Medellin:

Sociedad FB7


"Wir sind die Straße"
Die Rap - Welle hat Medellín Anfang der 90er erreicht. Zu dem Zeitpunkt bestimmtem Themen wie Gewalt in den Barrios, Geiz, Machtmissbrauch und anderes Leid in Kolumbien die HipHop-Szene. Anfangs gab es La Pilota, Hip Hop Place und El ITM erzählt Lupa, Mitglied der Gruppe FB7. Es fing an mit einem Trend: Jungs mit Ghettoblastern in der Hand, weiten Hosen und Capes. Die HipHop-Kultur wuchs schnell in Medellín, vielleicht weil „die vier Elemente Rap, Break Dance, Graffiti und DJ HipHop so attraktiv machen“, erklärt Medina, Sänger von FB7.

Der Rap gibt Jugendlichen die Möglichkeit ihre alltäglichen Erlebnisse auszudrücken und Themen wie ihr Barrio, die Straße und den Krieg anzusprechen. Nach Lupa und Medina gibt ihnen der Rap den Raum ihre Wut, Angst, Verzweiflung, Mühen und frustrierten Träumen Ausdruck zu verleihen. „Frustrierte Träume, weil die Jugendlichen in den Barrios großes Talent haben, aber nicht die Möglichkeit es unter Beweis zu stellen“, bestätigt Lupa.
Der Break Dance ist ein akrobatische Entfaltung, die Kraft, Aggressivität und Kompetenz ausstrahlt. Simulierte Kämpfe mittels künstlerischen Bewegungen, in denen jeder gewinnen will, ohne Gewalt.
Graffiti ist eine raffinierte Maltechnik, die sich in Form von leuchtenden Farben und komplexen Symbolen ausdrückt, um das eigene Gebiet zu kennzeichnen. Die Mauern der Stadt dienen als Leinwand für diese Kunst. Es wird in erster Linie nachts, unter Brücken, im Untergrund oder an einzelnen Wänden praktiziert.
Der Disk Jockey (DJ) ist dafür verantwortlich, musikalische Spuren zu legen, die mittels einem Mischpult manipuliert sein können oder auch mit Hilfe einer breiten Palette technischer Instrumente wie Computerprogrammen oder eingefangenen Tönen etc. synthetisiert werden.


Carlos Medina: Sänger

Lupa: Komponist & Produzent

Edwin Jiménez: Break Dance

DJ Luigi: Produzent

Schon von Anfang an ist die Musikrichtung HipHop für die Gruppenmitglieder von FB7 eine Art von Antwort auf die Diskriminierung und Gewalt. Es ist eine Form, um die sozialen Probleme aufzudecken und um die Aggressivität aufzulösen, „nicht die Gewalt“, klärt Medina auf.

FB7 ist eine Gruppe von „hipas“, die mit ihrer Musik die Geschichte der einzelnen Mitglieder bekannt machen will. Sie möchten Dinge sichtbar machen, die nicht spürbar sind, die Tragödie und die unterirdischen Erscheinungen der Stadt aufdecken; der Untergrund, der Bodensatz, der Kot, all das, was nicht in den Medien erscheint- der lautlose Krieg, der plötzlich zu explodieren droht.
„Was die Lieder erzählen, ist wie wir leben, was wir in Kolumbien erleben. Wir gehen von dem Krieg aus, den man auf der Straße erlebt. Wir sind der Untergrund, weil wir von Dingen sprechen, die man nicht sieht und die wir wagen zu singen“, sagt Lupa.

Es gab eine Zeit, in der die Gruppenmitglieder von FB7 nicht nur den Krieg beobachteten, sondern ihn auch lebten. Sie haben jedoch durch Hip Hop die Möglichkeit gefunden, sich auf andere Weise auszudrücken, wie in den Worten Medinas, die sich nur um das Töten drehten. „Wir sind eingetaucht in die Logik und das Selbstverständnis des Barrios. Die Gruppe hat den Krieg gelebt. Zwei Personen der Band und viele Freunde wurden getötet. Wir mussten den Krieg bestehen: die Täter, den Hunger, das Elend, den Geiz. All das gehört zum Krieg“, sagt Lupa.
Seit Monaten versucht FB7 ihre letzte produzierte Platte „En medio de la guerra“ (Inmitten des Krieges) zu vertreiben. Es ist eine Auswahl von 16 Themen, angefangen 2001 und vor kurzem erst vollendet. Eine musikalische Reaktion, die einem in schmerzvollen Zeiten Gewissheit verschafft, aber auch Widerstand und Kraft, um fortzufahren.

Auch wenn sich schon Türen geöffnet haben, sei es nicht leicht ihre Arbeit zu verbreiten, da vor allem die Unterstützung fehle, erklärt Lupa, „Es gibt Kriege, die zur Folge haben, dass das Geld wiederum in die Kriege fliesst und die Kultur hat nicht Priorität.“ Auf der anderen Seite erkennt Medina , dass das Volk nicht über die Kaufkraft verfügt, um Platten zu kaufen. Hinzu komme, die Ahnungslosigkeit gegenüber lokalen Talenten. „Die Leute bevorzugen, die Platten von den Amerikanern zu kaufen. Es fehlen reale Vorschläge, um dem lokalen Schauplatz einen Anstoss zu geben.“
„Wir wollen Künstler sein und dafür arbeiten wir. Wir nehmen uns nicht die Zeit, um HipHop zu machen. HipHop liegt uns im Blut. HipHop ist für uns unentbehrlich. Wir wollen nicht in Unternehmen arbeiten, will wir unseren Charakter aufgeben müssten. Wir wollen HipHop leben“.

FB7 ist vor allem eine Gruppe von Künstlern mit einer klaren politischen Haltung, die die Geschichte Kolumbiens als ein Spiel der ökonomischen Kräfte mit dem Leben des Volkes beschreibt. „Hier existiert keine Demokratie. Das Wort des Mächtigen ist Gesetz und Vorschläge gelten nicht. Aber „En medio de la guerra“ ist nur der Anfang. Es werden weitere Arbeiten folgen. Wir wollen das Land verlassen und unsere Arbeit in anderen Gegenden vorführen. Vor allem auch Freunden helfen und Netzwerke bilden. Wir bieten Widerstand und machen uns in der Kunst stark“, erklärt Lupa.
„Wegen unserer Haltung gegenüber der Welt unterstützen uns die Leute, die auch gegen den Krieg sind und mit denen wir uns identifizieren“, sagt Medina, „Wir möchten weiterhin an unseren Textliedern arbeiten und diese verbessern. Wir versuchen immer ein besseres Niveau zu erreichen, damit man uns auch wie diese behandelt. Wir sind auf dem Weg unseren Weg zu finden. Es ist eine Mischung aus Akustik, Elektronik und der Kraft des BIP vom RAP.“
Lupa erklärt: „HipHop ist ein Wunsch die ganze Zeit stärker werden zu wollen, in den vier Elementen, die aus Graffiti, Rap, Break Dance und dem DJ zusammensetzten.“ „HipHop ist wie eine Philosophie des Lebens, die aus Widerstand, Kraft und Mut besteht und in schwachen Momenten heißt es standhalten“, sagt Medina.
„HipHop ist wie ein wütender Anschlag, der das Leben und seine Umwelt beschreibt. Man kann nicht mehr sagen, dass HipHop Mode ist, denn Mode ist etwas Leeres, ohne Ziel und ohne Inhalt. Und wir geben ihm Inhalt. Es ist alles die vollendete Kenntnis der Straße. Wir sind die Straße“, sagt Lupa.