Südafrika
Zuerst die Apartheid und jetzt AIDS

Material- und Linkhinweise zu Südafrika
für Unterricht und Bildungsarbeit


Texte und Zusammenstellung: Lena Schoemaker
 

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Das Land

Die Republik Südafrika ist ein Staat an der Südspitze Afrikas. Die Hauptstadt ist Pretoria mit 1.160.000 Einwohnern. Im Süden und Südosten grenzt das Land an den Indischen Ozean und im Westen an den Atlantischen Ozean. Im Norden liegen die Nachbarländer Namibia, Botsuana und Simbabwe, östlich davon Mosambik und Swasiland. Das Königreich Lesotho ist eine Enklave, wird also vollständig von Südafrika umschlossen.
Das Land liegt am südlichsten Rand des afrikanischen Kontinents und hat eine Küstenlinie, die an zwei Ozeanen liegt (der Atlantische und der Indische Ozean). Südafrika hat eine Fläche von 1.219.912 km², das entspricht ungefähr dem 3,4-fachen der Fläche Deutschlands. Das Zentralplateau, auch Highveld genannt, liegt in einer Höhe zwischen 900 und 2.000 Metern. Der zur Küste abfallende Landgürtel wird Groot Randkant (Große Randstufe) genannt.
Die Drakensberge durchziehen das Land vom Nordosten bis in die Enklave Lesotho im Südosten, wo sie mit dem Thabana Ntlenyana ihren höchsten Punkt (3.482 m über NN) erreichen. Höchster Berg Südafrikas ist der Njesuthi mit 3.446 m. Nordwestlich von Bloemfontein erstreckt sich die Kalahari-Wüste durch Botsuana bis nach Namibia hinein. Am Kap Agulhas, der äußersten Südspitze des Kontinents, treffen sich Atlantik und Indischer Ozean, westlich davon liegt das Kap der Guten Hoffnung.
Die meisten Flüsse Südafrikas entspringen in den Drakensbergen und fließen nach Osten in Richtung Indischer Ozean. Der längste Fluss, der Oranje, entspringt auch in den Drakensbergen, fließt aber nach Westen und mündet in den Atlantischen Ozean. Die Augrabiesfälle am Oranje-Fluss im Nordwesten des Gordoniadistriktes haben eine Breite von ca. 150 Meter und sind etwa 56 m hoch. Weitere wichtige Flüsse sind der Limpopo, der als Grenzfluss in Nordostrichtung in den Indischen Ozean mündet, und der Vaal, ein Nebenfluss des Oranje. Die Wasserstände dieser Flüsse schwanken sehr stark.
Zu Südafrika gehören weiterhin die Prince-Edward-Inseln im südlichen Indischen Ozean.

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Klima und Vegetation

Südafrika verfügt über eine große Anzahl von Klimazonen. Von extremer Wüste in der Kalahari an der Grenze zu Namibia bis zu subtropischem Klima im Südosten und an der Grenze zu Mosambik. Das allgemeine Klima ist durch die Lage am südlichen Wendekreis überwiegend sonnig und trocken. Schnee gibt es im Winter meist nur in den Gebirgen. Die über das Jahr verteilten Niederschläge nehmen von Südosten nach Nordwesten ab, gleichzeitig nehmen die Temperaturen zu.
Durch seine Größe und Faktoren wie Meeresströme und Höhenlage bedingt, variiert das Klima zwischen den verschiedenen Teilen des Landes: das Klima der Westküste ist durch den Benguelastrom aus der Antarktis kühler und trockener. An der Ostküste sorgt der Agulhasstrom aus dem Indischen Ozean für ein eher feuchtes und warmes Klima.
Die Lage auf der Südhalbkugel führt dazu, dass die Jahreszeiten den europäischen entgegengesetzt sind. Im Winter, zwischen Juni und August, kann in den Drakensbergen, auf dem Highveld und in Johannesburg und Umgebung Schnee liegen,
abends und nachts ist es dann sehr kalt. Tagsüber steigen die Temperaturen auf etwa 23° C, im Sommer auf 30° C. Im Boland, der Region um Kapstadt, herrscht im Winter kühles Klima mit Nieselregen. Von November bis März ist es dort warm bis heiß und trocken. In den Küstengebieten KwaZulu-Natals, u.a. in Durban und entlang der Ostküste ist die Luftfeuchtigkeit hoch, es weht jedoch meist ein kühlender Wind vom Meer. Die Temperaturen liegen hier ganzjährig etwa zwischen 25° und 35° C.
Das Plateau im Osten des Landes ist durch warme, aber selten unangenehm heiße Temperaturen gekennzeichnet. In der Karoo-Halbwüste und der Kalahariwüste kommt es dagegen zu extrem hohen Temperaturen.
Am Westkap weht eine ständige, frische Brise, die Sommer sind warm und selbst die Winter milde. Die Südküste ist durch ein gemäßigtes Klima charakterisiert. Es überwiegt eine Trockenvegetation mit ausgedehnten Savannengebieten, die im Westen in die Kalahariwüste und im Südwesten in die Karoo übergehen. Geschlossene Waldbestände finden sich nur im regenstarken Osten und Südosten.

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Provinzen, Städte und Gemeinden

Am Ende der Apartheid im Jahr 1994 mussten die ehemaligen unabhängigen und quasi-unabhängigen Homelands in die politische Struktur Südafrikas integriert werden. Dies führte zur Auflösung der bisherigen vier Provinzen (Kapprovinz, Natal, Oranje-Freistaat und Transvaal), die durch neun neue Provinzen ersetzt wurden und die nun das gesamte Staatsgebiet Südafrikas umfassen. Die Provinzen Südafrikas sind:

Nr.

Provinz

Ehemalige Homelands und Provinzen

Hauptstadt

Fläche (km²)

Bevölkerung in Mio. (2001)

1

Western Cape (Westkap)

Kapprovinz

Kapstadt

129.370

4.524.335

2

Northern Cape (Nordkap)

Kapprovinz

Kimberley

361.830

822.726

3

Eastern Cape (Ostkap)

Kapprovinz, Transkei, Ciskei

Bisho

169.580

6.436.761

4

KwaZulu-Natal

Natal, KwaZulu

Pietermaritzburg

92.100

9.426.018

5

Free State (Freistaat)

Oranje-Freistaat, QwaQwa

Bloemfontein

129.480

2.706.776

6

North West (Nordwest)

Transvaal, Kapprovinz, Bophuthatswana

Mafikeng

116.320

3.669.349

7

Gauteng

Transvaal

Johannesburg

17.010

8.837.172

8

Mpumalanga

Transvaal, KwaNdebele, KaNgwane, Bophuthatswana, Lebowa

Nelspruit

79.490

3.122.994

9

Limpopo

Transvaal, Venda, Lebowa, Gazankulu

Polokwane

123.900

5.273.637

Städte und Gemeinden

In der großen Gemeindereform des Jahres 2000 wurden viele bekannte südafrikanische Städte mit ihren umliegenden Gemeinden und Townships vereinigt. Einige dieser neu entstandenen Metropolen-Gemeinden (engl.: Metropolitan Municipality) wurden umbenannt, wobei die neuen Namen meist von Bantusprachen abgeleitete Bedeutungen haben und so das neue Südafrika repräsentieren sollen. Vier der zehn größten Städte und Gemeinden des Landes liegen in der kleinsten und am dichtest besiedelten Provinz Gauteng.

Rang

Gemeinde

Fläche (km²)

Einwohner (2001)

Provinz

1

Johannesburg

1.644

3.225.810

Gauteng

2

eThekwini (Durban)

2.292

3.090.117

KwaZulu-Natal

3

Kapstadt

2.499

2.893.251

Westkap

4

Ekurhuleni (East Rand)

1.924

2.480.282

Gauteng

5

Tshwane (Pretoria)

2.198

1.985.984

Gauteng

6

Nelson Mandela Port Elizabeth)

1.952

1.005.776

Ostkap

7

Buffalo City East London)

2.516

701.881

Ostkap

8.

Emfuleni Vereeniging)

987

658.422

Gauteng

9

Mangaung Bloemfontein)

6.283

645.441

Freistaat

10

Thohoyandou

2.966

584.569

Limpopo

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Bevölkerung

Südafrika hat die größte europäisch-stämmige Bevölkerung und die größte Einwohnerzahl indischer Herkunft in Afrika, was das Land zu einem der ethnisch vielfältigsten Länder des afrikanischen Kontinents macht und ihm auch den Namen Regenbogennation eingebracht hat.. Es ist die Heimat von verschiedenen afrikanischen Völkern, von niederländischen, deutschen, französischen, asiatischen und englischen Einwanderern und von so genannten Coloureds (Farbigen). Als Farbige wurden früher die Nachfahren der Khoisan, der Sklaven aus dem damaligen niederländischen Ostindien sowie Menschen mit gemischten Vorfahren bezeichnet.

Da die verschiedenen Volksgruppen aber nicht immer konfliktfrei nebeneinander lebten, beherrschten ethnische Probleme und Unruhen zwischen der weißen Bevölkerungsminderheit und der schwarzen Mehrheit die Geschichte und Politik des Landes. Die National Party, Partei der niederländisch-stämmigen Buren, installierte nach ihrem Wahlsieg im Jahr 1948 das weltweit geächtete System der Apartheid, das jedoch schon vorher unter der politischen Führung der britisch-stämmigen Staatsführung ihren Anfang nahm und bis kurz nach der Wahl des gemäßigten Präsidenten Frederick Willem de Klerk Bestand hatte. Die Wende in der Politik im Jahr 1990 wurde durch den jahrelangen Kampf der schwarzen Bevölkerungsmehrheit unter ihrem politischen Führer Nelson Mandela, der auch 1994 zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes gewählt wurde, Der soziale Aufbau ist ebenfalls sehr vielschichtig. Es ist ein multikulturelles Land, obwohl immer noch die Spuren der Apartheid zu finden sind und die Bevölkerungsgruppen häufig getrennt leben.

Bis zum Jahr 1991 teilte die südafrikanische Verfassung die Bevölkerung in vier großen Klassen: Schwarze (Afrikaner), Weiße, Farbige und Asiaten. Obwohl es diese Einteilung heute nicht mehr gibt, sehen sich viele Südafrikaner immer noch als Zugehörige einer dieser Klassen. Die schwarzen Afrikaner stellen etwa 79% der gesamten Bevölkerung und sind wiederum in unterschiedliche ethnische Gruppen unterteilbar. Die größten dieser Gruppen sind die Zulu, Xhosa, Basotho, Venda, Tswana, Tsonga, Swazi und Ndebele. Der Anteil der Weißen an der Gesamtbevölkerung beträgt etwa 10 %; hauptsächlich sind es Nachfahren niederländischer, deutscher, französischer und englischer Einwanderer, die ab dem Ende des 17. Jahrhunderts nach Südafrika immigrierten. Die so genannten Farbigen sind Einwohner unterschiedlicher ethnischer Herkunft, meist Nachkommen der ersten europäischen Siedler, deren Sklaven und der ursprünglich in Südafrika lebenden Völker. Etwa 9% der Bevölkerung sind zu den Farbigen zu zählen. Die meisten Asiaten sind indischer Herkunft, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts ins Land geholt wurden, um auf den Zuckerrohrfeldern Natals zu arbeiten oder als Händler in den Städten lebten. Heute stellen die Inder etwa 3% der Gesamtbevölkerung und leben hauptsächlich in der Provinz KwaZulu-Natal. Es gibt außerdem eine kleine chinesische Gruppe mit etwa 100.000 Einwohnern.

Im Jahr 2005 lebten etwa 58% der Südafrikaner in den Städten. 30,3% der Einwohner sind 14 Jahre alt oder jünger, 64,5% zwischen 15 und 64 Jahre und 5,2% älter als 65 Jahre. Das Durchschnittsalter liegt bei 23,98 Jahren.

Die momentane Lebenserwartung liegt bei Frauen und Männer etwa gleich bei 43 Jahren. Etwa 87% der über 14jährigen Südafrikaner können lesen und schreiben.

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Sprachen

Südafrika hat seit dem Ende der Apartheid elf offizielle Landessprachen: Englisch, Afrikaans, isiZulu, Siswati, isiNdebele, Sesotho, Nördliches Sotho, Xitsonga, Setswana, Tshivenda und isiXhosa. Das Land ist damit nach Indien das mit den meisten offiziellen Sprachen der Welt. Daraus resultierend gibt es auch elf unterschiedliche offizielle Landesnamen. Etwa 0,7% der Schwarzen und 59,1% der Weißen sprechen Afrikaans als Muttersprache. Englisch wird von 0,5% aller Schwarzen und von 39,3% der Weißen zu Hause gesprochen. Die restlichen Sprachen werden von der schwarzen Bevölkerung als Muttersprache gesprochen. Etwa 2,0% sprechen IsiNdebele, 22,3% sprechen IsiXhosa, 30,1% IsiZulu, 11,9% Sepedi, 10,0% der Schwarzen lernen Sesotho als Muttersprache, 10,3% Setswana, 3,4% SiSwati, 2,9% Tshivenda and 5,6% Xitsonga. Nur etwa 0,3% der schwarzen Bevölkerung und 1,1% der Weißen sprechen keine der elf offiziellen Landessprachen als Muttersprache.

Neben all diesen Sprachen gibt es in Südafrika weitere nicht-offizielle Sprachen wie beispielsweise Fanagalo, Lobedu, Nördliches Ndebele, Phuthi, Khoe, Nama und San. Diese Sprachen werden im offiziellen Amtsgebrauch nur in den Gebieten, in denen sie verbreitet sind, verwendet. Viele dieser nicht-offiziellen Landessprachen der San und Khoikhoi werden auch in den benachbarten nördlichen Ländern Namibia und Botsuana gesprochen. Diese Völker, die sich deutlich von anderen Afrikanern unterscheiden, haben ihre eigene kulturelle Identität, da sie traditionelle Jäger- und Sammlervölker sind. Die Zahl ihrer Angehörigen hat in den letzten Jahrhunderten rapide abgenommen und die Sprachen sind heutzutage vom Aussterben bedroht.

Viele weiße Südafrikaner sprechen außerdem andere europäische Sprachen, wie Portugiesisch, Deutsch und Griechisch. Weiterhin werden Sprachen wie Gujarati oder Tamil von Einwohnern indischer oder asiatischer Herkunft gesprochen.

Obwohl jede der elf Sprachen als offiziell gilt und laut Gesetz alle Sprachen als gleich anzuerkennen sind, bildet sich die englische Sprache als Führende heraus, da sie im Land über die unterschiedlichen Volksgruppen hinaus von den meisten Menschen verstanden wird und nicht direkt mit dem ehemaligen Apartheids-Regime verknüpft ist. Der Einfluss des Afrikaans, das die erste Sprache im Land während der Apartheid darstellte, sank gegen Ende des 20. Jahrhunderts. Gründe hier sind, dass das Afrikaans für viele schwarze Südafrikaner sehr stark mit dem Apartheid-Regime verknüpft ist und während dieser Zeit Pflichtfach in der Schule war. Weiterhin wurde in den vergangenen Jahren der Einfluss der Buren in der Gesellschaft durch den politischen Machtverlust reduziert. Afrikaans hängt deshalb der Makel des "gestrigen" und "provinziellen" an, während die Weltsprache Englisch und die Sprachen der schwarzen Bevölkerungsmehrheit offiziell anerkannt wurden.

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Die Geschichte Südafrikas

Einen detaillierteren Überblick der südafrikanischen Geschichte erhalten Sie bei www.wikipedia.de unter dem Stichwort Südafrika sowie auf unserer Homepage http://www.kinderkulturkarawane.de/2006/Themen/themenindex.htm.
Im Folgenden wird das wohl dunkelste Kapitel der südafrikanischen Geschichte beschrieben.
 

Apartheid – Entstehung und Entwicklung

Der Konflikt der „Rassen“ im südlichen Afrika geht bis in die Anfänge des Kolonialismus zurück und verschärfte sich nach der britischen Eroberung 1806. Beginnend mit der Diskriminierung beim Anrecht auf Grund und Boden erfolgten mit der Entdeckung von Diamanten- 1867) und Goldvorkommen 1886) weitere Beeinträchtigungen der Schwarzen vor allem in der Bewegungsfreiheit.
Von 1903 bis 1905 sollte die South African Native Commission (SANAC) eine gemeinsame Ethnienpolitik für alle vier südafrikanischen Provinzen (Natal, Kapkolonie, Orange Free State und Transvaal) festlegen. Die Kommission schlug die Errichtung im Sinne der in Natal herrschenden Praktik der Native Administration vor. Mit dem Native Administration Act von 1927 wurde diesem Vorschlag Folge geleistet. Die Native Administration war somit auf die ganze Südafrikanische Union ausgeweitet worden.
1910 wurde die Südafrikanische Union durch den Zusammenschluss der vier Republiken gegründet. Die Union war von Anfang an in den Händen der weißen Minderheit. Dennoch erhielten Schwarze wie auch Farbige und Asiaten kein Wahlrecht. Sie waren von der staatlichen Regierung ausgeschlossen. Nur an den Provinzregierungen durften sie partizipieren. Des Weiteren war jeglicher sexueller Kontakt zwischen den unterschiedlichen „Rassen“ verboten. Die Segregationspolitik wurde durch die weißen Machthaber mit einer Vielzahl von Gesetzen untermauert.
1911 wurde durch den Mines and Works Act die ungleiche Behandlung der Weißen und Schwarzen in der Wirtschaft festgelegt. Das wohl wesentlichste Gesetz der räumlichen Trennung, der Natives Land Act, wurde 1913 verabschiedet. In der Folge durfte die schwarze Bevölkerung nur noch in den ihnen zugeschriebenen Reservaten Land erwerben. Rund 7,3 % der gesamten südafrikanischen Fläche wurden für Schwarze reserviert, die Homelands. Zehn Jahre später vollzog der Natives Urban Areas Act die räumliche Trennung auch in städtischen Gebieten. Der Native Trust and Land Act von 1936 weitete das bestehende Gesetz von 1913 aus. Einige Reservatsflächen wurden vergrößert.
Das Jahr 1948 nimmt in der südafrikanischen Geschichte einen bedeutenden Platz ein. Die niederländischstämmigen Buren waren durch den Calvinismus geprägt, welcher Martin Luthers Prädestinationslehre (Die Lehre von der Vorbestimmtheit des menschlichen Schicksals) weiterentwickelten. Die Buren waren zum damaligen Zeitpunkt überzeugt, korrekt zu handeln. Die Partei der Afrikaaner Nationalisten gewann die damaligen Wahlen überlegen. Damit kam erstmals eine burische Partei an die Macht, die sie bis 1989 behielt. Der Sieg der burischen Nationalisten war eng verknüpft mit dem Zweiten Weltkrieg. Der abtretende Premierminister Jan Christiaan Smuts hatte Südafrika auf britischer Seite in den Krieg hineingezogen. Die Nationalisten hingegen waren gegen eine Einmischung in das kriegerische Geschehen und sympathisierten offen mit dem deutschen Nazi-Regime. Das wahlberechtigte Volk stimmte mehrheitlich mit den Nationalisten überein. Premierminister wurde Daniel François Malan. Dieser Regierungswechsel stellte für viele Buren, die zuvor unter britischer Herrschaft kaum Anschluss an die führende Spitze des Landes gefunden hatten, den Ausstieg aus der Armut dar. Viele zogen in urbane Gebiete und fanden dort in der aufstrebenden Wirtschaft einen guten Job. Die Nationalisten, welche sich im Übrigen von den Briten abzugrenzen versuchten, lenkten die Indigenenpolitik in neue Bahnen.
Die Nationalisten verfolgten drei Ziele: Erstens wollten sie die politische Macht konsolidieren, zweitens ihre Vision der Rassenbeziehungen umsetzen und drittens sollte der Status der Erziehung und der Ökonomie der Buren angehoben werden.
Vor 1948 waren die Schwarzen meist von der Politik und den guten Positionen in der Wirtschaft ausgeschlossen. Die Rassenordnung war zum Teil durch das Gesetz und zum Teil durch den inoffiziellen Brauch gegeben. Die Ordnung war jedoch nicht sehr strikt. Es gab durchaus Farbige, die neben Weißen wohnten, indische Händler, welche im Stadtzentrum ihre Geschäfte tätigten oder Schwarze, die außerhalb ihrer Reservate ihre Farmen bewirtschafteten. Diese Löcher in der Rassentrennung stopften die Nationalisten mit diversen Maßnahmen. Als erstes teilten sie die ganze südafrikanische Bevölkerung in vier Klassen ein: Weiße, Schwarze, Farbige und Asiaten. Die Zuordnung zu einer dieser Gruppen geschah nach bestimmten Kriterien. Die Interpretation der Testergebnisse lag oft im Ermessen des Versuchsleiters. Dies betraf besonders die Einteilung in Schwarze und Farbige. Es kamen dabei verschiedene Tests zum Einsatz, wie zum Beispiel, ob ein in die Haare gesteckter Stift herunterfällt, wenn der Proband den Kopf schüttelt. Fiel der Stift heraus, so galt der Proband als Farbiger, blieb der Stift stecken, galt er als Schwarzer. Dies hatte zur Folge, dass Kurzhaarfrisuren populär wurden.
Die Rassenordnung bestimmte fortan das gesamte Leben. An öffentlichen Orten war eine strikte Trennung von Weißen und Nicht-Weißen vorgeschrieben. Mischehen waren verboten. Mit dem Group Areas Act vom
13. Juni 1950 wurde die Trennung der Wohngebiete festgeschrieben. In städtischen Gebieten wurden getrennte Wohnbereiche für die verschiedenen Rassen geschaffen; die Ausbildung richtete sich ebenfalls nach der entsprechenden Rasse. Schwarze mussten außerhalb ihrer Reservate einen Pass tragen. Damit sollten in städtischen Gebieten nur diejenigen Schwarzen geduldet werden, die dort auch arbeiteten. Alle übrigen Schwarzen wurden als Ausländer angesehen. Die in den Städten arbeitenden Schwarzen wurden als Gastarbeiter akzeptiert. Diese Schwarzen lebten in so genannten Townships am Stadtrand. Nicht städtische Schwarze durften sich gemäß dem Native Laws Amendment Act von 1952 ohne Genehmigung nur 72 Stunden in Städten aufhalten. Die Apartheid war erschaffen. Dennoch war der Lebensstandard, die Bildungsmöglichkeiten durch Schulen und Universitäten sowie die medizinische Versorgung und somit die Lebenserwartung der Schwarzen höher als in allen anderen afrikanischen Ländern, weswegen Südafrika auch während der Apartheid mit illegaler Immigration aus den nördlichen Anrainerstaaten konfrontiert war.

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Große und Kleine Apartheid

Die Apartheid unterteilte sich in zwei Aspekte: die kleine Apartheid, auch petty-Apartheid genannt und die große Apartheid. Die kleine Apartheid beinhaltete die rassische Trennung im Dienstleistungsbereich. Darunter fielen zum Beispiel das Verbot des Betretens von öffentlichen Parks für Schwarze, die separaten Abteile in öffentlichen Verkehrsmitteln oder die getrennten Schulen.
Die Apartheidsgesetze betrafen nicht nur Schwarze. Auch Farbige und Asiaten litten darunter. Die Betroffenen separierten sich ebenfalls von der jeweils anderen Gruppe. Farbige hielten, bildlich beschrieben, den gleichen Abstand zu Schwarzen wie Weiße zu Schwarzen.
Der gesamte Alltag der Nichtweißen wurde von der kleinen Apartheid geprägt. Unmissverständliche Regelungen wurden durch Schilder erreicht, auf denen, zum Beispiel am Strand, neben einem Verbot für Hunde, das Verbot für Non-Whites ausgesprochen war. Krankenhäuser, Postgebäude, Rathäuser, Banken und Toiletten hatten grundsätzlich zwei, durch Schilder gekennzeichnete Eingänge. Viele Lebensbereiche waren nicht klar definiert. Durch Mundpropaganda wurden Restaurants und Bars unter Nichtweißen genannt, in denen man bedient wurde oder nicht erwünscht war. Mutige testeten ständig die Grenzen der Akzeptanz durch die Weißen. Die Vorsichtigen scheuten sich, ihren sicheren Bereich zu verlassen. Dadurch lebten sie ruhiger und wurden nicht verjagt oder von der Polizei überprüft.
Die große Apartheid meint die räumliche Trennung im großen Maßstab, die eigentliche Segregations- oder Homeland-Politik.
Über die Homeland-Politik hinaus wirkte die Apartheid auch innerhalb Südafrikas. So bedeutete die gesetzlich verordnete Zugehörigkeit zu einer Rassenkategorie, entsprechend der Hautfarbe (Schwarze, Farbige/Asia

  • getrennte Wohngebiete in jeder Stadt, in jedem Dorf,

  • getrennte Schulsysteme mit unterschiedlich qualifizierten Lehrern und

  • ausschließliches Wahlrecht für Weiße.

Die Rassenkategorie wurde in die Ausweisdokumente durch Buchstabencodes, zum Beispiel -C- für Coloureds, eingetragen.
Die Wohngebiete der weißen Bevölkerung, auch Europeans genannt, lagen durchweg in den geographisch und strukturell angenehmsten Bezirken jeder Ortschaft. Wurden die festgelegten Bereiche für die Weißen zu eng, mussten die Farbigen, auch Coloureds genannt und Asiaten, Teile ihrer Wohngebiete räumen und in neu zugewiesenen Bereichen neu bauen. Ein berühmtes Beispiel war die Räumung des District Six im Herzen von Kapstadt und die Zwangsumsiedlung von etwa 60.000 Menschen in das etwa 30 km entfernt gelegene sandige Khayelitsha. Die schwarze Bevölkerung war in ihrem abgelegenen Wohngebiet so weit außerhalb der Gemeinden, oft hinter natürlichen oder künstlichen Hügeln sowie Müllkippen verbannt, dass sie nicht als Teil der Gemeinde angesehen werden konnte.
Die auch inhaltlich unterschiedlichen Schulsysteme, mit jeweils abgestufter Qualifikation des Lehrkörpers und Ausstattung, waren mit verantwortlich für ungleiche Berufschancen.
Der Ausschluss aller Nichtweißen vom aktiven und passiven Wahlrecht wirkte bis in den kommunalen Bereich.
Die Apartheid war Ausdruck eines irrationalen Gefühls einer weißen, christlichen Überlegenheit gegenüber den heidnischen Schwarzen. Dieses Gefühl basierte auf einer tatsächlichen technisch-zivilisatorischen Überlegenheit. Im Wesentlichen spiegelt die Apartheid das Denken der burischen Calvinisten wider.
Um die Pfeiler der Apartheid umsetzen zu können, war ein riesiger Verwaltungsapparat notwendig. Rund vier Millionen Schwarze sollen alleine aufgrund fehlender Aufenthaltsgenehmigungen verhaftet worden sein; allein dies forderte einen enormen administrativen Aufwand. Des Weiteren mussten Millionen Schwarze umgesiedelt werden. Rund 3,5 Millionen Schwarze mussten ihre bisherigen Wohnstätten aufgeben. Dies erfolgte nicht ohne Proteste, die zu unzähligen Verhaftungen führten. Die Regierungen zerstörten ganze Siedlungen, um so die Schwarzen zur Umsiedlung, welche auf dem Native Resettlement Act von 1952 basierte, zu zwingen.

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Widerstand der Schwarzen

Auch nach der Unterwerfung der Bantu führte die diskriminierende Indigenenpolitik der Weißen zu massivem Widerstand.

African National Congress
Bereits 1912, nur gerade zwei Jahre nach der Errichtung der Südafrikanischen Union, gründeten der Anwalt P. Seme, die Geistlichen J. L. Dube, W. Rubusana sowie der Autor Sol Plaatje den African National Congress (ANC). Obwohl von Männern aus der elitären Gesellschaft gegründet, verstand sich der ANC durchaus nicht als elitäre Organisation. Er stand grundsätzlich allen offen, egal welcher Hautfarbe, und akzeptierte sowohl das Christentum wie auch die englische Sprache. Der ANC verstand sich als schwarze Widerstandspartei, die das volle Bürgertum forderte. Lange Zeit opponierte er friedfertig durch Boykotte und Streiks. So organisierte er in den 1920er-Jahren Streiks der Minenarbeiter, um die schlechten Arbeitsbedingungen der Schwarzen zu verbessern.
Der ANC wurde immer mehr zur Massenorganisation. Hunderttausende befolgten die Aufrufe zu Demonstrationen oder Streiks. Beispielsweise im Jahre 1946, zwei Jahre vor dem Beginn der Apartheid, streikten rund 70.000 schwarze Minenarbeiter. Insbesondere gegen das Passgesetz, wonach die städtischen Schwarzen jederzeit einen Pass mit sich tragen mussten, um sich als Arbeitnehmer ausweisen zu können, protestierte der ANC durch Demonstrationen und durch das Verbrennen der umstrittenen Pässe. Trotzdem standen keineswegs alle Nicht-Weißen, nicht einmal alle Schwarzen, hinter dem ANC. Etliche Schwarze sahen die Homeland-Politik der Regierung als Chance, den Rassismus endlich zu beenden und ihre Traditionen wieder zu leben.
In späteren Jahren sollten diese Meinungsverschiedenheiten insbesondere zwischen städtischen und ländlichen Schwarzen zu bewaffneten Auseinandersetzungen führen. So forderten Unruhen bei Pietermaritzburg zwischen 1987 und 1990 rund 4.000 Todesopfer. Bei diesem Konflikt handelte es sich um Streitigkeiten innerhalb der Zulu. Städtische Zulu vertraten andere Ansichten als die in der Inkatha Freedom Party vereinigten ländlichen Zulu. In den frühen 1990er-Jahren, also bereits nach dem offiziellen Ende der Apartheid, wendeten sich die Inkatha-Anhänger dann im Besonderen gegen die Xhosa. Leute von beiden Seiten verloren dabei ihr Leben.
Die Regierung versuchte, die Menschenrechtskämpfer des ANC immer wieder an ihrer Arbeit zu hindern, indem sie diese bannten. Gebannte waren eingeschränkt in ihrer Bewegungsfreiheit, sie durften ein genau definiertes Territorium nicht verlassen. Des Weiteren löste die Regierung häufig Treffen des ANC auf.

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Militante Widerstandsorganisationen
Einigen Mitgliedern gingen die meist friedlichen Aktionen des ANC nicht weit genug. Sie gründeten 1959 eine weitere Widerstandsorganisation, den Pan Africanist Congress (PAC). Im Gegensatz zum ANC verwarf der PAC die offene Haltung gegenüber allen Rassen. Er positionierte sich als reine Schwarzen-Organisation und lehnte jegliche Zusammenarbeit mit den Weißen ab. Später gründete auch der ANC einen bewaffneten Flügel. Nelson Mandela selbst leitete diesen Flügel mit dem Namen Umkonto we Sizwe, was übersetzt soviel wie Speer der Nation bedeutet. Umkonto we Sizwe tat sich in den folgenden Jahren insbesondere durch Sabotageakte hervor.
Ein Jahr vor der Gründung des bewaffneten Flügels des ANC endete eine vom PAC organisierte Demonstration im Township Sharpeville in einem Blutbad, das die in Panik geratenen Polizisten anrichteten. 69 Afrikaner fanden dabei den Tod. Dieses Ereignis löste nationale Unruhen aus, welche die südafrikanische Regierung mit eiserner Faust bekämpfte. Rund 20.000 Demonstranten wurden verhaftet. In der Folge wurden sowohl der PAC wie auch der ANC verboten. Beide Organisationen operierten fortan aus dem Untergrund. Führende opponierende Köpfe wie Nelson Mandela oder Walter Sisulu wurden 1964 im so genannten Rivonia-Prozess zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht warf ihnen vor allem Beteiligung an Sabotageakten vor.

Mehr über den 27 Jahre inhaftierten Widerstandskämpfer Nelson Mandela findet sich in dem Buch „Der lange Weg zur Freiheit“ von Nelson Mandela (zu beziehen in jedem Buchhandel). Für Kinder: „Nelson Mandela - Meine afrikanischen Lieblingsmärchen“ (ebenfalls in jedem Buchhandel erhältlich).

Weitere Infos zu Nelson Mandela: www.wikipedia.de (Stichwort: Nelson Mandela)
Weitere Buchtipps für den Unterricht:
„Meine Schwester Sarah“ von Ruth Weiss

Kurzbeschreibung
Südafrika am Ende der vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts: Eine Burenfamilie entschließt sich, eine deutsche Kriegswaise zu adoptieren. Freudig wird das blonde, blauäugige kleine Mädchen in die Familie aufgenommen. Doch als Saras Papiere ein halbes Jahr später eintreffen, stellt sich heraus, dass sie Jüdin ist.
Insbesondere der Familienvater, ganz Patriarch und Mitglied der nationalistischen Apartheidregierung, entzieht Sara daraufhin seine Liebe. Als Studentin schließt sich Sara, durch den am eigenen Leib erlebten Rassismus motiviert, dem Widerstand gegen das Apartheidregime an. Sie führt damit auch ihre in der Tradition verhaftete Familie zu einer zaghaften Auseinandersetzung mit dem politischen System.
Feinfühlig werden die Familienstrukturen dargestellt und die Familienmitglieder vor dem Hintergrund von Tradition, Erziehung und menschlicher Unzulänglichkeit gezeigt.

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Neues Selbstbewusstsein

In den späten 1960er-Jahren entstand in Kirchen und Schulen, beeinflusst durch die Black Power-Bewegung in den USA, die so genannte Black Consciousness-Bewegung. Steve Biko gilt als Begründer dieser Bewegung. Hervorgerufen durch das neue Selbstbewusstsein der Schwarzen sahen sie die Kultur der Weißen nicht mehr als übermächtig, die zu kopieren sie versucht waren. Vielmehr verdammten sie die weiße Kultur nun; ihre eigenen Werte hingegen hoben sie heraus. Diverse Künstler engagierten sich für einen weltweiten Boykott des Apartheid-Regimes. Die Folgen des neuen Bewusstseins waren zum Teil heftige Studentenunruhen. Am 16. Juni 1976 boykottierten Schüler in Soweto den Unterricht. Dies stand im Zusammenhang mit der versuchten, zwangsweisen Einführung der bei Schwarzen verhassten Sprache Afrikaans. Durch brutale Polizeieinsätze verloren in wenigen Tagen 160 bis 1000 Schwarze ihr Leben und viele Kinder und Jugendliche wurden inhaftiert. Weltbekannt ist das Foto des sterbenden 13-jährigen Hector Pieterson in den Armen eines Mitschülers. Danach nahm der bewaffnete Widerstand sprunghaft zu. Die in den nächsten zwei Jahren folgenden Unruhen verunsicherten das Land. Hunderte von Schwarzen wurden von der Polizei getötet. Die Studenten fanden Unterstützung bei Hunderttausenden von schwarzen Arbeitern. Für die südafrikanische Wirtschaft nahm dies verheerende Ausmaße an. Einige unbedeutendere Gesetze der Apartheid wurden gelockert, um dem Unmut der Schwarzen zu begegnen.

Ein Bericht über die Widerstandskämpfe sowie ein Video findet sich unter http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,421569,00.html.

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Unterstützung aus dem Ausland

In vielen Ländern gab es Unterstützung für die Bevölkerungsmehrheit Südafrikas im Kampf gegen die Apartheid. Sowohl der ANC, die Schwarze Bewusstseins-Bewegung (Black Consciousness Movement) als auch kirchliche Organisationen hatten viele Kontakte, zum Beispiel zum Weltkirchenrat, den Vereinten Nationen und kleineren Organisation wie der Anti-Apartheid-Bewegung in Deutschland und der Evangelischen Frauenarbeit in Deutschland. Dazu kamen viele lokale Gruppierungen, die oft mit Dritte-Welt-Läden zusammen arbeiteten.
Um auf die Situation in Südafrika aufmerksam zu machen, wurde insbesondere zum Boykott südafrikanischer Früchte aufgerufen, aber auch viele Aktionen u. a. auf evangelischen Kirchentagen durchgeführt. Der Früchteboykott wurde von Südafrikanern angeregt und dann von den lokalen Gruppen in ihren jeweiligen Ländern propagiert. Neben dem Boykott der Früchte aus Südafrika wurde auch gegen die die Apartheid unterstützenden Geschäfte deutscher Großbanken protestiert.

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Das Ende der Apartheid

U.a. die Proteste der Schwarzen ließen die Apartheid ab 1974 immer mehr bröckeln. Die Vollversammlung der UN nahm am 2. Dezember 1973 eine Konvention an, nach der die Apartheid geächtet wurde und sogar als Verbrechen galt. Die burische Regierung näherte sich in langsamen Schritten den schwarzen Vorstellungen an. Die schwarze Opposition wurde immer stärker, obwohl ihre bekanntesten Führer im Gefängnis saßen. Höhepunkte des Widerstandes in den 1970er-Jahren waren Streiks in Natal (1973) sowie der Aufstand in Soweto 1976. Dem schwarzen Widerstand begegnete die Regierung mit Notmaßnahmen, die allerdings die staatlichen Kapazitäten sprengten. Die Kosten der Apartheid waren nicht mehr länger tragbar.
Der ANC wurde vom Westen während des Kalten Krieges als revolutionär und prokommunistisch angesehen. Trotz gewisser Sanktionen - die USA und Westeuropa stützten das weiße Apartheidregime als Bollwerk gegen den Kommunismus, auch weil Südafrika bedeutende Uranvorkommen hat. Besonders nachdem die portugiesischen Kolonien Mozambique und Angola unabhängig und zum Schauplatz blutiger Kriege wurden, erschien die Unterstützung Südafrikas noch wichtiger. Nach dem Kalten Krieg verlor dieses Element seine Bedeutung und das alte Regime Südafrikas wurde vom Westen fallen gelassen.
Weiteres Ungemach erfasste Südafrika 1983 mit Beginn des Verfalls des Goldpreises auf dem Weltmarkt. Die bereits durch die europäischen und amerikanischen Sanktionen geschwächte ökonomische Situation verschärfte sich somit weiter.
Die zunehmend verbesserte Organisation der nichtweißen Opposition, die in den 80er Jahren faktisch die Verwaltung der Townships übernahm, führte zur Konfrontation mit dem Regime, die im permanenten Ausnahmezustand von 1985-90 kulminierte. Ab etwa 1988 begannen zunächst geheim gehaltene Verhandlungen mit den Führern des ANC im Exil.
1989 trat Frederik Willem de Klerk die Nachfolge von Pieter Willem Botha als südafrikanischer Staatspräsident an. De Klerk nahm sofort Verhandlungen mit dem noch immer inhaftierten ANC-Führer Mandela auf. Er stellte Mandela die sofortige Freilassung in Aussicht, wenn dieser gewisse Konditionen, wie beispielsweise die Abkehr vom bewaffneten Widerstand, annahm, worauf Mandela jedoch nicht einging. De Klerk ließ Mandela aufgrund des steigenden Druckes zusammen mit den übrigen politischen Gefangenen im Jahre 1990 frei. Die beiden Widerstandsparteien ANC und PAC wurden wieder legalisiert.
Aufgrund dieser in ihrer Summe bedeutsamen Faktoren, also des Widerstandes der Schwarzen, des internationalen Druckes, der ökonomischen Krise, des Wechsels der Regierungsführung von Botha zu de Klerk sowie der Standhaftigkeit Mandelas bei den Verhandlungen mit de Klerk, brach die weiße Autorität in den frühen 1990er-Jahren schrittweise zusammen.
Der Protestantische Weltkirchenbund schloss die Niederländisch-Reformierte Kirche Südafrikas aus und erhöhte so den moralischen Druck auf einen Wandel.
De Klerk hob wesentliche Gesetze auf, die als Pfeiler der Apartheid galten. Darunter war der Population Registration Act, der Group Areas Act und der Land Act. Die Homelands existierten allerdings weiter; diesbezüglich änderte sich nur wenig.
Die Übergangsphase von der Apartheid zur Demokratie dauerte von 1990 bis 1994. Während dieser Zeit wurden die verbliebenen Gesetze der Rassentrennung beseitigt. Alle in Südafrika wohnhaften Menschen konnten sich frei und ohne Restriktionen bewegen. Viele Schwarze nutzten diese Chance und zogen in Städte. Des Weiteren war die Übergangsphase geprägt durch blutige Unruhen zwischen Mangosuthu Buthelezis Inkatha-Partei und dem ANC. Buthelezi, Führer des Homelands KwaZulu und der Inkatha-Partei, sah durch das neue Staatssystem seine Macht bedroht. Die Unruhen dauerten von 1989 bis 1994 und forderten insgesamt etwa 7.000 Tote. Nebst Buthelezi standen auch Lucas Mangope und Oupa Gqozo, die Führer der Homelands Bophuthatswana und Ciskei, dem neuen System negativ gegenüber. Andere Homeland-Verantwortliche kooperierten mit den Plänen des ANC und versuchten, opportunistisch eine gute Position in den neuen Machtverhältnissen zu ergattern.
Die neue Verfassung sollte 1994 in Kraft treten. Danach würden alle fünf Jahre Regierungswahlen stattfinden. Dazu sollte das Land in neun statt in vier Provinzen unterteilt werden.
Im letzten Moment schwenkte Buthelezi ein, nachdem ihm eine wichtige Position in der neuen Regierung zugesagt worden war. So kam es 1994 zu den ersten demokratischen Wahlen Südafrikas. Der ANC gewann mit 62,6 Prozent überragend, es folgte die National Party (NP) mit 20,4 Prozent und die Inkatha Freedom Party mit 10,5 Prozent. Mandela wurde zum ersten Präsidenten im neuen System ernannt. Ihm zur Seite standen zwei populäre Vizepräsidenten, de Klerk von der NP und Thabo Mbeki vom ANC. Buthelezi wurde Premier der Provinz Kwazulu-Natal, er konnte seine Macht also über die bisherige Homeland-Grenze ausdehnen.

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Verbrechen während der Apartheid

Die Apartheid an sich war bereits ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Hier werden nun noch zwei der gravierendsten Verbrechen während der Zeit der Apartheid kurz beschrieben.

Trojan Horse Massacre
Im Juni 1985 fuhr in Athlone ein LKW immer die Straßen hinauf und runter. Nach einem Steinwurf stiegen mehrere schwerbewaffnete Polizisten aus dem Laderaum und erschossen drei Jugendliche. Offiziell wurde es als eine „Anti-Terror-Aktion“ bezeichnet. Heute erinnert ein fast schon verblichener Spruch (Remember the Trojan Horse Massacre) auf einer Wand an die Ermordung.

Gugulethu 7
In dem Township Gugulethu wollte eine Gruppe wütender Jugendlicher zu einer Polizeistation gehen. Ein erwachsenes Mitglied der Gruppe war ein Mitarbeiter der Geheimpolizei. Auf einer Kreuzung wurde die Gruppe von 25 Polizisten gestellt, die alle sieben Jugendlichen erschossen. Als Erinnerung gibt es heute ein rotes Band. Ein offizielles, staatliches Denkmal, das die Mütter der Ermordeten gefordert hatten, lehnte die Regierung ab, da die Täter in einem ersten Prozess freigesprochen wurden.

 
Zur weiteren Bearbeitung des Themas "Rassismus"

„Respekt statt Rassismus“ ("Vorurteile überwinden. Diskriminierung vermeiden. Menschenrechte fördern")
Die DVD aus dem Jahr 2005 beinhaltet Kurzfilme mit einer Gesamtlänge von 136 Minuten und ist für Kinder ab 7 Jahren geeignet. Die Beiträge stammen aus Deutschland, Südafrika, Frankreich und der Schweiz und eigenen sich zur Thematisierung von Diskriminierung, Menschenrechten, Rassismus und Vorurteilen

Sehr empfehlenswert ist die Neuauflage des "Baustein zur nicht-rassistischen Bildungsarbeit" vom DGB-Bildungswerk Thüringen. Mehr Informationen über den Inhalt sowie die Möglichkeit, den Baustein für 12 Euro zu erwerben, finden Sie unter http://baustein.dgb-bwt.de.
Der ca. 400seitige Ordner beinhaltet eine Vielzahl von praktischen Methoden zur näheren Auseinandersetzung mit dem Thema Rassismus.  

Um sich weiter mit dem Thema Rassismus sowie Wegen gegen Rassismus zu beschäftigen, eignet sich die „Projektkiste: Antirassismus“ aus dem Welthaus Bielefeld. Die Materialsammlung zum Thema Rassismus, antirassistische Bildungsarbeit enthält Materialien zu den Bereichen einführende Literatur, methodische Zugänge. Themenbezogenen pädagogischen Aufbereitungen sowie Projekte und Infomaterialien. Die Kiste ist konzipiert für LehrerInnen der Sek I/II und MultiplikatorInnen der in der Bildungsarbeit. Eine ausführliche Beschreibung des Kisteninhalts sowie weitere Informationen zum Thema erhalten Sie in der Mediothek des Welthaus Bielefeld e.V.. August-Bebel-Straße 62, 33602 Bielefeld, 0521-98648-11, www.welthaus.de oder bildung@welthaus.de. Dort habe Sie auch die Möglichkeit, die Kiste gegen Gebühr zu entleihen  (dies ist auch auf dem Postweg möglich).

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Probleme nach der Apartheid

Die neue Regierung sah sich vor große Probleme gestellt. Die vorausgegangenen Unruhen hatten Südafrika in eine ökonomische Krise gestürzt. Diese brachte eine hohe Verschuldung bei der Weltbank mit sich. Im Weiteren sollten die Ungleichheiten zwischen den Rassen beseitigt werden. Dies würde unter anderem bessere Schulen und eine bessere Gesundheitsversorgung für Schwarze bedeuten, beides war jedoch mit hohen Kosten verbunden. Unterschiedlichste Interessen führten zu verschiedenen Landstreitigkeiten. Schwarze, die während der Apartheid ihr Land aufgeben mussten und gezwungen worden waren, in die Homelands zu ziehen, forderten ihr Land zurück. Die nun dort ansässigen Weißen oder Industriebetriebe machten ihre neueren Rechte geltend.
1999 stieg Mbeki vom Vize zum Präsidenten auf. Er intensivierte in der Folge die Privatisierung von Staatsbetrieben. Dies hat zu Stellenabbau und zu teureren Strom- und Wassertarifen geführt. Immer mehr schwarze Arbeiter, die vor allem unter diesen Maßnahmen zu leiden haben, werden zunehmend unzufriedener mit der Politik des ANC. Sie werfen ihm vor, dass der ANC zwar von der linken Arbeiterklasse gewählt worden sei, dass er jedoch im Interesse der rechten Bourgeoisie regiere.
Mandela und de Klerk erhielten 1993 den Friedensnobelpreis.
In Anlehnung an das südafrikanische Regime wird heute eine systematische Rassendiskriminierung, insbesondere durch einen Regierungsapparat, als Apartheid bezeichnet. Durch eine UN-Konvention wurde Apartheid 1973 zum Verbrechen gegen die Menschlichkeit erklärt. In Orania gibt es bis heute eine kleine Gemeinde von Buren, die sich als neue Keimzelle eines südafrikanischen Burenstaates sehen und offen für die Wiedereinführung der Apartheid einstehen.
Trotz der Aufwärtstendenz in Südafrika seit den Wahlen 1994 gibt es noch immer sehr große soziale Probleme. So werden Schwarze auch nach dem Ende der Apartheid meist immer noch weitaus schlechter bezahlt als Weiße. Große Teile der Bevölkerung leben in Townships außerhalb der Städte. Dabei handelt es sich um Wohnviertel, in denen trotz positiver Entwicklung der Lebensstandard auch heute noch sehr niedrig ist. Die Spanne zwischen armer und reicher Bevölkerung ist nach wie vor groß. Während die reichen Einwohner des Landes, vorwiegend Weiße, in abgeschlossenen Wohnsiedlungen leben, die oft von Zäunen und Sicherheitspersonal umgeben sind, wohnt die Mehrzahl der Armen, hauptsächlich schwarze Bürger, in den Townships und findet nur schwer Anschluss an die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten des südafrikanischen Staates. Aids ist trotz der Bemühungen seitens der Regierung weiterhin ein Hauptproblem. Ein weiteres großes Problem ist die enorm hohe Kriminalitätsrate und die Brutalität der Verbrechen, die sich besonders in den großen Städten manifestiert hat.

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Wirtschaft heute

Südafrika ist ein wohlhabendes Schwellenland und wird von manchen Beobachtern UN, EU) zur Ersten Welt gerechnet, während die ländlichen Gebiete in den ehemaligen Homelands eher noch einem Entwicklungsland ähneln. Das Land ist sehr reich an Bodenschätzen, besonders die großen Vorkommen an Gold, Diamanten, Kohle, Platin, Chrom und Eisenerz stärkten die wirtschaftliche Situation in den vergangenen Jahrzehnten.
Obwohl die letzten zehn Jahre vom Wachstum geprägt waren, liegt die Arbeitslosenquote bei etwa 27% (Stand: Januar 2006), und die Nachwirkungen der Apartheid, vor allem Armut und wirtschaftliche Benachteiligung der nicht-weißen Bevölkerung, sind noch nicht beseitigt. Weitere Probleme sind eine hohe Kriminalitätsrate, Korruption und HIVAids. Anfang 2000 kündigte Präsident Thabo Mbeki an, das Wirtschaftswachstum und die Investitionen durch die Auflockerung des Arbeitsrechts, die Privatisierung staatlicher Betriebe und die Senkung der Staatsausgaben zu fördern. Diese Bestrebungen stoßen auf harten Widerstand von Seiten der organisierten Arbeitnehmerschaft. Die Einführung von Mindestlöhnen führte in Südafrika zu einer vermehrten Entlassung von nicht mehr bezahlbaren Landarbeitern und zu einer entsprechenden Landflucht und Arbeitslosigkeit.
Ein weiteres Problem der südafrikanischen Wirtschaft ist das fehlende Wissen im Verwaltungsbereich. Öffentliche Stellen wurden in den vergangenen Jahren oftmals an verdiente, aber manchmal verwaltungstechnisch leider auch inkompetente, Widerstandskämpfer gegen das Apartheidsregime vergeben. Diese Praxis wird oftmals in den südafrikanischen Medien als Nepotismus bezeichnet.
Trotz der geschilderten Probleme hat sich Südafrika in den letzten Jahren wirtschaftlich positiv entwickelt. Obwohl nur 4% des südafrikanischen Bruttosozialprodukts aus der Landwirtschaft stammen, ist das Land der drittgrößte Exporteur von Agrarprodukten in der Welt. Wichtigste Industriezweige sind Rohstoffförderung (weltweit größter Förderer von Platin, Gold, Chrom, Diamanten), Metallverarbeitung, Eisen- und Stahlproduktion, und die Nahrungsmittelproduktion (Getreide, Zuckerrohr, Obst und Gemüse, Fleisch, Wein). Das Bruttosozialprodukt beträgt knapp 130 Mrd. $ (2926$ pro Einwohner) und ist damit das höchste aller afrikanischer Staaten.

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Kriminalität

Die Kriminalität in Südafrika ist ein sehr großes Problem. Das Land hat eine der höchsten Verbrechensraten weltweit. Nur in Kolumbien ist die Lage noch drastischer. Nach einer Studie der Vereinten Nationen für die Jahre 1998 - 2000 ist Südafrika trauriger Spitzenreiter in den Bereichen Mord durch Feuerwaffen, Totschlag, Vergewaltigung und Körperverletzung. Es belegt außerdem Platz zwei im Bereich Mord und Platz vier bei Raubüberfällen. Die Gründe für die Kriminalität liegen hauptsächlich an den großen sozialen Ungleichheiten und den extremen Gegensätzen von armen (meist schwarzen) und reichen Bürgern in den Städten Südafrikas. Zu Beginn der 2000er Jahre wird die Kriminalitätsrate mit zunehmendem Erfolg verringert, was hauptsächlich an der immer stärker wachsenden schwarzen Mittelschicht liegt, durch die sich die Kluft zwischen Reich und Arm nicht weiter vergrößert. Da die Arbeitslosigkeit in der schwarzen Bevölkerungsgruppe aber immer noch besonders hoch ist und dort oft extreme Armut herrscht, sind auch überdurchschnittlich viele arme Menschen von Verbrechen betroffen. Unter dem Apartheidsregime existierte eine brutale Polizeibehörde, die das Kriminalitätsproblem mit gegen die Menschenrechte verstoßenden Methoden zu lösen versuchte. Nach dem Übergang zu einer demokratisch gewählten Regierung wurde im Polizeiapparat ein Vakuum hinterlassen, das bis heute nicht gefüllt werden konnte. Seit einigen Jahren wird die Polizei jedoch in allen Bereichen verstärkt und das aus New York bekannte Zero-Tolerance-Konzept wird auch in Südafrika übernommen. Dies bedeutet, dass auch kleine Straftaten mit hohen Strafmaßnahmen geahndet werden. Zur Verringerung der Kriminalität ist die Innenstadt Johannesburgs heute mit Überwachungskameras ausgestattet.
Nach der Kriminalitätsstatistik der südafrikanischen Polizei wurden im Jahr 2005 mehr als 55.000 Vergewaltigungsfälle gemeldet, was einem Zuwachs gegenüber 2001 von 1,5% gleichkommt. Des Weiteren wurden mehr als 267.000 Fälle von Körperverletzung registriert. Die Anzahl der Morde im Land konnte zwischen 2001 und 2005 um mehr als 12% reduziert werden und lag 2005 bei etwa 18.000 gemeldeten Fällen. Eine südafrikanische Besonderheit ist das so genannte Carjacking, bei dem das Auto gewaltsam entführt wird. Sollte der Fahrer Widerstand leisten, wird er häufig erschossen. Auch ohne Widerstand kann dies jedoch oft passieren, um ihn als Zeugen auszuschalten.
Da das Problem der Kriminalität im südafrikanischen Alltag bis heute präsent ist, hatte dies in der Vergangenheit zum Teil weit reichende Konsequenzen für das gesellschaftliche Leben. Viele wohlhabende Südafrikaner zogen in die Vororte, um dort in abgesperrten und bewachten Wohnvierteln zu leben und die relative Sicherheit in den Vororten genießen zu können. Die Nachwirkungen dieser Flucht aus der Innenstadt sind heute noch besonders in Johannesburg zu beobachten, wo das Stadtzentrum nahezu verlassen ist und das Leben sich in die noblen nördlichen Vororte von Sandton verlagert hat.

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Homelands und Townships

Townships dienten während der Apartheid in Südafrika als Wohngegenden für die schwarze, die farbige (Coloureds) oder die indische Bevölkerung. Sie konnten Ausmaße einer ganzen Stadt annehmen. Ein typisches Beispiel ist Soweto (South Western Townships), ein Stadtteil von Johannesburg in der Provinz Gauteng im nordöstlichen Teil des Landes.
Als Homelands wurden während der Apartheid die Stammesgebiete der Schwarzen in Südafrika bezeichnet, die von den weißen Apartheidsführern abwertend Bantustans genannt wurden. Mit der Homeland-Politik sollten die Rassentrennung der Apartheid unter dem Motto der „separaten Entwicklung“ auch territorial durchgesetzt werden. Ein großer Teil der Schwarzen wurde aus dem Staat Südafrika ausgegliedert, nicht zuletzt um einen von Schwarzen beherrschten Einheitsstaat zu verhindern. Homelands sollten formell unabhängige Staaten werden, deren Bewohnern die (Schein-)Unabhängigkeit zugestanden werden sollte. Die Homelands waren ökonomisch, finanziell und militärisch jedoch vollständig von Südafrika abhängig. De facto stellten sie lediglich vom übrigen Staatsgebiet abgetrennte Reservate dar. Von den zehn Homelands, die während der Apartheid installiert wurden, erhielten nur vier die Unabhängigkeit. Die Transkei wurde 1976 zuerst für quasi-unabhängig erklärt, ein Jahr später folgte Bophuthatswana, Venda 1979 und Ciskei 1981. Nach dem Ende des Apartheid-Regimes wurden die Homelands wieder zu in die Republik Südafrika in die neun neuen und umorganisierten Provinzen integriert.
Südafrika hat heute noch mit den Auswirkungen dieser getrennten Entwicklung zu kämpfen. Die Gebiete der ehemaligen Homelands sind am wenigsten entwickelt, haben die größten Bevölkerungsdichten und das geringste Pro-Kopf-Einkommen. So ist beispielsweise die Provinz Ostkap, in die die größten und bevölkerungsreichsten Homelands Transkei und Ciskei integriert wurden, die ärmste und wirtschaftsschwächste Provinz. Durch den niedrigen Lebensstandard in den ehemaligen Homeland und großen Teilen der Townships ist hier auch das Krankheitsrisiko höher und die Lebenserwartung geringer. 

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Aids

Aids gilt als die „tickende Zeitbombe“ Südafrikas. Im Jahr 2004 waren offiziellen Schätzungen zufolge etwa 21,5% der südafrikanischen Bevölkerung mit dem HI-Virus infiziert. Damit liegt die Quote international auf einem der vorderen Plätze nach Swaziland mit geschätzten 40%. Die offizielle Anzahl der Infizierten ist mit etwa 5,2 Millionen in Südafrika weltweit am zweithöchsten, direkt nach Indien. Schwerpunkt der Infektion sind Vertreter afrikanische Volksgruppen in den ehemaligen Townships mit einer Infektionsrate von teilweise bis zu 100%. Diese Entwicklung und die weitere Ausbreitung der Krankheit haben dramatische demografische Folgen für das Land: die Lebenserwartung nahm in den letzten 15 Jahren um rund 20 Jahre ab, von knapp 65 Jahren 1990 auf 43 Jahren 2005.
Die Ursachen für die immer noch stetige Ausbreitung von HIV/Aids liegen gemäß UNAIDS an der frühen sexuellen Aktivität der Jugendlichen (das Durchschnittsalter beim ersten Geschlechtsverkehr beträgt bei Männern 16,4 Jahre und bei Frauen 17 Jahre) in Zusammenhang mit schlechter bzw. schlicht nicht vorhandener Präventionsaufklärung. Bei den Fünfzehn- bis Neunzehnjährigen sind 4,8% infiziert, bei den Zwanzig- bis Vierundzwanzigjährigen bereits 16,5%. Auch sexuelle Gewalt scheint in Südafrika eine große Rolle zu spielen: etwa 28% der Frauen geben an, schon mindestens einmal gegen ihren Willen zum Geschlechtsverkehr gedrängt worden zu sein. Die Südafrikanische Aidsstiftung (engl.: Aids Foundation of South Africa) prognostiziert, dass innerhalb der nächsten drei Jahre jährlich etwa 250.000 Südafrikaner an Aids sterben werden und diese Zahl bis zum Jahr 2008 um ungefähr 500.000 jährlich anwachsen wird.

Literaturtipps für den Unterricht:

Lifetime. Die Kinder vom Nazareth House“ – von Philine Hoffmann. Über das Leben aidskranker Kinder in Kapstadt/ Südafrika (erhältlich in jedem Buchhandel) Broschiert: 136 Seiten Verlag: Bucher (1999) ISBN: 3765812544

Zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema HIV/Aids eignet sich außerdem die DVD „Steps for the future“
("Alltag im südlichen Afrika im Zeichen von HIV/AIDS")
Südafrika, Namibia, Mosambik, Sambia, 2004, f. Kurzfilme, 197 min., geeignet ab 12 Jahren; zu beziehen über www.ezef.de; dort finden sie eine große Auswahl an anderen südafrikanischen Filmen, Dokumentationen

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Kultur

Südafrika hat aufgrund der historischen Entwicklung und der ethnischen Vielfalt keine einheitliche Kultur, die Sitten und Gebräuche unterscheiden sich sehr stark je nach Region und Bevölkerungsstruktur. Südafrika wird deshalb heute oft als Regenbogennation bezeichnet, da nur wenige Länder der Welt ebenso unterschiedliche Kulturen aus allen Erdteilen beheimaten.
Von der schwarzen Bevölkerungsmehrheit lebt immer noch ein beträchtlicher Anteil in ärmlichen Verhältnissen in ökonomisch schwachen, ländlichen Gebieten. Besonders von diesen werden heute noch die traditionellen Riten mit Tanz und Musik gepflegt und am Leben gehalten, da mit der zunehmenden Verstädterung und Europäisierung Südafrikas und der ursprünglichen Bevölkerung auch traditionelle Bräuche und Gewohnheiten an Bedeutung verloren.
Die Lebensgewohnheiten der weißen Bevölkerungsminderheit sind in vielen Belangen ähnlich denen, die auch in Westeuropa, Nordamerika oder Ozeanien zu finden sind. Historische Feindseligkeiten zwischen Afrikaanern und englisch-stämmigen Weißen wurden mittlerweile ausgeräumt und machten den Weg frei für ein friedliches Miteinander dieser beiden Volksgruppen.
Trotz der Diskriminierung während der Zeit der Apartheid fühlen sich die farbigen Bewohner heute näher mit der weißen Kultur als mit der schwarzen südafrikanischen Kultur verbunden. Dies ist besonders bei denjenigen zu beobachten, die Afrikaans als Muttersprache sprechen und die die gleichen oder ähnliche Religionen wie die Weißen haben. Nur eine kleine Minderheit der farbigen Bevölkerung, die auch als Kap-Malaien bekannt sind, sind Moslems.
Asiaten, die hauptsächlich indischer Herkunft sind, pflegen ihr eigenes kulturelles Erbe, ihre Sprachen und Religionen. Die meisten sind Hindi oder sunnitische Moslems und sprechen mittlerweile als Muttersprache Englisch, während Sprachen wie Tamil oder Gujarati immer seltener in Südafrika anzutreffen sind.

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Musik

Mit der Befreiung Südafrikas von der Apartheid erlangte eine neuer Musikstil Popularität und liegt bis heute bei den Jugendlichen des Landes im Trend: der Kwaito.
In der Republik Südafrika war die Musikindustrie im Gegensatz zum übrigen Afrika schon lange sehr ausdifferenziert und auf Zielgruppen orientiert. Andere Musikarten, wie die "jive"-Stile, die Disco-Musik "mbaqanga", die "isicathamiya" –Tanzwettkämpfe oder wie Reggae und Gospel werden auch weiterhin in Südafrika gehört. Im Kwaito können die Jugendlichen jetzt offen die gesellschaftlichen Verhältnisse kritisieren. Früher war dies nur versteckt oder zwischen den Zeilen möglich. Der musikalische Ursprung des Kwaito ist eine Synthese aus vielen Quellen, darunter R&B, House, Hip-Hop und Ragga. Die genaue Herkunft des Namens für diesen Musikstil ist nicht geklärt. Es wird vermutet, dass Kwaito für eine Kombination des Wortes Kwaai, was in Afrikaans so viel wie "voller Ärger" bedeutet, mit der Abkürzung "To" für Townships steht oder auf eine Band aus den 1950er Jahren, der "Amakwaitos Gang" aus Soweto anspielt.
Eine ganz andere musikalische Entwicklung ist in vielen afrikanischen Ländern zu beobachten: die neue akustische Musik. Eine mangelhafte Infrastruktur, eine schlechte Stromversorgung und Geldmangel bewirkten vielerorts eine Rückbesinnung auf die akustische Musik. Neu an ihr ist, dass häufig Musikinstrumente in einer noch nie da gewesenen Kombination eingesetzt werden. Aus der großen Anzahl unterschiedlicher Instrumente einer Musikkultur werden ganze Orchester gebildet. In Sierra Leone, im Kongo und in Kenia ist dieses Phänomen sehr verbreitet.
 Wer sich einen von Afrikas TV-Kanälen mit Musikprogramm (Channel O, Channel 5 East African TV, AIT, MCM) ansieht, wird von der Vielfalt an attraktiven Videoclips überrascht sein. Regionale Besonderheiten kommen schon bei der Produktion der Clips zum Tragen. Musikvideos aus dem frankophonen West- und Zentralafrika werden hauptsächlich in Paris und Brüssel, aber auch auf dem afrikanischen Kontinent gedreht. Die Videos aus dem lusophonen Sprachraum Afrikas entstehen zu einem großen Teil in Lissabon. Dagegen produzieren anglophone Musiker ihre Clips vorzugsweise in Nigeria, Ghana, Kenia oder Tansania – und natürlich in Südafrika. Afrikanische Musik ist fernab von jeder Nostalgie ständig in Bewegung und bringt immer wieder neue Richtungen hervor.

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Für weitere Informationen über Südafrika schauen Sie hier:

www.gov.za
offizielle Website der südafrikanischen Regierung

www.parliament.gov.za
offizielle Website des südafrikanischen Parlaments

www.auswartiges-amt.de
(Stichwort: Südafrika) Länder- und Reiseinformationen des Auswärtigen Amtes

www.suedafrika.org
Website der südafrikanischen Botschaft in Deutschland

www.southafrica-infoweb.com
vielseitige Linkhinweise zu Land, Leuten etc.

www.travelphoto.net
englischsprachige Seite mit vielen Fotos aus Südafrika

www.netzeitung.de
(Stichwort: Südafrika) aktuelle Meldungen aus Südafrika

www.capeargus.co.za
Website von Cape Argus, einer südafrikanischen Zeitung (englisch)

www.thestar.co.za
Website von The Star, einer südafrikanischen Zeitung (englisch)

www.citizen.co.za
Website von Citizen, einer südafrikanischen Zeitung (englisch)

www.welthungerhilfe.de

www.brot-fuer-die-welt.de

www.tdh.de

www.medico-international.de/projekte/suedafrika/orc.asp
Projekte in Südafrika, die Kindern und Jugendlichen Hilfe zur Selbsthilfe ermöglichen; außerdem zu finden: Fallbeispiele

www.ndrtv.de/weltspiegel/20031005/seudafrika.html
Reportage über eine südafrikanische Schule der anderen Art in dem Township Soweto 

Weitere Materialhinweise zum Thema Eine Welt in Unterricht finden sie hier:
Welthaus Bielefeld u.a. Eine Welt im Unterricht - Sek. I/II. Ausgabe 2006/2007.
Materialien, Medien, Adressen. Broschüre A4, 80 S., Bielefeld 2006. Preis: 2,60 € (plus Versand).

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Was man tun kann
wollen Schüler/innen häufig wissen, wenn sie von der Not der Menschen anderer Ländern erfahren. Globales Lernen sollte stets auch Wege aufzeigen, aktiv zu werden. Eine Möglichkeit ist, bestehende Hilfsprojekte und humanitäre Organisationen durch Spenden und Mitarbeit zu unterstützen. Zum Spendensammeln gibt es unzählige kreative Möglichkeiten für Schüler/innen und ganze Schulen. Hier eine Zusammenstellung einiger (z.T. bereits genannter) Webseiten, auf denen man sich über Hilfsprojekte und Unterstützungsmöglichkeiten für Südafrika informieren kann:

www.tdh.de
(=> Stichwort Südafrika) verschiedene Hilfsprojekte
www.welthungerhilfe.de
(=> Stichwort Südafrika)
www.brot-fuer-die-welt.de/projekte/
(=> Stichwort: Südafrika)

Spenden ist nicht alles,
denn Menschen in Krisenregionen sind nicht aus eigener Schuld in Not geraten. Sie brauchen keine Almosen, die nur ihre Abhängigkeit vom „Spendentropf“ fördern, sondern langfristige praktische Unterstützung, um ihr Leben aus eigener Kraft neu zu organisieren oder um überhaupt zu überleben. Denn abgesehen von Naturkatastrophen wie Seebeben oder Dürre sind vor allem (inter-)nationale politische Machtbestrebungen, wirtschaftliche Interessen und Abhängigkeiten, Verteilungskämpfe um Ressourcen, Misswirtschaft und Korruption verantwortlich für Armut und Hunger. Zusätzlich zur konkreten Projektunterstützung muss deshalb ein umfassenderes Verständnis weltpolitischer Zusammenhänge und globaler Prozesse entwickelt werden. Dieses politische Bewusstsein gilt es, auch bei Schüler/innen anzuregen und ihnen Umsetzungsmöglichkeiten im Alltag und innerhalb der eigenen Gesellschaft zu zeigen, z.B. in Form von politischem oder sozialem Engagement, als Konsument oder durch Einwirkung auf Entscheidungsträger/innen.

Ideenpool
Anregungen für thematische Einstiege, Aktionen und Projekte im Unterricht

  • Informationen, Vorwissen, Assoziationen zum Land abfragen, z.B. durch Brainstorming, MindMap, Kartenabfrage

  • Fotos, Filme und Bücher als Gesprächsanlässe auswählen (mit und ohne Vorinformationen)

  • eine Organisation einladen oder besuchen, die Projekte in Südafrika unterstützt

  • Schüler/innen recherchieren und erstellen Wandzeitungen, Fotocollagen, Ausstellungen o.ä. zum Land, zu ausgewählten Themen oder zum Vergleich mit dem Alltag der Jugendlichen in Deutschland. Jede Menge Zahlen für Ländervergleiche bietet www.welt-in-zahlen.de

  • Radiosendung produzieren oder Zeitungsartikel (z.B. für Schulzeitung) verfassen

  • Projekte von Hilfsorganisationen untersuchen, präsentieren, vergleichen und ggfs. Unterstützungsaktionen organisieren oder mitarbeiten

  • Schulpartnerschaften suchen und aufbauen

  • Verkaufsstand organisieren für fair gehandelte Produkte aus Südafrika

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Weiterführende Links zum Globalem Lernen:

www.globlern21.de Internetportal zum Globalen Lernen mit vielfältigen Verweisen
www.eine-welt-netz.de Eine Welt im Internet – Einstiegsseite zum Globalen Lernen
www.globales-lernen.de: Webseite vom Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung
www.eine-welt-unterrichtsmaterialien.de Datenbank mit Unterrichtsmaterialien zum Bestellen
www.weltinderschule.uni-bremen.de umfangreiche Unterrichtsmaterialien, kostenlose Ausleihe, Anregungen für Eine –Welt – Themen im Unterricht vom Projekt „Eine Welt in der Schule", Uni. Bremen
www.learn-line.nrw.de vom NRW - Landesinstitut für Schule mit Recherchemöglichkeit
www.baobab.at österreich. Website mit Literatur, didaktischen Tipps, Praxisbeispielen

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Stand: August 2006