BRASILIEN -
Informationen zum LandGeschichte
Brasilien war schon mindestens
10.000 Jahre vor der Entdeckung durch die Europäer besiedelt. Vor allem
Höhlen im
Amazonas-Gebiet
waren bewohnt, große Stätten wie die der
Inkas
oder
Mayas
sind aber nicht bekannt. Das Land wurde nach dem in Europa sehr
beliebten
Brasilholz,
einem roten Edelholz, das heute nur noch höchst selten ist, benannt.
Kolonialzeit
Der
Portugiese
Pedro Alvares
Cabral war der erste Europäer, der Brasilien am
22. April
1500
beim heutigen Ort Porto Seguro im Süden des Bundesstaates Bahia betrat.
Nach
französischen
Angaben stieß
Jean Cousin
schon
1488
auf die brasilianischen Küste, tatsächlich war in Portugal die Existenz
einer großen Landmasse westlich des Atlantik bereits seit
1325
bekannt.
1494
beschlossen die großen Seemächte
Portugal
und
Spanien
die Aufteilung Südamerikas. Auf Anliegen des damaligen
Papstes
Alexander VI.
wurde im
Vertrag von
Tordesilhas festgeschrieben, dass die gesamte
Westküste spanische, und die Küstenabschnitte des heutigen Brasiliens
portugiesische Kolonie würden. Bis
1580
brachten die Portugiesen das ganze Land unter Kontrolle.
1549
wurde das heutige
Salvador da Bahia
(São Salvador da Bahía de Todos os Santos) zur Hauptstadt ernannt. Schon
zu dieser Zeit wurden Indios aus dem Landesinnern an die Küste gebracht,
die die Arbeit auf den
Zuckerrohrplantagen im Nordosten verrichten mussten.
Wegen harter Arbeit, Verfolgung und Anfälligkeit der Indios für
europäische Krankheiten starben viele von ihnen. Die Kolonialherren
versuchten daraufhin, die verloren gegangene Arbeitskraft mit Sklaven
aus Afrika zu ersetzen.
1629
hatten sich die Niederländer in der Nähe des heutigen
Recife
niedergelassen und
1637
unter Führung von
Johann Moritz von
Nassau-Siegen diese Anbaugebiete, die daraufhin
nochmals kurz aufblühten, erobert. Bis
1654
stand der Nordosten, v.a. das Gebiet um Pernambuco, unter
niederländischer
Kontrolle. In der
Schlacht von
Guararapes wurden die niederländischen Truppen
1654
wieder vertrieben.
Reiche
Barockstädte
entwickelten sich im
17. Jahrhundert,
als
Bandeirantes-Expeditionen
das Hinterland erkundeten und neben anderen Bodenschätzen auch
Gold
und
Diamanten
entdeckten. Im selben Jahrhundert bauten entflohene Sklaven einfache
Siedlungen, sogenannte
Quilombos,
auf. Als in den Quilombos Aufstände gegen die Unterdrückung der
Schwarzen ausbrachen, zerstörte man bis
1699
alle Siedlungen wieder.
1763
wurde
Rio de Janeiro
zur Hauptstadt ernannt, weil sich das wirtschaftliche Zentrum des Landes
auf den Süden verlagerte. 25 Jahre später führte
Tiradentes
einen Aufstand an, der aber scheiterte.
1792
wurde der heutige Nationalheld Brasiliens hingerichtet. Gleichzeitig
begann ein Konflikt mit
Spanien,
weil die Bandeirantes-Expeditionen die Westgrenze Brasiliens entgegen
der Vereinbarungen verschoben.
König- und
Kaiserreich
1807
brachen die
französischen
Truppen von
Napoleon
Bonaparte nach Portugal ein, woraufhin der
portugiesische König
João VI.
von einer britischen Eskorte geschützt nach Brasilien (erst
Bahia,
später
Rio de Janeiro)
flüchtete und dort erstmals in der Geschichte Auslandshandel erlaubte.
Mit der Übersiedlung des Königs und des gesamten Hofstaates bekam
Brasilien den Status eines gleichberechtigten Mitglieds des
Mutterlandes.
1815,
auf dem
Wiener Kongress
wird Brasilien mit Portugal gleichgestellt.
1821
konnte João wieder nach Portugal zurückkehren. Er überließ die
Herrschaft über Brasilien seinem Sohn
Pedro.
Pedro I. erklärte am
7. September
1822
die Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal und machte sich am
22. September
zum ersten brasilianischen Kaiser.
1828,
nach drei Kriegsjahren gegen
Argentinien,
löst sich die Provinz
Uruguay
und erklärt ihre Unabhängigkeit. Drei Jahre später kam es zu einem
Militäraufstand wegen dessen König Pedro I. abtrat und die Herrschaft
auf seinen fünfjährigen Sohn
Pedro II.
übertrug.
Regentenzeit
Ein Zusatzpunkt der
1822
geschaffenen Verfassung ermöglicht noch am Tag der Abdankung Pedro I.
einige Reformen, so wurde die Einsetzung eines einzigen Regenten
beschlossen.
1835
spaltete sich erneut eine Provinz, nämlich
Rio Grande,
ab. Zu der Zeit gab es eine Reihe von Aufständen, die vor allem vielen
Armen das Leben kostete. Rio Grande konnte nur zehn Jahre eigenständig
bleiben.
Zweites Kaiserreich
1840,
also noch vor der Volljährigkeit, wurde Pedro II. zum Kaiser gekrönt. Ab
1865
besiegten Brasilien, Uruguay und Argentinien innerhalb von fünf Jahren
Paraguay.
Zu der Zeit war
Kautschuk
das Rückgrat der Wirtschaft. Brasilien besaß das Monopol auf Kautschuk
und konnte deshalb durch dessen Export große Einnahmen erzielen. Die
Sklaverei
wurde
1888
von Pedro II. offiziell abgeschafft. Obwohl Sklaverei bereits seit
1853
geächtet wurde, führte das Verbot zu Aufständen von Großgrundbesitzern
und der Armee. Am
15. November
1889
ging der Kaiser wegen eines Militärputsches ins
Pariser
Exil.
Republik und die
Zeit der Weltkriege
Die erste brasilianische Republik
mit
föderativer
Verfassung (am
24. Februar
1891)
wurde von
Manuel Deodoro da
Fonseca als Vereinigte Staaten von Brasilien (República
dos Estados Unidos do Brasil) ausgerufen. Der Wohlstand war durch die
große
Kaffee-Nachfrage
gesichert und die Wirtschaft konzentrierte sich auf diesen Zweig. In den
Ersten Weltkrieg
trat Brasilien offiziell auf Seite der Alliierten gegen Deutschland ein,
beteiligte sich aber nicht aktiv. In den Kriegsjahren ging die Nachfrage
nach Kaffee stark zurück. In den
1920er
Jahren forderten große Teile der Bevölkerung ein Ende der
Oligarchie.
Als dann
1930
die Kaffee-Preise nochmals einbrachen, führte
Getúlio Vargas,
der "Vater der Armen", einen Aufstand an und wurde so Präsident. In den
ersten Monaten seiner Regierungszeit wuchs die Wirtschaft Brasiliens
spürbar.
1937
wurde die Herrschaft Vargas als "wohlwollender Diktator"
festgeschrieben,
1942
erklärte er auf Druck der USA den Krieg gegen die Achsenmächte. Er
entsandte eine 25000 Mann starke Division nach Italien. Nach dem Ende
des
Zweiten
Weltkriegs wurde Vargas von der Armee abgesetzt.
Zurück zur Demokratie
Schon fünf Jahre später
wählte ihn das Volk erneut zum Präsidenten. Weil sich die
USA
gegen die
sozialistische
Politik Brasiliens stellte und daraufhin Rechte und die Armee Vargas'
Rücktritt forderten, beging er
1954
Selbstmord. Vargas' Nachfolger
Juscelino
Kubitschek sorgte mit Hilfe der
Partido
Trabalhista Brasiliero (PTB) für neue, ausländische
Investoren, die die brasilianische Wirtschaft in den späten
1950er
Jahren ankurbelten.
1960
wurde dann
Jânio da Silva
Quadros zum Präsidenten gewählt. Nach seinem
Amtsantritt
1961
versuchte er die Abhängigkeit zu den USA zu lösen und den desaströsen
Staatshaushalt zu sanieren. Nach nur wenigen Monaten im Amt trat er
wieder zurück, sein Nachfolger wurde der bisherige Vize-Präsident
João Goulart,
kurz nachdem die neue Hauptstadt
Brasília
nach drei Jahren Bauzeit eingeweiht wurde. Auch Goulart war in der
Bevölkerung nicht unumstritten, weshalb seine Befugnisse in den ersten
drei Präsidentschaftswahlen nur eingeschränkt waren.
Militärdiktatur
1964
schlug ein Militärputsch unter
Humberto Castelo
Branco fehl, doch im Folgejahr wurde Branco doch
Diktator und verbot alle Parteien. Er selbst gründete zwei neue. Mehrere
weitere Militärgrößen setzte er an wichtige Stellen im Staat. In den
nächsten Jahr konnte zwar ein Wirtschaftswunder beobachtet werden, linke
Aktivisten wurden aber gnadenlos unterdrückt. Durch die
Ölkrise
in den
1970ern
endete der Wirtschaftsboom,
1974
ist Brasilien gar das Land mit den meisten Auslandsschulden.
1979
werden Parteien wieder zugelassen. Ab
1985
gibt es in Brasilien wieder eine Demokratie.
1980er und 90er Jahre
Der Wahlsieger
Tancredo Neves
verstarb
1985
noch vor seinem Amtsantritt. Im selben Jahr wurde das Wahlrecht für
Analphabeten eingeführt.
1987
fand man auf
Yanomami-Land
im Bundesstaat
Roraima
Gold, was viele illegale Goldgräber hervorrief. Im Jahr
1988
wurde eine neue Verfassung verabschiedet, die zwar vorsah die
Sozialausgaben zu erhöhen, aber keine Landreform zum Schutz der Indios
enthielt. Auch 1988 wird der Gewerkschafter und Umweltschützer
Chico Mendes
ermordet.
1989
wurde dann ein erster Umweltschutzplan beschlossen. Die
Inflation
lag in diesen Jahren bei bis zu 1000 %. Am
26. April
1991
wurde
Mercosur
(portugiesisch Mercosul) gegründet. Dieser Gemeinsame Markt des Südens,
den die Staaten
Argentinien,
Paraguay
und
Uruguay
gemeinsam mit Brasilien gründeteten, ist ein Binnenmarkt mit mehr als
200 Millionen Einwohnern, der die Wirtschaft der Mitgliedsländer und
dadurch die Stellung
Lateinamerikas
in der Welt stärken soll.
1992
fand der
UN-Umweltgipfel
in
Rio de Janeiro
statt. Außerdem trat Präsident
Fernando Collor
de Mello nach
Korruptionsvorwürfen von seinem Amt zurück.
1993
konnte die Bevölkerung Brasiliens in einem Referendum über die
Staatsform entscheiden. Die Wahl fiel dabei eindeutig auf die Republik.
1994
wurde eine umfassende Währungsreform beschlossen. Durch die neue Währung
("Plano Real" eingeführt von
Fernando Henrique
Cardoso) endet die Hyperinflation vorerst. Zur
weiteren Sanierung des Haushalts beschließt das Parlament zwar die
Privatisierung von Staatsmonopolen, lehnt eine Verfassungsänderung
allerdings ab.
1999
wird
Fernando Henrique
Cardoso erneut zum Präsidenten gewählt, obwohl das
Land in einer wirtschaftlichen Krise steckte, auch der Real wurde wieder
abgewertet.
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