Burkina Faso

Wenn der Regen ausbleibt

Material- und Linkhinweise zu Burkina Faso
für Unterricht und Bildungsarbeit

Texte und Zusammenstellung: Dr. Friderike Seithel


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  Allgemeine Länderinformationen
Weiterführende Internetseiten
Afrika – „der schwarze Erdteil“
Alltag der Kinder und Jugendlichen
Mädchen und Frauen
Unterernährung und Hunger
Menschenrechte
Filme
Was man tun kann
Spenden ist nicht alles
Ideenpool: Thematische Einstiege, Aktionen und Projektvorschläge
Weiterführende Links zum Globalen Lernen

Allgemeine Länderinformationen

Burkina Faso (ehem. Obervolta) ist mit 274.000 km² fast so groß wie Deutschland ohne Bayern. Die Bevölkerung zählt schätzungsweise 13,5 Mio. Einwohner und umfasst etwa 60 ethnische Gruppen. Fast 50% sind Mossi, weitere größere Gruppen sind Fulbe, Lobi, Samo, Bobo, Senoufo, Gourounsi, Gourmantché und Bissa. Amtssprache ist Französisch; Verkehrssprachen sind Mooré, Djoula und Foulfouldé. Mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 1.120 US $ je Einwohner gehört das Land zu den ärmsten der Welt. Über 60% der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze. Mehr als 80% der Burkinaber siedeln im ländlichen Raum, wobei die Landflucht ständig zunimmt. Die Hauptstadt Ouagadougou erlebt einen rasanten Zustrom zumeist der jungen Landbevölkerung und umfasst heute etwa 1 Mio. Einwohner. Ca. 50% der Burkinabe sind Muslime, ca. 40% sind Anhänger traditioneller Religionen und etwa 10% Christen.
Burkina Faso ist ein Binnenstaat und liegt auf einer leicht gewellten Hochebene, aus der zahlreiche Inselberge herausragen. Im Südwesten des Landes befindet sich ein Sandsteinmassiv mit der höchsten Erhebung des Landes (749 m) und z.T. steil abfallenden Felsen. Hier entspringt der einzige ständig wasserführende Fluss des Landes, der schwarze Volta. Das Klima ist tropisch wechselfeucht mit einer Regenzeit (Mai – September) und einer Trockenzeit mit hohen Tagestemperaturen. Das Land besteht zum größten Teil aus Trockensavanne mit spärlichem Baumwuchs. Im Januar und Februar bleiben die Temperaturen oft unter 20° C, im April und Mai erreichen sie über 40° C.
Die Bevölkerung betreibt überwiegend Subsistenzwirtschaft. Die wichtigsten Exportprodukte sind Gold und Baumwolle, zu einem geringen Teil auch Vieh und landwirtschaftliche Produkte. 2002 betrug der Anteil der Baumwolle am Gesamtexport 57%. Aufgrund von Dürren und Desertifikation, einer schwachen Wirtschaftsentwicklung und schwankenden Ernteerträgen arbeiten etwa 3 Mio. burkinische Arbeitnehmer im Ausland, vor allem in der Elfenbeinküste. Bei den dortigen Konflikten wurden sie häufig Ziel gewaltsamer Übergriffe. Inzwischen sind Hunderttausende Emigranten zurückgekehrt.
Das burkinische Gebiet war bereits vor 14.000 Jahren besiedelt. Einige der heute in Burkina Faso lebenden Völker waren dort schon vor über 1000 Jahren ansässig; ab dem 12. Jh. beherrschten die hierarchisch organisierten Mossi das Gebiet und errichteten bis ins 19. Jh. verschiedene Königreiche, die sich durch hochentwickelte Verwaltungsorganisation und göttliche Verehrung der Herrscher auszeichneten. 1896 wurde das Gebiet durch Frankreich erobert und 1919 zur französischen Kolonie Obervolta. In den Jahren 1932-47 wurde Obervolta auf die Nachbarkolonien Soudan Français, Niger und Côte d'Ivoire aufgeteilt, bis es 1960 unabhängig wurde.
Bis in die 90er Jahre wechselten Militärregimes, Umsturzregierungen und demokratische Verfassungen einander ab. 1984 wurde der Staat in Burkina Faso umbenannt. Nach dem Mord an dem regierungskritischen Journalisten Norbert Zongo im Dezember 1998 kam es im Jahre 2000 aufgrund anhaltender Proteste zur erneuten Regierungsumbildung. Burkina Faso wurde eine laizistische präsidiale Republik mit Mehrparteiensystem; Paramanga E. Yonli wurde Regierungschef. Der Präsident (seit 1998 Blaise Compaore) wird für sieben Jahre direkt gewählt und besitzt weitreichende Vollmachten.

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Ausführliche Informationen über Geschichte, Politik, Wirtschaft und Kultur des Landes bieten folgende Internetseiten (für Lehrer/innen und Schüler/innen höherer Klassen):

www.inwent.org/v-ez/lis/burkina/index.htm

umfangreiche Informationen zu Land, Wirtschaft, Entwicklung, Staat, Politik, Gesellschaft und Kultur mit weiterführenden Links von InWEnt (Internationale Weiterbildung und Entwicklung GmbH)
http://de.wikipedia.org/wiki/Burkina_Faso
umfangreiche Internetenzyklopädie mit Informationen zu Geographie, Bevölkerung, Geschichte und Kultur
http://infos.aus-germanien.de/Burkina_Faso
Informationen zu Staat, Politik, Bevölkerung, Wirtschaft und Geschichte
http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/BurkinaFasoSicherheit.html
offizielle Website der Bundesregierung, Informationen von Geschichte über Sicherheitshinweise bis Außenpolitik und Beziehung zwischen Deutschland und Burkina Faso
www.erdkunde-wissen.de/erdkunde/land/afrika/burkina/index.html
Überblick über Geschichte, Geographie, Bildung, Soziales & Kultur, Wirtschaft, Industrie, Rohstoffe u. a.
www.presidence.bf/
Homepage des Präsidenten von Burkina Faso (französisch)
www.ouaganet.com/
Fotos, Videos, Informationen, Statistik, Anzeigen, Künstler, Geschichte, Sprichwörter, Musik u. v. m. (englisch)
www.africome.de
Afrika - Schwerpunkt der Bundeszentrale für politische Bildung mit umfangreichen Informationen, Dossiers und Online-Angeboten
www.dbfg.de/
Deutsch – Burkinische Freundschaftsgesellschaft
http://news.bbc.co.uk
Länderprofil und aktuelle Nachrichten (englisch); bei search: Ländernamen eingeben
http://allafrica.com/burkinafaso
aktuelle Nachrichten
www.alovelyworld.com
Länder- und Tourismusinformationen, Fotos
www.burkinabymatt.com/
private Webseite mit sehr schönen Fotos von Land, Menschen und Tieren
www.welt-in-zahlen.de
Zahlen zu Politik, Geographie, Demographie, Gesundheit, Bildung, Wirtschaft, Kommunikation, Transport, Militär u.a.; gut für Ländervergleiche
http://cyberschoolbus.un.org/infonation/index.asp
Schulseite der UNO, Kurzinfos zu allen Ländern der Erde mit den wichtigsten Bereichen
www.helles-koepfchen.de
Suchmaschine speziell für Kinder und Jugendliche; gut für Eigenrecherche 

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Im Folgenden schlagen wir zur Behandlung von "Burkina Faso" im Unterricht Themenschwerpunkte vor, verweisen auf Materialien und Bezugsquellen und führen ausgewählte Internetseiten auf:

Afrika ist immer noch der schwarze Erdteil

in den Köpfen vieler Menschen hierzulande, ein Kontinent, auf dem fremdartige Leute Kriege führen oder Hunger leiden. Zur Befassung mit Burkina Faso ist deshalb zu empfehlen, sich zunächst auf eine Reise durch den afrikanischen Kontinent zu begeben, die verschiedenen Länder und ihre kulturelle Vielfalt ein wenig kennen zu lernen, etwas über Kolonialgeschichte und die Verbindungen zwischen afrikanischen und europäischen Länder zu erfahren.
Lutz van Dijk erzählt spannend und umfassend „Die Geschichte Afrikas“. Er lässt afrikanische Stimmen aus verschiedenen Epochen zu Wort kommen und beschreibt realistisch die Nöte und Hoffnungen der Menschen (2004, Campus Verlag; ab 14 J., 20,50 €; als Download für 15,90 € unter www.bol.de ; ab Sept. 2005 auch als CD erhältlich für 19,90 €). Die CD „Globales Lernen mit Disney’s König der Löwen“ bietet Unterrichtsmaterialien und -ideen zum Thema „Afrika“ für eine Vielzahl von Fächern (2004, 12,- €; Sek. I und II; Bezug: Büro für Kultur- und Medienprojekte, POB 500 161, 22701 Hamburg, 040/39 90 00 33, E-Mail: bestellung@loewen-cd.de ). Tipps für den Unterricht gibt es auch unter http://www.lehrer-online.de/afrikas-perspektiven.php . Das Projekt „Afrika im Unterricht“ ( http://lernarchiv.bildung.hessen.de/sek_i/erdkunde/themen/afrikaallg) vom hessischen Landesinstitut bietet umfangreiche Zugänge, Materialhinweise und Unterrichtsvorschläge. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat den mehrjährigen Schwerpunkt „Fokus Afrika: Africome 2004-2006“ initiiert. Unter www.africome.de  findet man Hintergrundinformationen, aktuelle Veranstaltungen, Online-Angebote und Publikationen zu Afrika.
Die kostenlose Broschüre „Afrika aktuell“ der Deutschen Welthungerhilfe liefert Hintergrundinformationen über politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklungen auf dem afrikanischen Kontinent (mit ausführlichem Serviceteil und Projektbeispielen; Bezug: www.welthungerhilfe.de  => Infomaterial). Regina und Gerd Riepe haben die umfangreiche Arbeitsmappe „Afrika Kultur“ zusammengestellt (2001, Misereor - Materialien für die Schule Nr. 33, 140 kopierfähige Arbeitsblätter, € 7,50, für Sek. II; Bezug: www.misereor-medien.de => Suche „Afrika“) mit Hintergrundinformationen und Originaltexten zu afrikani-scher moderner Malerei und Fotografie, Maskentradition, Lehmarchitektur und Gegenwartsliteratur, einer Bildkartei und Empfehlungen für den Unterricht. Von denselben Autoren stammt die Projektmappe „Afrikanische Religionen“ (2000, Verlag an der Ruhr, € 18,60; ab 13 J.), die Jugendliche zum Nachdenken über Welt- und Naturreligionen anregen will. Bei der Bundeszentrale für politische Bildung kann ein Arbeitsblatt zur Auseinandersetzung mit dem "Krisenkontinent Afrika" bezogen werden ( www.bpb.de  => Materialien). Martin Geisz hat einen „Lernzirkel Afrika“ erarbeitet ( Buchverlag Kempen, 2004, 17,90 €), in dem in 18 Lernstationen unterschiedliche Aspekt zur selbstständigen Bearbeitung durch die Schüler angeboten werden. Das Heft „Afrika“ der Zeitschrift „Wochenschau“ (Nr. 4/5, 2003; 8,20 €, Wochenschau-Verlag) bietet eine Fülle von Materialien und Anregungen für Sek. II, die aber auch in den Abschlussklassen der Sek. I einsetzbar sind. Das „Afrika-Lexikon“ des aus Kamerun stammenden Professors Jacob E. Mabe (2001, Peter Hammer Verlag, € 64,90; ab 14 J.) liefert knapp und verständlich einen Überblick über den afrikanischen Kontinent.

Die Webseite “Willkommen in Afrika” (http://land.heim.at/toskana/210137/) bietet weitere Recherchemöglichkeiten. Viele kommentierte Empfehlungen für Kinderbücher und Romane aus oder über einzelne afrikanische Länder sind bei www.suedwind.at zu finden. Ein Lesebuch der afrikanischen Literatur mit Textausschnitten aus Märchen, Er-zählungen, Romanen und Gedichten von Autoren aus dem schwarzafrikanischen Raum haben Gudrun Honke und Thomas Brückner mit „Habari Gani, Afrika“ herausge-geben (1997, Peter Hammer Verlag, € 8,50). Bei unicef kann die vierseitige Broschüre „Aufwachsen in Afrika“ runtergeladen werden (www.unicef.de/fileadmin/mediathek/download/I_0080_aufwachsen.pdf ). Sie enthält knappe Zahlen und Fakten über die Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen auf dem afrikanischen Kontinent.

Gudrun Schreiber und Peter Hellmann führen Kinder mit Spielen, Liedern, Tänzen, Basteleien, Geschichten und Rezepten in die Geschichte und die Kultur Afrikas südlich der Sahara ein („Karibuni Watoto. Spielend Afrika Entdecken“, Ökotopia Verlag, Münster, 1997, 19,80 €; ab 4 J.; CD zum Buch für 19 €). Die CD "Geschichten aus dem Regenwald - Märchen und Musik aus Afrika" will ebenfalls den Kontinent Afrika für die Jüngeren sinnlich erfahrbar machen: In fünf Geschichten und sechs Liedern lernen Kinder spielerisch Märchen, Tiere und Leben in Afrika kennen und werden zu gestalterischem Schaffen angeregt (für Kindergarten und Grundschule; CD mit Begleitheft, 14,95 €; Bezug: Edition AMPLE, Fon: 08031/269412, vertrieb@ample.de, Hörproben und Informationen unter:  www.regenwald.ample.de)

Tahar Ben Jelloun liefert mit „Die Schule der Armen“ eine Erzählung für Kinder ab 8 J. über den Teufelskreis von Armut, Ausbeutung und Analphabetentum, über Kinderarbeit, Unfreiheit und die Chance, die in der Bildung liegt. Sie spielt in „einem kleinen Dorf irgendwo in Westafrika“ (rowohlt 15,50 €).

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Der Alltag der Kinder und Jugendlichen
in Burkina Faso ist - insbesondere auf dem Land - vielfach von Armut, Unterernährung und mangelnder (Schul-)Bildung gekennzeichnet. Das Land gehört zu den zehn ärmsten der Welt. Dies betrifft alle Lebensbereiche und zeigt sich z.B. in einer geringen Lebenserwartung (44 -48 Jahre), einer sehr hohen Sterblichkeit von Kleinkindern (97,6%), einer geringen Kaufkraft pro Einwohner und einem kleinen Anteil der Bevölkerung mit formaler Schulbildung. 60% der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze (Vergleichszahlen zu Deutschland für ausgewählte Sozialindikatoren gibt es unter www.inwent.org/v-ez/lis/burkina/index.htm ).
Dabei ähneln Wünsche, Freizeitgestaltung und Zukunftsträume der Jugendlichen denen der Gleichaltrigen in anderen Ländern: z.B. Musik hören, Fußball spielen, sich mit Freunden treffen, ins Kino gehen, schicke Kleidung, ein cooler Haarschnitt und eine gute Ausbildung, mit der man ausreichend Geld verdienen kann. Die Hauptstadt Ouagadougou gilt als „Moped-Hauptstadt“ Afrikas und ist bekannt für ihre besonders bei den Ju-gendlichen sehr beliebten Mopedrennen. Hierzu gibt es einen Artikel unter http://news.bbc.co.uk/1/hi/world/africa/4309831.stm  (englisch). Einen Einblick in das All-tagsleben von Jugendlichen in der Stadt und auf dem Land mit Vergleichsmöglichkeiten zu hiesigen Jugendlichen und vielen Unterrichtsanregungen bietet „Afrika – Total normal: Jugendliche in Mali und Burkina Faso“ (Deutsche Welthungerhilfe, 1998; mit Poster und Hintergrundinformationen; Bezug: www.welthungerhilfe.de  => Infomaterial; Zahlen leicht veraltet).
Die Schulbildung in Burkina Faso ist kostenlos; offiziell besteht eine Schulpflicht von zehn Jahren. Unterrichtssprache ist schon in der Grundschule Französisch. Die durchschnittliche Klassengröße liegt bei 60 Schülern, aber es können auch über 100 sein. Strom und Wasser fehlen meist. Ein Hauptproblem v.a. im ländlichen Raum ist der notorische Lehrermangel. Die Einschulungsraten betrugen 2000 für Jungen 41% und für Mädchen 29%. Weniger als 40 % der eingeschulten Schüler/innen erreichen die letzte Grundschulklasse und nur sehr wenige finden Zugang zu einer weiterführenden Schulbildung. Resultat ist eine hohe Analphabetenrate (73%). Auch die zwei Universitäten des Landes bieten nur eine schlechte Ausstattung, eine ungenügende Bezahlung der Lehrkräfte und schlechte Berufschancen für die Absolventen. Das ausführliche Manuskript einer Radiosendung über Bildung und Armut in Burkina Faso findet sich unter www.dw-world.de/dw/article/0,1564,1231245,00.html  (11 / 2004).
Entwicklungs- und Selbsthilfeprojekte in Burkina Faso u.a. für marginalisierte Kinder und Jugendliche zeigt die Diaserie „Voller Ideen“ (terre des hommes, 1998, für Sek. II, 40 Dias mit Textheft; Ausleihe: www.tdh.de  => Kinderseiten => Materialien zum Ausleihen). Die jungen Leute finden Arbeit in einer außergewöhnlichen Bank, bei Begrünungs- und Müllentsorgungsprogrammen, in Radwerkstätten und im Steinbruch, im Garten, auf dem Feld und in vielen anderen Arbeitseinheiten. Hintergrundinformationen zum Thema Kinderarbeit mit Beispielen aus vielen Ländern, darunter auch Burkina Faso, liefert Uwe Pollmann („Zum Beispiel Kinderarbeit, 1999, Lamuv, € 8, Bezug: www.lamuv.de  ). Um die Straßenkinder des Landes kümmert sich u. a. die Deutsche Kathrin Rohde. Sie wäre in Burkina Faso beinahe einer Meningitis erlegen, hätte sie nicht ein Zöllner gesund gepflegt. Sein Wunsch nach einer Schule in seinem Dorf führte sie letzten Endes so weit, dass sie 1996 beschloss, für immer nach Burkina Faso zu gehen (Katrin Rohde, „Mama Tenga“, Goldmann – Verlag, € 9,20).

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Mädchen und Frauen

sind laut Verfassung offiziell gleichberechtigt mit Männern. Im Alltag insbesondere im ländlichen Raum sind diese Gesetze aber nicht durchgesetzt und Frauen bleiben benachteiligt. Auch die Beschneidung ist immer noch weitverbreitet. 66% der Frauen sind von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen. Die Regierung, verschiedene Nicht-Regierungsorganisationen (NROs) sowie Frauengruppen befassen sich seit 20 Jahren mit dem Problem; seit 1996 ist die weibliche Beschneidung illegal und muss angezeigt werden. Anzeigen können anonym erstattet werden. Wer als Zeuge wissentlich schweigt, kann rechtskräftig verurteilt werden. Die Abschaffung der Beschneidung wird von traditionellen wie von muslimischen Führern, von Polizisten, Studenten und Krankenhauspersonal aktiv unterstützt.

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Die Bekämpfung von Unterernährung und Hunger

gehört zu den vorrangigen Entwicklungsaufgaben in Burkina Faso. Über 80% der Bevöl-kerung lebt von einer kleinbäuerlichen Landwirtschaft, die weitgehend auf Selbstversor-gung ausgerichtet ist. In der Sahelregion des Nordostens ist die mobile Tierhaltung die Haupteinkommensquelle, in der Trockensavanne dominiert der Ackerbau. Für den Ei-genbedarf werden Hirse, Sorghum, Mais, Reis, Bohnen und Südkartoffeln angebaut. Die Ernteerträge sind stark von der Regenmenge und Niederschlagsverteilung abhängig. Häufige Dürren, fortschreitende Desertifikation und Heuschreckenplagen führen immer wieder zu Ernteausfall, Hungerperioden und zur Landflucht der Bevölkerung. Weitere Probleme in der nördlichen Landeshälfte sind Bodenerosion, Überweisung und Abhol-zung. Zur Zeit (Sept. 05) ist Burkina Faso wie andere Länder der Sahelzone aufgrund anhaltender extremer Dürre wieder von einer sehr schweren Hungersnot bedroht. Schon im Februar hatten viele Familien nichts mehr zu essen; seit über 30 Jahren soll es kein so schlechtes Erntejahr gegeben haben. Und wie immer sind die Kinder am schlimms-ten getroffen: Sie müssen essen, was sie finden: wilde Früchte, Blätter...alles, um nur irgendwie den Bauch voll zu bekommen (vgl. die Berichte unter www.dwhh.de ).
Die ungünstige Binnenlage des Staates und die hohen Transportkosten, der Mangel an preisgünstigen Energiequellen und Bodenschätzen, ein niedriger Ausbildungsstand und ein geringes Produktivitätsniveau beeinträchtigen die wirtschaftliche Entwicklung des Landes, dessen Staatshaushalt zu wesentlichen Teilen von auswärtigen Entwicklungsfeldern finanziert wird. Burkina Faso gehörte zu den siebzehn Staaten, denen die G-8-Staaten im Juni 2005 die Erlassung sämtlicher Schulden bei der Weltbank, dem Interna-tionalen Währungsfond und der Afrikanischen Entwicklungsbank gewährte. Aufgrund des Verfalls des Weltmarktpreises für Baumwolle, dem Hauptexportprodukt des Landes, verfiel auch der Exporterlös derart, dass Burkina Faso trotz Schuldenerlass große Schwierigkeiten hat, seine Verbindlichkeiten zu begleichen. Ursache für den Preisverfall ist u.a. die hoch subventionierte Baumwollproduktion in den USA. Die ZEIT bietet unter www.zeit.de/2003/34/Baumwolle_2fBurkina einen ausführlichen Bericht über die Wir-kung von Agrarsubventionen auf die Wirtschaft Burkina Fasos (August 2003).

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Menschenrechte

sind in dem demokratischen Rechtsstaat Burkina Faso offiziell garantiert. Laut Amnesty International ist die Todesstrafe in der Praxis abgeschafft. Allerdings berichtete die burkinische Menschenrechtsorganisation (MBDHP) über den Fund der sterblichen Überreste von etwa 106 Menschen, die offenbar zwischen Oktober 2001 und Januar 2002 extralegal hingerichtet wurden. Die diesbezüglichen Ermittlungen zeigen keine Fortschritte, eine Untersuchungskommission nahm nie ihre Arbeit auf (weitere Informationen, z.B. auch über Verhaftungen und willkürlichen Umgang mit oppositionellen Politikern unter: www.amnesty.de ).

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Die Filme aus Burkina Faso

sind international bekannt. Bedeutende Filmemacher sind z.B. Idrissa Ouédraogo, Gas-ton Kaboré, Drissa Touré und Sekou Traoré. Ouagadougou ist die Hauptstadt des afrikanischen Films. Hier findet seit den frühen 70er Jahren alle zwei Jahre im Februar das größte panafrikanische Filmfestival „Festival Panafricain du Cinema de Ouagadougou“ (FESPACO) statt ( www.fespaco.bf ).Unter www.glaubeaktuell.net/portal/journal/journal.php?IDD=1109740073  informiert ein Beitrag über das afrikanische Kino.
Zu den Klassikern „Yaaba“ (1989; 90 Min., ab 10 J.), „Sankofa“ (1993; 125 Min., ab 16 J.) und „Buud Yam“ (1997, 97 Min., ab 10 J.) können bei der Bundeszentrale für politische Bildung Filmhefte mit vielen didaktischen Hinweisen, Hintergrundinformationen, Materialien und weiterführenden Tipps kostenlos bezogen oder heruntergeladen werden ( www.bpb.de/filmhefte ). Die Filme sind zu beziehen beim Ev. Zentrum für entwicklungsbezogene Filmarbeit ( www.ezef.de ) und bei Pegasos Film ( www.pegasosfilm.de ).
Weitere Filme mit Arbeitshilfen für den Schulunterricht bietet die Schweizer Filmstelle „Filme für eine Welt“: In „Bintou“ (2001, 27 Min., ab 14 J.) geht es um Fragen der Geschlechtergerechtigkeit, den Zugang zu Bildung und die Bedeutung von Eigeninitiative; Der Film „Himmel und Hölle“ (Kanada 1999, Dokumentarfilm, 52 Minuten, ab 12 J.) thematisiert Themen wie Kinderarbeit, Mädchenhandel, Armut und Beschneidung am Beispiel von zehn Mädchen aus sechs verschiedenen Ländern, darunter auch Burkina Faso. In „Keïta! Das Erbe des Griot“ (1995, Spielfilm, 96 Min., ab 12 J.) erzählt ein alter Griot seinem Enkel die Geschichte seines Volkes. „Laafi – Tout va bien“ (1991, Spielfilm, 16mm, 98 Minuten, ab 15 J.) handelt von den beruflichen Wünschen und fehlenden Perspektiven der Jugendlichen in Burkina Faso. Der international ausgezeichnete Film „Moi et mon Blanc“ (2004, Spielfilm, 90 Min., ab 16 J.) beschreibt das Leben eines burkinischen Studenten in Paris und seine Rückkehr in sein Heimatland. „Wasser in Afrika - Ami aus Burkina Faso erzählt“ (1995, 10 Min. ab 6 J.) zeigt aus den Augen eines Kindes den vielfältigen Umgang mit dem kostbaren Gut. „Zan Boko“ (1990, 94 Min., ab 16 J.) handelt von den Beziehungen und Konflikten zwischen Stadt und Land, Moderne und Tradition. „Begegnungen auf der Milchstrasse“ (2000/2004, Dokumentarfilm und „Making of“, 94 Min. / 52 Min., ab 16 J.) beschreibt die Begegnung zwischen Milchbauern aus der Sahelzone und der Schweiz. Weiter Informationen, Ausleihbedingungen und ausführliche Arbeitshilfen zu allen Filmen gibt es unter www.filmeeinewelt.ch  (=> Katalog).
Musik aus Burkina Faso ist dagegen hierzulande weniger bekannt. Relativ erfolgreich sind z.B. die Gruppe "Farafina" aus Bobo-Dioulasso oder Mamadou Diabate (Hörproben einiger seiner Hits gibt es unter www.ouaganet.com ). In Ouagadougou findet regelmäßig ein internationales Jazzfest statt.

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Was man tun kann,

wollen Schüler/innen häufig wissen, wenn sie von der Notlage der Menschen anderer Ländern erfahren. Globales Lernen sollte stets auch Wege aufzeigen, aktiv zu werden. Eine Möglichkeit ist, bestehende Hilfsprojekte und humanitäre Organisationen durch Spenden und Mitarbeit zu unterstützen. Zum Spendensammeln gibt es unzählige kreative Möglichkeiten für Schüler/innen und ganze Schulen. Hier einige Webseiten mit Informationen über Projekte und Unterstützungsmöglichkeiten für Burkina Faso:

www.welthungerhilfe.de
unterstützt v. a. Entwicklungsprojekte für Ernährungssicherung
www.tdh.de
fördert Projekte für Kinder und Jugendliche, speziell auch für Mädchen
www.afrika-projekt.org
Förderung von Kleinprojekten für Frauen u.a.
www.misereor.de
(=> Projekte => auf Länderkarte B. F. anklicken) unterstützt ein ländliches Entwicklungsprogramm mit Christen und Muslimen in der Region Dori
www.sahel.de
das von der deutschen Kathrin Rohde gegründete Projekt A.M.P.O. unterstützt Straßen- und Waisenkinder
http://www.solidaritaetskreis-westafrika.de/
http://www.solidaritaetskreis.de/
Entwicklungsprojekte vom Solidaritätskreis Westafrika e.V.

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Spenden ist nicht alles,

denn Menschen in Hungerregionen sind nicht aus eigener Schuld in Not geraten. Sie brauchen keine Almosen, die nur ihre Abhängigkeit vom „Spendentropf“ fördern, sondern kurzfristige praktische Unterstützung, um ihr Leben aus eigener Kraft neu zu organisieren oder um überhaupt zu überleben. Denn abgesehen von Naturkatastrophen wie Seebeben oder Dürre sind meist vor allem (inter-)nationale politische Machtbestrebungen, wirtschaftliche Interessen und Abhängigkeiten, Verteilungskämpfe um Ressourcen, Misswirtschaft und Korruption verantwortlich für Armut und Hunger. Zusätzlich zur kon-kreten Projektunterstützung muss deshalb ein umfassenderes Verständnis weltpolitischer Zusammenhänge und globaler Prozesse entwickelt werden. Dieses politische Bewusstsein gilt es, auch bei Schüler/innen anzuregen und ihnen Umsetzungsmöglichkeiten im Alltag und innerhalb der eigenen Gesellschaft zu zeigen, z.B. in Form von politischem oder sozialem Engagement, als Konsument oder durch Einwirkung auf Entscheidungsträger/innen.

Zum Umgang mit humanitären Katastrophen und „Dritte Welt" empfehlen wir:

Welthaus Bielefeld u.a.: „Aus Katastrophen lernen? Globales Lernen nach der Seebebenkatastrophe." 2005. Unterrichtsmaterialien für Sek. I/II. Das Heft befasst sich mit unserer Wahrnehmung der "Dritten Welt" als Katastrophenort, analysiert die Bedeutung der Armut und fragt nach den Chancen eines neuen Bewusstsein für die "Eine Welt"; mit Sachanalysen, didaktischen Vorschlägen und 12 Schülerarbeitsblättern; Preis: 4.- € plus Versand (Bezug: Welthaus Bielefeld, August-Bebel-Str. 62, 33602 Bielefeld; Fax: 0521/63789, Fon: 0521/986480, Email: info@welthaus.de).

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Ideenpool:

Anregungen für thematische Einstiege, Aktionen und Projekte im Unterricht

  • Informationen, Vorwissen, Assoziationen zum Land abfragen, z.B. durch Brainstorming, MindMap, Kartenabfrage: Welches Bild von Burkina Faso beziehungsweise Westafrika oder der Sahelzone haben wir?
  • Fotos, Bücher und Dias (mit und ohne Vorinformationen) als Gesprächsanlässe auswählen und besprechen
  • Einladung von Mitgliedern eines burkinischen Kulturvereins oder einer Flüchtlings-hilfeorganisation; gemeinsames Essen, Lesung oder/und Diskussion
  • mit Filmen aus / über Burkina Faso und dazugehörigen Arbeitshilfen arbeiten
  • Besuch im Völkerkundemuseum (Kulturen, Geschichte und Alltag Westafrikas)
  • Schüler/innen recherchieren und erstellen Wandzeitungen, Fotocollagen, Ausstellungen o.ä. zum Land oder ausgewählten Themen; Vergleiche mit Alltag der Jugendlichen in Deutschland anstellen; für Ländervergleiche finden sich viele statistische Zahlen unter: http://www.welt-in-zahlen.de/ 
  • zu den Themen Hunger, Armutsbekämpfung, Entwicklungspolitik und Schuldenerlass Hintergrundinformationen und Zusammenhänge erarbeiten
  • Projekte durchführen über die Bedeutung von Wasser und Ernährung für die menschliche Entwicklung
  • Radiosendung produzieren oder Zeitungsartikel (z.B. für Schulzeitung) verfassen
    è Projekte von Hilfsorganisationen untersuchen, präsentieren, vergleichen und ggfs. Unterstützungsaktionen organisieren oder mitarbeiten
  • Schulpartnerschaften suchen und aufbauen

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Weiterführende Links zum Globalen Lernen

www.eine-welt-netz.de
Eine Welt im Internet – Einstiegsseite zum Globalen Lernen
www.globales-lernen.de
Webseite vom Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung
www.eine-welt-unterrichtsmaterialien.de
Datenbank mit Unterrichtsmaterialien
www.globlern21.de
Internetportal zum Globalen Lernen mit vielfältigen Verweisen
www.weltinderschule.uni-bremen.de
Unterrichtsmaterialien, kostenlose Ausleihmöglichkeiten und regelmäßige Zeitung vom Projekt „Eine Welt in der Schule"
www.learn-line.nrw.de
vom NRW - Landesinstitut für Schule mit Recherchemöglichkeit
www.baobab.at
Österreich. Website mit Literatur, didaktischen Tipps, Praxisbeispielen

Stand: Dezember 2011

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