Projekte von Maiti Nepal


Transit Home Pashupatinagar

Der Grenzübergang Pashupatinagar liegt ganz im Osten Nepals an der Straße nach Darjeeling. Pashupatinagar ist ein kleines verschlafenes Grenzdorf. Auf den ersten Blick würde man nicht vermuten, dass gerade dieser Grenzübergang in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Transitrouten des Mädchenhandels geworden ist. Doch das Dorf liegt in Ilam, einer Gegend, die viele kleine Nebenstraßen besitzt und somit zahlreiche versteckte Grenzübergänge nach Indien bietet. Es gibt hier keine Dokumentationen und auch kaum ausführliche Kontrollen. Diese Abgelegenheit macht Pashupatinagar zu einem bevorzugten Übergang für Schlepper. Regelmäßig werden Mädchen aus vielen verschiedenen Teilen des Landes über Ilam nach Indien entführt. Deshalb eröffnete Maiti Nepal in Pashupatinagar ein Transit Home, um gemeinsam mit der Grenzpolizei organisiert gegen die Verbrechen vorzugehen. Die Rolle von Maiti Nepal in der Gegend, hat sich seitdem deutlich gewandelt. „Lange Zeit war Maiti Nepal dafür bekannt, dass wir verschleppte Mädchen aus den Bordellen befreien und zurückholen. Mittlerweile ist Maiti Nepal zu einem Anlaufpunkt für sämtliche Opfer sexueller Gewalt geworden. Fast jeden Tag kommen betroffene Frauen und berichten über ihre Schicksale. Wir versuchen zu helfen, wo wir nur können.“, erklärt Om Nath Dakal, der Leiter des Transit Homes.

Transit Home Biratnagar

Biratnagar liegt 541 km südöstlich von Kathmandu im Terai (südnepalesische Tiefebene), unmittelbar an der Grenze zu Indien. Die Stadt gehört neben Bhairawa, Birgunj und Karkabita zu den vier größten Grenzübergängen von Nepal nach Indien. Pro Tag passieren mehrere tausend Menschen die Grenze. Aufgrund der guten infrastrukturellen Anbindung zählt Biratnagar zu den Hauptrouten der Mädchenverschleppung. Außerdem ist in dieser Gegend die Alphabetisierungsrate sehr niedrig, viele Frauen sind arbeitslos und damit auf der Suche nach einer finanziellen Absicherung. Deshalb sind sie ein leichtes Ziel für Schlepper, die sie mit falschen Versprechungen nach Indien locken.

Grenzkontrollen am Beispiel von Thankot

Dem Prinzip der Grenzkontrollen folgend eröffnete Maiti Nepal auch in Thankot, am Rand des Kathmandutals, eine Kontrollstation. Thankot liegt 18 Kilometer außerhalb der Hauptstadt an einer der wichtigsten Ausgangsstraßen, die Kathmandu mit dem Süden des Landes und Indien verbindet. Nach Aussage von Subinspektor Suman Karki, dem verantwortlichen Leiter der Polizeistation Thankot, passieren pro Tag 15.000 bis 18.000 Menschen den strategisch bedeutsamen Kontrollpunkt. Das durchschnittliche Verkehrsaufkommen liegt bei 1.200 bis 1.300 Fahrzeugen pro Tag: 475 bis 525 Busse, 500 bis 550 LKW, der Rest PKW und Motorräder. „Aufgrund des enormen Verkehrs in und aus der Stadt, ist es gar nicht möglich, sämtliche Fahrzeuge zu kontrollieren“ erklärt der Polizeichef. „Wir sind Maiti Nepal sehr dankbar, dass sie uns bei unserer wichtigen Aufgabe unterstützen.“ Acht Mitarbeiter von Maiti Nepal kontrollieren täglich in zwei Schichten von 6 bis 21 Uhr den Verkehr. Das Kontrollpersonal wird alle sechs Monate ausgetauscht. Auf diese Weise lernen die Mitarbeiterinnen die unterschiedlichen Herausforderungen der einzelnen Stationen kennen, was zu einer Steigerung der Erfahrung und Motivation führt. Sobald eine Vermisstenmeldung im Hauptzentrum der Organisation eingeht, wird die Kontrollstation informiert. Liegen Fotos der Vermissten vor, werden diese am Kontrollpunkt ausgehängt. Dadurch konnten zahlreiche Mädchen rechtzeitig entdeckt und vor der Verschleppung gerettet werden.

Aufklärungskampagnen

Nur durch systematische Information und Aufklärung der Bevölkerung lässt sich verhindern, dass Mädchen und junge Frauen auf die falschen Versprechungen der Schlepper hereinfallen. Daher führt Maiti Nepal zusammen mit geschultem Personal, ehemals selbst betroffenen und befreiten Frauen, Schülern und Studenten, Journalisten, örtlichen Politikern sowie der Polizei regelmäßige Aufklärungskampagnen durch, in denen die Bevölkerung direkt angesprochen wird. Die Schwerpunkte der Informationsarbeit liegen in den Distrikten und Dörfern, aus denen in der Vergangenheit bereits wiederholt Verschleppungen gemeldet wurden.

In Absprache mit den örtlichen Behörden und Schulen werden große Demonstrationszüge organisiert. Mit Parolen und Liedern wird lautstark auf die Verschleppungsgefahr hingewiesen. In ausdrucksstarken Theaterstücken wird das Schicksal der Verschleppungsopfer von der Schauspielgruppe Maiti Nepals anschaulich nachgespielt. Die Theaterstücke sind besonders erfolgreich, da diese Art der Darstellung in den Dörfern sehr beliebt ist. Mit Vorträgen, speziell entwickelten Postern, Flugblättern und Broschüren in Comicform werden die Programme abgerundet.

 Immer wieder kommt es vor, dass Dorfbewohner zu den Mitarbeitern von Maiti Nepal kommen und den Verlust ihrer Töchter beklagen. Die Personalien des verschwundenen Mädchens werden dokumentiert und wenn vorhanden, ein Foto des Mädchens mitgenommen. Die Betroffenheit vieler Dorfbewohner beweist, dass trotz aller Aufklärung und Informationsarbeit immer noch große Teile der Bevölkerung keine Ahnung vom wahren Ausmaß und der Gefahr des Mädchenhandels haben. Die Arbeit von Maiti Nepal bleibt demnach von essentieller Bedeutung im Kampf gegen diese Verbrechen.



















| Zurück | Kontakt | Impressum |