Das Land
Indien, mit einer Fläche von 3.287.590 km² der siebtgrößte Staat der
Erde. Indien grenzt an sechs Staaten:
Pakistan,
China,
Nepal,
Bhutan,
Myanmar
und
Bangladesch.
Da der nördliche Teil des umstrittenen
Kaschmirs
seit
1949
unter pakistanischer Kontrolle steht, hat Indien keine gemeinsame
Grenze mit
Afghanistan
mehr.
Die natürliche Grenze im Norden und Nordosten bildet der
Himalaya,
das höchste
Gebirge
der Welt, das im äußersten Nordwesten durch das Hochtal des
Indus
vom
Karakorum
getrennt wird. Südlich an den Himalaya schließen sich die breiten,
fruchtbaren Stromebenen der Flüsse
Ganges
und
Brahmaputra
an. Den Nordosten Indiens, einschließlich der Brahmaputra-Ebene,
verbindet nur ein schmaler Korridor zwischen
Bangladesch
und
Nepal
bzw.
Bhutan
mit dem Rest des Landes. Die Nordostregion wird durch das bis zu
3.800 Meter hohe
Patkai-
oder Purvachalgebirge von
Myanmar
sowie das knapp 2.000 Meter hohe
Khasigebirge
von Bangladesch abgeschirmt.
Im Westen geht das Stromland des Ganges in die Wüste
Thar
über, die im Osten und Süden vom
Aravalligebirge begrenzt wird. Südlich davon
liegen die Sümpfe des
Rann von
Kutch sowie die Halbinsel
Kathiawar.
Das Hochland von
Dekkan
nimmt den größten Teil der keilförmig in den
Indischen
Ozean vorragenden indischen Halbinsel ein. Das
Vindhya-
und das
Satpuragebirge schirmen den Dekkan von der
Gangesebene im Norden ab. Im Westen wird er von den bis zu 2.700
Meter hohen
Westghats,
im Osten von den flacheren
Ostghats
begrenzt. Beide Gebirgszüge treffen im Süden, wo die Halbinsel spitz
zum
Kap Komorin
zuläuft, zusammen. Die Westghats fallen steil zur
Konkan-
und
Malabarküste
entlang des
Arabischen
Meeres ab. Die Ostghats gehen in die breiteren
östlichen Küstenebenen am
Golf von
Bengalen über.
Zu Indien gehören außerdem drei dem
Indischen
Subkontinent vorgelagerte Inselgruppen. Westlich
der Malabarküste liegen die Korallenatolle
von
Lakshadweep,
das die Inselgruppen der
Lakkadiven
und
Amindiven
sowie die Insel
Minicoy
umfasst. Südöstlich der Halbinsel erstrecken sich die
Andamanen
und
Nikobaren.
Der höchste Punkt Indiens ist der Berg
Kanchenjunga
mit 8.598 Metern Höhe, der sich im äußersten Westen
Sikkims
in unmittelbarer Grenznähe zu
Nepal
erhebt. Der höchste vollständig auf indischem Gebiet liegende Berg
ist die
Nanda Devi
mit 7.822 Metern. Der tiefste Punkt ist die zwei Meter unter dem
Meeresspiegel gelegene
Kuttanad-Senke
an der Malabarküste.
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Das
Klima
Mit Ausnahme der
Bergregionen ist Indiens
Klima
vornehmlich
tropisch,
wobei Nord- und Zentralindien
kontinentaler
geprägt sind als der
maritime
Süden. So treten im Norden im Jahresverlauf teils erhebliche
Temperaturschwankungen auf. Während in den nördlichen Tiefebenen im
Dezember und Januar nur 10 bis 15 Grad Celsius herrschen, sind in
der heißesten Zeit zwischen April und Juni Höchsttemperaturen von 40
bis über 50 Grad Celsius möglich. Im Süden ist es dagegen ganzjährig
heiß, aber konstanter.
Die Niederschlagsverhältnisse werden im ganzen Land maßgeblich vom
Indischen
Monsun beeinflusst. Der Südwest- oder Sommermonsun
setzt in den meisten Landesteilen im Juni ein und bringt je nach
Region bis September oder Oktober ergiebige Niederschläge. Auf Grund
der sehr unterschiedlichen
Topographie
ist die Niederschlagsverteilung allerdings höchst ungleichmäßig. Die
stärksten Regengüsse gehen an der Westküste, in den
Westghats,
an den Hängen des
Himalayas
und in Nordostindien nieder. Am trockensten ist es dagegen in der
Thar.
Die aus
Zentralasien
kommenden Nordost- oder Wintermonsunwinde zwischen Oktober und Juni
bringen kaum Feuchtigkeit, daher entfallen in den meisten Gegenden
80 bis über 90 Prozent der jährlichen Gesamtniederschlagsmenge auf
die Sommermonate. Lediglich der Südosten erhält auch während des
Nordostmonsuns Regen, da die Luftströmungen über dem
Golf von
Bengalen Feuchtigkeit aufnehmen.
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Naturkatastrophen
Indien wird
immer wieder von verschiedenen Naturkatastrophen heimgesucht,
besonders
Überschwemmungen, die während des Sommermonsuns
durch extreme Niederschlagsmengen im ganzen Land auftreten können.
Während der trockenen Jahreszeit oder bei Ausbleiben der
Monsunregenfälle kommt es dagegen häufig zu
Dürren.
Zyklone
und dadurch bedingte Flutwellen an der Ostküste kosten oft viele
Menschenleben und richten verheerende Schäden an. In einigen
Gebieten besteht auch erhöhte
Erdbebengefahr, betroffen sind vor allem der
Himalaya,
die Nordoststaaten, West
und die Region um
Mumbai.
Im Dezember 2004 verursachte ein
Seebeben im
Indischen Ozean einen verheerenden
Tsunami,
der an der Ostküste und auf den
Andamanen und
Nikobaren 7.793 Menschenleben forderte und
schwerste Verwüstungen anrichtete.
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oben
Territorien,
Distrikte, Blöcke und Dörfer
Indien ist ein Mitglied im
Commonwealth of
Nations und ist in 28
Bundesstaaten
(States) und sieben
Unionsterritorien
(Union Territories,
einschließlich des Territoriums der Hauptstadt) gegliedert, die sich
in insgesamt 603
Distrikte
oder Bezirke (Districts)
unterteilen. In größeren Bundesstaaten werden mehrere Distrikte zu
Divisionen (Divisions)
zusammengefasst. Den Distrikten untergeordnet sind die Blöcke (
oder Taluks), die
wiederum etwa 200 bis 600 Dörfer, welche die unterste
Verwaltungsebene darstellen, umfassen.
Während die Unionsterritorien von der Zentralregierung in Neu-Delhi
verwaltet werden, verfügt jeder Bundesstaat über ein eigenes
Parlament und eine eigene Regierung. Der Regierung eines
Bundesstaats steht der Chief
Minister vor, der allerdings formal einem vom indischen
Präsidenten ernannten Gouverneur mit weitgehend repräsentativen
Aufgaben untergeordnet ist. Letzterem werden bei Anwendung der President's Rule (siehe
Abschnitt
Politisches System)
die Regierungsgeschäfte übertragen.
Die Kommunalverwaltung obliegt in größeren Städten mit mehreren
hunderttausend Einwohnern den
Municipal Corporations, in kleineren Städten den Municipalities. Im
ländlichen Raum wird der dreistufige Panchayati Raj
angewandt. Dieses System umfasst gewählte Räte (
auf Distrikt-, Block- und Dorfebene. Die Zuständigkeiten der
Kommunalverwaltungen sind je nach Bundesstaat unterschiedlich
gestaltet.
Nach
oben
Städte
Hauptstadt Indiens ist
Neu-Delhi
in unmittelbarer Nähe zu
Delhi,
das mit rund 11 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt des
Landes darstellt und mit mehr als 17 Millionen Einwohnern die
zweitgrößte
Agglomeration.
Delhi ist kultureller Mittelpunkt der
hindisprachigen
Gemeinschaft des Nordens. Indiens größte Stadt und wirtschaftliches
Zentrum ist jedoch
Mumbai
(bis 1995 Bombay).
Die Metropole an der Westküste zählt fast 13 Millionen Einwohner, in
der Agglomeration rund 20 Millionen. An dritter Stelle folgt
Bangalore.
In der 5-Millionen-Stadt im südlichen
Dekkan-Hochland
sind zahlreiche Hochtechnologiefirmen angesiedelt, was ihr den
Beinamen „Silicon Valley Indiens“ eingebracht hat.
Kolkata
(bis 2001 Calcutta),
die wichtigste Metropole des Ostens, liegt mit 4,6 Millionen
Menschen an vierter Stelle. Es gilt als intellektuelles Zentrum.
Chennai
(bis 1996 Madras),
die mit 4,3 Millionen Einwohnern fünftgrößte Stadt Indiens, ist als
kultureller Mittelpunkt Südindiens und insbesondere der
Tamilen
bekannt.
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Die
Bevölkerung
Mit 1,112
Milliarden Einwohnern ist Indien nach der
Volksrepublik
China und vor den
USA
der bevölkerungsreichste Staat der Erde. Die
Bevölkerungsdichte beträgt 329 Einwohner pro km².
Allerdings sind nicht alle Landesteile derart dicht besiedelt,
vielmehr ist die Bevölkerung höchst ungleichmäßig verteilt. Sie
ballt sich vor allem in fruchtbaren Landstrichen wie der Stromebene
des
Ganges,
Westbengalen
und
Kerala,
während der
Himalaya,
die Berggegenden des Nordostens sowie trockenere Regionen in
Rajasthan
und auf dem
Dekkan
nur eine geringe Besiedlungsdichte aufweisen.
Am 11. Mai 2000 überschritt
Indiens Bevölkerungszahl offiziell die Milliardengrenze. Während es
von 1920 – damals hatte Indien 250 Millionen Einwohner – 47 Jahre
bis zu einer Verdoppelung der Bevölkerung dauerte, waren es von 1967
bis 2000 nur noch 33 Jahre. Das Wachstum der Bevölkerung hat sich in
den letzten Jahrzehnten nur wenig abgeschwächt und liegt im Moment
bei 1,4 Prozent pro Jahr, was einem jährlichen Bevölkerungszuwachs
von 15 Millionen Menschen entspricht. Damit verzeichnet Indien im
Moment den größten absoluten Zuwachs aller Staaten der Erde. Das
Bevölkerungswachstum erklärt sich nicht aus einer gestiegenen
Geburtenrate, sondern aus der in den letzten Jahrzehnten gestiegenen
Lebensdauer, das heißt der Reduktion der Sterberate. Dies ist unter
anderem auf eine Verbesserung der Gesundheitsfürsorge
zurückzuführen.
Das
durchschnittliche Alter der indischen Bevölkerung liegt bei 26
Jahren, während die durchschnittliche
Lebenserwartung für Männer 63,6 Jahre (1971 waren
es nur 44 Jahre) und für Frauen 65,2 Jahre (1971 waren es nur 46
Jahre) beträgt. Indien ist eines der wenigen Länder der Erde, in
denen die Lebenserwartung bei Männern und Frauen fast identisch ist.
Als Folge der zunehmenden Verstädterung Indiens, bedingt durch
Landflucht
und Naturkatastrophen, hat Indien heute 34 Städte mit mehr als 1
Million Einwohner. Allein der Ballungsraum
Mumbai
hat mittlerweile über 20 Millionen Einwohner und damit eine größere
Bevölkerung als ganz
Australien.
Dennoch stellt die städtische Bevölkerung mit einem Anteil an der
Gesamteinwohnerzahl von lediglich 28 Prozent eine Minderheit dar.
Schätzungsweise 25 Millionen indische Staatsbürger und Personen
indischer Herkunft (Non-resident
Indians
und Persons of Indian Origin)
leben im Ausland. Während englischsprachige westliche Staaten wie
die
USA,
Großbritannien und
Kanada
vor allem gut ausgebildete Fachkräfte anziehen, sind in den
Golfstaaten (besonders
Vereinigte
Arabische Emirate,
Kuwait
und
Saudi-Arabien)
viele Inder als „Billigarbeitskräfte“ angestellt, seltener auch in
höheren Positionen. Während der britischen Kolonialzeit wurden Inder
als Arbeiter in anderen Kolonien angeworben, daher leben viele
Personen indischer Abstammung in
Malaysia,
Südafrika,
Mauritius,
Trinidad und
Tobago,
Fidschi,
Guyana
und
Singapur.
Sie besitzen in der Regel die Staatsbürgerschaft des jeweiligen
Landes.
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Ethnische
Zusammensetzung und Konflikte
Indien ist ein
Vielvölkerstaat, dessen ethnische Vielfalt ohne
weiteres mit der des gesamten europäischen Kontinents vergleichbar
ist. Etwa 72 Prozent der Bevölkerung sind Indoarier.
25 Prozent sind
Draviden,
die hauptsächlich im Süden Indiens leben. Drei Prozent entfallen auf
sonstige Völkergruppen, vor allem tibeto-birmanische, Munda- und
Mon-Khmer-Völker im
Himalayaraum
sowie Nordost- und Ostindien.
8,2 Prozent der Einwohner gehören der
indigenen
Stammesbevölkerung an, die sich selbst als
Adivasi
bezeichnet, obwohl sie ethnisch höchst uneinheitlich ist. Die
indische Verfassung erkennt mehr als 600 Stämme als sogenannte scheduled tribes an. Sie
stehen meist außerhalb des
hinduistischen
Kastensystems
und sind trotz bestehender Schutzgesetze sozial stark benachteiligt.
Hohe Bevölkerungsanteile haben die Adivasi in der Nordostregion
(besonders in
Mizoram,
Nagaland,
Meghalaya,
Arunachal
Pradesh,
Manipur,
Tripura,
Sikkim)
sowie in den ost- und zentralindischen Bundesstaaten
Jharkhand,
Chhattisgarh,
Orissa
und
Madhya
Pradesh. Auf Grund der sozialen Diskriminierung
genießen linksradikale Gruppierungen wie die
maoistischen
Naxaliten
bei Teilen der Adivasi starken Rückhalt. Dazu kommen separatistische
Bewegungen verschiedener Völker – etwa der mongoliden
Naga,
Mizo
und
Bodo,
aber auch der indoarischen
Assamesen
– in Nordostindien, wo Spannungen zwischen der einheimischen
Bevölkerung und zugewanderten Bengalen, größtenteils illegale
Einwanderer aus
Bangladesch,
für zusätzliches Konfliktpotenzial sorgen.
Die Zahl der illegal eingewanderten
Bangladescher
in Indien wird auf bis zu 20 Millionen geschätzt. Die rund 100.000
in Indien lebenden Exiltibeter,
die seit der chinesischen Besetzung Tibets in den 1950er Jahren aus
ihrer Heimat geflohen sind, werden dagegen offiziell als Flüchtlinge
anerkannt und besitzen eine Aufenthaltsgenehmigung. Des Weiteren
leben etwa 60.000
tamilische
Flüchtlinge aus
Sri Lanka
auf indischem Gebiet.
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Terrorismus in Indien
Seit 1986
kämpfen verschiedene Gruppierungen im mehrheitlich muslimischen
Kaschmir mit gewaltsamen Mitteln für die Unabhängigkeit ihres Landes
oder den Anschluss an Pakistan. Immer wieder werden in der Region
Anschläge auf Einrichtungen des indischen Staates, auf die in
Kaschmir stationierten Streitkräfte oder gegen hinduistische
Dorfbewohner und Pilger verübt.
Doch nicht nur in Kaschmir, sondern auch in anderen Teilen Indiens
ist es wiederholt zu terroristischen Anschlägen gekommen, die
kaschmirischen Separatisten oder islamistischen Terrororganisationen
wie
Lashkar-e-Toiba zugeschrieben wurden. Die bisher
schlimmste Anschlagsreihe fand im März 1993 statt, als
Bombenanschläge auf die Börse und Hotels in
Mumbai
sowie Züge und Tankstellen 257 Menschen töteten und über 1100
Personen verletzten. Im Dezember 2001 stürmten Islamisten das
Parlament in
Neu-Delhi,
wobei 14 Menschen ums Leben kamen. 52 Tote gab es im August 2003,
als zwei mit Sprengstoff gefüllte Taxis in Mumbai explodierten. Nach
drei Bombenexplosionen auf Märkten in Neu-Delhi waren im Oktober
2005 rund 62 Opfer zu beklagen. Im März 2006 starben bei einem
Doppelanschlag auf den Bahnhof und einen Tempel in der Stadt
Varanasi
20 Menschen. Bei
Bombenanschlägen auf Züge in Mumbai wurden im Juli
2006 rund 200 Menschen getötet und mehr als 700 Personen verletzt.
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Soziale Probleme
Nach Angaben der
Weltbank
haben heute 44 Prozent der Einwohner Indiens weniger als einen
US-Dollar pro Tag zur Verfügung. Auch wenn die Ernährungssituation
seit den 1970er Jahren entscheidend verbessert werden konnte, ist
noch immer mehr als ein Viertel der Bevölkerung zu arm, um sich eine
ausreichende
Ernährung
leisten zu können.
Unter-
und
Fehlernährung
(z. B. Vitaminmangel) ist vornehmlich in ländlichen Gebieten ein
weit verbreitetes Problem, wo der Anteil der Armen besonders hoch
ist. So wird etwa
Kinderarbeit
hauptsächlich auf dem Land geleistet, da das Einkommen vieler
Bauernfamilien nicht zum Überleben ausreicht. Hoch verschuldete
Bauern müssen oft nicht nur ihr Ackerland verkaufen, sondern auch
ihre Dienstleistungen an die Grundherren verpfänden. Dieses als
Schuldknechtschaft bezeichnete Phänomen stellt bis
heute eines der größten Hindernisse in der Armutsbekämpfung dar. Die
schlechten Lebensbedingungen im ländlichen Raum veranlassen viele
Menschen zur Abwanderung in die Städte (Landflucht).
Dabei sind die wuchernden Metropolen des Landes kaum in der Lage,
ausreichend Arbeitsplätze für die Zuwanderer zur Verfügung zu
stellen. Das Ergebnis sind hohe
Arbeitslosigkeit und
Unterbeschäftigung. Fast ein Drittel der Einwohner
der Millionenstädte lebt in Elendsvierteln.
Dharavi
in
Mumbai
ist mit mehr als einer Million Menschen der größte
Slum
Asiens.
Ungefähr 16,2 Prozent der indischen Bevölkerung werden zu den so
genannten
Unberührbaren (scheduled castes)
gerechnet, 8,2 Prozent zählen zur indischen
Stammesbevölkerung (Adivasi,
offiziell scheduled tribes).
Da beide Gruppen starker sozialer Benachteiligung ausgesetzt sind,
sieht die indische Verfassung ihre Förderung in Form von Quoten vor.
Über diese „positive Diskriminierung“ werden in Universitäten,
berufsbildenden Institutionen und Parlamenten bis zu 50 Prozent der
Plätze für die scheduled castes
(Angehörige der unteren Kasten) reserviert. Die Kastenfrage nimmt in
der indischen Innenpolitik eine höchst brisante Stellung ein. Eine
Ausweitung der Quoten auf niedere Kasten auf Vorschlag der
umstrittenen
Mandal-Kommission rief 1990 heftige Proteste von
Angehörigen höherer Kasten hervor und führte zum Sturz von
Premierminister
Vishwanath
Pratap Singh.
Frauen sind in der patriarchalisch geprägten indischen Gesellschaft
trotz der rechtlichen Gleichstellung von Mann und Frau nach wie vor
benachteiligt. Traditionell wurde Frauen zur Hochzeit eine
Mitgift
zum Aufbau eines eigenen Haushalts mitgegeben. Heute werden
Brautgelder, obwohl sie seit Jahrzehnten gesetzlich untersagt sind,
aus rein wirtschaftlichen Erwägungen von den Eltern des Bräutigams
verlangt. In manchen Fällen übersteigen sie das Jahreseinkommen der
Familie der Braut. Gelegentlich kommt es zu so genannten
„Mitgiftmorden“, da die Angehörigen der Braut nicht in der Lage
sind, die hohen Forderungen zu erfüllen. Die Mitgiftproblematik
trägt in nicht unerheblichem Maße dazu bei, dass Mädchen meist
geringer angesehen sind als Jungen oder gar als unerwünscht gelten.
Tatsächlich werden weit mehr weibliche Föten abgetrieben als
männliche.
Unzureichende Beratung in Fragen der
reproduktiven
Gesundheit
hat zur Folge, dass die Zahl der
HIV-Infizierten
rapide steigt (derzeit 3,73 Fälle pro 1.000 Einwohner). Nach
Schätzungen der Vereinten Nationen könnten bis 2010 allein in Indien
über zehn Millionen Menschen an der Immunschwächekrankheit leiden.
Mit fünf Millionen Infizierten im Juni 2006 ist Indien der Staat mit
den, absolut gesehen, meisten HIV-Infektionen.
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Kultur
Die
indische
Kultur gehört zu den ältesten und mannigfaltigsten
Kulturen der Erde. Sie war prägend für ganz
Süd-
und
Südostasien.
Der Glaube spielt in Indien, dem Ursprungsland mehrerer Religionen (Hinduismus,
Buddhismus,
Jainismus,
Sikhismus),
von jeher eine herausragende Rolle und hat so auch die Kultur des
Landes entscheidend geprägt. Die geradezu unüberschaubare Vielfalt
an Sprachen und Völkern hat zudem regionale Besonder- und
Eigenheiten hervorgebracht. Aber auch fremde Einflüsse wie etwa der
Islam
oder europäische Kolonialmächte hinterließen ihre Spuren.
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Musik
Die klassische indische Musik spaltet sich in zwei Hauptrichtungen:
die
hindustanische und die
karnatische
Musik. Die hindustanische Musik stammt aus
Nordindien und ist stark vom
persischen
Kulturraum beeinflusst. Die karnatische Musik ist der vorherrschende
klassische Stil Südindiens. Beiden liegen aber als wesentliche
Konzepte
Raga
und
Tala
zugrunde. Der Raga stellt die melodische Grundstruktur dar. Jeder
Raga beruht auf einer gewissen Tonfolge, die eine Gefühlsstimmung
vermittelt. Gespielt wird er zu einem bestimmten Tala, einer Art
Taktsystem, welches den Rhythmus des Musikstückes angibt. Typische
Instrumente umfassen Saiteninstrumente wie
Sitar,
Vina,
Sarod,
Tanpura
und
Sarangi
sowie Blasinstrumente (Flöte,
Shenai).
Als Rhythmusinstrumente dienen beispielsweise die
Tabla
oder – in Südindien – der
Mridangam.
Neben der klassischen Musik verfügt Indien über reiche
Volksmusiktraditionen in den verschiedenen
Landesteilen. Bekannt sind die
Bhangra-Musik
aus dem
Punjab
oder die bengalischen
Baul-Musiker.
Heute ist die traditionelle Volksmusik eher auf ländliche Gebiete
beschränkt.
Größter Beliebtheit unter der gesamten Bevölkerung erfreut sich
hingegen die indische Popmusik, die Merkmale sowohl westlicher als
auch volkstümlicher und klassischer indischer Musik aufweist.
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Tanz
Im
Hinduismus
haben
Tänze
von jeher eine wichtige Rolle gespielt, einerseits als getanzte
Version des
Gebetes,
andererseits um mythologische Themen darzustellen. So ist es nicht
verwunderlich, dass sich in Indien eine ungeheure Vielfalt von
klassischen Tänzen, die meist Züge des Schauspiels tragen,
herausgebildet hat. Der Tanz ist eine der am höchsten entwickelten
Kunstformen Indiens. Oft haben selbst kleinste Bewegungen und
Gesichtsausdrücke eine sinnbildliche Bedeutung. Klassische Tänze
beruhen in der Regel auf literarischen Grundlagen. Unter den
klassischen Stilen ragt der
Bharatanatyam
hervor, ein im Ursprung
tamilischer,
heute aber in ganz Indien geschätzter Einzeltanz. Ihm ähnlich ist
der aus
Andhra
Pradesh stammende
Kuchipudi-Tanz,
der jedoch mehr schauspielerische Bestandteile hat. Eine der
ausdrucksstärksten Formen des Tanztheaters entstand in
Kerala
mit dem von Männer ausgeübten
Kathakali.
Mohini Attam,
ein Fraueneinzeltanz, stammt ebenfalls aus Kerala.
Odissi
ist der klassische Tempeltanz
Orissas.
Auch der nordindische
Kathak
war ursprünglich ein Tempeltanz, der aber unter den
Mogulherrschern
islamischen
Einflüssen ausgesetzt war und sich zum höfischen Tanz entwickelte.
Der
Manipuri
aus dem nordostindischen
Manipur
weist dagegen Einflüsse aus dem
birmanischen
Kulturkreis und regionale Besonderheiten auf. Er wird in der Gruppe
dargeboten.
Darüber hinaus besteht in Indien eine Vielzahl von regionalen
Volkstänzen.
Diese werden zu den unterschiedlichsten Anlässen dargeboten, etwa zu
Hochzeiten, regionalen Festen, bei der Ernte oder zu Beginn des
Monsuns.
Sehr bekannt sind etwa der
Bhangra
aus dem
Punjab
und der
Garba
aus
Gujarat.
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Film
Der Film ist
zweifellos einer der wichtigsten Bestandteile der modernen
Alltagskultur Indiens. Mit mehr als 1.000 Produktionen jährlich ist
die indische Filmindustrie die größte der Welt. Die kulturelle und
vor allem sprachliche Vielfalt spiegelt sich daher auch in diesem
Genre wieder. So hat jede der großen Regionalsprachen ihre eigene
Filmindustrie. Der
Hindi-Film
bringt die meisten Produktionen hervor. Er wird in
Mumbai
produziert und ist unter dem Namen „Bollywood“
bekannt. Auch das
Bengali-,
Kannada-,
Tamil-
Telugu-
und
Malayalam-Kino
sind sehr beliebt und haben große Massenwirksamkeit. Die
wesentlichsten Merkmale der Unterhaltungsfilme ähneln einander in
allen regionalen Produktionen. Die oft mehr als drei Stunden langen
Filme enthalten viele Musik- und Tanzszenen, ohne die kein
kommerzieller Film vollständig wäre. Bisweilen wird die Filmmusik
schon im Voraus veröffentlicht. Ist sie ein Erfolg, wird auch der
Film mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Kassenschlager. Von den
Schauspielern wird erwartet, dass sie tanzen können, während die
Gesangseinlagen von professionellen Playbacksängern übernommen
werden. Auffällig ist auch die Mischung aus komischen, romantischen,
dramatischen und Actionelementen.
Darüber hinaus findet auch das
Autorenkino
viel Anerkennung.
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Kinder in Indien
Indien ist
weltweit das Land mit dem höchsten Anteil arbeitender Kinder.
Millionen von Kindern sind ihrer Kindheit beraubt, weil sie arbeiten
und sich ihren Lebensunterhalt verdienen müssen. Die Schätzungen
reichen von 17,5 Millionen (indische Regierung) über 44 Millionen
(Vereinte Nationen). Die Schwächsten der Schwachen sind die
Straßenkinder. In Bombay wird ihre Zahl auf 200.000 geschätzt. Die
Mädchen werden vielfach Opfer sexueller Gewalt. Die Landflucht in
die großen Städte führt dazu, dass z.B. in Bombay 80% der
Kinderarbeiter aus Familien stammen, die vom Land zugewandert sind,
um in der Stadt Arbeit zu finden. Eine langfristige Eindämmung der
Kinderarbeit ist nur denkbar, wenn die wirtschaftliche Situation der
armen Familien verbessert wird. Die Formen der Kinderarbeit in
Indien sind vielfältig. Am bekanntesten ist die Kinderarbeit in der
indischen Teppichindustrie, in der 100.000 bis 150.000 Kinder in
Schuldknechtschaft leben – das heißt, sie wurden von ihren Eltern
verpfändet, um unter sklavenähnlichen Bedingungen die Schulden
abzuarbeiten. Oft sitzen Kinder im Alter von nur 6 bis 10 Jahren 12
bis 14 Stunden täglich am Knüpfrahmen. Langfristige Schädigungen der
Augen sowie Atemwegs- und Lungenerkrankungen sind die Folge.
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Teppiche und die hintergründe zur Kampagne. Durch Rugmark soll
ausbeuterische Kinderarbeit in der Teppichindustrie abgeschaft und
den Teppichkindern neue Hoffnung auf eine bessere Zukunft gegeben
werden. Inzwischen sind über 200.000 Teppiche mit Rugmark-Siegel
nach Deutschland ausgeliefert worden, dem weltgrößten Absatzmarkt
für handgeknüpfte Orientteppiche.
Ein wichtiger Wirtschaftsbereich ist die Abfallbeseitigung und das
Recycling. Kinder sammeln Abfall an öffentlichen Plätzen - Glas,
Papier, Plastik, Metall - und verkaufen ihn weiter. Auf den
Abfallhaden der großen Metropolen haben sich oft kleine Kolonien
gebildet. Hier leben Menschen davon, die letzten brauchbaren und
verkaufbaren Reste aus dem Müll herauszufischen. Hunderte von
Kindern durchpflügen täglich die Abfallberge.
Mädchen sind stärker von der Kinderarbeit betroffen als Jungen. Auf
1.000 arbeitende Jungen in Indien kommen 1.198 Mädchen, die
außerhalb ihrer Familie tätig sind. In den Städten ist das
Verhältnis noch eklatanter: 1.267 Mädchen auf 1.000 Jungen. Eine
Studie aus dem Jahr 1972 besagt: "Nur in den ersten drei Jahren
seines Lebens verbraucht ein Kind aus den Slums von Bombay mehr, als
es verdienen kann. Doch bereits von diesem Zeitpunkt an kann es mehr
Nahrung heranschaffen, als es selbst isst". Für unzählige Familien
ist ein Beitrag der Kinder zum Familienunterhalt unerlässlich.
Die Beschäftigung von Kindern gilt als sehr viel billiger und damit
profitabler. Kinder können zu wesentlich niedrigeren Löhnen als
Erwachsene und für eine längere Tagesarbeitszeit beschäftigt werden.
Kinder gründen keine Gewerkschaften. Die Vorteile für den
Arbeitgeber sind so gewaltig, dass Produzenten eher ihren ganzen
Betrieb aufgeben würden, als erwachsene Arbeitskräfte zu
beschäftigen.
In der Mediothek
des Welthaus Bielefeld e.V. können Sie sich gegen Gebühr einen
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Der Koffer beinhaltet viele praktische und didaktische Materialien
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bis 18:30 Uhr)
Auf den
folgenden Internetseiten finden Sie Informationen zum Thema
Kinderarbeit in Indien:
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Weitere Informationen zu
Indien
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Was man tun kann
wollen Schüler/innen häufig wissen, wenn sie von der
Not der Menschen anderer Ländern erfahren. Globales Lernen sollte
stets auch Wege aufzeigen, aktiv zu werden. Eine Möglichkeit ist,
bestehende Hilfsprojekte und
humanitäre Organisationen durch Spenden und Mitarbeit zu
unterstützen. Zum Spendensammeln gibt es unzählige kreative
Möglichkeiten für Schüler/innen und ganze Schulen. Hier eine
Zusammenstellung einiger (z.T. bereits genannter) Webseiten, auf
denen man sich über Hilfsprojekte und Unterstützungsmöglichkeiten
für Bolivien informieren kann:
www.tdh.de
(=> Stichwort Indien) verschiedene Hilfsprojekte
www.welthungerhilfe.de
(=> Stichwort Indien)
www.brot-fuer-die-welt.de/projekte/
(=> Stichwort: Indien)
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Spenden ist nicht alles,
denn Menschen in Krisenregionen sind nicht aus eigener Schuld in Not geraten. Sie
brauchen keine Almosen, die nur ihre Abhängigkeit vom „Spendentropf“
fördern, sondern langfristige praktische Unterstützung, um ihr Leben
aus eigener Kraft neu zu organisieren oder um überhaupt zu
überleben. Denn abgesehen von Naturkatastrophen wie Seebeben oder
Dürre sind vor allem (inter-)nationale politische Machtbestrebungen,
wirtschaftliche Interessen und Abhängigkeiten, Verteilungskämpfe um
Ressourcen, Misswirtschaft und Korruption verantwortlich für Armut
und Hunger. Zusätzlich zur konkreten Projektunterstützung muss
deshalb ein umfassenderes Verständnis weltpolitischer Zusammenhänge
und globaler Prozesse entwickelt werden. Dieses politische
Bewusstsein gilt es, auch bei Schüler/innen anzuregen und ihnen
Umsetzungsmöglichkeiten im Alltag und innerhalb der eigenen
Gesellschaft zu zeigen, z.B. in Form von politischem oder sozialem
Engagement, als Konsument oder durch Einwirkung auf
Entscheidungsträger/innen.
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Ideenpool
Anregungen für
thematische Einstiege, Aktionen und Projekte im Unterricht
-
Informationen, Vorwissen,
Assoziationen zum Land abfragen, z.B. durch Brainstorming, MindMap,
Kartenabfrage
-
Fotos, Filme und
Bücher als Gesprächsanlässe auswählen (mit und ohne
Vorinformationen)
-
eine Organisation einladen oder
besuchen, die Projekte in Indien unterstützt
-
Schüler/innen recherchieren und
erstellen Wandzeitungen, Fotocollagen, Ausstellungen o.ä. zum Land,
zu ausgewählten Themen oder zum Vergleich mit dem Alltag der
Jugendlichen in Deutschland. Jede Menge Zahlen für Ländervergleiche
bietet
www.welt-in-zahlen.de
-
Radiosendung produzieren oder
Zeitungsartikel (z.B. für Schulzeitung) verfassen
-
Projekte von Hilfsorganisationen
untersuchen, präsentieren, vergleichen und ggfs.
Unterstützungsaktionen organisieren oder mitarbeiten
-
Schulpartnerschaften suchen und
aufbauen
-
Verkaufsstand organisieren für fair
gehandelte Produkte aus Indien
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Weiterführende Links zum Globalen Lernen:
www.globlern21.de Internetportal
zum Globalen Lernen mit vielfältigen Verweisen
www.eine-welt-netz.de Eine Welt im
Internet – Einstiegsseite zum Globalen Lernen
www.globales-lernen.de: Webseite
vom Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung
www.eine-welt-unterrichtsmaterialien.de
Datenbank mit Unterrichtsmaterialien zum Bestellen
www.weltinderschule.uni-bremen.de
umfangreiche Unterrichtsmaterialien, kostenlose Ausleihe, Anregungen für Eine
–Welt – Themen im Unterricht vom Projekt „Eine Welt in der Schule", Uni. Bremen
www.learn-line.nrw.de vom NRW -
Landesinstitut für Schule mit Recherchemöglichkeit
www.baobab.at
österreich. Website mit Literatur, didaktischen Tipps, Praxisbeispielen
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Stand: August 2006 |