Die Musik- und Tanzgruppe Big Mama Laboratorio aus Buenos Aires besuchte zur 15. KinderKulturKarawane die Hansestadt Hamburg, um mit ihrer Produktion TODO TERRENOS Auftritte und Workshops zu geben. In der Gretel-Bergmann-Schule und in der Heinrich-Hertz-Schule begleitete ich die Gruppe, um sie, ihre Arbeit und die Botschaft, die sie in sich tragen, kennen zu lernen. Juliana, Mitglied der Gruppe, hat mir einige Fragen beantwortet.

Erzähl mir etwas über das Projekt Big Mama Laboratorio!

Wenn du mich danach fragst, wie es sich anfühlt in der Gruppe Big Mama Laboratorio zu sein, ist das Gefühl Leidenschaft. Es ist nicht nur Lust zu Tanzen. Es ist eine Leidenschaft für den Tanz. Es ist Liebe zum Tanzen; nicht auf einer Bühne stehen, sondern mit einem Publikum zu tanzen, dass sie mit mir tanzen und teilnehmen. […] Und es ist eine Zusammengehörigkeit von allem, dass wir alle diese Leidenschaft zum tanzen und bewegen fühlen, die Musik zu hören, den Rhythmus zu hören. […] Es bedeutet eine Botschaft von Gleichheit. Nicht, dass wir alle dasselbe besitzen und dass wir alle gleich sind. Eigentlich, sind wir nicht gleich, wir sind ganz unterschiedlich. Es gibt nicht zwei Personen mit der gleichen DNA. Trotzdem haben wir alle, die Möglichkeit auf einer gleichen Ebene Dinge zu tun. Egal, woher du kommst, du hast die gleiche Möglichkeit, wie jemand aus der anderen „Spitze“ der Welt. Es ist viel, was ich dir über Big Mama Laboratorio sagen kann. […] Es bedeutet viel für mich. Es bedeutet ein Traum von jemandem; es ist der Traum von Laura. Er bedeutet viel.  

Was ist das Wichtigste, was Du den Kindern und Jugendlichen mitgeben möchtest?

Den Schülern? Ihnen beibringen sich nicht zu schämen. Die letzten Jahre wurde viel über Mobbing, Schamgefühl und Schüchternheit diskutiert und auch, dass jemand zu dir kommen kann und dir sagen, dass du nicht gut genug bist oder dich ignoriert. Hinterlass die Nachricht “Das ist nicht von Bedeutung. Wenn du etwas tun willst und du es wirklich fühlst, und du es mit all deinem Herzen und guten Intentionen machst, wirst du e stun können. Am Anfang wird es schwer sein, aber du wirst es tun können und du brauchst keine Angst zu haben. Wir haben viele Mädchen getroffen, die Übergewicht gehabt haben könnten und sie wollten nicht tanzen, weil sie sagten “Nein. Das sieht an dir gut aus, aber nicht an mir”. So ist es nicht, wenn du dich damit okay fühlst, wenn du es magst, wird es gut aussehen. Und wem immer es nicht gefällt, kann wo anders hinsehen. Weil du nicht auf dieser Welt bist um den Rest der Menschen glücklich zu machen. Du bist auf dieser Welt um dich selbst glücklich zu machen, glücklich zu sein. Für mich ist die wichtigste Botschaft diese, dass es egal ist und du nicht beschämt sein musst, wenn du Lust hast, zu tanzen oder zu singen oder ein Gedicht zu schreiben oder ein Buch. Du musst keine Scham fühlen. “Was warden andere über mich sagen?”, “Was, wenn ich es nicht richtig mache?”, “Was ist, wenn sie über mich lachen?” Wenn du nie Fehler machst, wirst du nicht wissen, ob du es richtig machst, weil du dich nie korrigieren konntest. Für mich persönlich ist das, das Wichtigste, was wir ihnen beibringen können.

Welche Erfahrungen hast du mit Land und Leuten gemacht, welche du während der Tour kennen gelernt hast?

Alles. Wir haben gute und schlechte Erfahrungen gehabt. [...} Gute Erfahrungen waren in Wien. Bei der ersten Show in Wien haben die Leute applaudiert und sind dabei aufgestanden. Manchen von ihnen sind die Tränen gekommen. Danach auch bei dem Workshop in Wien. Die Jungen und die Mädchen, alle waren in den Workshops, die Leute waren offen dafür zu tanzen. Daraufhin haben wir mit dem Workshop aufgehört einer der Jungen von Big Mama Laboratorio, einer von uns, hat zu den Kindern gesagt, ihr sollt eure Träume erfüllen! Danach haben wir ihnen noch ein paar Tanzschritte gezeigt und haben mit ihnen getanzt. Als wir in Langenlois mit dem Workshop fertig waren, hat sich eine große Runde formiert, ein großer Kreis. Ein Lied von Big Mama Laboratorio hat angefangen, "Bailar hasta el fin del mundo", weil die Musikanlage noch an war. Und all die Kinder und Jugendlichen haben zusammen getanzt, den selben Tanzschritt. Wir sind in die Runde gegangen und wir haben alle zusammen den selben Tanz getanzt. Wir haben Spaß gehabt. Und auch in Schulen, in denen die Kinder für uns gesungen haben und Fotos gemacht haben, gefragt haben, wie wir das geschafft haben. Wir haben schlechte wie auch wunderschöne, gute Erfahrungen gemacht, wie zum Beispiel spontan einen großen Kreis mit allen Kindern/Jugendlichen zu machen und dass sie unsere Botschaft verstehen, dass das Wichtigste vom Glück tanzen ist. Und das alle zusammen tanzen, war unglaublich. Das war wirklich schön.

Was ist deine größte Herausforderung im Moment?

Ich glaube, dass meine größte Herausforderung mein größtes Ziel ist. Und das wird mein Traum. Das wird einfach glücklich sein sein. Auch wenn jemand sagt dein Traum ist nur glücklich sein? gibt es andere Leute die träumen davon, nach New York zu gehen, um Hollywood Star zu werden. Und das ist ziemlich schwer. Glücklich sein ist auch schwer. Weil man die ganze Zeit Entscheidungen treffen muss, deshalb glaube ich ist meine größte Herausforderung die, glücklich zu sein. Und glücklich zu bleiben. Sich nicht nur mit einer schlechten Sache aufgeben- nein sagen “ich kann weiter gehen” – im Leben, allgemein. Zu sagen okay, es ist wie es ist. Dieser Workshop ist sehr schlecht verlaufen, der Workshop wird besser sein und auch die Performance von morgen wird gut sein. Es ist - immer ein Lachen im Gesicht zu haben in schlechten Zeiten. Für mich ist es das, weil man kann dir zeigen, dass es einfach ist glücklich zu sein. Denn im Leben gibt es immer Rückschläge. Das Ding ist, wie man diese Krisen entgegen nimmt, ohne sich zu deprimieren, aber in einer Weise zu wachsen.

Was war der glücklichste Moment in deinem Leben?

Mein glücklichster Moment? Vielleicht habe ich in diesen Momenten nicht gefühlt, dass es ein glücklicher Moment war. Und jetzt wenn ich zurück schaue, dann kann ich wissen, dass dieser Moment ein sehr glücklicher Moment war. [...] Ich erinnere mich, wir waren mit dem Flugzeug in München, meine Mama hat mir eine Facebooknachricht gesendet, die sagte. "Ich habe es nicht in diesem Moment gesagt, das ist ein Thema, bei dem ich nicht möchte, dass du weinst." Sie wollte mir sagen, dass sie stolz auf mich war und darauf, wie viel ich gekämpft habe und ich habe keine Angst gehabt, für 3 Monate so weit von zu Hause weg zu sein. Und sie hat mir gezeigt wie stolz und glücklich sie für mich war. [...] Ich werde dich sehr vermissen, wenn du solange von zu Hause weg bist, aber ich freue mich, dass du so stark gekämpft hast, in der Schule, im Tanzen [...].

Meine letzte Frage: Was bedeutet die KinderKulturKarawane für dich?

Sie bededeutet eine gigantische Möglichkeit. Für alle, die in irgendeiner Form daran teilnehmen. Für den Reisenden ist es eine Möglichkeit um ein Artist zu werden, um neue Kulturen und andersartige Dinge kennenzulernen. Die Möglichkeit und Freiheit etwas zu sagen, was du sagen willst und dass diese Worte weiter getragen werden. Für die, die die Show sehen oder an den Workshops teilnehmen, ist es eine Möglichkeit noch mehr zu lernen – etwas anderes. Wir sind hier (zeigt mit der Hand vor sich) und Europa da. Sehr verschieden in vielen Dingen. Wir haben viele Leute, die aus Italien, Spanien gekommen sind, auch aus Deutschland. Es ist sehr anders. Es ist eine Möglichkeit dich und deinen Kopf zu öffnen und den Rest der Dinge zu sehen, die in der Welt passieren, abgesehen deinem Zuhause, deinem Viertel, deinem Computer, deiner Schule, deiner Arbeit, [..] Im Größeren zu denken. An andere Möglichkeiten zu denken. […] Über etwas anderes nach zu denken, aber von einer anderen Perspektive. Denn wenn du wieder nach Hause kommst bist du nicht die selbe Person wie davor, weil die Dinge dich anders formen. Du hast etwas gesehen und geliebt, in einer anderen Form. […] Es ist eine große Möglichkeit, dich weiter zu bilden/entwickeln. Es kann Tanz sein, es kann Gesang sein, und als Person, weil du mit anderen Menschen zusammenleben musst. Wenn du reist oder jemanden besuchst /bei jemanden zu Besuch bist, musst du lernen andere zu unterstützen und hilfsbereit zu sein. Du hast viel zu tun, aber wenn jemand zu Besuch kommt, musst du innehalten und helfen. Weil vielleicht können sie nicht allein in die Stadt gehen, vielleicht können sie die Sprache nicht. Für mich ist es das, als Person zu wachsen, toleranter zu werden, rücksichtsvoller zu werden. [...] Die KinderKulturKarane bedeutet das: gigantische und enorme Möglichkeiten.

Danke schön!

Ich danke dir!

Interview, Dokumentation & Photographie Viktoria Schmid

 

 

 

 

 

 

Gesichter der KinderKulturKarawane:
Big Mama Laboratorio


Projekt: Viktoria Schmid

 

 







Was sind deine Pläne für die Zeit nach der Rückkehr in die Heimat?

Ich bin noch in der "secundaria" (auf dem Gymnasium)meinem Alter entsprechend. Ich bin im letzten Jahr. Wenn ich zurück gehe, mach ich weiter mit der Schule [...] Dann muss ich das alles wieder aufnehmen, die Schule, zurück kommen zu meinen täglichen Aktivitäten, in meinem Haus, ich bin eine Pfadfänderin, Kinder animieren, Auch sind wir wie Erzieher, deshalb müssen wir all diese Dinge wieder aufnehmen, mit der Routine, andere Theaterklassen die ich besuchen, das ist es, wenn ich zurückkomme, alles wieder aufnehmen.

Was war der traurigste Moment in deinem Leben?

Der traurigste Moment in meinem Leben? Oohh.. Ich habe viele traurige Momente gehabt, viele sehr starke. Die meisten handeln von meinem Vater. Jetzt..Jetzt ist er eine gute Person. Lange Zeit vorher, hat er nicht gesehen, dass er mich und meinen Bruder sehr verletzt hat.