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de Vida Schülerstimmen |
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Taller de Vida
Bis vor kurzem war Kolumbien für mich ein weit entferntes Land, dessen Geographie und politische Situation mir lediglich abstrakt aus dem Erdkunde- oder Politikunterricht bekannt war. Dies änderte sich, als am 18. November gegen Abend ein Kleinbus auf unseren Schulhof rollte. Etwa 15 Schüler aus den Spanisch Grund- und Leistungskursen hatten sich bereit erklärt, einen kolumbianischen Gast auf zu nehmen. Wir waren ziemlich aufgeregt und fragten uns natürlich wie wir miteinander zurechtkommen würden. Mein Gast, sie heißt Gladis, war sofort sehr offen und kommunikativ. Das hat die Verständigung enorm erleichtert und wir waren uns schnell sympathisch. Die zwei Tage waren ausgefüllt mit Erlebnissen. Wir waren Schlittschuhlaufen; haben zusammen gegessen; sind zusammen abends ausgegangen und als krönender Abschluss fand am Montag Abend das Theaterstück statt, welches uns allen auf eindringliche Weise, die grausamen Erlebnisse und Erfahrungen, aber auch die sich eröffnende bessere Zukunft, dieser Kinder, verdeutlicht hat. Zum Abschluss des Besuchs waren wir um zwei Erfahrungen reicher: Zum einen sind sich die Gefühle und Bedürfnisse von uns Jugendlichen doch sehr ähnlich; über Jungs wird auch in Kolumbien diskutiert und wir alle haben unsere Hoffnungen und Wünsche für die Zukunft. Andererseits ist mir aber auch bewusst geworden, wie behütet, glücklich und in Frieden ich bisher leben durfte und auf welch bewundernswerte Weise die kolumbianischen Jugendlichen mit einer Vergangenheit umgehen, die nur von Härte und Gewalt gekennzeichnet war. Dass sie an diesen Erfahrungen nicht zerbrochen sind, hat mir gezeigt, dass ein Projekt wie "Taller de Vida" sehr erfolgreich sein kann. Nina, Bochum Taller de Vida - Lebenswerkstatt Taller de Vida ist ein Selbsthilfeprojekt f'ür kolumbianische Jugendliche, die Zeugen von Krieg, Gewalt und Tod wurden. Sie haben ein Theaterstück geschrieben, in dem sie ihr Leid, ihre Angst vor Krieg und Tod und ihre Hoffnung auf ein besseres Leben ausdrücken. Sie versuchen so ihre schreckliche Vergangenbeit zu verarbeiten. Mit ihrem Stück, das "Der Tod ist los" heißt, touren sie durch Deutschland. Am Abend des 19. November 2001 spielten sie in der Schiller - Schule Bochum. Vormittags war der Spanisch - LK der Stufe
13 - zu dem auch ich gehöre - mit ihnen Eislaufen. Die kolumbianischen
Jugendlichen haben dabei vor allem durch eines überrascht:
Lebensfreude, Fröhlichkeit, Neugierde and Offenheit. Sie waren nicht schüchtern, sondern suchten den Kontakt mit uns Deutschen. Besonders begeistert waren wir alle von der 11-jährigen, die uns auf der Hinfahrt zur Eissporthalle schon mal einen Vorgeschmack auf das Theaterstück gegeben hat. Sie hat für uns einige Lieder daraus gesungen, die die Angst vor Krieg, Gewalt und Tod ausdrücken und die Hoffnung auf ein besseres Leben in der Zukunft. Das Eislaufen war sehr lustig, besonders weil unsere kolumbianischen Gäste noch nie zuvor Eislaufen waren und so andauernd hingefallen sind. Doch sie haben sich nicht entmutigen lassen, sondern es immer wieder versucht. Wir haben ihnen natürlich versucht zu helfen, z.B. indem wir Hand in Hand mit ihnen gefahren sind. Dadurch kam man sich näher und die Gruppen vermischten sich immer mehr. Es war wirklich das Gefühl da, rnan hätte neue Freunde gefunden. Später halfen wir alle bereitwillig bei den Vorbereitungen für das Theaterstück. Unsere Aula - an dem Abend der Theatersaal - war brechend voll. Vor der Darbietung der Kolumbianer referierte Frau Obermüller von Terre des Hommes über die schrecklichen Dinge, die in Kolumbien vor sich gehen. Man wollte gar nicht glauben., was man da von Grausamkeiten und Hass zu hören bekam. Das Stück war zwar auf Spanisch, aber durch zwei Gründe war es auch für Nicht - Spanier verständlich: 1. wurde es zu Anfang von dem Begleiter der Gruppe, Yogi Engels, auf Deutsch zusammengefasst und 2. spielten die jungen Schauspieler so ausdrucksstark, dass es unter die Haut ging und man es gar nicht falsch verstehen konnte. Alles in allem war es ein sehr erfolgreicher Tag. Wir haben Menschen von einem ganz anderem Teil der Welt kennen gelernt, ihre Kultur, ihre Lebenseinstellung und ihr Leid. Und wir haben gelernt, dass man niemals den Respekt vor dem Leben verlieren sollte und erst recht nicht die Hoffnung. Carolin, Bochum Der Gast aus Kolumbien Während des Unterrichts des Spanischleistungskurses der Jgst. 13 an der Schiller-Schule wurde uns Kursteilnehmern über den "Taller de Vida", einer kolumbianischen Theatergruppe, berichtet, die aus acht Kindern und Jugendlichen zwischen elf und zwanzig Jahren besteht. Diese Theatergruppe tritt in mehreren Städten Deutschlands auf, um zum einen über die politischen und gesellschaftlichen Missstände in Kolumbien zu informieren und zum anderen, um im Rahmen der "Terres des hommes" dieser Lage in Kolumbien entgegenzuwirken. Da die Gruppe auch in Bochum auftrat, wurde in unserem Spanischkurs nach Schülern gefragt, die bereit wären einen der kolumbianischen Jugendlichen für zwei Nächte in ihren Familien aufzunehmen. Ich erklärte mich spontan dazu bereit und setzte voraus, dass meine Familie durchaus damit einverstanden wäre. Mir wurde der vierzehnjährige Gandhi zugeteilt. Seinen Familiennamen habe ich mir leider nicht gemerkt, da mich nur sein ungewöhnlicher Vorname interessierte. An jenem Sonntag, als es galt Gandhi von der Schiller-Schule abzuholen, staunte ich nicht schlecht. Er sah etwas älter aus als vierzehn, was mich erfreute. Zu Hause angekommen fragte ich ihn gleich, wie alt er sei, um mich zu vergewissern. Er antwortete, dass er offiziell vierzehn sei, jedoch sei er in Wirklichkeit drei Jahre älter. Gandhi erklärte mir, dass das Einwohnermeldeamt verwüstet wurde und dadurch viele persönliche Daten über die Einwohner Cartagenas verloren gegangen seien. Daher käme diese Änderung. Ansonsten redete Gandhi kaum über sich und seine Familie in Kolumbien. Das einzige worüber er aus seiner Heimat erzählte, war Fußball. Sein großes Idol: Carlos Valderrama (inzwischen so alt wie Matthäus), der größte aller Spieler, die Kolumbien je hervorgebracht hat. Überraschenderweise kannte sich Gandhi hervorragend mit dem Fußball in Europa au, was ja nicht selbstverständlich ist, da ja Baseball besonders in Kolumbien und Venezuela ebenfalls sehr beliebt ist. Doch Gandhi hat eine sehr starke antiamerikanische Einstellung zum Leben, so dass er den nicht-amerikanischen Fußball bevorzugt. Seine Abneigung gegen Amerika zeigte sich auch beim Essen. Er verzichtete auf Cola und Ketchup, da es sich um amerikanische Produkte handelte. Stattdessen genoss er Würstchen mit Senf aus Dijon und deutschem Bier. Am Tag der Ankunft der Kolumbianer in Bochum wollten sie abends unbedingt ausgehen und feiern. Das Dumme war nur, dass es Sonntag war und die Innenstadt an diesen Wochentagen im Spätherbst wenig zu bieten hat. Während wir von einer Kneipe in die andere gingen, fielen den Kolumbianern die Augen zu. Um 10.15 Uhr waren wir wieder zu Hause. Am folgenden Tag wollte unser Spanischkurs mit den Kolumbianern Eislaufen gehen. Als ich Gandhi um 7.00 Uhr zum Frühstück wecken wollte, gelang mir dies mit wenig Erfolg. Nachdem er endlich wach geworden war und mir versichert hatte, dass es in fünf Minuten fertig sei, wusste ich nicht, dass fünf Minuten in Kolumbien zwanzig Minuten sind. Es fällt also auf, dass man in Kolumbien offenbar keinen Stress und Zeitdruck kennt, denn auch beim Frühstücken ließ sich Gandhi zeitlich nicht unter Druck setzen, sondern aß in aller Ruhe. Insgesamt fand ich die Erfahrungen, die ich mit Gandhi und seinen Einstellungen gemacht habe, waren sehr interessant und spaßig. Ich würde auf alle Fälle einen solchen Gast ein zweites Mal aufnehmen. Daniel, Bochum |