Die Musik- und Tanzgruppe Big Mama Laboratorio aus Buenos Aires besuchte zur 15. KinderKulturKarawane die Hansestadt Hamburg, um mit ihrer Produktion TODO TERRENOS Auftritte und Workshops zu geben. In der Gretel-Bergmann-Schule und in der Heinrich-Hertz-Schule begleitete ich die Gruppe, um sie, ihre Arbeit und die Botschaft, die sie in sich tragen, kennen zu lernen.

Laura Zapata, Tänzerin, Sängerin, Regisseurin, Choreografin und Gründerin der Gruppe, hat mir einige Fragen beantwortet.

Erzähl mir etwas über das Projekt Big Mama Laboratorio!

Big Mama Laboratorio ist keine Tanzgruppe, keine Musikgruppe. Es ist eine kulturelle Bewegung in der sich Tanz und Musikelemente verschmischen. Wir probieren einfach aus, im Moment ist es Hip Hop und lateinamerikanische Musik, das kennen wir schon. Ich denke dadurch, dass wir noch mehr Orte auf dieser Welt kennen lernen, werden wir auch andere Dinge und andere Musik machen. Je mehr wir kennen lernen, desto mehr werden wir ausprobieren. Wir versuchen immer unterschiedliche Dinge zu mischen. Dasselbe beim Tanzen. Hier sind wir 8 Leute, aber in Buenos Aires sind wir 20 Mitglieder. Eine offene Gruppe, die sich ständig verändert und transformiert. Das hängt von der Situation von jedem einzelnen von uns ab. Jeder der einzelnen Tänzer hat sein oder ihr eigenes Leben und das verändert sich. Wir sind nicht nur eine kulturelle, sondern auch eine soziale Gruppe. Wir sind sehr daran interessiert bestimmte Themen anzusprechen, die von Bewusstsein und Liebe handeln. Nicht die Liebe eines Paares sondern die universelle Liebe, welche so glauben wir, alles bewegt. Darum ist das, was wir tun auch auf einer Art politischen Ebene. Konzepte mischen, Vielfalt in einem.

Was ist euch bezüglich der Workshops am wichtigsten? 

Das Wichtigste hier ist das Tanzen. Viele glauben, dass sie nicht tanzen können. Aber wenn man sich bewegen kann, dann kann man auch tanzen. Selbst wenn dir ein Arm oder ein anderes Gliedmaß fehlt, dein Blut fließt und dein Körper tanzt ständig. Darum sagen wir, Tanz ist Bewegung. Wir wollen Taboos beseitigen über das “nicht dazu fähig sein" zu tanzen, wenn wir es in Wirklichkeit können. Und auch politisch, die “Ich kann nicht” Mentalität angehen. Durch die Workshops, durch die Übungen und durch den Tanz wollen wir den Kindern und Jugendlichen Fragen aufwerfen.

Hast du einen favorisierten Tanzstil?

 In letzter Zeit tanze ich am liebsten Crumb (HipHop). Darin geht es darum negative Gefühle umzuwandeln.  

 

Mit welchem Lied identifizierst du dich am meisten?

Mit allen ! Alle sind meine! Da ist eines das "Chaleco Traidora" heißt ein traditioneller Folk Song, den wir gecovered haben. Alle Lieder handeln vom selben Ort/Thema und sind autobiographisch. Alle repräsentieren mich.  

Welche Unterschiede gibt es zwischen den deutschen und argentinischen Jugendlichen und euren Lebensweisen?

Deutsche, Türken, Inder, Argentinier - Jugendliche von überall her haben wir hier kennen gelernt. Die arme Schicht in Deutschland ist wie die Mittelschicht in Argentinien. Trotzdem haben die Kinder hier viele Dinge und wertschätzen sie nicht. Es fällt ihnen schwer, dessen bewusst zu sein, was sie haben. Sie fokussieren sich darauf, was sie nicht haben. Das ist mein Eindruck. Am Anfang sind sie unsicher und haben ein bisschen Angst, aber das passiert jedem, immer. Dann öffnen sie sich. Wenn wir sie dann kennen lernen, entsteht eine Verbindung - dann ist es egal woher man kommt.  

Was ist das Wichtigste, was Ihr den Kindern und Jugendlichen mitgeben wollt?

Sich dessen bewusst sein und werden, was man will! Entscheidungen treffen! Auch im Workshop entscheiden, wohin du gehst. Sich etwas wünschen und das verwirklichen. Und dass das, was man in sich verwirklicht im nächsten positiv aufgenommen wird. Es ist sehr schwer, aber man muss es machen. Jeden Tag.   

 

 

 

Gesichter der KinderKulturKarawane:
Big  Mama Laboratorio

Projekt: Viktoria Schmid


 

 

Was bedeutet Tanzen für dich?

Das Leben selbst, das ganze Leben. Der Tanz ist wie das Leben. Im Leben hast du viele Dinge die du lösen und überwinden musst, Traumas, Dinge aus der Kindheit. Das selbe passiert beim Tanzen. Der Tanz verändert sich im Tänzer. Geht durch unterschiedliche Etappen, wie das Leben. Er verändert sich ständig. Und es ist auch ein Weg um Hindernise zu überwinden.





Was sind deine Pläne für die Zeit nach der Rückkehr in die Heimat?

(Lacht) Damit weiter machen. Kunst und Musikworkshops. In Salta, einer Provinz im Norden Argentiniens, mit dem Staat arbeite ich dort in diesem Projekt. Und weiter machen mit Big Mama Laboratorio, Shows nicht nur auf der Straßen, in Schulen, auch in Clubs. Ich glaube danach werden wir nach Chile gehen.

Mit Big Mama Laboratorio?

Big Mama Laboratorio ist so vielfältig, dass all das auf den Straßen, in Schulen, im Club, im Museum, auf einem Musik oder Tanzfestival statt finden kann. Das Projekt ist reich an verschiedenen Elementen. Todo Terrenos - wir können unsere Performance an allen Orten gestalten.

Was war der traurigste Moment in deinem Leben?

Als ich dachte, das hier wäre nicht das was ich machen sollte in meinem Leben. Es haben sich Türen geschlossen. Meine Klassen wurden leer, ich hatte kein Geld mehr um selbst Kurse zu besuchen. Ich überlegte an der Uni zu studieren. Was gut ist, wenn das dein Wunsch ist, aber ich merkte, dass das nicht mein Wunsch war. Ich hab es aber trotzdem ein Jahr lang gemacht, aus einem Gefühl der Verpflichtung heraus, ich war aber nicht glücklich dabei. Ich war sehr deprimiert, hab mich selbst verletzt. Aber als ich den tiefsten Punkt erreicht hatte, sagte ich mir – ich muss bei Null anfangen und die Situation ändern. Es war nur dieser Wunsch, der den Grundstein dafür gelegt hatte, dass ich wieder aufstand.  

Was ist momentan deine größte Herausforderung?

Meine größte Herausforderung im Moment ist, Big Mama Laboratorio um die Welt zu führen, von dem bekanntesten und größtem Ort bis hinzu den kleinsten und unbekanntesten, in die Sahara in ein kleines Dorf. Wer weiß, dort wo ich denke, dass die Botschaft Gutes bewirken kann. Ich habe das Gefühl damit bringe ich eine Botschaft mit. Mir kommt es so universell vor, dass ich mir vorstellen kann, dass es auf der ganzen Welt funktionieren könnte. Den Menschen etwas dazu geben.

Was war der glücklichste Moment in deinem Leben?

Es gab viele (lacht). Eigentlich kann ich keinen speziellen Moment nennen, aber der letzte Moment war, als ich die Mail von der KinderKulturKarawane bekommen hatte, dass wir nach Deutschland kommen können. Das erste Mal.. etwas, was ich mir schon lange gewünscht hatte..dass ich mit einem persönlichen Projekt auf Tour gehen konnte. Etwas das ausschließlich mit meiner Arbeit, mit meiner Suche zu tun hat. Mit allem. Das erste Mal dass ich so in die Welt rausgehe.



Meine letzte Frage, was bedeutet die KinderKulturKarawane für dich?

Ich kenn die KinderKinderKulturKarawane seit klein auf (lacht) Ich war das letzte Mal dabei, als ich 18 Jahre alt war. Und bin jetzt 28. Für mich wird es immer die erste Tür zur Welt sein. Die erste Tür, die mir zur Welt geöffnet wurde. Den wichtigsten Traum meines Lebens verwirklichen zu können.

Danke schön Laura!

Ich danke dir!


Interview, Dokumentation & Photographie: Viktoria Schmid





Wenn du vor einem großen Publikum stehen würdest und ihnen einen Ratschlag geben könntest, welcher wäre das?

Es ist schwierig, das weiß man. Ich meine, jede Person hat eine eigene Welt, einen eigenen Kopf, eigene Probleme. Aber wenn das Ziel klar ist und alle auf die selbe Sache hinarbeiten, wird man das Ziel oder die Sache schon irgendwie erreichen.