„So
fröhlich, bunt und voller Leben hab ich mir das gar nicht vorgestellt!“
kommentiert ein Zuschauer den diesjährigen Auftritt der
KinderKulturKarawane bei Beiersdorf. Drei Tage gastierten im September
Tanzgruppen aus Burkina Faso, Kolumbien und Bolivien bei der
Veranstaltungsreihe „Kultur im Betrieb“. Ehemalige Straßenkinder,
Flüchtlingskinder oder Kinderarbeiter engagieren sich in Theater- und
Tanzgruppen, um die kulturelle Vielfalt ihrer Heimatländer in Europa zu
präsentieren.
Das Teatro Trono aus Bolivien
begeisterte wie auch schon im vergangenen Jahr durch seine farbenfrohen
und lustigen Erzählungen. Spürbare Lebensfreude, beeindruckende
Pantomimen, bunte Masken und mitreißende Musik zeichnen diese
professionelle Gruppe aus. Doch auch mit politischen Themen
beschäftigen sich die Schauspieler in ihren pantomimischen Szenen und
setzen sich sehr kritisch mit der wirtschaftlichen und sozialen
Situation ihres Heimatlandes auseinander. Am Ende der Vorstellung
stürmten die Jugendlichen aus Burkina Faso mit ihren afrikanischen
Trommeln mit auf die Bühne und verwandelten das ehrwürdige Auditorium
des Forschungszentrums in einen Hexenkessel der Begeisterung.
Erstmalig
in Hamburg dabei war die Gruppe „Taller de Vida“ aus Kolumbien, die
sehr anrührend das Märchen vom „Zwiebel-Herz“ in szenischem Tanztheater
darstellten. Wie die Zwiebeln in der Erzählung haben die Jugendlichen,
die einst fröhlich, lebendig und lebensfroh waren, aufgrund ihrer
Erlebnisse im bewaffneten Konflikt und auf der Flucht Schutzschichten
um sich aufgebaut. Nur wenn es gelingt, diese Schutzschichten zu
aufzubrechen, gelangt man an den wunderbaren Kern der jungen Menschen,
die letztendlich nur eines wollen, nämlich am Aufbau einer friedlichen
Gesellschaft mitzuwirken.
Den Initiatoren der
Veranstaltungsreihe „Kultur im Betrieb“, Prof, Manuela Rousseau und
Günther Käding, lag besonders am Herzen, den jungen Künstlern den
Kontakt zu deutschen Jugendlichen zu ermöglichen und so einen wichtigen
Beitrag zur Völkerverständigung zu leisten und zu helfen, Vorurteile
abzubauen. Drei Hamburger Gymnasien wurden zu den Veranstaltungen
eingeladen, um jeweils Pate für ein Land zu sein. So gab es jeden
Vormittag ein Kennenlernen beim gemeinsamen Frühstück mit
anschließender Besichtigung der NIVEA Produktion und einem
Mittagsessen. Abends besuchten die Hamburger Schüler die Aufführungen
ihrer Patengruppen. Zum Abschluss gab es eine gemeinsame Grillparty, an
der die deutschen Schüler und die internationalen Gäste teilnahmen.
Über alle Sprach- und Kulturgrenzen hinweg wurde ein ausgelassenes,
fröhliches Fest unter Freunden gefeiert, mit dem gegenseitigen
Versprechen, dass es ein Wiedersehen im nächsten Jahr geben wird.