Child Folk Singers of Rajasthan
Das Barefoot College
www.barefootcollege.org

Tilonia - der Ort an dem Gandhi lebt
Natürliche Ressourcen - Wasser
Abendschulen und Kinderparlament

 

NATÜRLICHE RESSOURCEN: OHNE WASSER LÄUFT NICHTS

Das erste Problem, mit dem sich das Barefoot College befasste, war die Trinkwasserversorgung. Wir alle meinten, die Lösung bestünde darin, Wasser aus 15 Meter Tiefe heraufzuschaffen. Von 1973 bis 1996 wurden Hunderte von Brunnen gebohrt oder vertieft, wurden Handpumpen installiert, Grundwassergutachten verfasst, teure Bohrvorrichtungen angeschafft. Die Experten rieten uns, noch tiefer zu bohren und in noch aufwendigere Ausrüstung zu investieren. Doch all diesem Aufwand zum Trotz fielen die Handpumpen bald trocken, die Frauen mussten immer noch kilometerweit laufen, und die Gemeinden hatten weiterhin gegen akuten Trinkwassermangel anzukämpfen.

1996 gingen wir zu den Leuten und fragten sie zum ersten Mal, wie denn ihrer Meinung nach eine langfristige Lösung aussehen könnte. Sie erzählten uns, was ihre Großväter getan hatten: Sie hatten Regenwasser unterirdisch gespeichert. Statt das Wasser abfließen zu lassen, war es gesammelt, gespeichert und nach gemeinsamem Ratschluß je nach Bedarf verteilt worden. Die einzige langfristige Lösung - gesunder Menschenverstand pur! Und in Gegenden mit versalzenem Grundwasser seit jeher die einzig denkbare Antwort auf die Existenzfrage. Zudem würde die ZisternenIösung Arbeitsplätze schaffen, die Dörfer würden von städtischen Ingenieuren unabhängig und könnten ihre Wasservorräte dezentral in Eigenregie kontrollieren.

Seit den Tagen der offenen Brunnen sind wir einen weiten Weg gegangen. Heute werden ausgetrocknete Brunnen vom Barefoot College in fast allen Dörfern dazu benutzt, die knappen Wasserreserven im Boden wieder aufzufüllen. Wo wir Oberflächenwasser in "Ex-Brunnen" geleitet haben, fördern nun die zuvor trockengefallenen Handpumpen im Umkreis wieder Wasser; in den Brunnen zur Bewässerung der Felder stieg der Wasserspiegel wieder an. Und all das kostete fast nichts.

Unsere Lernschritte folgen einer aufsteigenden Linie: Vertiefen der Brunnen, Installieren von Handpumpen und schließlich Speichern von Regenwasser Vom Ausbeuten der Grundwasserreserven kamen wir zum Wassersparen, zum Wasserspeichern und endlich zum Wiedervernässen trockengefallener Grundwasserschichten. Den gesunden Menschenverstand zu gebrauchen haben wir von den Dorfleuten gelernt, NICHT von Fachleuten aus der Stadt. Die haben noch eine Menge zu lernen.

SAMMELN STATT BOHREN

Seit Jahrhunderten sammeln Landkommunen Erfahrungen, wie sich dieTrinkwasserversorgung verbessern und sichern lässt. Das Barefoot College setzt sich dafür ein, dass dieses gewachsene Wissen anerkannt und weiterverbreitet wird. Eine Basislektion des gesunden Menschenverstandes klingt provozierend einfach: Sammle Regenwasser dort, wo es regnet! Regionale Baumaterialien, praktisches Wissen der Dorfbewohner und freiwillige Helfer aus der Gemeinde - mehr ist nicht nötig, um zur Monsunzeit gewaltige Mengen Regenwasser zu sammeln: eine Ergänzung zu den offenen Brunnen. Nur so können sich Dörfer gegen künftige Dürrekatastrophen wappnen. Es ist absolut unnötig, mittels unerschwinglich teurer Maschinen Wasserreserven in großer Tiefe anzuzapfen. Das sind nur kurzfristige Lösungen.

Aber nicht für jeden sind einfache Lösungen auch gute Lösungen: Von den in der Stadt ausgebildeten diplomierten Ingenieuren kam heftiger Widerstand. Sie bevorzugen die teuren technischen Lösungen mit Grundwassergutachten, Wasserleitungen, Tiefenbohrungen und Handpumpen und versuchten, die Wasserversorgung in Eigenverantwortung zu diskreditieren: Angeblich eigne sich dieses Wasser nicht zum Trinken. Absolut falsch! Untersuchungen haben gezeigt, dass schlecht geplante Bohrungen und Wasserleitungen weitaus mehr Krankheiten verursacht haben als Regenwassersammelanlagen.

Das Barefoot College startete eine massive Kampagne und rief Schulen und Gemeindezentren in Brackwassergebieten und Gegenden, wo das Wasser aus anderen Gründen nicht trinkbar ist, zum Regenwassersammeln auf.

(aus: The Barefoot Photographers: "Barfuß in die Zukunft", München 2000, mit freundlicher Genehmigung des Verlages Frederking & Thaler)

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