Arena y Esteras


Für das Recht auf ein Lächeln

Das Projekt „Arena y Esteras“ verbindet in seinen Zirkus-Theaterinszenierungen soziale und künstlerische Interessen mit politischem Engagement. Die Teilnehmer kommen aus „Villa El Salvador“, einem durch Armut und Gewalt geprägten Vorort von Lima, der Hauptstadt Perus.

Übersetzt heißt „Arena y Esteras“ Sand und Strohmatten. Denn „Villa El Salvador“ liegt in einem Wüstengebiet, wo die einfachen Hütten aus Strohmatten hergestellt werden. Nicht alle Bewohner haben Strom und Wasser oder sind an das Abwassersystem angeschlossen. In dieser extrem unwirtlichen Gegend leben heute weit mehr als 400.000 Menschen, viele von ihnen wurden einst vertrieben. Drei Viertel der Bevölkerung von VES sind jünger als 25 Jahre. Vor allem für die Jugend scheint es in VES keine Perspektive zu geben, die Gewaltrate ist eine der höchsten der Region.
 
Im Februar 1992 hatte die Guerillagruppe „Leuchtender Pfad“ die beliebte Bürgermeisterin Maria Elena Moyano ermordet. Diese Gewalttat verbreitete in der Bevölkerung Trauer und Hoffnungslosigkeit. Doch eine Gruppe Jugendlicher fand sich noch im selben Jahr zusammen, um mithilfe der Kunst Ängste und Verzweiflung zu überwinden und dafür zu sorgen, dass die Menschen des Stadtteils ihr Lachen zurückgewinnen. Das Motto der Gruppe lautet daher auch: „Für das Recht auf ein Lächeln“.

Heute ist Arena y Esteras ein Zusammenschluss von jungen KünstlerInnen, PädagogInnen und LehrerInnen, die sich in die lokale Politik einmischen, gesellschaftliche Veränderungen anstreben und sich dabei von Menschenrechten, kultureller Identität, Gleichberechtigung der Geschlechter und Respekt vor der Schöpfung leiten lassen.
 
In ihrer Arbeit setzen sie auf die kreative Kraft jedes Menschen. Sie ist das Elixier, das alle verbindet, das nötig ist, um das gemeinsame Leben zu gestalten, widerständig zu bleiben und sich gegenseitig zu unterstützen. Um der kreativen Kraft Ausdruck zu verleihen, nutzen sie vielfältige Kunstformen wie Theater, Zirkus, Musik, Tanz und Bildende Kunst.

Eigenes Kulturzentrum

Fast 20 Jahre nach der Gründung von “Arena y Esteras” im März 1992, konnte die Organisation jetzt in Villa ElSalvador ein “Casa Cultural Comunitaria” eröffenen. Möglich wurde dies mit der finanziellen Unterstützung durch die Botschaft Japans in Peru.
Das Zentrum soll vor allem dem mitmenschlichem Zusammenleben dienen und der künstlerischen Ausbildung. Es soll das künstlerische Schaffen fördern und die natürlich die Präsentation von Kunst und Kultur der Bevölkerung. Damit soll es auch eine neue Generation Publikum erreichen. Das Kulturhaus bietet eine Galerie, eine Bibliothek und ein Kultur-Café. Vor allem aber die Räume für Theater und Tanz und Werkstätten.

Nationaler Kulturpreis Peru

Am 30. November 2012 hat das Kulturministerium bekannt gegeben, dass ARENA Y ESTERAS den "Nationalen Kulturpreis Preis" verliehen bekommt - in der Kategorie "Gute Praxis". Diese Auszeichnung nach 20 Jahren Engagement für das Recht zu Lächeln ist der krönende Abschluss des Jubiläumsjahres 2012,
Es ist für all die, die sich über die Jahre für die Kulturarbeit in den Vierteln von Villa El Salvador und in den ländlichen Regionen der peruanischen Anden engagiert haben, eine große Anerkennung. Insbesondere aber für die jungen Menschen, die heute in Villa El Salvador aktiv sind.

Community Theater

Mit der Theaterarbeit will Arena y Esteras eine Gemeinschaft formen, in der jeder in sozialer Verantwortung und Würde leben kann. In der Theaterarbeit, die in Schulen, auf der Straße, im Park – überall also, wo gelebt wird – stattfindet, greifen sie die Themen auf, die Menschen ansprechen und suchen gemeinsam nach künstlerischen Antworten. Die Darsteller sind SchülerInnen, junge ArbeiterInnen, Mütter oder einfach Nachbarn.

Sozialer Zirkus

Mit der Zirkusarbeit will Arena y Esteras mit zirzensischen Mitteln soziale Themen aufgreifen. Vor allem Kinder und Jugendliche sind Zielgruppen dieser Arbeit, in der es auch darum geht, gerade bei den Ärmsten Werte wie Solidarität, gemeinsame Verantwortung und Respekt zu stärken.

Erziehungs-Kunst

Mit der „Mobilen Schule“ wurde in VES eine Art „Community-Bildung“ in Gang gesetzt. Diese Form der Bildung findet überall in VES statt – nur nicht in der Schule. Lehrer und Lehrerinnen kombinieren für diese Form des Lernens künstlerische Aktivitäten mit pädagogischen Inhalten.
Darüber hinaus hat Arena y Esteras eine Schule für soziokulturelle Arbeit und Trainer ins Leben gerufen. Hier werden vor allem junge Leute aus VES als „Peer-Leader“ ausgebildet.

Interkulturelle Freiwilligenarbeit

Arena y Esteras nimmt die Verantwortung für die gesamte Gesellschaft sehr ernst. Jede/r Einzelne sollte eine aktive Rolle in der Gesellschaft übernehmen. Auf dieser Grundlage hat die Organisation einen interkulturellen Freiwilligendienst ins Leben gerufen, der Brücken bauen soll zwischen der Stadt-  und der Landbevölkerung, zwischen dem Norden und dem Süden des Landes und zwischen Jung und Alt. Junge Kulturschaffende reisen von VES in die Anden um dort Theater zu spielen, Workshops zu geben und Solidarität zu zeigen. Gleichzeitig empfängt Arena y Esteras Kulturgruppen aus dem Landesinnern, um ihre Arbeit zu präsentieren und in einen künstlerischen Dialog zu gelangen.

Internationaler Austausch

Darüber hinaus ist Arena y Esteras um internationalen Austausch bemüht und Mitglied im „Red Latinoamericano Arte y Transformación Social“. Tourneen und Austauschprojekte brachten das Projekt bislang in verschiedene Länder Lateinamerikas und Europas.
Zuletzt nahm ein Ensemble an der KinderKulturKarawane 2013 teil, woraus 2014 ein Austausch mit dem Zirkus Willibald entstand. Dabei sieht sich Arena y Esteras nicht nur als künstlerisches Projekt, sondern als Repräsentanten des gemeinschaftlich en Lebens in VES und als Botschafter der Kultur der Stadt, der Region und des ganzen Landes.

Die diesjährigen Mitglieder des Ensembles von Arena y Esteras stellen sich auf dieser Seite für euch vor, erzählen von ihrem Leben und ihren Hoffnungen und Ängsten.















"Leyendas y Malabares"

Arena y Esteras neuste Inszenierung "Leyendas y Malabares" heißt übersetzt Legenden und Jonglage und feiert in diesem Frühjahr Deutschlandpremiere.
In dem Stück erzählen die Kinder und Jugendlichen von dem Mythos des inkaischen Schöpfergottes Wiracocha und der Entstehung der, zwei Kilometer von Lima entfernten, Inseln "Pachacámac".

Dieses Stück hat für das junge Ensemble von Arena y Esteras eine besondere Bedeutung, da die lokale und regionale Identität in Villa el Salvador eine immer größer werdende Rolle spielt. So kommen in der Legende drei der typischsten Regionen Perus - die Anden, der Regenwald und die Küste - vor.

Die Nacherzählung der Legende durch die Kinder und Jugendlichen ist eine liebevolle Kombination aus Zirkus, Theater, Tanz und Musik und kommt dabei vollkommen ohne Text aus.

Den Mythos um Wiracocha und die Inseln "Pachacámac" gibt es hier zum nachlesen.





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