| Bukarest, Rumänien Zirkus Parada |
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Mit Clownpower gegen die Gleichgültigkeit
Am Anfang des "Phänomens" stand die Geburtenpolitik von Diktator Nicolae Ceausescu, der die Abtreibung in den 70er Jahren strikt verboten hatte. Jede Familie wurde angehalten, 3 bis 5 Kinder zu haben. Ab dem 4. Kind übernahm der Staat die Versorgung, wenn die Eltern es allein nicht schafften. Die Kinder wurden von den Familien getrennt und kamen in Heime, wo auch heute noch rund 100.000 von ihnen mehr oder weniger vegetieren. Ein Teil suchte nach der Revolution die neue Freiheit auf der Straße. Jetzt ist zwar die Geburtenrate stark zurückgegangen, doch die wirtschaftliche und soziale Misere stürzt immer mehr Familien ins Elend.
"Das Leben ist hart und der Zirkus auch. Wenn man erfolgreich Zirkus machen kann, findet man auch Wege die Schwierigkeiten des Lebens zu meistern. Zumindest ist das meine Philosophie. Der Zirkus ist ein Ausweg. Man wird verführt und findet Freunde in dieser Zirkuswelt. Das sind doch noch alles Kinder, und Kinder müssen spielen, Im Zirkus gelingt es, die verlorene Zeit des Spielens wenigstens ein bisschen wieder nachzuholen. " (Miloud Oukili, Clown) Während 1989 den Straßenkindern in Rumänien noch Mitleid entgegengebracht wurde, sind es heute Hass und Abscheu. Für viele Kinder ist das Leben in der Zirkusgemeinschaft eine ganz neue Erfahrung. "Miloud kam eines Abends mit einem Freund und dem Versorgungshaus CARAVAN zu uns auf die Straße und hat uns zu essen gegeben. Wir haben ein Feuer gemacht und Cola getrunken. Miloud hatte einige Zirkusgeräte dabei und wir haben begonnen zu üben - zu jonglieren und Pyramiden zu bauen, Doch mit den Pyramiden, das war sehr sehr schwierig. Das klappte nicht, weil wir alle zu sehr unter Drogen standen. " (Liliana Voicu)
"In Bukarest existieren diese Kinder ja offiziell nicht. Sie haben ja keine Ausweispapiere und mit dem Grund der Auslandstournee verschaffen wir sie ihnen. Sie sind so plötzlich keine dreckigen Straßenkinder mehr, sondern Kinder, die Zirkus machen und weil sie ihn gut machen, werden sie sogar ins Ausland eingeladen." (Miloud Oukili, Clown) Miloud Oukili legt Wert auf Maske und Ästhetik bei seinen Aufführungen. Er malt ein Lächeln auf die Gesichter der Kinder, die in ihrem Leben bisher viel zu viel geweint haben. "Ich will keine wilden Clowns, sondern solche, die sich auf den anderen einlassen, diskutieren können und die gemeinsame Sache weiterbringen. Es darf nicht einfach der Stärkere siegen. Bei unseren Zirkuspyramiden trägt der Stärkste das Elend des Schwächsten. Auf der Straße ist das genau umgekehrt. Da muss der Schwächste den Stärksten tagen." (Miloud Oukili, Clown)
"Ich habe dem Papst eine rote Nase gegeben und ihn gebeten, sie zu segnen. Denn diese Nase ist für uns zwar nur ein Plastikhilfsmittel, aber sie ist auch ein Symbol der Würde und der Hoffnung. (...) Die Nase hat eine goldene Regel: Man muss sich selber respektieren, erst dann kann man den anderen respektieren. Sonst funktioniert nichts. " (Miloud Oukili, Clown) Clownpower gegen Gleichgültigkeit. Miloud und seine Artisten sind die Botschafter der Straßenkinder von Bukarest. Ob auf Tournee oder zuhause in Rumänien. Überall machen sie auf ihr Projekt aufmerksam und geben so Kindern eine Lobby, die sie bisher nicht hatten. "Ich sage ganz einfach: Wenn es weniger Straßenkinder gäbe und mehr Menschen, die sich ernsthaft um sie kümmerten, würde der Clown sein Fahrrad und seine rote Nase nehmen und nach Hause fahren." (Miloud Oukili, Clown) Im Dezember 1999 erhielt Miloud für seine Arbeit den UNICEF-Preis. Doch mehr als Preise braucht es heute konkrete Hilfe, damit die Pyramide der Hoffnung für die Kinder von Bukarest nicht wieder zusammenbricht. |