Big Mama Laboratorio

Crear vale la pena

 „Um das Unmögliche zu erreichen, braucht man nur etwas länger", ist das Motto, nach dem „Crear vale la pena" gegen die Hoffnungslosigkeit in den armen Stadtteilen von Buenos Aires kämpft. Mit außergewöhnlichen Mitteln setzt sich das Projekt für eine bessere Lebensqualität in den benachteiligten Vororten der Metropole ein. "Crear vale la pena", was so viel heißt wie „Kreativ-Sein lohnt sich", erarbeitet mit Kindern und Jugendlichen aus diesen Vierteln künstlerische Produktionen, bildet Jugendliche in Bereichen aus, die mit der Arbeit auf und hinter der Bühne zusammenhängen, und baut Kulturzentren auf.

 Die Organisation entstand aus der Überzeugung heraus, dass Kunst ebenso wichtig zum Leben ist wie Essen, Trinken und Arbeit. Ines Sanguinetti, Gründerin und Präsidentin der Stiftung, aber auch Tänzerin und Choreographin, gründete 1993 zusammen mit einer Handvoll junger Frauen aus dem Barrio La Cava das erste Gemeindezentrum, das sie „Puertas al Arte“ (Türen zur Kunst) nannten. Dieses Zentrum wird - wie alle anderen, die sich danach gründeten -, von den Bewohnern des Viertels selbst verwaltet.

Hilfe zur Selbsthilfe ist ein zentrales Anliegen von "Crear vale la pena". Die Organisation hat inzwischen mehrere Gemeinde-Kulturzentren ins Leben gerufen und bietet anerkannte Ausbildungsgänge in den Bereichen Kunst, Bühnentechnik und Sozialarbeit an. Mit den Kunstproduktionen werden Begegnungen ermöglicht zwischen der Mitte der Gesellschaft und jenen, die an ihren Rändern leben. In Zusammenarbeit mit professionellen Künstlern wird moderner Tanz, Hip-Hop und Streetdance, Theater, Musik und Comic erarbeitet. An die Kreativität der jungen Künstler werden hohe Ansprüche gestellt. Deren Produktionen basieren oftmals auf ihren eigenen Erlebnissen und Erfahrungen.

 

Big Mama Laboratorio

Das Projekt „Big Mama Laboratorio“, das aus der Stiftung „Crear vale la pena“ 2011 heraus entstanden ist, vereint urbane Tanzformen mit traditionellen und erzählt dabei die Geschichte der Mitglieder. „Big Mama Laboratorio” ist ein Labor, dass sich auf kein bestimmtes Genre festlegt, sondern mit so unterschiedlichen Ausdrucksformen wie Hip-Hop, Dance Hall, Cumbia, Folklore, Reggaeton, Pop, Parkour und Akrobatik experimentiert.

Das Projekt bringt Menschen jeglicher sozialer Hintergründe und Klassen zusammen. Es steht für einen sozialen Wandel hin zu einer gerechteren Gesellschaft. Die Mitglieder der Gruppe glauben daran, dass sich Tanz und Musik einen gemeinsamen Ursprung teilen und sich in der Vereinigung, im Ritual treffen. Ebenfalls glauben sie, dass alle Menschen ungeachtet der Unterschiede in Herkunft, Hautfarbe, Standpunkten, Kultur oder sozialen Schichten zusammen in einer vorurteilsfreien, gemeinsame Gesellschaft leben können. Mit ihrer Arbeit wollen sie das Ursprüngliche in allen Menschen wachrufen: Liebe, Solidarität und Frieden.

 

Laura Zapata

Die Tänzerin, Sängerin, Regisseurin und Choreografin Laura Zapata aus San Isidro, Buenos Aires wurde durch das Projekt „Crear vale la pena“ bekannt. Im Gemeindezentrum „Puertas al Arte“ bot die Organisation ein Breakdance-Stück an, wodurch Laura Zapata erstmals in Kontakt mit „Crear vale la pena“ trat. Dort entwickelte sich Laura über einige Jahre künstlerisch immer weiter. Im Rahmen der KinderKulturKarawane war sie mit „Crear vale la pena“ zweimal in Europa unterwges. Sie ist Mitbegründerin vom „Big Mama Laboratorio“, in dem sie heute ihre Leidenschaften Tanzen und Singen mit der Inklusion sozial Benachteiligter vereinen kann. Auch der in Argentinien erfolgreiche Musiker und Produzent Diego Monk unterstützt das Projekt seit 2012. Vier Jahre zuvor war ihm der Preis „Gran Premio SADAIC – Música de Películas“ für Filmmusik vom SADAIC (Gesellschaft Argentiniens der Autoren und Komponisten) verliehen worden.                                                                              












TODO TERRENO                                                                              

Das Bühnenprogramm von „Big Mama Laboratorio“ wird von TänzerInnen und einem VJ (Visual Jockey) präsentiert, der die Performance mit bildlichen Darstellungen im Hintergrund unterstützt. Die Show ist so konzipiert, dass sie unabhängig von Raum und Ort an den verschiedensten Standorten umgesetzt werden kann: auf Plätzen, in Schulen, im Theater und bei Veranstaltungen auf der Straße.

Die Stücke setzen die Geschichten, Wünsche und Sehnsüchte der Menschen, die in den ärmeren Viertel am Rande von Buenos Aires leben, in Tanz und Musik um. Die Geschichten sind getanzte Lieder, die mit den gezeigten Bildern verschmelzen und das Gesamtbild formen. Die Bilder zeigen andere Welten wie das Stadtviertel, aus dem die Mitglieder der Gruppe kommen, die Gänge und Straßen, ihre Nachbarn, die Plätze auf denen gespielt wird. Wo zuvor Gewalt, Diskriminierung und Ausgrenzung das Bild des Stadtteils trübten, gibt die Gruppe dem Viertel in ihren Stücken eine neue Bedeutung: Veränderung, Hoffnung und das Recht auf eine bessere Existenz.

Die Szenen laden ein zur Selbstreflexion und zum Nachdenken und erschaffen persönliche und besinnliche Momente. Das Stück lädt die Zuschauer aber auch dazu ein, körperlich aktiv teilzunehmen – die „vierte Wand“ zum Publikum wird durchbrochen. Der Tanz verbindet nicht nur die Künstler auf der Bühne miteinander, sondern auch die Gruppe mit dem Publikum. So wird der Tanz zu einer Art Ritual, das eine Verbindungsbrücke schafft und sich so über Unterschiede in Herkunft, Hautfarbe, Einstellung und soziale Klasse hinwegsetzt.

„Todo Terreno“ heißt eigentlich „geländegängig“ und ist eine gebräuchliche Bezeichnung für entsprechende Autos. Big Mama Lab will damit zum Ausdruck bringen, dass ihre Arbeit immer – auch unter widrigen Umständen – „funktioniert“.

www.crearvalelapena.org.ar/