Teatro Trono
Das Projekt

 

Die Zukunft beginnt heute", ist ein Motto vom „Teatro Trono", einer Theatergruppe ehemaliger Strassenkinder aus El Alto, der Satellitenstadt von La Paz. "Wir hatten die Versprechungen der Politiker satt, ihre Slogans, dass die Kinder die Zukunft des Landes seien". Was Morgen sein soll, das muss heute beginnen.

Ivan Nogales, der Leiter der Gruppe, entdeckte Fantasmita, Claudio oder Chila vor acht Jahren in einer staatlichen Besserungsanstalt (von Strassenkindern euphemistisch „Trono", Thron, genannt). Nachdem ihre Familien zerbrochen, die Eltern gestorben waren, hatte sie die Polizei auf der Strasse aufgegriffen, weil sie Drogen nahmen, klauten, oder - wie bei Chila - in der Strasse urinierten. Diese Geschichte hat Trono in dem Stück "El Meon" (der Pinkler) verarbeitet, das sie auch in Deutschland aufführen wollen. Was als Therapieversuch begann, mauserte sich bald zu Sozialtheater um des Theaters willen. Das Schauspielen als Fenster zur Freiheit, in dem ein besseres Morgen heute schon vorweggenommen wird.

In einer Selbstdarstellung schreibt die Gruppe:
„Eine autonome Theatergruppe am Leben zu erhalten, ist ein Leistung, aber es ist keine leichte Aufgabe, alles andere! Mit punktueller Unterstützung haben wir jedoch Grenzen überschritten, die wir anfangs für unerreichbar hielten. Als eine Gruppe Ex-Krimineller und Drogenabhängiger von der Strasse haben wir 1992 am IV. internationalen indianischen Kino und Videofestival in Cuczo teilgenommen, an zwei internationalen Theaterfestivals in Mexiko 1995 und 1997 und an verschiedenen nationalen Theatertreffen. Wir sind glücklich, gegen den Strom zu schwimmen, aber sind es auch leid, an verschlossene Türen zu klopfen, weil unsere Erfahrung gerade nicht in Mode ist. Aber wir sind mit uns im Reinen, planen neue Reisen und Vorstellungen, und unser eigenes Theater, das in nicht allzuferner Zukunft Wirklichkeit sein wird. Wir träumen weiter von den besseren Tagen, an denen wir seit 8 Jahren mit der uns eigenen Sturheit arbeiten. Und wir arbeiten weiter an uns. Wir haben gewiß den Defekt, uns in dreifacher Weise an den Rand unserer Gesellschaft katapultiert zu haben. Weil wir arm sind, weil wir Theater machen, und nicht wie Zuhälter unsere Ideen verkaufen."

Ihre Erfahrungen haben die Tronos in dem im Januar 1998 erschienenen Buch "El manana es hoy", erzählt. Ursprünglich als Versuch einer Auswertung gedacht, verwandelte es sich im Laufe der Produktion in der Trono-eigenen spielerischen Weise in ein kleines Kunstwerk aus witzigen Zeichnungen, Fotos und den Zeugnissen der Jugendlichen, in denen ihre persönliche Geschichte sich mit der des Theaters und des Landes verwebt.