Madagaskar
Armut im Inselidyll

Material- und Linkhinweise zu Madagaskar
für Unterricht und Bildungsarbeit


Texte und Zusammenstellung: Lena Schoemaker
 

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sowie eine Landkarte (PDF, 2.048 KB)


Das Land
Die Republik Madagaskar liegt im Indischen Ozean vor der Ostküste Afrikas und ist nach Indonesien der flächenmäßig zweitgrößte Inselstaat der Welt.
Die Insel wird auch der „achte Kontinent“ genannt. Diese Bezeichnung rührt aber weniger von der Größe der Insel her als von ihrer lange isolierten Entwicklung. Madagaskar wurde vor 150 Millionen Jahren vom heutigen Afrika und vor 90 Millionen Jahren vom heutigen Indien getrennt.
Das zentrale Madagaskar ist eine Hochebene mit durchschnittlichen Höhen von 1.100 m. Es fällt nach Osten schroff und steil ab, während der Anstieg im Westen sanfter ausfällt. Das Plateau gipfelt im Maromokotro, dem mit 2.876 m höchstem Berg der Insel. Auf dem Plateau herrscht ein gemäßigtes Klima.
Die größten Städte sind Antananarivo mit 1.391.506 Einwohnern, Toamasina mit 206.390 Einwohnern, Antsirabe mit 182.804 Einwohnern und Fianarantsoa mit 167.240 Einwohnern.
Durch seine lange geographische Isolation verfügt Madagaskar über eine einzigartige Fauna. Urtümliche Tiergruppen wie die Lemuren und andere Halbaffen kommen nur hier vor. Die Raubtiere sind auf Madagaskar nur durch einige Arten abweichender Schleichkatzen vertreten, die Fossa, die Fanaloka und den Falanuk. Eine weitere rein madagassische Tiergruppe sind die igelähnlichen Tenreks. Die Bernierente, die heute zu den seltensten Wasservögeln der Welt gehört, ist ein weiteres Beispiel. Dafür fehlen auf der Insel viele Arten wie zum Beispiel Affen und Giftschlangen.
Die Insel ist ursprünglich nahezu komplett bewaldet gewesen. Die küstennahen Zonen sind dabei von tropischem Tieflandregenwald bedeckt. Von den ursprünglichen Regenwäldern sind nur noch 4 Prozent erhalten. Die größten zusammenhängenden Regenwaldflächen, die noch existieren, liegen auf der Masoala-Halbinsel.
Madagaskar ist in sechs autonome Provinzen (faritany mizakatena) unterteilt, die wiederum in 22 Regionen gegliedert sind. Jede Region ist wiederum in insgesamt 111 Kreise (fivondronana) untergliedert.

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Das Klima
In Madagaskar existieren keine Jahreszeiten wie bei uns. Von Juni bis September, dem madagassischen Winter, fallen die Temperaturen nachts aus dem Hochland zwar stark ab, aber Frost, Schnee oder gar Eis kennt man auch auf den 3000m hohen Bergen nicht. An den Küsten ist es in Gegensatz zu den Hochebenen selten kälter als 20°C. Die Temperaturunterschiede zwischen den Tageszeiten im madagassischen Winter und Sommer differieren wesentlich geringer als in Deutschland. Durch die Nähe des Äquators herrscht fast das ganze Jahr eine so genannte Tages- und Nachtgleiche. Während der Hochsommerzeit von Dezember bis April kommt es im Hochland oft zu starken Gewittern mit heftigen Regengüssen. Am meisten Niederschläge fallen an der Ostküste. Dort stauen sich die mit den Süd-Ost-Passat-Winden über den indischen Ozean transportierten Wolken an den Bergketten. Dort regnet es fast das ganze Jahr.
In den nahen Küstengebieten herrscht eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit, während der Süden und Westen des Inselstaates sehr trocken sind.
Der Norden Madagaskars verfügt über ein sehr unterschiedliches Klima. Die Nordspitze des Landes ist eher trocken. Eine Ausnahme bilden Montagne d'Ambre und das Hochgebirge des Tsoratanana.
Im Laufe eines Jahres wird Madagaskar von ca. 40 Zyklonen überquert.

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Die Geschichte
Es ist wenig bekannt über die Besiedlung der Insel, die vermutlich vor etwa 1.500 bis 1.200 Jahren stattgefunden hat. Die Ureinwohner Madagaskars waren nicht, wie man vermuten könnte, Afrikaner. Die ersten Siedler gehörten der malaio-polynesischen Sprachgruppe an und kamen aus Südostasien, (vermutlich aus dem Süden von der heutigen Indonesischen Provinz Kalimantan. Unklar ist, ob sie auf direktem Weg oder in mehreren Etappen ihr Ziel erreichten. Die damalige Bevölkerung könnte in die Gruppen der Sakalava, Betsileo und Merina eingeteilt werden, die eigene Reiche bildeten.
Weitere Einwanderungswellen brachten kleinere Gruppen von Afrikanern, Indern und Arabern ins Land. Besonders letztere beherrschten bis ins 19. Jahrhundert hinein große Teile des madagassischen Außenhandels.
Am 10. August 1500 sichtete der portugiesische Seefahrer Diogo Dias als erster Europäer Madagaskar und nannte die Insel São Lorenço. Später erscheint die Insel auch unter dem Namen Santa Apolonia auf den Karten der Portugiesen
Mit Beginn der Herrschaft des Andrianampoinimerina kann man von der politischen Einigung der Insel Madagaskar und damit vom Königreich Madagaskar sprechen.
Andrianampoinimerina (1787-1810): Andrianampoinimerina war zunächst bis 1794 König von Ambohimanga (Königssitz 20 km nördlich von Antananarivo). 1794 eroberte er das kleine Königreich von Antananarivo und verlegte seinen Amtssitz von Ambohimanga nach Antananarivo.
Nach und nach weitete Andrianampoinimerina seinen Einflussbereich fast auf die gesamte Insel aus. Er erließ viele Gesetze und organisierte die Verwaltung des Landes und gilt bis heute als ein bedeutender Herrscher des Landes. Auf ihn folgten sechs Königinnen und Könige. Ranavalona III beendete 1896 ihre Amtszeit und war die somit die letzte Königin Madagaskars vor der Besetzung durch die Kolonialmächte. Während der Kolonialzeit herrschten die Franzosen auf der Insel Madagaskar mit brutaler Militärgewalt. Aufstände wurden durch Massenexekutionen niedergeschlagen. Alleine 1947 wurden von den französischen Besatzern 100.000 Madagassen nach einem Aufstand getötet. 1945 wurde die Unabhängigkeitsbewegung gegründet. Nach mehreren Aufständen wurde Madagaskar 1958 Republik in der Communauté Française und erlangte am 26. Juni 1960 schließlich die Unabhängigkeit.
Seit 46 Jahren von der Kolonialmacht Frankreich unabhängig, hat Madagaskar erst seit kurzem eine Regierung, die langsam versucht, Demokratie einzuführen und Korruption zu verbannen. Die bis vor zwei Jahren noch alles beherrschende kommunistisch geprägte Partei des ehemaligen Herrschers Razirakas führt heute nur noch ein Schattendasein. Neben einer Reihe unbedeutender politischer Gruppierungen dominiert Marc Ravalomananas Partei der Mitte.
Kritiker des Präsidenten sprechen davon, dass ein politischer Diktator einem ökonomischen Diktator Platz gemacht habe.

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Die Bevölkerung und ihre soziale Situation
Auf einer Fläche von 587.040 km² leben 18.040.400 Madegassen, davon 30,42% in den Städten wie z.B. der Hauptstadt Antananaviro. Das Durchschnittalter der Madegassen liegt bei 17,46 Jahren, was aus folgender Verteilung herrührt: 44,8% der Bevölkerung sind unter 14 Jahren alt, 52,10% zwischen 15 und 64 und nur 3,1% sind älter als 65 Jahre. Aus diesen Zahlen ergibt sich auch die relativ niedrige Lebenserwartung. Die Madagassinnen werden 59,.04 Jahre alt, die Madegassen 54,57.  
Das BSP liegt bei 282$ pro Kopf.  Im Vergleich dazu liegt das BSP pro Kopf in Deutschland bei 25.541$.
Gemessen am Bruttosozialprodukt ist Madagaskar eines der ärmsten Länder der Welt. Rund drei Viertel der ca. 18 Mio. Einwohner Madagaskars leben unter der Armutsgrenze, d.h. mit weniger als einem US$ pro Tag. Die Bevölkerung ist zu 75% in der Landwirtschaft tätig. Sie ernährt sich seit Jahrhunderten von dem, was der eigene Grund und Boden hergibt. Durch das starke Bevölkerungswachstum (ca. 3% pro Jahr) wird das immer schwieriger.
Madagaskar, ist durch seine landschaftliche Schönheit, Artenvielfalt und traditionelle Kultur ein reiches, aber armes Land. 31,1 Prozent der Bevölkerung über 14 Jahren können weder lesen noch schreiben. 80 Prozent haben keine Arbeit.
Madagaskar oder "La Grand Ile" wie die viertgrößte Insel der Welt genannt wird, könnte ein Paradies sein. Doch Armut, Arbeitslosigkeit und Korruption prägen das Land. Politisch gibt es erst jetzt, 40 Jahre nach der Unabhängigkeit, Ansätze zur Demokratisierung.
Die Madagassen bilden eine kulturell homogene Bevölkerungsgruppe, bestehend offiziell aus 18 miteinander verwandten Bevölkerungsgruppen (foko). Die kulturelle Einheit drückt sich insbesondere durch die gemeinsame Sprache (Madagassisch) aus, wobei einzelne Ethnien eigene Dialekte verwenden und Sitten und Gebräuche lokal variieren.
Im Allgemeinen leben die Madagassen sehr traditionsbewusst, wobei ausländische kulturelle Einflüsse im Laufe der Zeit immer wieder integriert worden sind, vor allem in den Städten. Dem umfangreichen kulturellen Reichtum gegenüber steht eine weit verbreitete materielle Armut, verursacht durch jahrzehntelange aus- und inländische Ausbeutung und mehrere jährliche Naturkatastrophen.
Das große Bevölkerungswachstum in Verbindung mit dem traditionellen Abbrennen von Wald für landwirtschaftliche Zwecke und der Rodung für Bau, Heizmaterial und andere Zwecke führt zu großen ökologischen Problemen. Die Waldfläche ist seit den 1950er-Jahren massiv geschrumpft.
Mehr als die Hälfte aller Madegassen praktizieren Riten und Gebräuche einer Naturreligion. Für die Dorfbewohner ist es durch Ahnenkult und Verehrung der Toten beispielsweise beruhigend, zu wissen, dass alle Verstorbenen an einem Ort versammelt sind. Dass diese in einer anderen Welt lebendig sind, sich miteinander unterhalten, von ihrem Erdenleben erzählen und die Nachkommen beobachten, ist für sie selbstverständlich, so real wie ihr eigenes Leben. Den Verstorbenen wird regelmäßig geopfert, sie werden befragt, wenn es um Familienentscheidungen geht, und bei Unwettern oder Dürre werden sie um Hilfe angefleht.

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Kinderalltag in Madagaskar

Für viele Kinder in Madagaskar beginnt aufgrund der hohen Arbeitslosenquote der Broterwerb schon sehr früh. Mit den arbeitslosen Eltern in die Stadt gezogen, ziehen sie in Banden durch die Straßen, waschen Autos, kaufen etwa eine Zigarettenpackung und verkaufen den Inhalt pro Stück auf der Straße weiter. Andere wiederum singen die Lieder, die sie aus dem Radio kennen oder die sie von ihren Verwandten gelernt haben und hoffen dabei, abends einige Münzen in ihren schmutzigen Kappen zu finden.

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Erklärung der arbeitenden Kinder von Madagaskar
Wir Kinder, die wir in schwierigen Lebensumständen leben, sind arbeitende Kinder, nennt uns nicht Straßenkinder: Nennt uns, was wir sind!

Wir wollen:

  •           nicht marginalisiert werden – unsere Kleider sind vielleicht schmutzig, aber wir sind immer noch Menschen;     

  •       dass uns nicht immer misstraut wird, wir sind keine Kriminellen;

  •         nicht Opfer von Gewalt sein oder unterdrückt werden. Die Polizei jagt uns und nimmt uns des nachts das wenige Geld, das wir besitzen;

  •         nicht den "Straßensäuberungen" ausgesetzt sein oder nur aus dem Grund geschlagen werden, weil wir die Straße entlanglaufen (denn wer tut das nicht?) und schmutzig sind.

 Wir verlangen folgende Rechte:

  •        die Möglichkeit, frei zu arbeiten, ohne gejagt oder Opfer von Gewalt zu werden;

  •          die Erlaubnis, unser Leben zu leben und uns frei bewegen zu können;

  •          so wie jeder andere Mensch behandelt zu werden.

 Wir üben folgende Tätigkeiten aus: Küchenhilfe, Autowächter, Boten, Träger, Schuhputzer, etc.

Antananarivo, Dienstag, 23. September 1997

Für weitere Informationen zum Thema Kinderarbeit klicken Sie hier: www.kinderkulturkarawane.de/2006/Kinderarbeit/index.htm

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Hier können Sie sich informieren und engagieren

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Was man tun kann
wollen Schüler/innen häufig wissen, wenn sie von der Not der Menschen anderer Ländern erfahren. Globales Lernen sollte stets auch Wege aufzeigen, aktiv zu werden. Eine Möglichkeit ist, bestehende Hilfsprojekte und humanitäre Organisationen durch Spenden und Mitarbeit zu unterstützen. Zum Spendensammeln gibt es unzählige kreative Möglichkeiten für Schüler/innen und ganze Schulen. Hier eine Zusammenstellung einiger (z.T. bereits genannter) Webseiten, auf denen man sich über Hilfsprojekte und Unterstützungsmöglichkeiten für Bolivien informieren kann:

www.zaza-faly.de
Für die Straßenkinder Madagaskars
www.madagaskar-hilfe.de
Hilfe zur Selbsthilfe
www.grueneliga.de
Schutzpflanzungen für den madagassischen Regenwald

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Spenden ist nicht alles,
denn Menschen in Krisenregionen sind nicht aus eigener Schuld in Not geraten. Sie brauchen keine Almosen, die nur ihre Abhängigkeit vom „Spendentropf“ fördern, sondern langfristige praktische Unterstützung, um ihr Leben aus eigener Kraft neu zu organisieren oder um überhaupt zu überleben. Denn abgesehen von Naturkatastrophen wie Seebeben oder Dürre sind vor allem (inter-)nationale politische Machtbestrebungen, wirtschaftliche Interessen und Abhängigkeiten, Verteilungskämpfe um Ressourcen, Misswirtschaft und Korruption verantwortlich für Armut und Hunger. Zusätzlich zur konkreten Projektunterstützung muss deshalb ein umfassenderes Verständnis weltpolitischer Zusammenhänge und globaler Prozesse entwickelt werden. Dieses politische Bewusstsein gilt es, auch bei Schüler/innen anzuregen und ihnen Umsetzungsmöglichkeiten im Alltag und innerhalb der eigenen Gesellschaft zu zeigen, z.B. in Form von politischem oder sozialem Engagement, als Konsument oder durch Einwirkung auf Entscheidungsträger/innen.

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Ideenpool
Anregungen für thematische Einstiege, Aktionen und Projekte im Unterricht

  • Informationen, Vorwissen, Assoziationen zum Land abfragen, z.B. durch Brainstorming, MindMap, Kartenabfrage

  • Fotos, Filme und Bücher als Gesprächsanlässe auswählen (mit und ohne Vorinformationen)

  • eine Organisation einladen oder besuchen, die Projekte in Madagaskar unterstützt

  • Schüler/innen recherchieren und erstellen Wandzeitungen, Fotocollagen, Ausstellungen o.ä. zum Land, zu ausgewählten Themen oder zum Vergleich mit dem Alltag der Jugendlichen in Deutschland. Jede Menge Zahlen für Ländervergleiche bietet www.welt-in-zahlen.de

  • Radiosendung produzieren oder Zeitungsartikel (z.B. für Schulzeitung) verfassen

  • Projekte von Hilfsorganisationen untersuchen, präsentieren, vergleichen und ggfs. Unterstützungsaktionen organisieren oder mitarbeiten

  • Schulpartnerschaften suchen und aufbauen

  • Verkaufsstand organisieren für fair gehandelte Produkte aus Madagaskar

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Weiterführende Links zum Globalen Lernen:

www.globlern21.de
Internetportal zum Globalen Lernen mit vielfältigen Verweisen

www.eine-welt-netz.de
Eine Welt im Internet – Einstiegsseite zum Globalen Lernen

www.globales-lernen.de
Webseite vom Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung

www.eine-welt-unterrichtsmaterialien.de
Datenbank mit Unterrichtsmaterialien zum Bestellen
www.weltinderschule.uni-bremen.de
umfangreiche Unterrichtsmaterialien, kostenlose Ausleihe, Anregungen für Eine –Welt – Themen im Unterricht vom Projekt „Eine Welt in der Schule", Uni. Bremen

www.learn-line.nrw.de
vom NRW - Landesinstitut für Schule mit Recherchemöglichkeit

www.baobab.at
österreichische Website mit Literatur, didaktischen Tipps, Praxisbeispielen

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Stand: August 2006