Brasilien
Bittere Orangen

Material- und Linkhinweise zu Brasilien
für Unterricht und Bildungsarbeit


Texte und Zusammenstellung: Lena Schoemaker
 

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Das Land

Brasilien ist das größte Land Lateinamerikas. Es umfasst mit einem Gebiet von 8.547.403,5 Quadratkilometern beinahe die Hälfte (47,3 Prozent) des südamerikanischen Kontinents.
Brasilien grenzt an zehn Nachbarstaaten: im Norden an das französische Übersee-Département Französisch-Guayana sowie die Länder Surinam, Guayana, Venezuela und Kolumbien; im Süden an Uruguay und Argentinien; im Westen an Paraguay, Bolivien und Peru. Ecuador und Chile besitzen als einzige Staaten des südamerikanischen Kontinents keine gemeinsame Grenze mit Brasilien.
São Paulo ist die größte Stadt Südamerikas und der wirtschaftliche Motor Brasiliens.
Rio de Janeiro war fast 200 Jahre lang Hauptstadt Brasiliens, bis im Jahre 1960 Brasília zur Kapitale ernannt wurde. Trotzdem ist Rio de Janeiro die bekannteste Stadt des Landes. Bei Touristen ist sie beliebt wegen des Karnevals und der Strände, die zu den schönsten der Welt zählen. Der Tourismus hat in Rio einen hohen wirtschaftlichen Stellenwert, aber auch produzierende Industrie ist in der Stadt beheimatet. Abseits der Urlaubszentren hat die Stadt mit den typischen Problemen einer Großstadt zu kämpfen, vorrangig mit Kriminalität und Armut großer Bevölkerungsteile.
Die Hauptstadt Brasília wurde in den 1960er Jahren innerhalb von drei Jahren erbaut. Es handelt sich um eine klassische Planhauptstadt. Sie wurde von Lúcio Costa im Auftrag des damaligen Präsidenten Kubitschek geplant, Oscar Niemeyer entwarf die Regierungsgebäude. Brasília sollte ursprünglich als glänzendes städtisches Vorbild dienen. Allerdings ging die Entwicklung in wichtigen Punkten nicht so voran, wie es die Pläne vorsahen, und so ist Brasília in den äußeren Bezirken mittlerweile ebenfalls von Favelas geprägt. Heute hat die Stadt knapp 200.000 Einwohner, die Metropolregion zählt etwa 2,2 Millionen Menschen. 70 % der Bevölkerung Brasiliens lebt in den Großstädten.
Brasilien läßt sich grob in zwei Großlandschaften einteilen: Das 4 Millionen Quadratkilometer große Amazonasbecken im Norden und das Hochplateau im Zentrum und Süden des Landes mit Durchschnittshöhen von 200 bis 1.000 Metern über dem Meeresspiegel. Vom Süden des Landes in Richtung Nordosten verlaufen hohe Gebirgsketten. Brasiliens höchster Berg, der Pico da Neblina (3.104 m), liegt in der Serra do Imeri im Norden, nahe der Grenze zu Venezuela.
Der mit Abstand wichtigste Fluss Brasiliens ist der Amazonas, größter und längster Fluss der Erde (zwischen 6850 und 7250 km), mit seinen Nebenflüssen. Die bedeutendsten Zuflüsse sind der Río Purús, der Rio Negro und der Rio Tapajós.
Die Lagoa dos Patos bei Porto Alegre ist mit über 10.000 km² die größte Lagune Brasiliens und die zweitgrößte Südamerikas. Danach kommt die weniger als halb so große Lagoa Mirim, südlich der Stadt Rio Grande.
Brasilien ist reich an Bodenschätzen. Noch immer werden seine Ressourcen systematisch erfasst. Das Land verfügt über Eisenerzreserven, die sich auf geschätzte 48 Milliarden Tonnen belaufen, von denen 18 Milliarden Tonnen in den Carajás-Bergen (Serra dos Carajás) im Osten des Amazonasgebiets liegen. Die Carajás-Mine produziert seit 1985. Die bereits bekannten Vorkommen reichen aus, den Weltbedarf an Eisen (berechnet auf der Grundlage des heutigen Verbrauchs und des voraussichtlichen Wachstums) über die kommenden 500 Jahre zu decken. Darüber hinaus besitzt Brasilien bereits ausgewiesene Reserven von 208 Millionen Tonnen Mangan, zwei Millionen Tonnen Bauxit sowie 53 Millionen Tonnen Nickel, die sich nach der Entdeckung weiterer Lagerstätten im Staat Goiás auf über 400 Millionen Tonnen belaufen könnten. Von Bedeutung sind auch die neuesten Funde von hochprozentigem (1,3 %) Uranerz in den Staaten Minas Gerais und Goiás. Brasilien verfügt über Reserven an Kalium,Phosphat, Wolfram, Kassiterit (Zinnstein), Blei, Graphit, Chrom, Gold, Zirkonium (einflexibles Metall mit vielfältigen industriellen Nutzungsmöglichkeiten) sowie über Reserven des seltenen radioaktiven Elementes Thorium. Neunzig Prozent aller Edelsteine der Welt, wie Diamanten, Aquamarine, Topase, Amethyste, Turmaline und Smaragde, werden in Brasilien gefördert.

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Klima

Aus europäischer Perspektive sind die Jahreszeiten in Brasilien "umgekehrt". Die heißen Sommermonate liegen zwischen Oktober und März, der "Winter" zwischen Juni und August. Obwohl 92 Prozent des Landes in den Tropen liegen, leben über 60 Prozent der Bevölkerung in Gebieten, in denen Höhe, Seewinde oder kalte Polarfronten die Temperatur mäßigen. Brasilien erstreckt sich über fünf verschiedene Klimazonen, einer äquatorialen, einer tropischen, einer feuchttropischen, einer trockentropischen und einer subtropischen Zone. Auf der Hochebene gelegene Städte wie São Paulo, Brasília und Belo Horizonte empfehlen sich durch ein angenehmes Klima von durchschnittlich19 Grad Celsius. In den Küstenstädten Rio de Janeiro, Salvador und Recife dominierte in warmes Klima, das jedoch durch die steten Passatwinde gemildert wird. Das subtropische Klima in den südbrasilianischen Städten Porto Alegre und Curitiba lässt sich mit dem subtropischer Zonen in Europa vergleichen.
Am heißesten ist es im brasilianischen Nordosten, wo in Trockenzeiten zwischen Mai und November häufig Temperaturen von über 38 Grad Celsius gemessen werden. Entlang der Atlantikküste von Recife bis Rio de Janeiro belaufen sich die Durchschnittstemperaturen auf 23 bis 27 Grad Celsius. Südlich von Rio sind die jahreszeitlichen Schwankungen ausgeprägter und die Temperaturunterschiede größer. Die Durchschnittstemperatur beträgt dort zwischen 17 und 19 Grad Celsius.

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Umwelt

Der tropische Regenwald im Amazonasgebiet ist der größte unberührte Wald der Welt. Doch neue Straßen, zum Beispiel die Transamazônica und die Perimetral Norte, zerstören diese Unberührtheit. Experten warnen schon jetzt, dass bis 2020 alleine wegen Straßen- und Dammprojekten nur noch 28 % des Waldgebiets unberührt seien. Teilweise entstanden die Schäden auch im Zusammenhang mit den Goldgräbern Brasiliens, den so genannten garimpeiros. Zum Auswaschen des Goldes verwendeten sie Quecksilber in verhältnismäßig hohen Mengen. Diese gelangten schließlich in die Böden bzw. das Grundwasser und führten zu einer Verseuchung des Amazonasgebiets. Durch Straßen erschlossene Gebiete des Regenwaldes werden oft abgeholzt und gerodet, um Platz für Landwirtschaft zu schaffen. Die größte Gefahr ist die profitbringende Holzgewinnung. In Brasilien gibt es rund 2.500 Unternehmen, die mit tropischem Hartholz handeln. Die meisten von ihnen sind aber ausländische Großunternehmen. Zwar ist Mahagoni mittlerweile gesetzlich geschützt, illegal geht der Handel aber weiter. Selbst Behörden schätzen, dass 80 % des gewonnenen Holzes Mahagoni ist.
Da Regenwaldboden nährstoffarm ist, ist er auf die Wiederverwertung der Mineralstoffe im Laub angewiesen. Bei solch feuchtem Klima zersetzen Mikroorganismen das Laub in recht kurzer Zeit. Wenn aber kein Wald und damit auch kein Laub mehr auf dem Boden liegen, trocknet er aus und es kommt zu Erosion. Sind die gerodeten Flächen nun größer, kann sich der Wald dort nicht regenerieren. Bäume binden Kohlendioxid, das den Treibhauseffekt auslöst. So sind an den Treibhausabgasausstößen des Landes Brandrodungen mit 75 % beteiligt, während die Verbrennung fossiler Brennstoffe nicht einmal ein Viertel ausmachen. Im Amazonasgebiet leben viele Tier- und Pflanzenarten. Viele dieser Arten können ohne Regenwald nicht überleben. Aber alleine von August 2003 bis August 2004 wurden in Brasilien 26.130 km² Regenwald vernichtet. Das entspricht fast der Fläche Brandenburgs. Die Behörden zum Schutz des Regenwaldes haben unter Geld- und Personalmangel, sowie Korruption zu kämpfen. Dennoch konnte 2002 das weltweit größte Schutzgebiet eines tropischen Regenwalds im Norden Brasiliens gegründet werden.
Ein weiteres Umweltproblem ist der Bauxit-Tagebau, der die Flüsse verschmutzt und die indigene Bevölkerung gefährdet. 2000 erlitt zum Beispiel der Fluss Iguaçu eine Ölpest. Ein Jahr später sank vor der brasilianischen Küste die größte Ölplattform der Welt und bedrohte das dortige Ökosystem. In den Städten hat man mit Luftverschmutzung und Abwasserproblemen zu kämpfen.
In Brasilien wird dem Kraftstoff eine gewisse Menge Alkohol beigemischt. Neben umwelttechnischen Gründen (Reduzierung der Schadstoffemissionen) ist dafür hauptsächlich der Kostenfaktor verantwortlich: Ethanol ist bis zu zweimal billiger als Automobil- und bis zu viermal billiger als Flugbenzin. Der Anteil an Ethanol im Benzin ist gesetzlich geregelt und wurde 2006 von ehemals 25% auf 20% gesenkt. In Brasilien ist es möglich mit Autos zu fahren, die einen Ethanol-, Benzin- oder einen Flex-Fuel-Motor besitzen. Das dreimillionste Flex-Fuel-Auto wurde im Dezember 2005 verkauft und auch die ersten Flugzeuge fliegen mit Ethanol, was die Luftverschmutzung insgesamt reduziert. Das erste mit Alkohol betriebene Flugzeug der Welt, die EMB-202 Ipanema, wurde 2002 von Embraer in Brasilien gebaut. Brasilien ist der viertgrößte Auto- und mit 12000 Flugzeugen der zweitgrößte Flugzeug-Konsument der Welt.

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Der Regenwald und seine Bewohner

Noch vor Kolumbien, Mexiko und Indonesien ist Brasilien das artenreichste Land der Erde. Entdeckt wurden bislang rund 3.000 Wirbeltier-, 3.000 Süßwasserfisch-, 55.000 Blütenpflanzen-, 517 Amphibien- und 51 Primaten-Arten. Allein 207 dieser Tierarten sind vom Aussterben bedroht. Auch der Wald verkleinert sich stetig. Zu frühen Kolonialzeiten war noch etwa 60 % der Landesfläche mit Wald bedeckt, heute ist es nur noch 1/3.
Açaí-PalmenDer immergrüne tropische Regenwald im Amazonasbecken ist das größte zusammenhängende Waldgebiet. Bislang wurden mehr als 2.500 Baumarten entdeckt. Fast alle dieser bis zu 60 m hohen Bäume finden sich im von Überschwemmungen verschonten Eté-Wald der Terra firme, die wiederum 98 % des Amazonasgebiets umfasst. Außerdem wachsen in diesem Gebiet u.a. der Gummibaum (caucho), verschiedene Farb- und Edelhölzer (z.B. Palisander), Fruchtbäume (z.B. Paranussbaum) und Heilpflanzen. Auffällig sind die circa 1.000 verschiedenen Farn- und Orchideenarten. Neben der terra firme gibt es die Várzea, die bei Hochwasser überschwemmt ist. Dort wachsen Jupati- und Miriti-Palmen. Das Igapó-Gebiet ist dagegen ständig überschwemmt. Als typische Pflanze in diesem Gebiet gilt die Açaí-Palme. Auf dem Amazonas, aber vor allem auf seinen Nebenflüssen, wachsen Seerosen, dessen Blüten 30 bis 40 cm groß werden können. Entlang der Küste Amazoniens (mit Ausnahme der eigentlichen Amazonasmündung) finden sich ausgedehnte Mangrovenwälder, die allerdings mit 6 Mangrovenbaum-Arten verhältnismäßig artenarm sind.
Besonders bekannt sind im gesamten Amazonasgebiet vor allem Papageien, Tukane und Kolibris. Es sind etwa 1.500 Insekten- und Schmetterlingarten bekannt. Größere Waldtiere sind der Tapir, das Wildschwein, der Jaguar und der Puma. Daneben bevölkern Wildkatzen, Affen, Faultiere, Gürteltiere und Ameisenbären den Regenwald. Auch zahlreiche Fischarten (ca. 1.500) sind im Amazonas beheimatet. Darunter der größte bekannte Süßwasserfisch der Welt: Der pirarucú ist 2 m lang und wiegt etwa 100 kg. Ein Zitteraal, der 800 Volt-Stromschläge austeilt, und der Piranha, gut 30 cm lang, sind ebenso spektakulär.
Der äußerste Nordosten Brasiliens, früher ebenso aus Regenwald bestehend, wird mittlerweile fast ausschließlich für Zuckerrohr-Plantagen und den Anbau von Baumwolle genutzt. Vereinzelt lassen sich noch Mangroven und Palmenhaine finden.
Das halbwüstenähnliche Bergland im Zentrum und Süden des Landes (Sertão) ist mit Baumsavanne bewachsen, der Nordosten dieser Region ist mit Laubbäumen durchsetzte Strauchsavanne. Ferner sind die Tiervorkommen in dieser Region klein. Nur wenigen Tieren wie dem Ameisenbär oder dem Gürteltier genügen die Bedingungen.
Das Pantanal weist dagegen eine große Tier- und Pflanzenvielfalt auf. Die Sumpfregion im Mittelwesten Brasiliens steht sieben Monate im Jahr unter Wasser. Höher gelegene Gebiete der Region sind überwiegend Savannen.
Im Südosten dominieren Kaffeeplantagen und Weiden für Rinder, daneben die besiedelten Gebiete. Die ursprüngliche Vegetation ist nur noch in einigen Nationalparks zu finden.
Der Süden zeigt eine subtropische Vegetation, die ursprünglichen Araukarienwälder wurden für den Export zerstört. Diese Bäume erreichen eine Höhe von bis zu 40 m und sind Lebensraum für Affen und Eichhörnchen. Heute sind Niedergrassteppen in dieser Region häufiger.

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Administrative Gliederung

Brasilien ist in 26 Bundesstaaten und einen Bundesdistrikt (Distrito Federal) gegliedert. Diese sind administrativ in fünf Regionen aufgeteilt:
Norden (Região Norte):
Acre, Amapá, Amazonas, Pará, Rondônia, Roraima, Tocantins
Der Norden macht 45,27% der Fläche Brasiliens aus. Gleichzeitig ist es die Region mit den wenigsten Einwohnern. Der Nordwesten ist industriell vergleichsweise wenig entwickelt und nicht sehr gut erschlossen. Dafür beherbergt er mit dem Amazonasbecken das größte Ökosystem der Erde.
Nordosten (Região Nordeste):
Alagoas, Bahia, Ceará, Maranhão, Paraíba, Pernambuco, Piauí, Rio Grande do Norte, Sergipe Knapp ein Drittel der Brasilianer leben im Nordosten. Die Region ist kulturell sehr vielseitig. Sie ist geprägt von der portugiesischen Kolonialherrschaft, von der afrikanischen Kultur der ehemaligen Sklaven und nicht zuletzt von indianischen Einflüssen.
Mittelwesten (Região Centro-Oeste):
Goiás, Mato Grosso, Mato Grosso do Sul, Distrito Federal Brasília
Die Region verdankt ihre Bedeutung vor allem ihrem Reichtum an Rohstoffen. Dennoch ist der Mittelwesten nicht besonders gut erschlossen. Es werden aber intensive Bemühungen unternommen, die Region zu stärken, u.a durch die Verlegung der Hauptstadt nach Brasília. Südosten (Região Sudeste):
Espírito Santo, Minas Gerais, Rio de Janeiro, São Paulo
Im Südosten leben mehr Menschen als in jedem anderen südamerikanischen Land. Mit den Ballungsräumen São Paulo und Rio de Janeiro ist diese Region der wirtschaftliche Motor des Landes.
Süden (Região Sul):
Paraná, Santa Catarina, Rio Grande do Sul
Der Süden ist die kleinste Region Brasiliens. Die klimatischen Verhältnisse entsprechen etwa denen Südeuropas. Die Region zeigt deutliche kulturelle Einflüsse von deutschen und italienischen Einwanderern, die sich bevorzugt in diesem Gebiet niederließen. Etwa 85% der Bewohner sind Weiße.  

Bundesdistrikt

Während des brasilianischen Kaiserreichs war Rio de Janeiro Hauptstadt Brasiliens und hatte den Status Município Neutro (Neutrale Stadt), was in etwa einem Hauptstadtdistrikt gleichzusetzen ist. Mit der Schaffung des Bundesstaats und der einhergehenden Umwandlung der Provinzen in Bundesstaaten wurde 1889 aus dem Município Neutro ein Distrito Federal (Bundesdistrikt). 1960 wurde die Hauptstadt nach Brasília verlegt, ebenso der Distrito Federal. Der Sonderdistrikt um Rio de Janeiro war zeitweilig in den Bundesstaat Guanabara umgewandelt, bis Guanabara 1975 in den Bundesstaat Rio de Janeiro eingegliedert wurde.
Der Distrito Federal hat eine besondere Bedeutung. Er ist in der Verfassung festgeschrieben und ist direkt der brasilianischen Regierung unterstellt.

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Die Bevölkerung

Ursprünglich vier Bevölkerungsgruppen bilden die brasilianische Bevölkerung. Sie sind heute jedoch so umfassend vermischt, dass eine klare Zuordnung oft nicht mehr möglich ist. Diese Gruppen sind: die Portugiesen, die ursprünglichen Kolonialisten, die Afrikaner, die als Sklaven nach Brasilien verschleppt wurden, verschiedene Immigrantengruppen, hauptsächlich aus Europa (Italiener, Deutsche, Spanier), dem Nahen Osten und Asien, die sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Brasilien angesiedelt haben. Seit 1818 sind über 300.000 Deutsche eingewandert. Eine große japanische Bevölkerungsgruppe lebt in Brasilien, außerdem viele Polen, vorwiegend in Paraná.
Ein Großteil der brasilianischen Bevölkerung sind Schwarze. Sie sind Nachfahren der afrikanischen Sklaven, die vom 16. bis zum 19. Jahrhundert in das Land gebracht wurden. Sie stammen aus den ehemaligen portugiesischen Kolonien Angola und São Tomé und Príncipe, aber auch aus Nigeria, Benin, Togo, Ghana und der Elfenbeinküste. Heute besitzt Brasilien nach Nigeria die zweitgrößte Zahl an Einwohnern mit afrikanischer Herkunft; sie haben sich jedoch im Laufe der Zeit stark mit der europäischstämmigen Bevölkerung vermischt.
Nach einer Erhebung des IBGE bezeichnen sich nur rund 11 Millionen Brasilianer und Brasilianerinnen selbst als Schwarze, da Schwarzsein noch immer mit sozialer und wirtschaftlicher Diskriminierung verknüpft ist. Der größte Teil der afrobrasiliansichen Bevölkerung lebt im Nordosten.
Die indigenen Völker in Brasilien waren traditionell halbnomadische Stämme, die sowohl von Jagen und Sammeln, als auch von einfacher Landwirtschaft lebten. Ein großer Teil der eingeborenen Bevölkerung starb im Zuge der europäischen Kolonialisierung, meist an eingeschleppten Krankheiten, in Folge von Zwangsarbeit, oder durch die Hand der Kolonialisten. Der Großteil der verbleibenden Indios wurden mehr oder weniger Teil in der Gesellschaft und vermischte sich im Laufe der Zeit mit den europäischen Einwanderern. Von schätzungsweise 5 bis 6 Millionen Indios zur Zeit der Entdeckung ging die Bevölkerungszahl bis zum Jahr 1950 auf nur 100.000 zurück.
In den letzten 50 Jahren wurden politische Fortschritte zur Verbesserung der Situation der Indios gemacht. Bis 1997 ist die indigene Bevölkerung wieder auf etwa 300.000 angewachsen. Nach Angaben der brasilianischen Botschaft leben heute ungefähr 410.000 Indios in Brasilien, was rund 0,2% der gesamten Bevölkerung entspricht. 2005 gab es Berichte über einen erneuten Anstieg in der Zahl der in Brasilien lebenden Indios auf etwa eine halbe Million. In diesem Fall hinge das Anwachsen wahrscheinlich auch mit der Einwanderung von Indios aus den Nachbarländern Bolivien, Peru und Kolumbien zusammen.
Zwischen 100.000 und 200.000 Indios leben heute in Städten, wodurch die indianische Kultur zunehmend verloren geht. Nur wenige Stämme in vereinzelten Reservaten im Amazonasgebiet leben noch nach ihrer eigenen Kultur. Aber auch im Regenwald ist die indigene Bevölkerung verschiedensten Bedrohungen ausgesetzt. Durch die Abholzung des Urwalds wird ihr Lebensraum dauerhaft zerstört. Dabei werden die erwirtschafteten Erlöse aus dem Amazonasgebiet heraus transferiert, es mangelt also an wichtigen Investitionen oder gar Entschädigungen. Minenarbeiter und Goldgräber belasten nicht nur mit schwerem Gerät und giftigen Chemikalien die Flüsse und Böden nachhaltig, sie bringen auch Krankheiten und große Mengen Alkohol in die Indianergebiete. Zudem kommen häufig gewaltsame Übergriffe der Arbeiter auf die ansässige Urbevölkerung vor, die manchmal in regelrechten Massakern ausarten.
Der Regierung wird dabei Mitschuld vorgeworfen, da Mörder nur selten wirklich strafrechtlich verfolgt werden. Außerdem vergibt sie Genehmigungen zur wirtschaftlichen Nutzung von Gebieten, (z.B. zur Ölförderung) die von Indios bewohnt sind.
Die gegenwärtige brasilianische Bevölkerung ist sehr jung. Es sind 26,1 % unter 15 Jahre alt,   67,9 % sind 15 bis 64 Jahre alt und nur 6,0 % über 65 (Stand: 2006). Das Durchschnittsalter beträgt 27,81 Jahre. Die Lebenserwartung der Brasilianer lag 2006 bei 67,74 Jahre und bei den Brasilianerinnen bei 75,85 Jahre.
81,75 % der Bevölkerung leben im Jahr 2006 in den Städten, die sich durch rasantes Wachstum und Wildwuchs auszeichnen; in den Außenbezirken bilden sich Favelas genannte Armensiedlungen.
Der Unterschied zwischen Arm und Reich ist in kaum einem Land so groß wie in Brasilien. So waren bis 1998 2,8 % der Bauern Großgrundbesitzer mit zusammen 57 % der gesamten Agrarfläche, wohingegen 90 % der Bauern sich 22 % der Nutzfläche teilen müssen. Etwa 5 Millionen Familien gelten als landlos. Den schwersten Stand haben dabei Afro-Brasilianer, bei denen Armut, Säuglingssterblichkeit und Diskriminierung wieder zunehmen. Nicht viel besser ergeht es den Indios. Ein Gleichstellungs- und Anti-Hunger-Programm gilt seit 2003.

Noch mehr Zahlen finden Sie unter www.welt-in-zahlen.de unter dem Stichwort Brasilien.

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Sprachen

Brasilien ist das einzige portugiesischsprachige Land Amerikas. Das brasilianische Portugiesisch hat einen eigenen Charakter. Es unterscheidet sich in der Aussprache und durch eine leicht abgewandelte Orthografie und Grammatik von der europäischen Variante. Das (brasilianische) Portugiesisch ist alleinige Amtssprache und für mindestens 97 % der Bevölkerung Muttersprache. Die Indianersprachen werden nur noch von etwa 0,1 % der Bevölkerung gesprochen. Am verbreitetsten sind Guaraní, Tupi und Gês, wobei die letzten beiden vorrangig im Amazonasgebiet verbreitet sind, wo der Einfluss der Europäer gering blieb. In den Küstengegenden sind die Indianersprachen praktisch vollständig verdrängt worden. Guaraní hatte zu Kolonialzeiten eine größere Bedeutung und ist nur knapp daran gescheitert, Amtssprache des Landes zu werden.
Aufgrund der Einwanderung gibt es in Brasilien zahlreiche Minderheitensprachen. Etwa 1,5 Millionen Brasilianer sprechen Deutsch als Muttersprache, 500.000 Italienisch, 380.000 Japanisch und 37.000 Koreanisch. Dabei muss berücksichtigt werden, dass bei den Sprachminderheiten die Zahl der Sprecher sehr optimistisch berechnet ist. Diese Volksgruppen gehörten teilweise zu den ersten Siedlern und ihre Nachfahren verstehen fast nur noch Portugiesisch. In den Ortschaften, die als Zentren für Einwanderer galten, entstanden oftmals brasilianische Dialekte der Einwanderersprache. Beispiele sind Talian, brasilianisches Italienisch, oder das Riograndenser Hunsrückisch.
Bis ins 20. Jahrhundert hinein gab es (besonders im Süden) ganze Gemeinden, in denen ausschließlich Deutsch oder Italienisch gesprochen wurde, da insbesondere die deutschen Auswanderer und deren Nachfahren über eine gute Infrastruktur aus Schulen, Vereinen u.ä verfügten und zumeist in relativ geschlossenen Kolonien lebten. Als während des autoritären Regimes des Estado Novo (1937-1945) eine Nationalisierungskampagne durchgeführt wurde, geriet die deutsche Gemeinschaft zunehmend unter Druck, da der Staat den Assimilierungsprozess forcierte. Der Eintritt Brasiliens in den Zweiten Weltkrieg bot den entsprechenden Anlass, um die Sprachen der Feindstaaten zu verbieten und deutsche und italienische Schulen zu schließen, woraufhin das Portugiesische auch in diesen Ortschaften Einzug hielt.

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Geschichte

In der Kolonialzeit von Portugiesen besetzt, im Jahr 1825 unabhängig geworden, kann Brasilien heute auf Könige, Kaiser und Militärdiktatur zurückblicken, bevor es zu demokratischen Strukturen fand. Heute ist Brasilien eine Präsidiale Bundesrepublik unter der Führung von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva.

Einen sehr ausführlichen Überblick der brasilianischen Geschichte finden Sie hier: http://www.kinderkulturkarawane.de/2006/Themen/themenindex.htm

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Bildungswesen und Wissenschaft

Die Alphabetisierungsrate des Landes liegt 2003 bei 88,4 %, das Schulabgangsalter bei 16 Jahren. Die Schule zu besuchen, ist in Brasilien Pflicht. In die Bildung fließt ein ähnlich großer Teil des Bruttosozialprodukts wie in Europa; in absoluten Zahlen ist das brasilianische Bildungsbudget etwa so groß wie das deutsche (2004). In Brasilien teilt sich diese Summe jedoch auf eine mehr als doppelt so große und im Durchschnitt wesentlich jüngere Bevölkerung auf. Die staatlichen Schulen genießen einen schlechten Ruf. Deshalb schicken finanziell besser gestellte Eltern ihre Kinder auf private Schulen. Diese unterscheiden sich von der Höhe des Schulgeldes und der Qualität des Unterrichts erheblich.
In 150 Universitäten werden fast 2,8 Millionen Studenten unterrichtet. Etwas mehr als die Hälfte der Hochschulen sind staatlich. Sie sind für alle Menschen mit qualifizierendem Schulabschluss nach einer Aufnahmeprüfung frei zugänglich und gebührenfrei. Die privaten Hochschulen finanzieren sich über unterschiedlich hohe Studiengebühren. Entsprechend schwankt ihre Ausstattung und die Qualität der Lehre. An den staatlichen Hochschulen werden zweimal jährlich einheitliche und offizielle Aufnahmeprüfungen, sogenannte vestibulares, durchgeführt. Die Bewerberzahl übersteigt meist bei weitem die Anzahl der vorhandenen Studienplätze. Bewerber bereiten sich deshalb nach dem Abitur oft mit sogenannten cursinhos auf das vestibular vor, die von privaten Bildungseinrichtungen angeboten werden und dementsprechend kostenpflichtig sind. Wer im vestibular keinen Studienplatz erhält, hat die Möglichkeiten, bis zum nächsten Semester zu warten und das vestibular erneut zu absolvieren oder auf einer der privaten Hochschulen zu studieren.
Bekannt sind die brasilianischen Forschungen zur Nutzung regenerativer Energien, die zum Beispiel beim Bau des Wasserkraftwerks Itaipú (Vorbild des Dreischluchtendamms) Anwendung fanden. Auch der Motorenbau verdient Beachtung: Das erste Auto mit Alkoholmotor lief 1979 in Brasilien vom Band und der Ingenieur Vincente Camargo entwickelte im Jahr 2005 den ersten Alkoholmotor (Methanol) für Flugzeuge, welches von der Flugzeugbaufirma (Neiva-Embraer) als erstes erprobt wurde. Die Forschung in der Luftfahrt findet traditionelle besondere Beachtung in Brasilien. Alberto Santos-Dumont - nach dem der nationale Flughafen in Rio de Janeiro benannt ist - führte die weltberühmten Luftschiffflüge um den Eiffelturm durch. Er zeigte seine ersten Luftschiffe 1898 in Paris, benutzte dabei die ersten Sicherheitsgurte, erwähnte 1902 als Erster die Funktion eines Flughafens, demonstrierte bei einem Flug 1904 die erste Fliegeruhr, eröffnete 1905 das erste Luftfahrtmuseum in Paris, absolvierte 1906 die ersten beglaubigten und öffentlichen Motorflüge in Bagatelle und entwickelte das erste Motorflugzeug nach dem Modell Plano esporte 1909. Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton bezeichnete ihn als Vater der Luftfahrt.

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Wirtschaftliche Entwicklung

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts lebte die Bevölkerung vor allem vom Export von Agrarprodukten. Dann gab es aufgrund der beginnenden Industrialisierung des Landes einen zunehmenden Mangel an Arbeitskräften, der nach der Abschaffung der Sklaverei im Jahre 1888 noch weiter verschärft worden war. Dies lockte eine große Zahl von Einwanderern an, die größten Gruppen unter ihnen waren neben Portugiesen und Spaniern, Deutsche, Italiener, Polen und Japaner.
Während des ersten Weltkriegs geriet das Land, weil die wichtigsten Export-Artikel (Kaffee, Zucker, etc.) von einem enormen Preisverfall betroffen waren, in eine wirtschaftliche Krise. Hilfe kam mit Kapital und Immigranten aus Großbritannien. Mit Ausnahme des ersten Weltkriegs konnte die Wirtschaft und auch das Verkehrsnetz in den ersten 30 Jahren des 20. Jahrhundert stetig wachsen.
1917 kam es zu ersten großen Streikwellen in São Paulo und Rio de Janeiro, auf die die Regierung mit Unterdrückung reagierte. In den 1920er Jahren bildeten sich Arbeiterparteien und Gewerkschaften, doch dies führte nicht zu einer stärkeren Stellung im Staat, da sie keine Vertretung in oberen Schichten hatten. Auch die Leutnantbewegung Tenentismo ab 1922 konnte daran nichts ändern, da Versuche einer Revolution scheiterten.
Ein aktuelles Problem der brasilianischen Wirtschaft ist die steigende Urbanisierung und Zuwanderung der Landbevölkerung in die Städte. Allein in Brasilia steigt sie pro Jahr um 3 %, was in den Armenvierteln katastrophale Auswirkungen hat.
Mit großen, gut entwickelten Landwirtschafts-, Bergbau-, Produktions-, und Dienstleistungssektoren auf der einen Seite und einem großen Vorrat an Arbeitskräften auf der anderen ist die brasilianische Wirtschaft heute die kräftigste Südamerikas und gewinnt auf dem Weltmarkt an Bedeutung. Die wichtigsten Exportprodukte sind Kaffee, Kakao, tropische Früchte, Sojabohnen, Zucker und Eisenerz. 40 % der brasilianischen Agrarausfuhren gehen in die EU, 17 % in die USA.
Auf den meist von Zuckerbaronen beherrschten Zuckerrohrplantagen herrschen äußerst schlechte Bedingungen. Menschen arbeiten teilweise in sklavenähnlichen Verhältnissen in riesigen Monokulturen.
Zu den größten Herausforderungen für die brasilianische Wirtschaft zählen nach wie vor die Inflation und die Kluft zwischen einer wohlhabenden, gut ausgebildeten Bevölkerungsminderheit und der schlecht ausgebildeten Mehrheit, die größtenteils am Rande des Existenzminimums lebt. Es gibt eine große Bewegung von Landlosen, die Movimento dos sem terra (MST), die für eine Landreform kämpfen.
Wichtige brasilianische Unternehmen sind: Petrobras (Erdöl), Companhia Vale do Rio Doce (Bergbau), Gerdau (Metallverarbeitung), AmBev (Getränke), Embraer (Flugzeugbau), Norberto Odebrecht (Baugewerbe), Sadia (Lebensmittel). Auch große ausländische Unternehmen wählten Brasilien zum Schwerpunkt ihrer südamerikanischen Aktivitäten, so der Volkswagen-Konzern, Nestlé, Parmalat oder Autolatina, die brasilianische Tochter des Fiat-Konzerns.

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Musik

Die brasilianische Musik ist von portugiesischen, afrikanischen und indigenen Musiktraditionen beeinflusst worden. Über die indigene Musik der vorkolonialen Zeit ist kaum etwas bekannt, die erste Beschreibung datiert aus dem Jahre 1568. Ein französischer Pastor beschrieb damals in einem Buch über seine Reise in das Land die Tänze und Gesänge der Ureinwohner. Die Musik veränderte sich unter dem Einfluss der europäischen Siedler und afrikanischen Sklaven.
1922 kam es durch die Semana de Arte Moderna (Woche der modernen Künste) zu einer musikalischen Revolution. In den 1950er Jahren kam der Bossa Nova auf. Diese Musikrichtung gilt als die ?brasilianische Variante des Jazz?: sie lehnt sich an nordamerikanischen Jazz an, bleibt aber geprägt von südamerikanischen und afrikanischen Rhythmen. Heute wird der Bossa Nova vorwiegend von den älteren Brasilianern gehört. Der Tropicalismo (auch Tropicália) entstand Ende der 1960er Jahre zur Zeit der Militärdiktatur. Musikalisch handelt es sich um eine Mischung aus Bossa Nova, Folk und Rock, das wesentliche Element ist aber ein gemeinsames politisches Bewusstsein der Künstler. Ihre Abneigung gegen die Diktatur und die Einschränkung ihrer Rechte fand im Tropicalismo ihren Ausdruck. Die Texte sind daher im allgemeinen regimekritisch und nicht wenige Musiker mussten ins Exil gehen.
Entgegen ihrem Namen hat die Música Popular Brasileira, oft mit MPB abgekürzt, nur wenig mit dem gemeinsam, was man hierzulande unter Popmusik versteht. Die Bezeichnung umfasst eine Vielzahl an Stilrichtungen, die aber stets typische Elemente aus einzelnen Regionen des Landes aufgreifen. In Brasilien gilt MPB als Ausdruck des musikalischen und nationalen Selbstverständnisses. In diesem Sinne stellt MPB gewissermaßen eine Weiterentwicklung der brasilianischen Folklore dar.
Die wohl bekannteste brasilianische Musikform ist der Samba. Er entstand aus der Musik der afrikanischstämmigen Bevölkerungsteile und ist sehr rhythmuslastig. Populär wurde der Samba durch den jährlichen Karneval in Rio. Dort präsentieren sich die größten und renommiertesten Sambaschulen in riesigen Paraden im Wettstreit um den Titel der besten Sambaschule Brasiliens. Neben den Umzügen zur Karnevalszeit spielen die Bands manchmal auch auf den Straßen oder unterstützen mit ihrer Musik politische Demonstrationen und Streiks.
Es gibt eine unüberschaubare Zahl an regionaltypischen Musikstilen, die sich entsprechend der verschiedenen kulturellen Eigenheiten der jeweiligen Gebiete entwickelt haben. Música Nordestina ist ein Sammelbegriff für die Musik aus dem Nordosten, der eine besonders große musikalische Vielfalt besitzt. Hier sind Instrumente wie Akkordeon und Gitarre vorherrschend. Recife im Speziellen ist bekannt für den Frevo, der auch Einflüsse aus der Militärmusik besitzt. Forró wird von Trios mit Trommel, Triangel und Akkordeon gespielt. Ein traditioneller afro-brasilianischer Stil ist Maracatu, welcher mit großen Trommeln, Glocken und Rasseln gespielt wird
Besonders in den regionaltypischen Musikrichtungen kommen Instrumente afrikanischen Ursprungs zum Einsatz, so zum Beispiel die Berimbau, ein bogenförmiges Rhythmusinstrument mit einem hohlen Kürbis an einem Ende, oder die Xequerê, ein mit Muscheln bestücktes Schüttelinstrument.
In den letzten Jahren setzte sich vor allem bei den Jugendlichen die Musikrichtung Axé durch. Axé wird dem Samba, ausgenommen in der Karnevalszeit, mehr und mehr bevorzugt. Die Mischung aus Samba, Pagodé und Pop ist enorm rhythmusbetont und gut tanzbar. Zum Teil thematisieren die Texte kritische Themen, wie Armut, soziale Ungerechtigkeit oder Korruption. Bekannte Gruppen des Axé sind beispielsweise Olodum, Daniela Mercury, Ivete Sangalo, Banda Eva, Araketu oder Terra Samba.
Eine neue Entwicklung ist auch der Drum&Bossa Sound. Ein Mix aus dem Englischen Drum&Bass und dem Brasilianischen Bossa Nova.

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Kinderarbeit und Orangensaft

In keinem anderen Land wird soviel Orangensaft getrunken wie in Deutschland. Er ist fast so beliebt wie Apfelsaft. Woher kommen die vielen Orangen? Brasilien ist der weltweit größte Produzent von Orangensaftkonzentrat. Der zweitwichtigste Produzent ist die USA. In der EU wird der Orangensaft fast ausschließlich, nämlich zu ca. 91%, aus dem brasilianischen Konzentrat hergestellt.
Auf dem Orangenmarkt herrscht ein großer Preisdruck, der letztendlich an die LandwirtInnen und PflückerInnen weitergegeben wird. Zum einen liegt dies an der Überproduktion von Orangenkonzentrat, die durch die massiv gesteigerte Produktion in den USA verursacht wurde, zum anderen am knallharten Wettbewerbskampf auf dem europäischen Fruchtsaftmarkt.
Im Vergleich ist Orangensaft heute billiger als vor 10 Jahren. Dies wirkt sich in Brasilien besonders hart aus. Auf einer Fläche so groß wie die Niederlande, Belgien und Luxemburg zusammen werden dort im Bundesstaat Sao Paolo ausschließlich Orangen angebaut. Ca. 20.000 LandwirtInnen, die 3/4 der ProduzentInnen bilden, und fast 10.000 PflückerInnen sind in der Orangenproduktion beschäftigt. Ihre Abhängigkeit von den Konzernen, die das Konzentrat herstellen, ist immer mehr gestiegen. Mittlerweile kontrollieren zwei multinationale Konzerne fast die Hälfte des Marktes und diktieren die Preise.
Die ProduzentInnen erhielten z.B. in der Ernte 1995/95 zwischen 1,55 und 1,80 US$ pro Kiste Orangen. Nicht einmal die Produktionskosten von 1,30 bis 1,80 US$ konnten damit gedeckt werden, da schon allein Ernte und Transport 0,75 bis 1,20 US$ pro Kiste kosteten. Die OrangenpflückerInnen verdienten ungefähr 9US$ pro Tag - ohne Sozialversicherung und nur während der 6monatigen Erntezeit. Die Lebenshaltungskosten sind aber so hoch wie in Mitteleuropa.
Kein Wunder also, dass auch Kinder und Jugendliche mitarbeiten mussten und noch müssen, damit die Familien überleben können. Mehr als 1/4 der ArbeiterInnen sind Kinder, manche von ihnen nicht älter als 10 Jahre alt, und die Arbeit ist hart. Gepflückt wird im Akkord, bis zu 14 Stunden am Tag. Auch die Kleinen müssen die 25kg schweren Säcke mit Orangen schleppen . fast 2 Tonnen am Tag. Die schwere Arbeit und die zum Schutz vor Insekten auf die Orangen versprühten Pestizide verursachen schwere Gesundheitsschäden. Außerdem bleibt den Kindern keine Zeit und Kraft, nach der Schwerstarbeit noch eine Schule zu besuchen.
Die europäischen Fruchtsaftfirmen geben sich nach wie vor ahnungslos - und das, obwohl der Verband der Fruchtkonzentrate exportierenden Industrie und einige Konzentrathersteller it UNICEF einen Vertrag zur Vermeidung von Kinderarbeit in Brasilien unterschrieben haben. Allerdings zeigte der bisher nicht viel Wirkung. Auch die Tatsache, dass die wichtigste Ursache für die Kinderarbeit in zu geringen Löhnen und der Armut der Familien liegt, wird nur am Rande erwähnt. Das spricht nicht für den Vertrag. Kinderarbeit in Brasilien oder anderswo verschwindet nicht automatisch, wenn wir weniger Orangensaft trinken. Aber als die weltweit eifrigsten KonsumentInnen von brasilianischem Orangensaft tragen wir eine Mitverantwortung, die wir in einer Veränderung unseres Kaufverhaltens ausdrücken können, nämlich unseren Orangensaftbedarf aus Fairem Handel decken.
Nach der Ernte werden die Orangen sofort zur Presserei transportiert, um das Orangensaftkonzentrat herzustellen. Die Früchte werden aussortiert, geschält und gepresst und der Saft konzentriert. Das Orangensaftkonzentrat wird erst erhitzt (pasteurisiert) und danach tiefgefroren. So wird es dann in 200l-Fässern nach Europa verschifft. Dort angekommen wird es in großen Tiefkühllagern der Importeure zwischengelagert. Die Fruchtsafthersteller beziehen von dort das Konzentrat, mischen wieder Wasser dazu und füllen den fertigen Saft in Flaschen oder Tetrapacks ab. 200l Orangensaftkonzentrat ergeben ca. 1000l Orangensaft. Auf diese Weise kann das ganze Jahr über Orangensaft hergestellt und angeboten werden.
Aus ökologischer Sicht sind Anbau und Transport bedeutend. Das Wuppertal-Institut fand heraus, dass in Brasilien 24m² mit Orangenbäumen bepflanztes Land notwendig sind, um den Saftdurst eines/ einer einzige/n Deutschen zu stillen. Im Gegensatz zum Orangenanbau in Brasilien werden in den USA die Plantagen künstlich bewässert, bei Frost beheizt und maschinell beerntet. Dadurch wird dort 20-30x soviel Treibstoff wie in Brasilien verbrannt, und allein 1000l Wasser pro Liter Orangensaft fließen in die Bewässerung. Andererseits zeigen Berechnungen folgendes: Von der Herstellung bis zum Verkauf benötigt der Transport am meisten Energie, nämlich 46%. Wenn man jedoch bedenkt, dass das Orangensaftkonzentrat über 12.000 km nach Europa verschifft wird, so erscheinen 1l Treibstoff pro 100 l Orangensaft für diese Strecke nicht sehr viel. Dies liegt daran, dass aus dem Orangensaftkonzentrat, wie schon erwähnt, später die 5-fache Menge Orangensaft entsteht. Diese Art des Transportes ist sehr viel umweltschonender als der direkt als Frischsaft verschickte Orangensaft, da beim Konzentrat weniger Masse bewegt werden muss.

Filme zum Thema Kinderarbeit und Orangensaft:

BITTER ORANGE
Frederico Füllgraf, Brasilien 1997
34 Min., Video, Farbe und s/w, Dokumentarfilm
Verleih: EZEF www.ezef.de (dort finden sich weitere Filme zum Thema Brasilien)
 

Um sich im Unterricht weiter mit dem Thema Brasilien und den Kindern auseinander zu setzen, hier noch ein paar weitere Tips:

Literaturtipp:
Marcio, ich will leben! Ein brasilianischer Straßenjunge wagt das Unmögliche ...
von Damaris Kofmehl; 218 Seiten, Brunnen-Verlag GmbH, ISBN 3765535885
 

Brasilienkoffer
20 Dias (zu Familie, Alltag, Schule), eine CD Sprachkurs für Kinder mir Musikbeispielen, 54 Kopiervorlagen zu verschiedenen Lebenssituationen in Brasilien, Geschichten, Bastelvorschlägen u.v.m.
Entleihbar gegen Gebühr in der Mediothek des Welthaus Bielefeld e.V., August-Bebel-Straße 62, 33602 Bielefeld, 0521-98648-11, www.welthaus.de, bildung@welthaus.de.

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Hinweise auf Materialien:

Welthaus Bielefeld / Brot für die Welt / Deutsche Welthungerhilfe / Kindernot- hilfe / Unicef: Broschüre: Kinderarbeit und Orangensaft.
Wir importieren Kinderarbeit aus Brasilien. Unterrichtsmaterialien, 48 S., Bielefeld 1995,
Preis: DM 7,--. Bezug: Welthaus u.a. Hintergrundinformationen zum Thema und didaktische Vorschläge für eine Umsetzung des Themas im Unterricht der Klassen 6 - 12.

B. Pilz: Zum Beispiel Orangen. Ca. 100 S., Lamuv-Verlag, Göttingen (Sommer) 1997. Preis: ca. DM 12,--. Bezug: Buchhandel.
Zusammenfassende Grundinformationen zum Thema, geeignet zur schnellen Orientierung.

Welthaus Bielefeld: Diaserie Kinderarbeit und Orangensaft,
30 Farbdias plusTextheft, Bielefeld 1995, Kaufpreis: DM 75,--; Ausleihe: DM 20,-- /14 Tage,
Bezug: Welthaus Bielefeld.
Bilder zur Kinderarbeit in Brasilien und zum deutschen Fruchtsaftmarkt, die zur Illlustrierung der Zusammenhänge herangezogen werden können.

Mehr Informationen
http://www.inwent.org/v-ez/lis/brasil/index.htm und weitere Links: www.brasilien-links.de

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Adressen:

Arbeitskreis Kinderarbeit und Orangensaft
Kontakt: Herr R. Meyer, Beethovenstr. 40, 73660 Urbach, Tel: 07181/83036

Dem Arbeitskreis gehören verschiedene entwicklungspolitische Organisationen an. Er
hat zum Thema "Kinderarbeit im Orangensektor Brasiliens" diverse Studien in Auftrag gegeben.

 FLO - FairTrade labelling organisations international
Hinter der Burg 27, 73614 Schorndorf, Tel: 07181/929822
Internationaler Zusammenschluß "fairer" Handelsorganisationen, die den Import eines "fairen Orangensaftes" aus Brasilien in die Wege leiten möchten.

 Welthaus Bielefeld e.V.
August-Bebel-Str. 62, 33602 Bielefeld, Tel: 0521/986480, www.welthaus.de, bildung@welthaus.deBezug der Unterrichtsmaterialien und der Diaserie.

 Brot für die Welt
Stafflenbergstr. 76, 70184 Stuttgart 

Diese Organisationen unterstützen Projekte in Brasilien:

Noch mehr Links

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Was man tun kann
wollen Schüler/innen häufig wissen, wenn sie von der Not der Menschen anderer Ländern erfahren. Globales Lernen sollte stets auch Wege aufzeigen, aktiv zu werden. Eine Möglichkeit ist, bestehende Hilfsprojekte und humanitäre Organisationen durch Spenden und Mitarbeit zu unterstützen. Zum Spendensammeln gibt es unzählige kreative Möglichkeiten für Schüler/innen und ganze Schulen. Hier eine Zusammenstellung einiger (z.T. bereits genannter) Webseiten, auf denen man sich über Hilfsprojekte und Unterstützungsmöglichkeiten für Brasilien informieren kann:

www.tdh.de
(=> Stichwort Brasilien) verschiedene Hilfsprojekte
www.welthungerhilfe.de
(=> Stichwort Brasilien)
www.brot-fuer-die-welt.de/projekte/
(=> Stichwort: Brasilien)

Spenden ist nicht alles,
denn Menschen in Krisenregionen sind nicht aus eigener Schuld in Not geraten. Sie brauchen keine Almosen, die nur ihre Abhängigkeit vom „Spendentropf“ fördern, sondern langfristige praktische Unterstützung, um ihr Leben aus eigener Kraft neu zu organisieren oder um überhaupt zu überleben. Denn abgesehen von Naturkatastrophen wie Seebeben oder Dürre sind vor allem (inter-)nationale politische Machtbestrebungen, wirtschaftliche Interessen und Abhängigkeiten, Verteilungskämpfe um Ressourcen, Misswirtschaft und Korruption verantwortlich für Armut und Hunger. Zusätzlich zur konkreten Projektunterstützung muss deshalb ein umfassenderes Verständnis weltpolitischer Zusammenhänge und globaler Prozesse entwickelt werden. Dieses politische Bewusstsein gilt es, auch bei Schüler/innen anzuregen und ihnen Umsetzungsmöglichkeiten im Alltag und innerhalb der eigenen Gesellschaft zu zeigen, z.B. in Form von politischem oder sozialem Engagement, als Konsument oder durch Einwirkung auf Entscheidungsträger/innen.

Ideenpool
Anregungen für thematische Einstiege, Aktionen und Projekte im Unterricht

  • Informationen, Vorwissen, Assoziationen zum Land abfragen, z.B. durch Brainstorming, MindMap, Kartenabfrage

  • Fotos, Filme und Bücher als Gesprächsanlässe auswählen (mit und ohne Vorinformationen)

  • eine Organisation einladen oder besuchen, die Projekte in Brasilien unterstützt

  • Schüler/innen recherchieren und erstellen Wandzeitungen, Fotocollagen, Ausstellungen o.ä. zum Land, zu ausgewählten Themen oder zum Vergleich mit dem Alltag der Jugendlichen in Deutschland. Jede Menge Zahlen für Ländervergleiche bietet www.welt-in-zahlen.de

  • Radiosendung produzieren oder Zeitungsartikel (z.B. für Schulzeitung) verfassen

  • Projekte von Hilfsorganisationen untersuchen, präsentieren, vergleichen und ggfs. Unterstützungsaktionen organisieren oder mitarbeiten

  • Schulpartnerschaften suchen und aufbauen

  • Verkaufsstand organisieren für fair gehandelte Produkte aus Brasilien

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Weiterführende Links zum Globalem Lernen:

www.globlern21.de Internetportal zum Globalen Lernen mit vielfältigen Verweisen
www.eine-welt-netz.de Eine Welt im Internet – Einstiegsseite zum Globalen Lernen
www.globales-lernen.de: Webseite vom Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung
www.eine-welt-unterrichtsmaterialien.de Datenbank mit Unterrichtsmaterialien zum Bestellen
www.weltinderschule.uni-bremen.de umfangreiche Unterrichtsmaterialien, kostenlose Ausleihe, Anregungen für Eine –Welt – Themen im Unterricht vom Projekt „Eine Welt in der Schule", Uni. Bremen
www.learn-line.nrw.de vom NRW - Landesinstitut für Schule mit Recherchemöglichkeit
www.baobab.at österreich. Website mit Literatur, didaktischen Tipps, Praxisbeispielen

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Stand: August 2006