INDIEN - Informationen zum Land

Flora & Fauna

Fauna
Der indische Subkontinent besitzt zwar angeblich nach Brasilien die artenreichste Tierwelt unserer Erde, jedoch können Reisende nicht mit spektakulären Massenaufgeboten wie in den Nationalparks Afrikas rechnen. Selbst in den Schutzgebieten des dichtbevölkerten Landes konnten nur geringe Populationen größerer Säugetiere überleben. Zu lange waren hauptsächlich die Raubkatzen, Elefanten und Nashörner der Jagdgier der Maharajas und ihrer Gäste, aber auch der Bevölkerung ausgesetzt. Heute ist der natürliche Rückzugsraum derart klein geworden, daß viele Arten weiterhin gefährdet sind, zumal sich bei den landesüblichen Löhnen Wilderern ein lohnendes Geschäft bietet. Die folgenden Ausführungen des bekannten indischen Tierfotografen und Naturschützers M. Krishnan müssen also in erster Linie auf die Nationalparks bezogen verstanden werden:
"Die Fauna der Säugetiere Indiens hat ihre eigene Bedeutung und ihren eigenen Anspruch auf Anerkennung. Einige Tierarten treten nur in Indien auf oder sind hier am besten bekannt, wie z.B. der Tiger, oder sie haben den höchsten Grad ihrer Entwickung hier erreicht, obwohl sie auch in anderen Ländern vorkommen. Zu den letzteren gehören Elefant, Gaur und Sambarhirsch. Die Affenarten des Landes sind im höchsten Grad typisch hierfür.
Die einzige Affenart, die über ganz Indien verbreitet ist, ist der gewöhnliche Langur. Der Rhesusaffe, der am häufigsten in Nordindien auftritt, ist am besten bekannt, und der Hutaffe, der südlich des Godavari-Flusses an seine Stelle tritt, ist nur Indien zu eigen. Der Nilgiri-Langur und der löwenschwänzige Affe des Südens, beides Tiere der tiefen, immergrünen Wälder, kommen ebenfalls nur in Indien vor.
Der Indische Löwe ist in Gujarat vorhanden. Der echte Indische Wilde Büffel und das Indische Einhörnige Nashorn, die noch vor ein paar Jahren vom Aussterben bedroht waren, konnten inzwischen davor bewahrt werden.
Der Kragenbär ist der Bär Indiens und der Nilgiri-Thar, der chinkara, die Hirschziegen- und die Vierhornantilope sind ebenso wie der Sumpfhirsch und der Axishirsch ausschließlich in Indien vorhanden. Indien besitzt mehr Wildarten als irgendein anderes Land und auch die meisten Katzen, wenn man die gewöhnlichen Hauskatzen zu den Großkatzen hinzuzählt. Nur wenige Tierreservate auf der ganzen Welt können neben dem Anblick ihrer bekanntesten wilden Tiere eine ebenso einmalige Landschaft wie die Tierreservate von Manas und Kaziranga in Assam bieten. Diese Reservate, die als Gebiete für die Erhaltung des Indischen Nashorns und des Wilden Büffels bekannt geworden sind, enthalten auch eine eigene, charakteristische Vogelwelt".
Tausende von Zugvögeln aus dem Norden - sibirische Kraniche, Gänse, Enten, Krickenten und Störche - bereichern alljährlich den Vogelbestand Indiens. Der tanzende Pfau, ein unermüdlicher Fliegenfänger, der Fasan, Häher, Papagei, die Elster, der Eisvogel, der Specht, die Goldamsel und die Nachtigall erfüllen die Landschaft mit Farbe und Musik. Fast überall in Indien, vor allem aber in den bewaldeten Gegenden des Ostens und Südens sind die Kobra und die Königskobra zu finden. Die Python-Schlange und das Krokodil leben in Sümpfen, der "Gavial" und der Delphin sind nur im Ganges anzutreffen. Eine Vielzahl von Eidechsen lebt in den felsigen Gegenden von Rajasthan.

Flora
Der Größe des Landes und der verschiedenen klimatischen Bedingungen in den einzelnen Landesteilen entsprechend weist Indien eine ungeheure Landschaftsvielfalt auf. Dabei reicht die Pflanzenwelt Indiens von Hochgebirgsvegetation im Himalaya bis zu tropischen Regenwäldern im Süden. Weite Teile der ursprünglichen Vegetationsdecke sind heute jedoch zerstört, stattdessen ist Indien überwiegend durch Kulturlandschaften geprägt. Nur noch etwa ein Fünftel des Landes ist bewaldet, wobei offizielle Angaben hierzu schwanken und auch degradierte Gebiete sowie offene Wälder mit einbeziehen.
In den tieferen Lagen des Himalayas erstrecken sich noch ausgedehnte Wälder. Da die Niederschläge an den Hängen des Gebirges von Ost nach West abnehmen, finden sich im Osthimalaya immergrüne Feucht- und Regenwälder, die nach Westen hin lichter und trockener werden. Es herrschen Laubwälder mit Eichen und Kastanien vor, charakteristisch für den Osthimalaya sind Rhododendren. In höheren Lagen dominieren Nadelbäume, insbesondere Zedern und Kiefern. Die steppen- und wüstenartigen Hochtäler in Ladakh und anderen Teilen des westlichen Innerhimalayas gehen in das trockene Hochland von Tibet über. Die Vegetationsgrenze liegt bei etwa 5000 Metern.
Der schwer zugängliche Nordosten ist teils noch dicht bewaldet. Besonders hohe Niederschlagsmengen ermöglichen dort halbimmergrüne Feuchtwälder.
Der weitaus größte Teil der Gangesebene, des Dekkans und der angrenzenden Randgebirge war früher von Monsunwäldern bedeckt, die heute nur noch in Resten, zumeist in Bergregionen, anzutreffen sind. Die landwirtschaftlich intensiv genutzten Ebenen sind dagegen praktisch waldfrei. Monsunwälder werfen während der Trockenperioden Laub ab. Je nach Niederschlagsmenge und Länge der Trockenperiode unterscheidet man zwischen Feucht- und Trockenwäldern. Wälder, die zwischen 1500 und 2000 mm Jahresniederschlag erhalten, werden in der Regel als laubabwerfende Feuchtwälder bezeichnet. Sie herrschen im nordöstlichen Dekkan, Orissa und Westbengalen sowie im Lee der Westghats vor. Bei Niederschlägen zwischen 1000 und 1500 mm im Jahr spricht man von laubabwerfenden Trockenwäldern, die den größten Teil Indiens bedecken. Wegen der dünneren Baumkronen weisen Monsunwälder ein dichtes Unterholz auf. Die charakteristische Baumart des Nordens ist der Sal (Shorea robusta), im zentralen und westlichen Dekkanhochland ist es der Teakbaum (Tectona grandis) und den Süden der Halbinsel prägen Sandelholzbäume (Santalum album). Bambusarten sind überall weit verbreitet.
In arideren Teilen Indiens, wie Rajasthan, Gujarat, dem Westrand des Gangestieflandes oder dem zentralen Dekkan, erstrecken sich offene Dornwälder, die in der Wüste Thar in Halbwüstenvegetation mit vereinzelten Dornbüschen übergehen.
In den feuchten Westghats haben sich größere zusammenhängende Teile der ursprünglichen, immergrünen oder halbimmergrünen Feuchtwälder erhalten. Sie sind durch die für tropische Regenwälder typische Stockwerkgliederung geprägt. Einige der hoch wachsenden Baumarten des obersten Stockwerkes werfen jahreszeitbedingt ihr Laub ab, darunter wachsende Arten sind dagegen immergrün. Aufsitzerpflanzen wie Orchideen und Farne kommen in großer Vielfalt vor.
Mangroven, salzwasserresistente Gezeitenwälder, sind nur an der Ostküste Indiens verbreitet. Die Sundarbans im Ganges-Brahmaputra-Delta weisen die dichtesten Mangrovenbestände des Landes auf. Weitere Gezeitenwälder befinden sich in den Mündungsdeltas von Mahanadi, Godavari und Krishna.

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