Nepal

Leben im höchsten Land der Erde

Material- und Linkhinweise zu Nepal
für Unterricht und Bildungsarbeit


Texte und Zusammenstellung: Dr. Friderike Seithel
 

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als RTF-file (88 KB) oder als PDF-file (137 KB). Nepal Karte (PDF, 130 KB)


Allgemeine Länderinformationen

Das Königreich Nepal ist mit gut 147.000 km² etwa halb so groß wie Italien und hat rund 25 Mio. Einwohner. Das kleine Land weist ein einzigartiges Gemisch unterschiedlicher Kulturen, Sprachen und Traditionen auf. Doch die ethnischen Zuordnungen verwischen zunehmend aufgrund vermehrter Migration. Amts- und Unterrichtssprache ist Nepali, das jedoch nur von der Hälfte der Bevölkerung als Muttersprache gesprochen wird. Über die Hälfte der Nepalesen sind Analphabeten. 70 – 90 % der Bewohner sind Hindus, etwa 8-10% Buddhisten und 3-4% Muslime. Die gesellschaftliche Ordnung ist vom brahmanisch beherrschten Kastenwesen bestimmt, welches 70% der Bevölkerung als nicht gleichwertig einstuft. Nepal ist ein Agrarstaat, nur 14% der Bevölkerung leben in Städten - so wenig, wie in kaum einem anderen Land der Erde. Dabei herrscht zwischen der Stadt- und Landbevölkerung eine große Wohlstandskluft.
Nepal ist das durchschnittlich höchstgelegene Land der Welt: gut 40% der Landesfläche sind über 3.000m hoch, hier findet man acht der zehn höchsten Berge der Erde. Vom tropischen Klima der Flachlandgebiete (Terai) bis hin zu den polaren Gipfelregionen des Himalaya trifft man in Nepal auf nahezu alle Klimazonen der Erde. Im Flachland, das für die Landwirtschaft am wertvollsten ist, leben 47% der Bevölkerung; im mittleren Bergland mit Höhen um 3.000m weitere 45%. Die wenig entwickelten Hochgebirgsregionen leben hauptsächlich vom Tourismus. Dieser hat sich aufgrund der besonderen landschaftlichen Schönheiten Nepals zum wichtigsten Wirtschaftszweig entwickelt. Bodenschätze sind dagegen kaum in nennenswertem Maße vorhanden.
Schon Jahrtausende v. Chr. besiedelten unterschiedliche Völker das Kathmandutal, das als Zentrum Nepals gilt. Ab 1200 regierte dort für Jahrhunderte die Dynastie der Malla. Unter ihnen entstand im 14. Jh. erstmals ein hinduistisches in Kasten gegliedertes Königreich, das aber bald wieder in Fürstentümer zerfiel. Mitte des 18. Jh. eroberten die Gurkhas das Kathmandutal, begründeten die Dynastie der Shah, welche bis heute besteht, und legten den Kern für das heutige Nepal. Ein Krieg mit Großbritannien Anfang des 19. Jh. endete für die Nepalesen mit großen Gebietsverlusten. Nepal blieb unabhängig, musste allerdings eine britische Residenz im Land zulassen.
1846 wurde die königliche Familie durch die pro-britische Adelsfamilie Rana entmachtet. Gut 100 Jahre später wurden die Ranas mit Unterstützung Indiens wieder gestürzt, der König kehrte auf den Thron zurück und rief die konstitutionelle Monarchie aus. 1961 wurden alle Parteien verboten und die königlichen Befugnisse in den Folgejahren immer mehr ausgebaut. 1990 zwang ein blutiger Volksaufstand den König, wieder ein Mehrparteiensystem und eine demokratische Verfassung einzuführen. In den 1990er Jahre wird Nepal politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich von der Hindukaste der Brahmanen dominiert. 1996 beginnen maoistische Rebellen einen bewaffneten Kampf für die Abschaffung des hinduistischen Kastensystems. Es kommt zu schnell wechselnden Koalitions- und Minderheitsregierungen. 2001 wird die königliche Familie bei einem Massaker fast ganz ausgelöscht. Im Februar 2005 setzt der heutige König Gyanendra Shah die Regierung ab, ernennt sich zum alleinigen Machthaber und ruft den Ausnahmezustand aus, welcher im April d.J. wieder aufgehoben wird.

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Ausführliche Informationen über Geschichte, Politik, Wirtschaft und Kultur des Landes bieten folgende Internetseiten (für Lehrer/innen und Schüler/innen höherer Klassen):

http://de.wikipedia.org/wiki/Nepal#Naturr.C3.A4umlicher_.C3.9Cberblick
umfangreiche Informationen zu Nepal in der großen Internetenzyklopädie

www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/index_html
offizielle Website der Bundesregierung, Informationen von Geschichte über Sicherheitshinweise bis Außenpolitik und Beziehung zwischen Deutschland und Nepal

www.inwent.org/v-ez/lis/nepal/seite1.htm
umfangreiche Informationen zu Nepal von InWEnt (Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH) mit Links etc.

http://destination-asien.de/nepal/nepal.htm
ausführliche Informationen über Landeskunde, Kultur, Religion, einzelne Gebiete, Tourismus, etc.
www.happy-children-nepal.de/nepal_land_leute/

Überblick über Geographie, Bevölkerung, Stadtteile Kathmandus, Armut in Nepal, Religion

www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Nepal/Welcome.html
einzelne ausführliche Hintergrundberichte und politische Analysen

http://infos.aus-germanien.de/Nepal
ausführliche Informationen zur Geschichte, Bevölkerung, Politik und Wirtschaft des Landes mit weiterführenden Links

www.areion.de/nepalc.html
Basisdaten und Chronik zum Königreich Nepal

www.suedasien.net/laender/nepal/land.htm
grundlegende Länderinformationen und aktuelle Nachrichten

www.datenbank-asien.de/Nepal/
Kurzinformationen zum Land, vor allem aktuelle Reise- und Tourismusmeldungen
www.bilder-aus-nepal.de
Fotos von Alltag, Land und Leuten, allgemeine Informationen

http://cyberschoolbus.un.org/infonation/index.asp
Schulseite der UNO, Kurzinfos zu allen Ländern der Erde mit den wichtigsten Bereichen

www.helles-köpfchen.de
gute Suchmaschine für Kinder und Jugendliche mit vielen Länderinformationen und Links

www.amnesty.de
Länderinformationen über Menschenrechtsverletzungen

www.globaldefence.net/deutsch/asien/nepal/nepal.htm
detaillierte Karte Nepals mit den verschiedenen Zonen und ein kurzer Überblick über die wichtigsten Daten

www.nepalnews.com, www.newslookmag.com und www.nepalresearch.com
umfangreiche wissenschaftliche und politische Informationen sowie aktuelle Tagesnachrichten

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Im Folgenden schlagen wir zur Behandlung von „Nepal" im Unterricht Themenschwerpunkte vor, verweisen auf Materialien und Bezugsquellen und führen ausgewählte Internetseiten auf:

Eine Vielzahl unterschiedlicher und alter Kulturen
bildet in Nepal ein ganz besonderes und einzigartiges ethnisches Mosaik. Deutlich sind die Einflüsse aus Tibet im Norden und Indien im Süden spürbar. Ebenso hat auch Nepal wichtige kulturelle Impulse über seine Grenzen hinaus gegeben. Experten zufolge gibt es schätzungsweise
60-90 verschiedene Ethnien und Sprachen. Man unterscheidet allgemein die (überwiegend indo – arischen) Völker des Flachlandes und die (überwiegend tibeto - burmesischen) Gruppen des Berglandes. Geschichte, Kulturen und Traditionen dieser Völker bestimmen die großen Unterschiede innerhalb des Landes und beeinflussen die politischen und bewaffneten Konflikte zwischen der Königfamilie, den Regierungsparteien und den Maoisten.  

Das Vielvölkergemisch zusammen mit dem Kastenwesen birgt in sich Zündstoff für eine Vielzahl ethnischer und religiöser Konflikte, die in der Vergangenheit gerne mit Verweis auf die nepalische Toleranz beschönigt wurden. Seit den 90er Jahren werden sie jedoch immer spür- und sichtbarer. Im Zuge der Entwicklung größerer Freiheitsrechte und einem besseren Bildungsstand treten vermehrt Klagen und Forderungen benachteiligter Gruppen auf.

Das Sympathie-Magazin „Nepal verstehen“
(Redaktion: Ludmilla Tüting) führt kompakt und umfassend in Land und Kulturen ein und vermittelt fachkundig Informationen jenseits gängiger Reiseführer und Tourismusklischees (www.sympathiemagazin.de € 3,60). Unter http://sherwa.de/publications/verhalten.pdf findet man ein Länderverhaltenspapier der Deutschen Stiftung für internationale Entwicklung über „Verhalten in Nepal“ (1995). Die Zahlen sind z.T. zwar überholt, aber das Papier gibt einen guten Einblick in Kommunikationsformen, Begrüßung, Essen und Trinken u.v.a.m. Kleine Erzählungen, große Mythen und Geschichten aus den entlegenen Regionen des Himalajas, die von nepalesischen Volkskundeforschern gesammelt und aufgeschrieben wurden, hat Kesar Lall in dem Buch „Von Yetis und anderen Kreaturen“ (Eco Himal Publikation,78 Seiten, € 14,30) herausgegeben. Sie sind mit Illustrationen des Nepalesen Rajiv Golay liebevoll auf „nepali paper“ gestaltet.

Unter www.weltinderschule.uni-bremen.de/beisp_1.htm finden sich zwei Unterrichtsbeispiele vom Projekt „Eine Welt in der Schule“ zur Befassung mit Land, Leuten und Kulturen Nepals in der Grund- und Orientierungsstufe. Bei demselben Projekt kann man eine Nepalkiste mit Hintergrundinformationen, Unterrichtsvorschlägen, Bildbänden, Dias, Anschauungsmaterial, CD-Rom, Lernspielen, Rezepten u.v.m. kostenlos ausleihen ( siehe: www.weltinderschule.uni-bremen.de/nepal.htm ). Diese Materialien ermöglichen einen handlungsorientierten Zugang zum Land.

Das vom Hinduismus geprägte Kastensystem
bestimmt weiterhin das gesellschaftliche Leben in Nepal, auch wenn das Kastensystem offiziell 1963 abgeschafft wurde.
Je höher die Kaste, desto hellhäutiger sind meist ihre Mitglieder. Selbst die Anordnung der Häuser in einem Dorf richtet sich nach der jeweiligen Kastenzugehörigkeit. Es gibt vier Hauptkasten mit schätzungsweise 2000-3000 Unterkasten, die jede für sich eine eigene Sitten- und Sozialordnung besitzt. An höchster Stelle stehen die Brahmanen, aus deren Reihen die Priester und Gelehrten hervorgehen. Ihnen folgen die chetri und thakur, zu denen die Adligen, Krieger, Politiker und Beamte zählen. Zu der dritten Gruppe gehören die vaishyas, die Bauern, Handwerker, Händler und Künstler. Die niedrigste Kaste bilden die shudras, die Arbeiter, Handlanger und Dienstboten. Als kastenlos und unrein gelten jene Menschen, die durch ihre Arbeit mit Blut, Schmutz oder Tod in Berührung kommen. Sie unterteilen sich wiederum in verschiedene Berufsgruppen.

Das Sympathie-Magazin „Hinduismus verstehen“ (www.sympathiemagazin.de € 3,60) liefert einen zusammenfassenden Überblick über diese Weltreligion. Das Themenheft „Hinduismus“ bietet sehr gutes Unterrichtsmaterial, z.B. über die Entstehungsgeschichte des Hinduismus, das Kastenwesen, hinduistische Ethik und Praxis (wie Yoga) u. v. m. (Autoren: Kabita Rump, Peter Antes & Manfred Pöpperl, Klett Verlag, Thema Weltreligionen. 2002. ab 14 J. € 9,90).

Frauen
nehmen in Nepal aufgrund der Dominanz der Hindu-Kaste eine untergeordnete Rolle ein. Nur ein Drittel der Frauen kann lesen und schreiben, in ländlichen Gebieten meist noch deutlich weniger. Mädchen werden viel seltener eingeschult und brechen die Schulen viel häufiger ab, weil ihre Familien sie arbeiten schicken oder verheiraten. Zudem fehlt es in abgelegenen Dörfern an Lehrern; auch besuchen viele Mädchen nicht die Schulen, weil Dreiviertel der Lehrer männlich sind oder es an Toiletten fehlt. Die Hälfte aller 15-19jährigen Mädchen ist bereits verheiratet. Da Frauen in dem patriarchalischen System gesundheitlich stark belastet und vernachlässigt werden, liegt ihre Lebenserwartung - im Gegensatz zu den Industrienationen - mehrere Jahre unter der der Männer, die durchschnittlich etwa 50 Jahre alt werden. Nepal hat die höchste Müttersterblichkeit der Welt. 90% der Frauen gebären noch zu Hause; auf 17.000 Patienten kommt ein Arzt.

Unicef unterstützt in Nepal speziell Projekte zur Förderung von Gesundheit und Bildung für Mädchen. Die Faltblätter: „Ich möchte lernen“ (über die 10jährige Basanta aus Nepal) und „Nepal: Bal Shiksha – eine Chance auf Bildung für Mädchen“ verweisen auf die Bedeutung von Bildung (down­load unter: www.unicef.de/mediathek_liste.html?kat=262 ).

Ebenfalls bei Unicef: kann die DVD „Mädchen“ mit zwei Filmen bestellt werden: Der Film „ Ujeli – ein Mädchen in Nepal“ handelt von einem zehnjährigen Mädchen, dessen Eltern und Großmutter beschließen, sie traditionsgemäß früh zu verheiraten. Anschaulich werden alle Benachteiligungen aufgezeigt, die Ujeli ertragen muss, weil sie ein Mädchen ist (45 Minuten, ab 10 Jahre, 1994, 5,- €).

Das Leben der Kinder in Nepal
ist eng verbunden mit dem Schicksal der Frauen, vor allem in den ersten Lebensjahren. Ernährungsprobleme, Hygiene und mangelnde medizinische Betreuung, insbesondere während Schwangerschaft und Geburt, sind die Hauptursachen für die nach wie vor hohe Kindersterblichkeit (die höchste in Asien). Eine weitere Folge ist die hohe Anzahl behinderter Kinder. 41% der Bevölkerung sind 14 Jahre und Jünger.

Auf der CD-ROM „Doma und Dikki - Kinder im Himalaya“ (Weidmann & Biere, München 1997, Bezug: co.Tec GmbH, Traberhofstr. 12, 83026 Rosenheim) stellen Doma, ein 5-jähriger Junge, und Dikki, ein 10-jähriges Mädchen, ihr Leben vor. Begleitet von einer angenehmen Hintergrundmusik führen die Kinder in das Thema ein und stellen Land und Traditionen, Alltagsleben, Religion, Tiere und Pflanzen, Arbeit u.a.m. vor. Die sehr empfehlenswerte CD ermöglicht vielfältige Einblicke in das Leben der Kinder (ausführlicher: www.weltinderschule.uni-bremen.de/pcsoftw.htm#doma, dort auch kostenlose Ausleihe; für Klasse 3-7).

Der Film „Mika, Chula und Karma“ erzählt die Geschichte von drei Kindern aus ganz verschiedenen Ländern: Grönland, Nepal und Kuba. Sie alle verbindet ihre Liebe zum Fußball spielen. Mit Eigenaussagen und stimmungsvollen Bildern kommen die drei Kinder selber zu Worte und regen zu Eigenrecherchen über die jeweiligen Länder an. Der vierzehnjährige Karma aus Nepal ist aus Überzeugung ein buddhistischer Mönch. Sein Tageslauf ist geprägt vom Gebet, Fußball dürfte er eigentlich nicht spielen (26 Min., Kl. 4.-9., Infos, Arbeitshilfe, Ausleihe www.filmeeinewelt.ch/deutsch/pagesnav/KA.htm).

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Kinderarbeit
gehört für viele nepalesische Kinder zum Alltag. Nepal zählt zu den zehn ärmsten Ländern der Erde:
40% der Menschen müssen mit 1 Dollar oder weniger pro Tag auskommen. Viele Familien können deshalb nicht auf die Mitarbeit der Kinder verzichten. Über ein Viertel der Kinder im Alter von 5-14 Jahren (gut 2 Mio. Kinder) gehen einer Arbeit nach. Von früh an müssen sie im Haus und auf dem Hof mithelfen, in fremden Haushalten, in Teppichfabriken und Steinbrüchen arbeiten oder werden an Bordelle verkauft. An Schulbesuch ist nicht zu denken.

Unicef bietet auf seiner Webseite verschiedene Informationen sowie Materialien über die Situation der Kinder in Nepal (www.unicef.de => Stichwortsuche „Nepal“). Hierzu gehören z.B. eine DVD mit Filmen über Kinderarbeit (u.a. auch über Nepal; 5,- €) sowie eine 8-seitige farbige Broschüre (auch als Klassensatz bestellbar) über „Kinderarbeit - die verratene Kindheit“ (Bestellungen unter: www.unicef.de/mediathek_liste.html?kat=260). Auf den unicef - Kinderseiten www.unicef.de/botschafter/kka_denk.html können die Schüler zum Thema Kinderarbeit (z.B. über Teppichknüpfer in Nepal), Straßenkinder und Kinderrechte recherchieren.

In Tanya Roberts-Davis “Kinder Nepals. Die Stimmen der Rugmark-Kinder“ (Blauburg Verlag, Freiburg 2002, € 12,--) erzählen ehemalige „Teppichkinder“, heute zwischen 11 und 15 Jahren alt, über ihr Leben. Die authentischen Aussagen und die ergänzenden Hintergrundinformationen sind z.T. schon für Grundschulkinder verständlich. "Dieses Buch ist eines der bewegendsten und packendsten Bücher über Kinderarbeit (...), ein zauberhaftes Gewebe aus Geschichten und Poesie (...), das uns mit großer emotionaler Kraft die entsetzlichen Lebensgeschichten, aber auch die unerschütterliche Hoffnung und Zuversicht der Rugmark-Kinder eindringlich vor Augen führt. Es ist ein Buch für alle!“ (ehemaliger Unicef-Vizedirektor). Weitere Informationen über die internationale Kampagne gegen illegale Kinderarbeit in der Teppichindustrie unter: www.rugmark.de .

Wer sich ausführlicher mit dem Thema „Kinderarbeit“ befassen will, sei auf Manfred Liebel/ Bernd Overwien/ Albert Recknagel (Hrsg.) „Arbeitende Kinder stärken. Plädoyers für einen subjektorientierten Umgang mit Kinderarbeit“ verwiesen (IKO – Verlag für Interkulturelle Kommunikation, Frankfurt/Main 1998). Bei www.tdh/kinderseiten/globales_lernen gibt’s Unterrichtsbögen zum Thema Kinderrechte und Kinderarbeit als download und/oder kostenlos zum bestellen. Auf der Webseite der Kinderkulturkarawane gibt s weitere umfangreiche Material- und Unterrichtshinweise zum Thema Kinderarbeit (www.kinderkulturkarawane.de). 

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Mädchenhandel und Prostitution
blühen in Nepal wie kaum anderswo. Jährlich werden schätzungsweise 10 000 Minderjährige und junge Frauen an indische Bordelle verkauft. Das bringt der Familie einen Geldbetrag in Höhe eines Jahreseinkommens. Solange die Frau arbeitsfähig ist, zahlt das Bordell alle zwei, drei Jahre eine Summe in ähnlicher Höhe an die Familie, deren Überleben entscheidend von diesen Einkünften abhängt. Das Sexgewerbe ist Jahrhunderte alt und wohl etabliert. Insider schätzen, dass sich Nepal im Hinblick auf den internationalen Sextourismus zu einem zweiten Thailand entwickeln wird. Nach Aussage nepalesischer Sexarbeiterinnen kann ihnen nichts Besseres passieren, als einen europäischen oder amerikanischen Kunden zu finden. Nicht nur, dass er besser zahlt – im Unterschied zum männlichen Nepali behandelt er sie „als Menschen“. Girl trafficking, Mädchenhandel, ist in Nepal ein in Politik und Medien ausgemacht populäres Thema und löst viele gutgemeinte Initiativen aus. Doch welche Alternativen haben die Frauen in dem patriarchalischen Land? Damit befasst sich das Schweizer Projekt „Patenschaft Nepal PATNEP“ (www.aid.ch/projects_e.html).

Unter www.tdh.de/content/themen/laenderinformationen/nepal/kinderhandel-nepal.htm steht ein Beitrag über „Nepalesische Mädchen für den asiatischen Markt“. Weitere Informationen zum Thema bietet die Webseite der Kinderkulturkarawane unter www.kinderkulturkarawane.de/2005/maitinepal/index.htm . Beispielhaft für Tausende Schicksale berichten in „Prostitution. Verkaufte Kinder in Asien“ ein Mädchen und ein Jungen aus Bangkok. Ihre Geschichten werden ergänzt durch Informationen über Thailand u.a. Länder, wo die sexuelle Ausbeutung von Kindern verbreitet ist (Autor: Franck Pavloff; Sachbuch / Erzählung, ab 14 Jahre. München Elefanten Press, Edition: Ich klage an, 2000, 8,- €).

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Der Bürgerkrieg
wurde 1996 von einer maoistischen Abspaltung der kommunistischen Partei Nepals  mit dem Ziel begonnen, das etablierte System zu stürzen und einen kommunistischen Staat zu errichten. Polizei, Armee und Aufständische gehen grausam und unbarmherzig gegeneinander vor. Unter dem bewaffneten Konflikt leidet vor allem die Zivilbevölkerung, insbesondere auf dem Lande. Aber die Maoisten scheinen auch einen großen Rückhalt in der Bevölkerung zu finden und stellen zwischenzeitlich einen entscheidenden Machtfaktor im Land dar. Ende 2002 beherrschten sie 55 der 75 Distrikte Nepals. Unterstützung aus dem Ausland gibt es für sie kaum. In ihren Rängen kämpfen viele Frauen - die Führungsebene der maoistischen Partei besteht vorwiegend aus Brahmanen. Bei dem Guerillakrieg kamen bisher insgesamt mehr als 9.000 Menschen ums Leben. Zwei Drittel der Toten gehen auf das Konto von Armee und Polizei. Die Kämpfe haben seit dem Scheitern der Friedensgespräche und dem Ende des Waffenstillstands (2001 / 2003) wieder zugenommen, es hat wieder mehrere Hundert Tote gegeben. Seit August 2004 haben die Maoisten mehrfach sogar die Hauptstadt für einige Tage völlig von der Außenwelt abgeschnitten oder wichtige Überlandverbindungen unterbrochen.


Die Schweizer Webseite www.raonline.ch/rao_promonp2.html bietet Hintergrundinformationen über den Bürgerkrieg (englisch). Unter www.zeit.de/2004/09/Nepal informiert ein ZEIT - Artikel ( vom Febr. 2004) über den Hintergrund der maoistischen Rebellen. Bei www.suedasien.net/themen/schwerpunkt0401_wsf/dalits_nepal.htm findet man einen Beitrag über „Die Unberührbaren von Nepal“ und die maoitischen Rebellen. Über die Situation der Kinder in diesem Bürgerkrieg informiert amnesty international unter http://web.amnesty.org/pages/npl-260705-action-eng (englisch).
Zum Thema „Kinder im Krieg“ allgemein bieten vor allem Unicef ( www.unicef.de ) und terre des hommes ( www.tdh.de ) Extrawebseiten mit vielen Materialhinweisen, Buch- und Unterrichtsempfehlungen, Informationen und Tipps für Lehrern. Sehr empfehlenswert ist auch der Medienkoffer „Krieg ist kein Kinder-Spiel: Kinder im Krieg“ mit Unterrichtsmaterial und einer Handreichung zum Thema Krieg und Gewalt. Er enthält außerdem Bücher und Video-Filme zu einzelnen Unterrichtsbausteinen sowie eine Ausstel-lung mit 20 Kinderzeichnungen aus Krisen- und Kriegsgebieten auf der ganzen Welt (für die Kl. 7 – 13; für 10,- € / Woche zzgl. Versandkosten ausleihbar bei:
Open School 21; info@openschool21.de , T.: 040 – 39807690, www.openschool21.de  ).

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Was man tun kann,
wollen Schüler/innen häufig wissen, wenn sie von der Lage der Menschen in anderen Ländern erfahren. Globales Lernen sollte stets auch Wege aufzeigen, aktiv zu werden. Eine Möglichkeit ist, bestehende Hilfsprojekte und humanitäre Organisationen durch Spenden und Mitarbeit zu unterstützen. Zum Spendensammeln gibt es unzählige kreative Möglichkeiten für Schüler/innen und ganze Schulen. Gerade für und in Nepal engagieren sich zahlreiche (inter)nationale Hilfsorganisationen und lokale Nicht-Regierungsorganisationen. Vor allem die Schweiz, Deutschland und Österreich unterstützen seit Jahren Projekte zur Agrarentwicklung, Wasserversorgung, Straßenbau, Alphabetisierung u.a. in Nepal. Nepalesische Kritiker warnen bereits dringlich vor der wachsenden Abhängigkeit ihres Landes von externer Hilfe. Auf den folgenden Webseiten kann man sich über Hilfsprojekte und Unterstützungsmöglichkeiten für Nepal informieren:


www.unicef.de
diverse Hilfsprojekte für Kinder, speziell auch für Mädchen

www.kraml.net/little-smiles/de/projects.html
eine international gemischte Gruppe von Personen bietet Hilfe für Kinder in Nepal (Schulbau, Straßenkinder)

www.nagnepal.org/
Straßenkinderhilfswerk in Kathmandu

www.raonline.ch/pages/edu/dev/npdev01.html
(englisch) beschreibt unterschiedliche Schweizer Entwicklungsprojekte

www.bono-direkthilfe.org/pro_matrigriha01.html
dieser Verein aus Bergisch-Gladbach unterstützt eine kleine nepalesische NGO, die sich um Waisenkinder kümmert

www.wir-helfen-nepal.de
der kleine Verein vermittelt Kinderpatenschaften

www.sherpafonds.de
unterstützt die Schulausbildung von Kindern in Nepal und vermittelt ebenfalls Kinderpatenschaften

www.nedeg.de 
die Nepali Deutsche Gesellschaft e.V. (NEDEG) unterstützt verschiedene Hilfsprojekte

www.ecohimal.org
die Gesellschaft für ökologische Zusammenarbeit Alpen - Himalaya unterstützt vor allem Entwicklungsprojekte in den Bereichen Umwelt und Landwirtschaft

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Spenden ist nicht alles,
denn Menschen in Kriegs- und Hungerregionen sind nicht aus eigener Schuld in Not geraten. Sie brauchen keine Almosen, die nur ihre Abhängigkeit vom „Spendentropf" fördern, sondern kurzfristige praktische Unterstützung, um ihr Leben aus eigener Kraft neu zu organisieren oder um überhaupt zu überleben. Denn abgesehen von Naturkatastrophen wie Seebeben oder Dürre sind vor allem (inter-)nationale politische Machtbestrebungen, wirtschaftliche Interessen und Abhängigkeiten, Verteilungskämpfe um Ressourcen, Misswirtschaft und Korruption verantwortlich für Armut und Hunger. Zusätzlich zur konkreten Projektunterstützung muss deshalb ein umfassenderes Verständnis weltpolitischer Zusammenhänge und globaler Prozesse entwickelt werden. Dieses politische Bewusstsein gilt es, auch bei Schüler/innen anzuregen und ihnen Umsetzungsmöglichkeiten im Alltag und innerhalb der eigenen Gesellschaft zu zeigen, z.B. in Form von politischem oder sozialem Engagement, als Konsument oder durch Einwirkung auf Entscheidungsträger/innen.

Zum Umgang mit humanitären Katastrophen und „Dritte Welt" empfehlen wir:
Welthaus Bielefeld u.a.: „Aus Katastrophen lernen? Globales Lernen nach der Seebebenkatastrophe." 2005. Unterrichtsmaterialien für Sek. I/II. Das Heft befasst sich mit unserer Wahrnehmung der "Dritten Welt" als Katastrophenort, analysiert die Bedeutung der Armut und fragt nach den Chancen eines neuen Bewusstsein für die "Eine Welt"; mit Sachanalysen, didaktischen Vorschlägen und 12 Schülerarbeitsblättern; Preis: 4.- € plus Versand (Bezug: Welthaus Bielefeld, August-Bebel-Str. 62, 33602 Bielefeld; Fax: 0521/63789, Fon: 0521/986480, Email:
info@welthaus.de).

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Ideenpool:

Anregungen für thematische Einstiege, Aktionen und Projekte im Unterricht

  • Informationen, Vorwissen, Assoziationen zum Land abfragen, z.B. durch Brainstorming / Brainwriting, MindMap, Kartenabfrage, assoziatives Schreiben: Welches Bild habe ich von Nepal im Kopf?

  • Fotos, Bücher, Filme als Gesprächsanlässe auswählen und darüber sprechen (mit und ohne Vorinformationen)

  • Arbeit mit der Nepalkiste vom Projekt „Eine Welt in der Schule“

  • Einladung von Mitgliedern eines nepalesischen Kulturvereins oder einer Flüchtlingshilfeorganisation; gemeinsames Essen, Lesung oder/und Diskussion

  • Projekt: „Kinderarbeit in der Teppichindustrie“ durchführen

  • Besuch im Völkerkundemuseum (Kultur und Kolonialgeschichte des Landes)

  • Schüler/innen recherchieren und erstellen Wandzeitungen, Fotocollagen, Ausstellungen o.ä. zum Land oder ausgewählten Themen; Vergleiche mit Alltag der Jugendlichen in Deutschland anstellen. Jede Menge Zahlen für Ländervergleiche bietet www.welt-in-zahlen.de

  • Radiosendung oder Zeitungsartikel (z.B. für Schulzeitung) verfassen

  • Projekte von Hilfsorganisationen untersuchen, präsentieren, vergleichen und ggf. Unterstützungsaktionen organisieren oder mitarbeiten

  • Schul-, Kinder-, Projektpaten- und -partnerschaften suchen und aufbauen

Weiterführende Links zum Globalem Lernen:

www.globlern21.de Internetportal zum Globalen Lernen mit vielfältigen Verweisen
www.eine-welt-netz.de Eine Welt im Internet – Einstiegsseite zum Globalen Lernen
www.globales-lernen.de: Webseite vom Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung
www.eine-welt-unterrichtsmaterialien.de Datenbank mit Unterrichtsmaterialien zum Bestellen
www.weltinderschule.uni-bremen.de umfangreiche Unterrichtsmaterialien, kostenlose Ausleihe, Anregungen für Eine –Welt – Themen im Unterricht vom Projekt „Eine Welt in der Schule", Uni. Bremen
www.learn-line.nrw.de vom NRW - Landesinstitut für Schule mit Recherchemöglichkeit
www.baobab.at österreich. Website mit Literatur, didaktischen Tipps, Praxisbeispielen

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Stand: September  2005