Presseerklärung der arbeitenden Kinder 
und Jugendlichen von Bolivien

"Erklärung der arbeitenden Jungen, Mädchen und Heranwachsenden von Cochabamba gegenüber den Autoritäten und der Öffentlichkeit, März 1998"

"Die soziale, politische und wirtschaftliche Lage unseres Landes hat in den letzten Jahren dazu geführt, daß wir Kinder zusammen mit unseren Familien viele Situationen und Herausforderungen erleben. Es ist heute nicht möglich so zu leben, wie wir gerne leben würden und wie andere Kinder leben. Es gibt um uns herum in der Gesellschaft zu viele Sorgen und Probleme. Unsere Familien haben mit verschiedenen Formen von Armut und Ausgrenzung zu kämpfen. In vielen Fällen zerbrechen die Familien und es kommt zu Gewalt. In anderen Familien strengen wir uns alle gemeinsam an, uns gegenseitig zu helfen und mit den wenigen Möglichkeiten voranzukommen, die wir haben, so wie auf dem Land, wo andere von uns leben.

Wir klagen an, daß die Regierung und die Gesellschaft nichts tut, um uns zu helfen, und diese Situationen zu überwinden. Sie machen sie nur noch schlimmer. Die Ärmsten bleiben arm oder werden noch ärmer. Deshalb fühlen wir Kinder uns verpflichtet, nach Lösungen zu suchen, nach Möglichkeiten zu überleben, unseren Eltern zu helfen, unseren Geschwistern und uns selbst, indem wir lernen, zu arbeiten, und indem wir uns fähig fühlen, selbst die Gelegenheiten zu schaffen, an denen wir glücklich sind, uns unterhalten, spielen und träumen.

In unserem Land gibt es viele Kinder, die verschiedene Arbeiten verrichten. Wir arbeiten zu Hause, wo wir kochen und unsere kleineren Geschwister versorgen. wir arbeiten auf der Straße, auf eigene Faust, wir verkaufen Bonbons, waschen Autos, verkaufen Zeitungen, arbeiten als Lastenträger usw. Wir arbeiten als Hausangestellte, als Kellner, KFZ-Mechaniker, Maurer, Schlosser oder Büroboten. Wir arbeiten auch in Limonaden-, Schuh-, Nahrungsmittel-, Möbel-, Reinigungsmittel-, Karrosseriefabriken, in der Ziegelstein- und Jackenproduktion. Wir arbeiten zusammen mit unserer Familie, indem wir die Felder gießen, Unkraut jäten, Vieh hüten und tun andere Dinge mehr.

Wir arbeitenden Jungen, Mädchen und Heranwachsenden klagen an, daß viele Erwachsene diese Situation ausnutzen. Die Leute sehen uns als unnormale Kinder an und manchmal haben wir den Eindruck, wir sind ihnen lästig. Sie lassen uns arbeiten und zahlen dann manchmal nicht. Sie behandeln uns schlecht und versuchen uns zu übervorteilen. Oft sind wir von den Arbeitgebern physisch und moralisch mißhandelt worden: Zu niedrige, ungerechte Löhne. Wir mußten über die gewöhnlichen Zeiten hinaus arbeiten, sind mißhandelt und mißbraucht worden, haben gefährliche Arbeiten ausführen und Angriffe auf unsere persönliche Würde erfahren müssen.

Deshalb erbitten wir arbeitenden Mädchen, Jungen und Heranwachsenden:

Wegen all dem haben die Mädchen, Jungen und Heranwachsenden von Cochabamba sich organisiert, und die Kräfte vereint, um am 18. März gegen diese Arten von Mißbrauch und Ausbeutung zu protestieren, die wir bei der Arbeit erleben, und daß wir uns solidarisch fühlen mit all den anderen TeilnehmerInnen des weltweiten Marsches gegen die Ausbeutung von Kindern und gefährliche Arbeiten, nicht nur in Bolivien, sondern in der ganzen Welt.

"Ja zur Arbeit. Nein zur Ausbeutung von Kindern!"

Arbeitende Mädchen, Jungen und Heranwachsende von Cochabamba, März 1998

Übersetzung: terre des hommes/ P.Strack

 
E-Mail: terre@t-online.de

Copyright © 1997-1999 terre des hommes, Deutschland
Last modified: 23. April 1999 18:40:20 MET
 

Umsetzung: eidiars Mediengesellschaft mbH
Webmaster: webmaster@tdh.de