ARGENTINIEN - Informationen zum Land

Geschichte

Die frühesten Nachrichten über Argentinien stammen aus dem Jahre 1515, als der Spanier Juan Díaz de Solís die Mündung des Rio de la Plata erreichte. Der vermutete Silberreichtum gab dem Land seinen Namen. Von der Küste aus eroberten die Spanier gegen den Widerstand der hier lebenden Indianer allmählich das Hinterland. Seit Anfang des 17. Jahrhunderts gehörte das heutige Gebiet Argentiniens zum Vizekönigreich Perú und wurde 1776 mit den anderen Gebieten am Rio de la Plata zu einem eigenen Vizekönigtum zusammengefasst.

Die Sonderstellung Argentiniens im lateinamerikanischen Kontext ist nur unter Rückgriff auf seine Kolonialgeschichte erklärbar. Das heutige Argentinien gehörte von 1535 bis zur Unabhängigkeit 1810/1816 zum spanischen Kolonialreich, zuerst als Teil des Vizekönigreichs Perú (1549), dann, seit 1776, als eigenständiges Vizekönigreich "Río de la Plata". Damit erlangte das heutige Argentinien im spanischen Kolonialverband erst relativ spät eine größere politische und wirtschaftliche Bedeutung und unterscheidet sich dementsprechend in seiner Wirtschafts- und Sozialstruktur wesentlich von den anderen Staaten.

Während die übrigen Kolonien, vor allem das heutige Mexiko, Bolivien und Perú, wegen ihrer reichen Bodenschätze und eines ausbeutbaren indianischen Arbeitskräftereservoirs für die spanische Krone sehr attraktiv waren, fehlten Argentinien hingegen diese Ressourcen.

Aufgrund der Schwäche des spanischen Gewerbes und der Industrie, welche die Versorgung der Kolonien mit Fertigwaren nicht gewährleisten konnten, drang das wirtschaftlich/industriell überlegene England schon in der Endphase der spanischen Kolonialherrschaft in die kolonialen Märkte ein. Im Vizekönigreich Rio de la Plata waren es vor allem die Großgrundbesitzer des Nordostens und die Kaufleute am Hafen von Buenos Aires, die offen mit den Engländern paktierten. Beiden Gruppen gelang es, aufgrund ihrer wirtschaftlichen und politischen Stärke das Zentrum der innerkolonialen Macht von den nördlichen und inneren Provinzen an die Atlantikküste und nach Buenos Aires zu verlagern. Infolge dieser Konstellation wurden sie die führende Kraft innerhalb der Unabhängigkeitsbewegung.

Seit 1804 befand sich Spanien im Krieg mit England. Diese günstige Situation veranlasste den Kommandeur Sir Home Pophan im Juni 1806 auf eigene Verantwortung Buenos Aires zu überfallen. Er wurde allerdings am 12. August 1806 von den "Criollos" vernichtend geschlagen. Buenos Aires zählte damals ca. 45 000 Einwohner und hatte lediglich eine unerfahrene Miliz von 8000 Mann. Auch die neue englische Interventionsarmee unter dem Kommando von Generalleutnant John Whitelocke wurde besiegt. Dieser zweifache Erfolg gegen die als militärisch überlegen geltenden Engländer bestärkte die Bevölkerung von Buenos Aires, sich nun auch gegen die Spanier zu erheben, die durch die Besetzung Spaniens durch Napoleon 1810 von ihrem Mutterland abgeschnitten waren. Am 25. Mai 1810 wurde der spanische Vizekönig von einer Junta abgesetzt. Diese bildete eine autonome Regierung, allerdings ohne Beteiligung von Vertretern des Landesinnern. Die Versuche einer Rückeroberung scheiterten. Jose de San Martin, seit 1815 Gouverneur der Provinz Cuyo, baute eine schlagkräftige Armee auf. Diese sicherte die endgültige Unabhängigkeit und half auch, die Nachbarländer Chile und Bolivien von der spanischen Herrschaft zu befreien.

Am 9. Juli 1816 erklärte der Kongress von Tucumán formell die Unabhängigkeit der "Vereinigten Provinzen des Río de la Plata"; . Im Streit um die zukünftige Staatsform zwischen den "unitarios" (progressiv-liberale Kaufleute der Hauptstadt) und den "Föderalisten"; (konservative Großgrundbesitzer) setzten sich schließlich die Föderalisten 1825 durch. Ihr Anführer, Juan Manuel de Rosas, beseitigte die "Caudillos" der Provinzen und errichtete ab 1835, unumschränkt herrschend, den argentinischen Einheitsstaat. Nach seinem Sturz (1852) gab sich Argentinien 1853 eine Verfassung. Die Bürgerkriege, Revolten und Sezessionen fanden aber erst 1880 ein Ende. Argentinien wurde endgültig ein Bundesstaat.

Mit dem Beitritt von Buenos Aires zu dem von der Verfassung 1853 geschaffenen "Federación Argentina" (Argentinischer Bund) im Jahre 1859 ging das politische Gewicht im Lande auf die "porteños", die Einwohner von Buenos Aires über. Mit der Wahl ihres Kandidaten, General Bartolome Mitre, zum Präsidenten (1862) hatten sich schließlich die "Unitarier" durchgesetzt. Die Entwicklung des modernen Argentiniens begann mit einem steilen wirtschaftlichen Aufschwung, Förderung der europäischen Einwanderung, Erstellung neuer Bildungsprogramme (Präsident Faustino Sarmiento) und einer Reform der (Stadt)Verwaltung. 1882 wurde die Stadtgemeinde Buenos Aires von der gleichlautenden Provinz getrennt und zur Hauptstadt erhoben. In der Stadt und Provinz Buenos Aires lebten damals ca. 50% der Gesamtbevölkerung von knapp 4 Mio. (1895).

Mit den europäischen Einwanderern kam aber auch deren politisches Gedankengut in das Land. Ideen des Sozialismus, Syndikalismus und Anarchismus fanden Anhänger. Aus dieser Auseinandersetzung ging die erste politische Massenpartei, die "Unión Cívica" (Bürgerunion) hervor, aus der später die "Union Cívica Radical" (Radikale Bürgerunion) entstanden ist. Sie trug entscheidend dazu bei, dass 1912 das freie, geheime, gleiche und allgemeine Wahlrecht eingeführt wurde.

Im Ersten Weltkrieg führte Argentinien eine entschlossene Neutralitätspolitik, die es in die Lage versetzte, riesige Mengen an Versorgungsmaterial zu liefern und so große Devisenreserven anzuhäufen. Den wirtschaftlichen Aufschwung verstärkte zudem eine protektionistische Schutzzollpolitik. Die Folgen der Weltwirtschaftskrise von 1929/30, die Zunahme von Korruption und Unfähigkeit der politischen Führung führten zum Militärputsch von 1930. Damit war die 15-jährige Regierungszeit der "Radikalen" beendet. Zu den Organisatoren dieses Putsches zählte auch ein Hauptmann namens Juan Domingo Perón.

Im ausbrechenden Zweiten Weltkrieg nahm Argentinien wiederum seine traditionelle Neutralitätspolitik ein und unterbrach - trotz massiven Drucks der USA und Großbritanniens - seine Beziehungen mit den Achsenmächten bis zum Januar 1944 nicht. Der Handel mit Großbritannien ging in dieser Phase dramatisch zurück und die USA profilierte sich als neue wirtschaftliche Hegemonialmacht. Mitten im Krieg stiegen wieder die Lebenshaltungskosten und die Arbeitslosigkeit, und das Stadtproletariat begann zu reagieren.

Am 4. Juni 1943 übernahm das Militär durch einen Staatsstreich erneut die Regierungsgewalt. Innerhalb der "Gruppe Vereinigter Offiziere" befand sich wiederum Juan Domingo Perón. Er übernahm in der neuen Regierung das Sekretariat für Arbeit und Sozialfürsorge, womit er über eine ideale Plattform für seine populistischen Aktionen verfügte. Am 24. Februar 1946 gewann Perón die Wahlen mit 52,4% der abgegebenen Stimmen. Seine als Peronismus oder "Justicialismo" bezeichnete Politik des "dritten Weges" -zwischen dem Kapitalismus und Kommunismus - stand unter dem Motto: "Politische Souveränität, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Unabhängigkeit". Sein Charisma und das seiner Frau Eva ("Evita", gestorben 1952), machten den Peronismus zur ersten populistischen Massen-Partei. Durch eine Verfassungsreform (1949) schuf Perón die Möglichkeit seiner Wiederwahl. Im Jahre 1951 mit 68% der Stimmen wieder gewählt, festigte er seinen "Justicialismo". Mit den Jahren versiegten die finanziellen Mittel zur Finanzierung seiner ambitionierten Sozialreformen. Im September 1955 wurde er vom Militär gestürzt und ging ins Exil nach Madrid.

Nach wechselnden Staatsführungen zwischen Militär- und gewählten Regierungen, wobei die letzteren in keinem Fall ihre Legislaturperiode vollendeten, kehrte im November 1972 Perón aus seinem Madrider Exil nach Argentinien zurück. In den Wahlen vom September 1973 erreichte das Ehepaar Perón 62% der Stimmen und übernahm wieder das Präsidentenamt. Die neuen sozialen und wirtschaftlichen Probleme konnte es aber mit den alten Rezepten nicht lösen.

Am 24. März 1976 putschte das Militär erneut; Im Gegensatz zu früheren Militärregierungen lag die Macht jetzt bei einer Dreier-Junta (gebildet aus den Oberbefehlshabern von Armee, Marine und Luftwaffe), die aus ihrer Mitte den Präsidenten ernannten.

Am 30. Oktober 1983 wurde Raul Alfonsin, Kandidat der Radikalen, mit 52% der Stimmen zum Präsidenten gewählt. Dieses Wahlergebnis kann ohne Übertreibung als eine "historische Wende" angesehen werden, erhielt doch der peronistische Kandidat, Italo Luder, nur 40% der Stimmen. Alfonsin ließ sofort wieder die politischen Parteien und Gewerkschaften zu und restaurierte die verfassungsmäßige Ordnung.

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