmung der Landwirte; ungeheure und unvernünftige Ausbeutung der natürlichen Ressourcen; Konzentration des Reichtums und Vergrößerung der Kluft zwischen Arm und Reich, was Armut und Elend in nie dagewesenem Ausmaß hervorruft.

Die Großprojekte, die von multinationalen Konzernen geleitet werden, legen eindeutig dar, wie es dazu kommen kann:

Zuerst einmal geben sie ein deutliches Beispiel für die Widersprüchlichkeit, die es zwischen der vermeintlichen Entwicklung einer Nation innerhalb kapitalistischer Grenzen gibt und den Traditionen derjenigen Gemeinschaften, die früher einmal unser Land bewohnt haben: nach Auffassung dieser Gemeinschaften gibt es keine Trennung zwischen der Erde und dem menschlichen Wesen (im Gegensatz zum abendländischen Dualismus), so dass für sie „Sein" gleichbedeutend ist mit „Sein auf der Erde", einer Erde, die sie sich durch das Prinzip der Nachhaltigkeit erhalten haben.

Und zweitens durch eine eindeutige Strategie der großen Weltmächte, sich die biologischen und kulturellen Reichtümer von Ländern wie Kolumbien anzueignen und letztlich auch unser Land selbst.

Wir können alsobehaupten, dass verschiedene Strategien dieser Großmächte existieren, um unsere natürlichen Ressourcen und Ländereien zu kontrollieren und dass diese Mächte damit eindeutig ihre Absichten eines geostrategischen Aufgebots offenlegen. Einige dieser intervenierenden Absichten drücken sich in Programmen wie dem „Plan Colombia" aus, der, unter der Ausrede, den Rauschgifthandel zu schwächen, die Unterwerfung nationaler Politiker unter die Interessen der kapitalistischen Dynamik gefördert hat; dabei verstößt dieser Plan gegen jeglichen Anspruch auf Souveränität und Nachhaltigkeit und macht die ausländische Kontrolle über auf Weltebene strategisch günstigen Gebieten wie dem Amazonasgebiet immer deutlicher. Dieser Plan hat unter anderem Folgen wie die Vertreibung, den Nahrungsverlust, die Verschmutzung der Brunnen, die Gesundheitsschäden lokaler Kommunen und weiteres zu verantworten ; all das ereignete sich aufgrund der Brandrodung, die es unter anderem einzig und allein geschafft hat, die Kokastrauchplantagen um 14 Prozent zu reduzieren. Im Jahr 2000 gab es davon ungefähr 163 000 Hektar.

Die Staatspolitik Kolumbiens ist trotz der Widerstände der Kommunen nur eine „Politik der Kompensation" die den Kommunen gelegentliche Schäden ersetzt. Diese Schäden wurden durch die Interessen der aktuellen wirtschaftlich –kapitalistischen Orientierung hervorgerufen, die immer noch über dem gesellschaftlichen Wohlstand steht und damit auch dem Gebot der Nachhaltigkeit entgegengesetzt ist.

Durch die Politik des systematischen Mißbrauchs, der an Gemeinden und Umwelt begangen wird, lassen sich die unabänderlichen Schäden legitimieren und bleiben dauerhaft.

Das Problem liegt ohne jeglichen Zweifel darin, dass die Welt ein Markt ist, dass alles den Gesetzen des Kaufs und Verkaufs unterliegt und dass diese Gesetze die politischen Prinzipien mitentscheiden - auch wenn die Gesetze gegen alle sozialen und umweltbedingten Ansprüche der Gemeinschaften und Völker von Rechts wegen verstoßen. Das finanzielle Kapital scheint eine Form von Autonomie über Individuen, Gemeinschaften, Völker und auch über den produktiven Sektor erreicht zu haben. Dieser hat zu verantworten, dass die Gesetze der Wirtschaft außerhalb der Gesellschaft und noch immer über den Männern und Frauen stehen.

Gleichzeitig zwingen diese Prinzipien unserer Regierung und den Regierten ein bestimmtes Weltbild auf, das allein die Eingriffe, die sie auf unsere Ländereien unternommen haben, legitimiert, während es gleichzeitig die Nachhaltigkeit angreift und gegen das legitime Recht verstößt, dass wir Völker auch in irgendeiner Form existieren müssen.

Für diejenigen Gemeinschaften, die früher nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit in ihrem Gebiet gelebt haben, muss die Weiterentwicklung auf einigen Grundsätzen basieren, die sich aus den Rechten der Gemeinschaften und ihrem Hoffnungen ableiten. Zudem muss die Entwicklung den Erhalt der Kultur und Umwelt sichern. Ohne Zweifel und trotz des Einsatzes und der Offenheit der Gemeinschaften und Völker wie auch des Schutzes und der Unterstützung die ihnen von seiten des Staates bewillligt werden sollen, definieren die Marktkräfte die entwicklungspolitischen Ziele eines Landes wie Kolumbien.

Die Übergriffe, die im Namen der Entwicklung einer Nation auf die Ländereien der Indigos, der ländlichen und afro-kolumbianischen Bevölkerungsschichten verübt werden, sind vor allen Dingen ein schneller Schritt in Richtung: Besiedlung der Gebiete, Zerstörung des Ökosystems und Druck auf die Mitglieder der Gemeinschaften mit dem Ziel, dass sie sich von ihren sozialen, kulturellen Werten und ihren wirtschaftlichen Traditionen lösen und sich damit letztendlich für immer von der Nachhaltigkeit entfernen.

Die Beispiele an Übergriffen auf Ländereien der Gemeinschaften, wie sie in Kolumbien vorkommen, sind durch Länge und Breite der nationalen geographischen Lage bedingt: Die afro-kolumbianischen Gemeinschaften, U’WA, Paez, Embera Katio, die Fischer des Flusses Sinú, die Bauern des kolumbianischen Macizo, die riesigen Ölkonzerne der Region um Orinoquía. Das alles sind nur einige Fälle, bei denen im Namen der „Entwicklung" die Rechte nicht anerkannt wurden, die wir als Individuen, Gemeinschaften oder Völker besitzen. Diese Unkenntnis hat Konfliktsituationen und Gewalt erzeugt, welche sich nicht nur durch die Existenz bewaffneter Gruppen zeigen, die mit der Irrationalität der Waffen mehr beeindrucken als über Verstand und Argumentation. Die Unkenntnis hat auch zur Folge, dass die traditionellen Werte, die Ländereien und die Bedeutung dieser bei der Konstitution des Ichs nicht anerkannt werden. Genauso wenig wird beachtet, wie wichtig der Aufbau verschiedener Weltbilder und Beziehungsformen ist

Zurück